Napoléon Bonaparte
* 15.08.1769 in Ajaccio/Korsika
† 05.05.1821 in Longwood House auf der Insel St. Helena
Napoleon Bonaparte (geboren am 15. August 1769 in Ajaccio auf Korsika als Napoleone di Buonaparte; gestorben am 5. Mai 1821 in Longwood House auf St. Helena) war französischer General, von 1799 bis 1804 Erster Konsul der Französischen Republik und von 1804 bis 1814 sowie erneut 1815 als Napoleon I. Kaiser der Franzosen. Sein Aufstieg vom korsischen Provinzadel zum Herrscher über weite Teile Europas, seine Neuordnung von Staat und Recht und sein militärisches Scheitern haben die Geschichte des Kontinents nachhaltiger geprägt als das Wirken fast jeder anderen Einzelgestalt der Neuzeit. Bereits zu Lebzeiten und verstärkt nach seinem Tod verdichtete sich sein Nachleben zu einem Mythos, dessen Deutung bis heute zwischen den Polen einer verklärenden »légende dorée« und einer verurteilenden »légende noire« oszilliert.1 Die Zahl der über ihn erschienenen Publikationen wird auf mehr als 80.000 geschätzt.2
1. Herkunft, Kindheit und Ausbildung (1769–1785)
1.1 Korsika, Familie und der genuesisch-französische Kontext
Napoleone di Buonaparte wurde am 15. August 1769 in Ajaccio geboren, gut ein Jahr nachdem die Republik Genua ihre Rechte an Korsika im Vertrag von Versailles (1768) an Frankreich abgetreten hatte und französische Truppen den korsischen Unabhängigkeitskämpfer Pasquale Paoli 1769 in der Schlacht bei Ponte Novu besiegt hatten.3 Napoleon war somit einer der ersten Angehörigen seiner Familie, die als französische Untertanen geboren wurden – ein Umstand, der seine spätere, zwiespältige Identität zwischen korsischem Patriotismus und französischer Karriere prägte.4
Die Familie Buonaparte gehörte dem kleinen korsischen Landadel an und führte ihre Herkunft auf toskanische Vorfahren zurück. Napoleons Vater, Carlo Maria di Buonaparte (1746–1785), war Jurist und hatte sich zunächst der Unabhängigkeitsbewegung Paolis angeschlossen, arrangierte sich nach der französischen Machtübernahme jedoch mit den neuen Verhältnissen und erlangte 1771 die offizielle Anerkennung seines Adels durch die französische Krone.5 Diese Anerkennung war die Voraussetzung dafür, dass seine Söhne später königliche Militär- und Kirchenschulen besuchen konnten. Napoleons Mutter, Maria Letizia Ramolino (1750–1836), gebar dreizehn Kinder, von denen acht das Erwachsenenalter erreichten; ihre disziplinierte, resolute Art hat Napoleon selbst wiederholt als prägend hervorgehoben.6
1.2 Militärschulen Brienne und Paris
Auf Vermittlung des französischen Gouverneurs, des Comte de Marbeuf, erhielt der Vater ein königliches Stipendium für seine Söhne. Der neunjährige Napoleon kam Anfang 1779 zunächst kurz nach Autun, um Französisch zu lernen – seine Muttersprache war der korsische italienische Dialekt –, und wechselte im Mai 1779 an die Militärschule von Brienne-le-Château.7 Dort blieb er bis 1784. Zeitgenössische Zeugnisse und spätere Berichte zeichnen das Bild eines eher zurückgezogenen, wegen seines Akzents und seiner korsischen Herkunft verspotteten, aber fleißigen Schülers mit ausgeprägter Begabung für Mathematik und Geschichte.8
1784 wurde Napoleon an die renommierte École Militaire in Paris aufgenommen. Nach dem Tod seines Vaters 1785 – Carlo starb wahrscheinlich an einem Magenkarzinom, mutmaßlich derselben Erkrankung, der Napoleon später erliegen sollte – schloss er die Ausbildung im September 1785 in nur einem Jahr statt der üblichen zwei bis drei Jahre ab und wurde als Leutnant der Artillerie in das Regiment La Fère ausgemustert.9 Mit knapp sechzehn Jahren begann damit seine militärische Laufbahn.
