Christian Gottfried Heinrich Bandhauer

* 22.03.1790 in Roßlau
† 22.03.1837 in Roßlau

Christian Gottfried Heinrich Bandhauer wurde am 22.03.1790 als uneheliches Kind in Roßlau geboren. Seine Mutter Luise Graul heiratete später Heinrich Gottfried Bandhauer, einen Herzoglich Anhalt-Bernburgischen Amtmann in Hundeluft

Im Alter von 15 Jahren begann Bandhauer eine Ausbildung zum Zimmermann und trat am 09.05.1809 seine Wanderschaft als Geselle an. Diese führte ihn vorwiegend in zahlreiche kleinere Städte Süddeutschlands. Er lernte auf diese Weise auch Braunschweig, Kassel, Hamburg, Frankfurt/Main, Darmstadt, Stuttgart, Ulm Regensburg, München, Augsburg, Schaffhausen, Mainz sowie Wien, Basel und auch Straßburg kennen.

Vermutlich arbeitete Baumhauer bereits ab dem Jahre 1814 in Darmstadt, wo er auch bei dem Oberbaurat Georg Moller (1784-1852) Architektur studierte. Von 1816 bis 1818 fand er eine Anstellung als Lehrer an der Bauschule.

Der Einfluss seines Lehrers Moller und dessen Lehrers, dem Architekten Friedrich Weinbrenner (1766-1826), auf das Ästhetik- und Konstruktionsverständnis des angehenden Baukandidaten Bandhauer waren nicht zu verleugnen. Auch in den späteren Werken ist eine Ähnlichkeit mit Weinbrenner nicht zu verleugnen. Weitere Anregungen erhielt er durch ein Studium der baukünstlerischen und konstruktiv-technischen Veröffentlichungen vonJean-Nicolas Louis Durands (1760-1834) und David Gilly.

In Düsseldorf hat der junge Architekt Bandhauer im Jahre 1818 die Kavalleriekaserne in der Neustadt ausgeführt.

Am 19.04.1819 zog der junge Gottfried Bandhauer von Darmstadt nach Köthen. Im Jahre 1820 fand er bei Herzog Ferdinand Friedrich von Anhalt-Köthen zum Baurevisor für Kirchen- und Schulbauten ernannt. Er leitete sowohl die Arbeiten am Residenzschloss in Köthen und am Lustschloss in Geuz. Nachdem er den Bau des tonnengewölbten Spiegelsaal im Ludwigsbau des Schlosses abgeschlossen hatte, ernannte der Herzog ihn zum Bauinspekteur. Mit dieser Stellung wurde ihn die oberste und alleinige Leitung der herzöglichen Bauten übertragen. Dem Bauinspektor wurde ein jährliches Gehalt von 600 Reichstalern und zusätzlich wurden ihm zwei »schwere Rationen« gewährt. Es folgte im Jahre 1824 die Beförderung zum Baurat und zwei Jahre später zum Baudirektor am Hofe des Herzogs Ferdinand Friedrich.

Zu den von ihm erbauten Gebäuden gehörten auch die Erweiterungen des herzoglichen Schlosses durch den Ferdinandsbau und eine Reithalle. Er baute auch die Kirche in Gentsch und schuf manches landwirtschaftliche Gebäude.

Im Jahre 1825 erbaute der Architekt Bandhauer nach englischen Vorbildern eine Stahl-Hängebrücke bei Nienburg über die Saale. Die Brücke wurde am 06.09.1825 dem Verkehr übergeben. Wenige Monate nachdem die Brücke dem Verkehr übergeben wurde passierte am Nikolaustage desselben Jahres ein schweres Unglück. Die zur Stadt gelegene Hälfte der Hängebrücke stürzte ein. Ursache war wohl die Überlastung der statisch zu steif konstruierten Brücke durch unvorhergesehene Schwingungen. Die Resonanzkatastrophe erfolgte während eines Fackelzuges zu Ehren des Landesoberhaupts Herzog Ferdinand Friedrich. Zu diesem Anlass hatten sich zahlreiche Bürger auf derBrücke versammelt. Dieses Unglück kostete 90 Menschen das Leben und forderte über 100 Schwerverletzte.

Obwohl es Christian Gottfried Heinrich Bandhauer in der Folge zwar gelang, die Schuld für das Unglück an der Nienburger Stahl-Hängebrücke von sich zu weisen, blieb sein Ruf als Konstrukteur auch für die Zukunft runiniert.

Reste dieser Brücke wurden im Jahre 1827 durch Bandhauer beim Bau des klassizistischen Schafstalls in Nienburg-Grimschleben wiederverwendet. Dieser diente in den folgenden Jahren auch als Modell für die anhalt-köthener Schafzuchten im ukrainischen Askania Nova.

Im Jahre 1826 leitete Bandhauer in Rosslau, seiner Heimatstadt, den Bau des Brauhauses am Markt nachdem er in den Jahren 1822/23 schon die Pylonen auf dem Alten Friedhof erschaffen hatte.

Bandhauer entwarf nach der Konvertierung des Fürstenpaares zum katholischen Glauben das Köthener Kloster und Krankenhaus der Barmherzigen Brüder.

