Johann Abraham Schaaffhausen

* 22.06.1756 in Köln
† 13.01.1824 in Schlebusch

Geboren wurde Johann Abraham Anton Schaafhausen am 22.06.1756 in der Freien Reichsstadt Köln. Er war der Sohn des Kaufmanns und Ratsherren Johann Wolter Schaafhausen (1726-1786) und seiner Ehefrau Maria Knaben (1730-1815), die Tochter des Kölner Schöffen Johann Heinrich Knaben.

Zunächst erhielt Schaafhausen seine Ausbildung im väterlichen Betrieb. Bereits am 10.03.1777 erhielt der junge Mann das Kölner Bürgerrecht verliehen. Er beteiligte sich schon zu Lebzeiten des Vaters an einer Kölner Porzellan- und Fayence-Fabrik, die ab 1805 unter den Namen »Boisseree A. Schaafhausen« firmierte und bis zum Jahre 1822 betrieben wurde.

Nach dem Tode des Vaters im Jahre 1786 gliederte er dessen Geschäft in sein 1790 gegründetes Handelshaus ein. Neben Transport-, Speditions- und Immobilienwesen betrieb er auch schon Bankgeschäfte. Das Bankgeschäft nahm immer größeren Raum ein. Das notwendige Eigenkapital für die Bankgeschäfte erwirtschaftete er über seine Handelsgeschäfte. Als im Oktober 1794 die freie Reichsstadt Köln durch französische Revolutionstruppen besetzt wurde, führte die Auflösung alter Zunftstrukturen zu einem wirtschaftlichen Aufschwung. Von diesem konnte auch der junge Unternehmer profitieren.

Mit Beginn des neuen Jahrhunderts verlegte Schaafhausen seine wirtschaftliche Betätigung mehr und mehr vom Handel auf das Bankengeschäft. Das führte dazu, dass er im Jahre 1810 bereits der wichtigste Kölner Bankier wurde.

In der Folgezeit wurden Unternehmenskredite insbesondere an die umliegenden Textilunternehmen, wie beispielsweise Scheibler, Schoeller, Brügelmann oder Dilthey vermittelt wurden. Aber auch die rheinische Leder-, Zucker- und Papierfabriken unterstützte er mit Kapital. Seit den 1820er Jahren beteiligte sich das Bankhaus Schaafhausen auch an den in Entstehung befindlichen Schwer- und Maschinenindustrie im Aachener Becken und an der Saar. Er gehörte somit zu den ersten Bankiers überhaupt die Industriekredite vergaben und diese auch noch durch den Emissionshandel, d.h. der Ausgabe von Wertpapieren finanzierte.

Die rasante wirtschaftliche Entwicklung des Bankhauses zeichnet sich schon dadurch ab, dass sich das Kapital von 80.000 Talern im Jahre 1800 über 140.000 Taler im Jahre 1810 auf 555.000 Taler im Jahre 1825 erhöhte. Er gehörte zu den Bankiers, die als erste auch Kredite an die entstehenden Industrie- und Bergbauunternehmen gaben.

Als durch die Wiener Beschlüsse im Jahre 1815 die Entscheidung fiel, dass Köln zukünftig Teil des preußischen Staates sei, soll er entsetzt ausgerufen haben: »O jemine, da heiraten wir aber in eine arme Familie!«

Ein weiteres Standbein, das sich seit dem Jahre 1807 entwickelte, war der Immobilienmarkt. Hierbei konnte der Bankier insbesondere von den zahlreich veräußerten ehemaligen Kirchengrundstücken profitieren. Hier war sein erfolgreichstes Geschäft der Aufkauf von 46 Grundstücken zum Preis von 2 Millionen Talern im Jahre 1818. Der Kauf selbst erwies sich jedoch als so kompliziert, dass er zu Lebzeiten des Bankiers nicht mehr realisiert werden konnte. Auch die Spätfolgen waren erheblich. So musste sein Schwiegersohn Wilhelm Ludwig Deichmann in den 1840er Jahren die Zahlungsunfähigkeit des Hauses bekanntgeben. Durch die Unterstützung Abraham Oppenheimers, Gustav Mewesens (1815-1899) und anderer Geldgeber wurde das Bankhaus als erstes in Deutschland in eine Aktiengesellschaft umgewandelt.