2. Der junge Offizier und die Revolution (1785–1795)
2.1 Frühe Garnisonsjahre und das Verhältnis zu Korsika
Die ersten Jahre nach seiner Ausmusterung verbrachte der junge Leutnant überwiegend in den südfranzösischen Garnisonen Valence und Auxonne, unterbrochen von langen, teils eigenmächtig verlängerten Aufenthalten auf Korsika.10 In Auxonne stand er unter dem Einfluss des Artilleriegenerals Jean-Pierre du Teil, dessen Schule der beweglichen Artillerieführung Napoleons späteres Gefechtsdenken nachhaltig prägte.11 Zugleich las er in diesen Jahren intensiv Rousseau, Raynal und die Aufklärungsliteratur und verfasste eigene Schriften, in denen sich ein noch stark korsisch-patriotisch gefärbter Standpunkt zeigt.12
Der Ausbruch der Revolution 1789 eröffnete dem mittellosen Provinzoffizier ungeahnte Aufstiegschancen. Napoleon engagierte sich zunächst in der korsischen Lokalpolitik und suchte die Nähe Pasquale Paolis, der 1790 aus dem Exil zurückgekehrt war. Der Bruch mit Paoli, der zunehmend auf Britannien setzte und die radikale französische Revolution ablehnte, führte 1793 zum Zerwürfnis: Die Familie Buonaparte musste im Juni 1793 Korsika fluchtartig verlassen und ließ sich in Südfrankreich nieder.13 Damit war die korsische Phase seines Lebens endgültig beendet; aus dem korsischen Patrioten wurde ein französischer Revolutionsoffizier.
2.2 Toulon 1793
Die entscheidende Wende brachte die Belagerung von Toulon. Die südfranzösische Hafenstadt hatte sich im Zuge der föderalistischen Aufstände gegen den Nationalkonvent erhoben und ihren strategisch bedeutsamen Kriegshafen im August 1793 einer britisch-spanischen Koalitionsflotte unter Admiral Hood übergeben.14 Nachdem die republikanischen Belagerungstruppen unter zunächst glücklosen Befehlshabern nicht vorankamen, übernahm Napoleon als Artilleriekommandeur eine Schlüsselrolle. Sein Plan zielte darauf, durch die Einnahme der die Reede beherrschenden Forts die alliierte Flotte zum Rückzug zu zwingen. Die Belagerung, die vom 18. September bis zum 18. Dezember 1793 dauerte, endete mit der Erstürmung der entscheidenden Stellungen; Hood musste die Stadt räumen.15 Am 22. Dezember 1793 wurde der erst vierundzwanzigjährige Napoleon zum Brigadegeneral befördert – ein außergewöhnlich rascher Aufstieg, der ohne die revolutionsbedingte Ausdünnung des adligen Offizierskorps kaum denkbar gewesen wäre.16
2.3 Thermidor und Vendémiaire 1795
Napoleons enge Verbindung zu Augustin Robespierre, dem Bruder Maximilien Robespierres, wurde ihm nach dem Sturz der Jakobiner am 9. Thermidor (27. Juli 1794) gefährlich: Er wurde im August 1794 kurzzeitig unter Arrest gestellt, jedoch mangels belastender Beweise bald wieder freigelassen.17 Es folgte eine Phase der Unsicherheit und beruflichen Stagnation, in der er zeitweise ohne Verwendung war und eine Versetzung zur Infanterie in der Vendée ausschlug.
Die zweite entscheidende Gelegenheit bot sich im Oktober 1795. Als royalistisch beeinflusste Pariser Sektionen gegen den Nationalkonvent und die geplante neue Verfassung revoltierten, betraute Paul Barras Napoleon mit der Niederschlagung des Aufstands. Am 13. Vendémiaire des Jahres IV (5. Oktober 1795) ließ Napoleon den Aufstand mit konzentriertem Kartätschenfeuer zusammenschießen – die von Thomas Carlyle später geprägte Wendung vom »whiff of grapeshot« wurde sprichwörtlich.18 Der Erfolg machte ihn schlagartig zu einer nationalen Figur und ebnete den Weg zum Oberbefehl über die Italienarmee, den er fünf Monate später erhielt.19
3. Aufstieg zum General: Italien und Ägypten (1796–1799)
3.1 Erster Italienfeldzug und die Heirat mit Joséphine
Wenige Tage vor seinem Aufbruch nach Italien heiratete Napoleon Bonaparte am 9. März 1796 in Paris standesamtlich Joséphine de Beauharnais, die verwitwete Vicomtesse aus Martinique, deren erster Mann Alexandre de Beauharnais während der Terrorherrschaft hingerichtet worden war.20 Die Verbindung war für den gesellschaftlich noch wenig etablierten General ein Prestigegewinn; das Verhältnis der Eheleute war jedoch von Beginn an spannungsreich und von Joséphines frühen Untreuen belastet.21
Am 2. März 1796 hatte das Direktorium Bonaparte den Oberbefehl über die Italienarmee übertragen.22 Mit einer schlecht ausgerüsteten, unterversorgten Streitmacht von rund 40.000 Mann eröffnete er im April 1796 einen Feldzug, der binnen eines Jahres zu einer der bemerkenswertesten militärischen Leistungen der Epoche werden sollte. Durch rasche Trennung der gegnerischen Kräfte zwang er zunächst das Königreich Sardinien-Piemont zum Waffenstillstand und wandte sich dann gegen die Österreicher. Die Siege bei Lodi (10. Mai 1796), Castiglione (5. August 1796), Arcole (15.–17. November 1796) und Rivoli (14.–15. Januar 1797) sowie die Kapitulation der Festung Mantua am 2. Februar 1797 brachen die österreichische Stellung in Norditalien.23
Bonaparte agierte dabei zunehmend eigenmächtig: Den Präliminarfrieden von Leoben (18. April 1797) und schließlich den Frieden von Campo Formio (18. Oktober 1797) handelte er weitgehend selbstständig und teils gegen die Absichten des Direktoriums aus.24 Österreich trat die österreichischen Niederlande an Frankreich ab und erkannte die von Bonaparte geschaffene Cisalpinische Republik an; hinsichtlich des linken Rheinufers erkannte Kaiser Franz II. die französischen Ansprüche in geheimen Zusatzartikeln grundsätzlich an, während die endgültige reichsrechtliche Regelung erst später – insbesondere im Frieden von Lunéville 1801 – erfolgte.25 Die alte Republik Venedig wurde geopfert und zwischen Frankreich und Österreich aufgeteilt – ein Vorgang, der Bonaparte den Vorwurf eintrug, eine jahrhundertealte Republik kaltblütig als diplomatische Verfügungsmasse behandelt zu haben.26 Der Feldzug etablierte nicht nur seinen militärischen Ruf, sondern auch ein politisches Selbstbewusstsein, das ihn weit über die Rolle eines bloßen Militärbefehlshabers hinaustreten ließ.