Zwischen 1826 und 1830 entstand die katholische Kirche St. Marien in Köthen nach dem Grundriss eines griechischen Kreuzes. Auch bei dieser Baustelle kam es zu einem schweren Zwischenfall. Das Baugerüst des nie vollendeten Glockenturmes stürzte ein und forderte 7 Menschenleben. Bandhauer wurde verhaftet und schließlich am 05.07.1830 folgte die fristlose Entlassung aus dem herzoglichen Dienste. Eine Verurteilung folgte, da es ihm in diesem Fall nicht gelungen war seine Unschuld zu beweisen.

Gottfried Bandhauer zog sich in seine Heimatstadt Roßlau zurück, wo er als wohlhabender aber auch gescholtener Bürger lebte.

Bandhauer entwickelte mit seinen Quadrathohlbauten einen universellen Bautyp, dessen Konstruktion ohne großen Aufwand realisierbar war. Von der Funktion waren diese Bauten jedoch vollkommen und auf Grund niedriger Baukosten auch wirtschaftlich. Die baukünstlerischen Aspekte entsprachen dem Zeitgeist. Er verstand es auf perfekte Weise Ästhetik und Funktionalität miteinander zu vereinen. Sein Motto »Nur das ist schön, was Zweck hat.« realisierte er stets erfolgreich.

Gottfried Bandhauer heiratete im Jahre 1828 Luise Friederike Mathiae. Das Paar hatte vier Kinder.

Bandhauer verstarb an seinem 47. Geburtstag am 22.03.1837. Er wurde zunächst auf dem Alten Friedhof in Roßlau beigesetzt. Sein Leichnam wurde, nachdem das Grab bei Bauarbeiten 1993 einstürzte, am 22.03.2002 in einem der von ihm erbauten Pylone überführt.

Bauwerke:

  • Kavalleriekaserne in Düsseldorf, 1818
  • Innenausbau des Kuppelsaals im Schloss Geuz, 1821
  • Thronsaal im Schloss Köthen, 1822
  • Friedhofsportal in Roßlau, 1822/23
  • Ferdinandsbau, der nördliche Schlossflügel, in Köthen, 1823-1828
  • Hängebrücke in Nienburg, 1824/25
  • Brauerei in Roßlau, 1826
  • Schafstall in Nienburg-Grimsleben, 1827
  • Katholische Kirche St. Marien in Köthen, 1828-1832
  • Umbau des Palais auf dem Wall in Köthen, 1828/29
  • Kloster der Barmherzigen Brüder in Köthen, 1829/32
  • Bürgerhaus Liebe, Roßlau, 1832
  • Remisenbau im äußeren Schlosshof in Köthen, 1833

Werke:

  • Drei Pläne von verschiedenen Baumeistern zu einem Baue dem Hospital zum heiligen Geist, mit dazu gehörigem Oekonomiehofe in Cöthen. Ein Beitrag zur bürgerlichen und Landbaukunst. Enthaltend: 4 Kupfer= und 8 Steindrucktafeln mit Erläuterungen und kritischen Bemerkungen über bequeme, gesunde, dauerhafte, feuersichere einfach-geschmackvolle und vorzüglich billige Ausführung bezweckende Anlagen, mehr durch Form und sachgemäß vereinfachte Constructionen, als durch Ersparungen zum Nachtheil einer soliden Bauart. Zum Nutzen für Gutsbesitzer, angehende Architekten und Bauhandwerker., Leipzig, 1826
  • Verhandlungen über die artistische Untersuchung des Baues der Hängebrücke über die Saale bei Mönchen-Nienburg. Bekanntgemacht auf Verlangen in öffentlichen Blättern von dem Baumeister dieser Brücke selbst, G. Bandhauer, Herzoglich Anhalt-Cöthenschem Baurathe. Hierbei ein Heft mit 4 Kupfertafeln und 3 Bogen Erläuterungen, in Gross-Querformat., Leipzig 1829
  • Bogenlinie des Gleichgewichts oder Theorie der Gewölbe und Kettenlinien., Leipzig 1831

Artikel:

  • Eine Abhandlung über die Nienburger Hängebrücke, in: Allgemeiner Anzeiger und Nationalzeitung der Deutschen, Gotha vor 1830
  • Baukunst in: Allgemeiner Anzeiger und Nationalzeitung der Deutschen, Gotha, Nr. 182, 8. Juli 1833
  • Über den Einfluß des Druckes der Mauer etc. auf die Druckrichtung im Fundamente der Pfeiler (o Teil 1 in: Allgemeiner Anzeiger und Nationalzeitung der Deutschen, Gotha, Nr. 213, 1833; Teil 2 in: Allgemeiner Anzeiger und Nationalzeitung der Deutschen, Gotha, Nr. 100, 1834)
  • Die beste und wohlfeilste Bauart der Scheunen und Magazine, oder Bericht über die landwirthschaftlichen Quadrat-Hohlbauten im Herzogthum Anhalt-Köthen; erläutert durch die Zeichnungen von derartigen Bauten auf den Herzogl. Domainen zur Sorge und zu Baasdorf., in: Allgemeine Bauzeitung mit Abbildungen für Architekten, Ingenieurs, Dekorateurs, Bauproffessionisten, Oekonomen, Bauunternehmer und Alle, die an den Fortschritten und Leistungen der neuesten Zeit in der Baukunst und den dahin einschlagenden Fächern Antheil nehmen. (Nr. 10 S. 75-79, Erster Jahrgang 1836; Nr. 11 S. 86-88, Erster Jahrgang 1836)

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