Bereits frühzeitig bemühte sich der alternde Bankier die Geschäfte in jüngere Hände zu legen. So übergab er im Jahre 1816 die Geschäftsführung an seinen Schwiegersohn Joseph Ludwig Mertens. Im Jahre 1820 wurde er als Teilhaber der Bank aufgenommen. Im Jahre 1830 wurde auch sein zweiter Schwiegersohn Wilhelm Ludwig Deichmann Teilhaber des Bankhauses.

Schon früh übernahm der Kaufmann auch öffentliche Ämter in der Freien Reichsstadt Köln. Am 20.06.1782 wurde er zum Gebrechsherrn. D.h. er war einer von 13 Ratsmitgliedern, die nicht über die Gaffeln entsandt wurden. Diese Ämter wurden in der Regel von den angesehensten Persönlichkeiten der Stadt wahrgenommen. Im Jahre 1788 wurde er Fiskalrichter und später wurde er Kommissar des Kaufhauses Gürzenich.

Der Bankier gehörte seit dem Jahre 1792 auch dem Kölner Rat an. Er lehnte jedoch die Berufung zum Kölner Maire im Jahre 1800 durch den französischen Konsul Napoléon aus privaten und beruflichen Gründen ab.

Als Kaiser Napoléon während seiner Reise auch Köln besuchte, kam es auch zu einer Begegnung mit den Kölner Bankier. Hierbei wurde er – der Überlieferung nach – vom Kaiser angesprochen, ob es in Köln auch Millionäre gäbe. Schaafhausen antwortete »Ja, Sire, aber seit 1797 ist keiner mehr dazugekommen.« - »Sieh an – ein stolzer Deutscher!« antwortete der Kaiser daraufhin.

Er übernahm das Amt des Präsidenten des Handelsgerichts. Im Jahre 1811 wurde er Mitglied des Gemeinderats und im folgenden Jahr erfolgte seine Wahl in die Kölner Handelskammer. Diese Ämter nahm er bis zu seinem Tode wahr. Am 13.03.1816 wurde er zum Kommerzienrat ernannt und erhielt am 17.01.1822 den Roten Adlerorden III. Klasse verliehen.

Am 13.01.1794 erwarb der Kölner Kaufmann Abraham Schaafhausen den Gräflich-Salm-Dickschen Hof, der allgemein als Auehof bekannt ist, in der Kölner Trankgasse 25. Wenige Monate später am 12.06.1794 heiratete er zunächst Maria Giesen. Seine erste Frau entstammte einer Bad Honnefer Schifferfamilie. Doch das Familienglück dauerte nicht lange, da seine Ehefrau an den Folgen der Geburt von Tochter Sybille am 05.02.1797 in Köln starb. Die Tochter erlangte durch ihre innige Beziehung mit Adele Schopenhauer in der deutschen Literaturgeschichte Berühmtheit.

Am 19.04.1800 ging der spätere Bankier die Ehe mit Maria Theresia Lucie de Maes (1777-1867). Dieser Ehe entstammten weitere 7 Kinder des Unternehmers.

Der älteste Sohn Carl (1801-1836) war preußischer Leutnant im 4. Dragoner Regiment. Margarethe Auguste von Schaafhausen (1802-1890) ging die Ehe mit Josef von Groote (1791-1866) ein. Die Ehe blieb kinderlos. Nach dem Tode Schaafhausens erbte dieser das westlich Kölns gelegene Hofgut Kitschburg, dass dem Bankier nach dem Umbau als Sommerresidenz diente.

Ihr Bruder Theodor (1804-1883) war Rittergutsbesitzer zu Heydänischen während Johann (1807-1808) bereits im Säuglingsalter starb. Die Tochter Therese (1809-1885) heiratete den späteren rheinischen Regierungspräsidenten Heinrich von Wittgenstein (1797-1869).Das Paar hatte 12 Kinder.

Die jüngste Schwester Lilla heiratete Wilhelm Ludwig Deichmann. Aus dieser Ehe stammten 11 Kinder. Lilla studierte mit 60 Jahren als erste Frau an der Bonner Universität Augenheilkunde. Sie führte auch eine Star-Operation durch und leitete im deutsch-französischen Krieg von 1870/71 selbstständig ein Lazarett. Und das schon Jahrzehnte bevor Frauen offiziell ein Studium in Deutschland erlaubt war.

Seit dem Jahre 1817 gehörte den Kölner Unternehmer das Schloss Morsbroich in Schlebusch bei Leverkusen. Als Johann Abraham Schaafhausen im Alter von 67 Jahren am 13.01.1824 starb, wurde er auch in Schlebusch beigesetzt.


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