3.2 Die ägyptische Expedition als Wissenschaftsunternehmen (1798–1799)
Nach dem Sieg im Ersten Koalitionskrieg blieb allein Großbritannien im Krieg mit Frankreich. Da eine direkte Invasion der Insel aussichtslos schien, setzte Bonaparte einen Vorstoß nach Ägypten durch, der die britische Verbindung nach Indien durchschneiden und Frankreich eine Machtbasis im östlichen Mittelmeer sichern sollte.27 Das Unternehmen war jedoch von Anfang an mehr als ein Feldzug: Bonaparte ließ die Armée d'Orient von einer Commission des sciences et des arts mit etwa 160 Gelehrten, Ingenieuren, Naturforschern, Zeichnern und Technikern – den sogenannten savants – begleiten, koordiniert vom Mathematiker Gaspard Monge.28
Militärisch verlief die Expedition zwiespältig. Zwar gelang nach der Schlacht bei den Pyramiden (21. Juli 1798) die Einnahme Kairos, doch die Vernichtung der französischen Flotte durch Nelson in der Seeschlacht bei Abukir (1.–2. August 1798) schnitt das Expeditionsheer vom Nachschub ab.29 Der anschließende Vorstoß nach Syrien im Frühjahr 1799 – begleitet von der Einnahme Jaffas und ihren Schattenseiten (dazu Abschnitt 3.3) – scheiterte schließlich vor der Festung Akkon. Im August 1799 verließ Bonaparte sein Heer heimlich und kehrte nach Frankreich zurück, um die dortige politische Krise für sich zu nutzen – ein Schritt, der ihm bis heute den Vorwurf einträgt, seine Soldaten im Stich gelassen zu haben.30
Von bleibender Bedeutung war jedoch die wissenschaftliche Dimension. Bereits im August 1798 gründete Bonaparte in Kairo nach dem Vorbild des Institut de France das Institut d'Égypte mit Bibliothek, Laboratorien und Werkstätten.31 Die savants dokumentierten Geographie, Altertümer, Flora, Fauna und Gesellschaft des Landes systematisch; die Ergebnisse erschienen später in dem monumentalen Tafelwerk Description de l'Égypte, dessen erste Ausgabe zwischen 1809 und 1822 herauskam; eine anschließend veröffentlichte Neuausgabe (Édition Panckoucke) führte die Publikationsgeschichte bis in die späten 1820er-Jahre fort. Das Werk galt über Jahrzehnte als Standardwerk.32 Die 1799 bei Rosetta entdeckte dreisprachige Stele wurde zur Grundlage der späteren Entzifferung der Hieroglyphen durch Champollion (1822) und damit zum Ausgangspunkt der modernen Ägyptologie.33
Diese wissenschaftliche Leistung ist allerdings nicht interesselos zu verstehen. Die neuere Forschung betont die Doppelnatur des Unternehmens: Der Wissenserwerb stand zugleich im Dienst kolonialer Herrschaft und imperialer Selbstinszenierung – »le savoir au service du pouvoir«, das Wissen im Dienst der Macht.34 Der Rosetta-Stein selbst gelangte nach der französischen Kapitulation 1801 als britische Kriegsbeute ins Britische Museum, wo er sich bis heute befindet.35
3.3 Das Massaker von Jaffa (1799)
Die dunkelste Episode des Syrienfeldzugs war die Einnahme der Hafenstadt Jaffa. Nach kurzer Belagerung erstürmten die französischen Truppen die Stadt am 7. März 1799; es folgten Plünderung, Vergewaltigungen und die wahllose Tötung zahlreicher Einwohner.36 Vorausgegangen war, dass die Verteidiger Bonapartes Parlamentäre, die zur Übergabe aufgefordert hatten, verstümmelt und getötet hatten – ein Umstand, den die französische Seite später zur Rechtfertigung anführte.37
Der eigentliche Skandal betraf jedoch die Kriegsgefangenen. Ein großer Teil der osmanischen Besatzung – überwiegend albanische und nordafrikanische Söldner – hatte sich in befestigte Gebäude zurückgezogen und ergab sich nur gegen die von Bonapartes Adjutanten Eugène de Beauharnais und Croisier zugesagte Schonung des Lebens. Bonaparte erkannte diese eigenmächtige Zusage nicht an: Da er das Heer weder ausreichend verpflegen noch die Gefangenen sicher abtransportieren konnte und ein erneutes Kämpfen der Freigelassenen fürchtete, ließ er die Gefangenen zwischen dem 7. und 10. März 1799 in Gruppen an den Strand führen und dort erschießen oder mit dem Bajonett töten. Die Zahl der Opfer wird in der Forschung auf etwa 2.400 bis über 4.000 beziffert; die Spanne ergibt sich aus widersprüchlichen zeitgenössischen Angaben.38 Der Vorgang gilt als eine der schwersten Verfehlungen von Bonapartes militärischer Laufbahn und wird in der neueren Forschung überwiegend als Kriegsverbrechen eingeordnet, auch wenn zeitgenössische Verteidiger auf die militärische Zwangslage verwiesen.
Eng mit Jaffa verbunden ist eine zweite, quellenkritisch bis heute ungeklärte Episode: der Umgang mit den eigenen Pestkranken. Nach dem Ausbruch der Beulenpest unter den französischen Truppen soll Bonaparte während des Rückzugs im Mai 1799 dem Chefarzt der Expedition, René-Nicolas Desgenettes, vorgeschlagen haben, den nicht transportfähigen Pestkranken eine tödliche Dosis Opium zu verabreichen, um sie nicht den heranrückenden Osmanen zu überlassen. Desgenettes soll dies unter Berufung auf seinen ärztlichen Eid verweigert haben. Ob dieser Befehl bzw. Vorschlag tatsächlich erging, ist in den Quellen umstritten: Die zeitgenössischen Zeugnisse widersprechen einander, ein dokumentarischer Beweis fehlt, und einzelne Zeugen bestreiten den Vorgang gänzlich.39 Der Vorgang ist in mehreren späteren Zeugnissen überliefert, bleibt jedoch quellenkritisch umstritten. Die britische Propaganda griff das Gerücht einer Vergiftung der eigenen Soldaten begierig auf. Zur propagandistischen Gegeninszenierung ließ Bonaparte von Antoine-Jean Gros das 1804 im Salon ausgestellte monumentale Gemälde Bonaparte visitant les pestiférés de Jaffa schaffen, das ihn heroisch beim Berühren eines Pestkranken zeigt; es gilt als ein Musterbeispiel gezielter napoleonischer Bildpropaganda (vgl. Abschnitt 11.3).39
4. Konsulat (1799–1804)
4.1 Der Staatsstreich des 18. Brumaire
Nach seiner Rückkehr aus Ägypten fand Bonaparte ein politisch zerrüttetes Frankreich vor, in dem das Direktorium weithin diskreditiert war. Gemeinsam mit dem Direktor Emmanuel Joseph Sieyès, seinem Bruder Lucien Bonaparte (Präsident des Rats der Fünfhundert), Talleyrand und weiteren Verbündeten stürzte er am 18./19. Brumaire des Jahres VIII (9./10. November 1799) das Direktorium.40 Der zunächst als parlamentarischer Vorgang inszenierte Umsturz drohte im Rat der Fünfhundert zu scheitern und wurde erst durch das Eingreifen des Militärs entschieden – ein Detail, das die spätere heroisierende Darstellung verdeckte.41 Die Verfassung des Jahres VIII installierte formal drei Konsuln, konzentrierte die Macht jedoch beim Ersten Konsul Bonaparte. Die meisten Historiker datieren mit dem 18. Brumaire das Ende der Französischen Revolution.42
4.2 Das zivile Reformwerk
Die Jahre des Konsulats waren die schöpferische Phase von Napoleons Herrschaft; ein Großteil seines bleibenden Zivilwerks wurde hier begonnen oder vollendet.43 Zu den prägenden Neuerungen zählten:
- die Gründung der Bank von Frankreich (18. Januar 1800) und die Währungsstabilisierung mit dem franc germinal (1803);
- die Neuordnung der Verwaltung durch das Präfektursystem (1800), das Frankreich bis heute administrativ prägt;
- das Konkordat mit Papst Pius VII. (unterzeichnet 1801, verkündet 1802), das den Konflikt mit der katholischen Kirche beilegte, ohne die revolutionären Errungenschaften (Nationalgüterverkauf, Religionsfreiheit) preiszugeben;
- die Kodifikation des Zivilrechts im Code civil des Français (promulgiert am 21. März 1804), der später sogenannte Code Napoléon, der zu einem der einflussreichsten Rechtswerke der Neuzeit wurde und weit über Frankreich hinaus ausstrahlte.44
Diese Reformen sicherten wesentliche Ergebnisse der Revolution – Gleichheit vor dem Gesetz, Eigentumsordnung, Laisierung des Zivilstands – dauerhaft ab. Zugleich verengte sich der Charakter der Herrschaft zusehends autoritär: Die Pressefreiheit wurde bereits im Januar 1800 drastisch beschnitten, und ein Plebiszit machte Bonaparte 1802 zum Konsul auf Lebenszeit.45
Ein dunkler Gegenpol zum Fortschrittsanspruch war Napoleons koloniale Sklavereipolitik: 1802 führte sie zur Aufrechterhaltung beziehungsweise Wiederherstellung der Sklaverei in verschiedenen französischen Kolonien, wobei die rechtliche Umsetzung territorial unterschiedlich ausfiel. Der zur Rückeroberung Saint-Domingues (Haiti) entsandte Feldzug unter Napoleons Schwager Leclerc scheiterte; Haiti erklärte 1804 seine Unabhängigkeit. Dieser Komplex wird gesondert in Abschnitt 11.4 behandelt.46
4.3 Marengo, Lunéville und der Frieden von Amiens
Militärisch festigte Bonaparte seine Stellung durch den – knapp und teils glücklich errungenen – Sieg über Österreich bei Marengo (14. Juni 1800).47 Der Frieden von Lunéville mit Österreich (9. Februar 1801) und schließlich der Frieden von Amiens mit Großbritannien (25. März 1802) beendeten vorübergehend den Kriegszustand und brachten Frankreich einen kurzen, europaweit gefeierten Frieden.48 Der Ausgleich war jedoch brüchig: Handelsrivalität, Maltafrage und die fortgesetzte französische Expansion führten bereits im Mai 1803 zum erneuten Kriegsausbruch mit Großbritannien.49
4.4 Die Affäre um den Herzog von Enghien
Vor dem Hintergrund royalistischer Verschwörungen (Cadoudal-Pichegru-Komplott) ließ Bonaparte im März 1804 ein Exempel statuieren. Louis Antoine de Bourbon, Herzog von Enghien, der im badischen Ettenheim im Exil lebte, wurde in einem Bruch neutralen Territoriums am 15. März 1804 auf badischem Boden entführt, nach Frankreich verschleppt und nach einem summarischen Militärprozess am 21. März 1804 im Schlossgraben von Vincennes erschossen.50 Konkrete Beweise für eine Beteiligung des Herzogs an den Anschlagsplänen lagen nicht vor. Die Hinrichtung – vollzogen am selben Tag, an dem der Code civil verkündet wurde – löste in ganz Europa Entsetzen aus und trug wesentlich zur Abkühlung des Verhältnisses zu Zar Alexander I. bei.51 Talleyrand wird die zynische Bewertung zugeschrieben, es sei »schlimmer als ein Verbrechen, ein Fehler« gewesen – eine Zuschreibung, die allerdings quellenkritisch unsicher ist.52
5. Das Kaiserreich auf dem Höhepunkt (1804–1807)
5.1 Die Kaiserkrönung
Vor dem Hintergrund royalistischer Attentatspläne, die die Frage der Nachfolge dringlich machten, wandelte der Senat das Konsulat in ein erbliches Kaisertum um. Am 2. Dezember 1804 wurde Napoleon in der Kathedrale Notre-Dame de Paris in Anwesenheit Papst Pius' VII. zum »Kaiser der Franzosen« gekrönt.53 Der vielzitierte Umstand, dass er sich die Krone selbst aufsetzte, war weniger spontaner Affront gegen den Papst als sorgfältig inszenierte Symbolik: Napoleon verstand sich nicht als Herrscher von Gottes Gnaden, sondern als durch Volk und eigene Leistung legitimierter Souverän.54 Ein Plebiszit bestätigte die Erblichkeit der Kaiserwürde mit großer Mehrheit – ein Vorgang, dessen Abstimmungszahlen die Forschung allerdings als manipuliert einschätzt.55 Der Titel »Kaiser der Franzosen« (statt »Kaiser von Frankreich«) behielt bewusst den revolutionären Bezug auf die Nation bei.
5.2 Austerlitz, das Ende des Alten Reiches und der Rheinbund
Die Bildung der Dritten Koalition (Großbritannien, Österreich, Russland) führte 1805 zum Krieg. Nach der Einkesselung eines österreichischen Heeres bei Ulm (Oktober 1805) errang Napoleon am 2. Dezember 1805 – dem ersten Jahrestag seiner Krönung – bei Austerlitz in der »Dreikaiserschlacht« seinen wohl glänzendsten Sieg über die vereinigten Russen und Österreicher.56 Die bereits am 21. Oktober 1805 – rund sechs Wochen zuvor – erlittene vernichtende Niederlage der französisch-spanischen Flotte gegen Nelson bei Trafalgar hatte zwar jede Invasion Großbritanniens dauerhaft ausgeschlossen, doch auf dem Kontinent brachte Austerlitz die Entscheidung.57 Im Frieden von Preßburg (26. Dezember 1805) musste Österreich erhebliche Gebietsverluste hinnehmen, darunter Tirol und Vorarlberg (an Bayern) sowie seine venezianischen Besitzungen (an das Königreich Italien).
Die Folgen für die deutsche Staatenwelt waren tiefgreifend. Am 12. Juli 1806 gründete Napoleon den Rheinbund, dem zunächst sechzehn süd- und westdeutsche Staaten beitraten; seine Mitglieder traten aus dem Reichsverband aus und verpflichteten sich zur militärischen Gefolgschaft.58 Unter dem Druck eines französischen Ultimatums legte Kaiser Franz II. am 6. August 1806 die römisch-deutsche Kaiserkrone nieder – damit endete das Heilige Römische Reich nach mehr als acht Jahrhunderten.59
5.3 Jena und Auerstedt, die Kontinentalsperre
Das lange neutrale Preußen sah sich durch die französische Machtausdehnung schließlich zum Krieg gedrängt und erklärte im Oktober 1806 den Krieg. In der Doppelschlacht bei Jena und Auerstedt am 14. Oktober 1806 wurde die preußische Armee vernichtend geschlagen; der einst gefürchtete friderizianische Militärstaat brach binnen Wochen zusammen.60 Napoleon zog am 27. Oktober 1806 in Berlin ein. Von dort erließ er am 21. November 1806 das Berliner Dekret, das die Kontinentalsperre begründete: ein Handelsembargo, das ganz Kontinentaleuropa vom Handel mit Großbritannien abschneiden und dessen Wirtschaft ruinieren sollte.61 Die Kontinentalsperre wurde zum strategischen Leitmotiv der folgenden Jahre – und zugleich zu einer der Hauptursachen für die späteren Konflikte mit Spanien und Russland, da ihre Durchsetzung immer neue Interventionen erzwang.62
5.4 Eylau, Friedland und der Friede von Tilsit
Der Krieg verlagerte sich nach Osten gegen Russland. Die außerordentlich blutige, unentschiedene Winterschlacht bei Preußisch Eylau (7./8. Februar 1807) zeigte erstmals die Grenzen der napoleonischen Kriegführung.63 Erst der Sieg bei Friedland (14. Juni 1807) zwang Zar Alexander I. an den Verhandlungstisch. In den Verträgen von Tilsit (7./9. Juli 1807) teilten Napoleon und Alexander I. Europa faktisch in Interessensphären: Preußen verlor die Hälfte seines Territoriums und wurde zur Mittelmacht herabgestuft, das Herzogtum Warschau wurde als französischer Satellitenstaat auf ehemals preußisch-polnischem Gebiet errichtet, und Russland trat der Kontinentalsperre bei.64 Mit Tilsit erreichte Napoleons Kontinentalherrschaft ihren äußeren Höhepunkt.
6. Das napoleonische Europa (1807–1811)
6.1 Herrschaftssystem und Familienpolitik
Auf dem Höhepunkt seiner Macht beherrschte Napoleon I. direkt oder mittelbar den größten Teil Kontinentaleuropas. Sein Herrschaftssystem beruhte auf drei Ringen: dem stetig erweiterten französischen Kaiserreich mit seinen annektierten Departements, einem Kranz von Satellitenstaaten und einem äußeren Gürtel erzwungener Verbündeter.65 Zur Sicherung dieses Systems setzte Napoleon systematisch Angehörige seiner Familie als Herrscher ein: Sein Bruder Joseph wurde König von Neapel (1806), später von Spanien (1808); Louis König von Holland (1806); Jérôme König des neugeschaffenen Königreichs Westphalen (1807); sein Schwager Murat übernahm 1808 Neapel.66 Diese »Familienmonarchie« band das eroberte Europa dynastisch an Paris, erwies sich jedoch als brüchig, da die eingesetzten Herrscher teils eigene Interessen verfolgten: So widersetzte sich Louis in Holland der rücksichtslosen Durchsetzung der Kontinentalsperre zulasten seines Königreichs, wurde daraufhin 1810 von Napoleon zur Abdankung gedrängt, und Holland wurde unmittelbar dem französischen Kaiserreich einverleibt.67
Im Überblick verteilte Napoleon Kronen, Fürstentümer und Titel an fast alle seine Geschwister und Schwäger und schuf so ein europaweites dynastisches Netzwerk (die ausführlichen Einzeldarstellungen folgen gesondert):
- Joseph Bonaparte (1768–1844), der ältere Bruder: König von Neapel (1806–1808), danach König von Spanien (1808–1813).
- Lucien Bonaparte (1775–1840): als Präsident des Rats der Fünfhundert eine Schlüsselfigur des Staatsstreichs von 1799; nach dem Zerwürfnis mit Napoleon zog er 1804 nach Rom und wurde 1814 von Papst Pius VII. zum Fürsten von Canino erhoben.
- Elisa Bonaparte (1777–1820): Fürstin von Lucca und Piombino (1805), Großherzogin der Toskana (1809) – die politisch eigenständigste der Schwestern.
- Louis Bonaparte (1778–1846): König von Holland (1806–1810); Vater des späteren Napoleon III.
- Pauline Bonaparte (1780–1825): Herzogin von Guastalla (1806), durch Heirat Fürstin Borghese; ohne eigene Regierungsfunktion, aber gesellschaftlich einflussreich.
- Caroline Bonaparte (1782–1839): durch ihre Ehe mit Joachim Murat Großherzogin von Berg (1806) und Königin von Neapel (1808–1815).
- Jérôme Bonaparte (1784–1860), der jüngste Bruder: König des neugeschaffenen Königreichs Westphalen (1807–1813).
Hinzu kamen angeheiratete und adoptierte Verbindungen, etwa Napoleons Stiefkinder Eugène und Hortense de Beauharnais sowie die Adoptivtochter Stéphanie de Beauharnais (ab 1811 Großherzogin von Baden). Das System sollte Loyalität durch Blutsbande sichern, litt aber unter den Spannungen zwischen Napoleons Zentralinteresse und den Eigeninteressen der Familienangehörigen, die sich zunehmend als Landesherren und nicht als bloße Statthalter verstanden.68
Zugleich verschärfte sich im Inneren der autoritäre Charakter der Herrschaft: Die Pressezensur wurde ausgebaut, das Theaterdekret von 1807 beschränkte die Pariser Bühnen, ein neuer Reichsadel (noblesse impériale) wurde geschaffen, und der Personenkult um den Kaiser wuchs. Als Talleyrand dem Expansionskurs zunehmend kritisch gegenüberstand, schied er 1807 aus dem Amt des Außenministers aus (er wurde mit dem repräsentativen Titel eines Vizegroßwahlamtsträgers, Vice-Grand Électeur, abgefunden); in den folgenden Jahren wandelte er sich zum heimlichen Gegenspieler Napoleons.69
6.2 Das Herzogtum Warschau und die polnische Frage
Für die Polen verband sich mit Napoleon die Hoffnung auf Wiederherstellung ihres 1795 von den Teilungsmächten ausgelöschten Staates. Das 1807 in Tilsit geschaffene Herzogtum Warschau schien diese Hoffnung teilweise zu erfüllen; polnische Truppen unter Fürst Józef Poniatowski und die polnischen Legionen kämpften mit großem Einsatz auf französischer Seite.70 Die polnische Historiographie beurteilt Napoleons Politik bis heute ambivalent. Kritisch gewertet wird, dass das Herzogtum ein außenpolitisch abhängiges Gebilde ohne eigenes Außenministerium war, militärisch fest an Frankreich gebunden und vorrangig napoleonischen Interessen dienend.71 Bereits zuvor hatte Napoleon polnische Legionäre zur Niederschlagung des Sklavenaufstands nach Saint-Domingue entsandt, wo Tausende umkamen – ein Vorgang, der in der polnischen Erinnerungskultur als Zeichen der Instrumentalisierung gilt.72 Die Deutung schwankt daher bis heute zwischen Napoleon als erhofftem Befreier und als kühlem Machtpolitiker, der die »polnische Karte« nach Bedarf ausspielte.73
6.3 Spanien ab 1808 – der »spanische Ulkus«
Aus dem Versuch, Portugal in die Kontinentalsperre zu zwingen, entwickelte sich Napoleons folgenschwerste Fehlkalkulation. Nach der Besetzung Portugals (1807) nutzte er 1808 den Thronstreit im spanischen Königshaus, um Karl IV. und dessen Sohn Ferdinand VII. bei den »Abdankungen von Bayonne« (5.–7. Mai 1808) zum Thronverzicht zu bewegen, und setzte seinen Bruder Joseph als König ein.74 Der Volksaufstand in Madrid am 2. Mai 1808 (Dos de Mayo) und seine blutige Niederschlagung entzündeten einen landesweiten Widerstand. Die Kapitulation eines französischen Heeres bei Bailén (Juli 1808) zerstörte erstmals den Nimbus französischer Unbesiegbarkeit.75
Der Halbinselkrieg (spanisch Guerra de la Independencia, britisch Peninsular War) band bis 1814 dauerhaft große französische Kräfte. Das Zusammenwirken von regulärer britischer Armee unter Wellington, spanisch-portugiesischen Truppen und einem allgegenwärtigen Kleinkrieg (guerrilla) machte Spanien zum »spanischen Ulkus« (ulcère espagnol), einer schwärenden Wunde, die Napoleons Ressourcen unaufhörlich aufzehrte.76 Francisco de Goya hielt die Grausamkeiten dieses Krieges in seiner Radierfolge Los Desastres de la Guerra fest.77
6.4 Wagram, die dynastische Wende
Österreich nutzte Napoleons Bindung in Spanien zu einem neuen Krieg (Fünfte Koalition, 1809). Nach dem für Napoleon ungewöhnlichen Rückschlag bei Aspern-Eßling (Mai 1809) errang er bei Wagram (5./6. Juli 1809) einen teuer erkauften Sieg; der Friede von Schönbrunn beschnitt Österreich erneut territorial.78 Der Feldzug zeigte, dass Napoleons Gegner militärisch aufgeholt hatten und seine Siege zunehmend blutiger und knapper ausfielen.
Zugleich vollzog Napoleon nun die dynastische Wende. Da seine Ehe mit Joséphine kinderlos geblieben war und die Sicherung der Dynastie einen Erben verlangte, betrieb er die Auflösung der Verbindung, die in mehreren rechtlich getrennten Schritten erfolgte: Die zivile Ehe wurde durch beiderseitige Erklärung am 15. Dezember 1809 in den Tuilerien aufgelöst und durch einen Sénatus-consulte am 16. Dezember 1809 bestätigt; die kirchliche Nichtigkeitserklärung sprach anschließend das Pariser Diözesangericht (Officialité) im Januar 1810 aus – ein Verfahren, dessen Rechtmäßigkeit schon von Zeitgenossen, auch vom Papst, angezweifelt wurde.79 Am 1./2. April 1810 heiratete er die Habsburgerin Marie-Louise, Tochter Kaiser Franz' I. von Österreich. Die Verbindung mit einem der ältesten europäischen Herrscherhäuser sollte seine Dynastie legitimieren und das Bündnis mit Österreich festigen.80 Am 20. März 1811 wurde der ersehnte Thronfolger geboren, Napoleon Franz, der bei der Geburt den Titel »König von Rom« erhielt.81 Auf dem Gipfel seiner Macht schien Napoleons Werk damit auch dynastisch gesichert – doch schon im folgenden Jahr begann mit dem Russlandfeldzug der Absturz.
Im Überblick lässt sich Napoleons familiäre Nachkommenschaft wie folgt zusammenfassen (die ausführlichen Personenartikel folgen gesondert): Aus seinen beiden Ehen ging nur ein legitimes Kind hervor – Napoleon Franz (1811–1832), »König von Rom«, später als Herzog von Reichstadt in Österreich lebend, der als Napoleon II. gilt, aber nie tatsächlich regierte. Aus der ersten Ehe mit Joséphine de Beauharnais stammten keine gemeinsamen Kinder; Napoleon nahm jedoch deren Kinder aus erster Ehe, Eugène und Hortense de Beauharnais, als Stiefkinder an (Eugène wurde Vizekönig von Italien, Hortense durch Heirat mit Louis Bonaparte Königin von Holland und Mutter des späteren Napoleon III.). Belegt sind ferner mindestens zwei außereheliche Söhne: Charles Léon (1806–1881, »Comte Léon«, Sohn der Éléonore Denuelle) und Alexandre Walewski (1810–1868, Sohn der polnischen Gräfin Maria Walewska; später französischer Außenminister). Die Geburt Léons 1806 überzeugte Napoleon, dass die Kinderlosigkeit seiner Ehe mit Joséphine nicht auf eigene Unfruchtbarkeit zurückging – ein Umstand, der seinen Entschluss zur Trennung und zur dynastischen Wiederverheiratung wesentlich beeinflusste. Weitere Vaterschaften (etwa Émilie Pellapra) werden vermutet, sind aber quellenkritisch unsicher.82
7. Der Wendepunkt: Russland 1812
7.1 Vorgeschichte und Bruch mit Alexander I.
Das in Tilsit geschlossene Bündnis zwischen Napoleon und Alexander I. war von Beginn an eine Zweckehe. Es zerbrach an mehreren Konfliktlinien: an Russlands wachsendem wirtschaftlichem Schaden durch die Kontinentalsperre, gegen die es sich Ende 1810 faktisch auflehnte; an der polnischen Frage, da das Herzogtum Warschau in St. Petersburg als Bedrohung galt; und an Napoleons rücksichtsloser Machtpolitik in Deutschland, etwa der Annexion des Herzogtums Oldenburg.83 Beide Seiten rüsteten seit 1811. Napoleon stellte für den Krieg gegen Russland das größte Heer auf, das Europa bis dahin gesehen hatte. Einschließlich Reserven sowie Etappen-, Nachschub- und später nachrückender Verbände umfasste das Gesamtaufgebot ungefähr 600.000 Mann oder mehr (die Zählungen reichen bis etwa 680.000). Davon zu unterscheiden ist die eigentliche Invasionsarmee: Zu Beginn des Feldzugs standen im Juni 1812 rund 440.000 Mann am Grenzfluss Njemen bereit, von denen in den ersten Übergangstagen etwa 420.000 den Fluss überschritten. Die Grande Armée war in ungewöhnlich hohem Maße multinational; große Kontingente kamen aus Polen, den Rheinbundstaaten, Italien sowie weiteren verbündeten oder abhängigen Staaten. Französische Truppen bildeten zwar die stärkste Einzelgruppe, stellten jedoch weniger als die Hälfte des multinationalen Gesamtaufgebots.84
7.2 Feldzug, Borodino und Moskau
Am 24. Juni 1812 überschritt die Grande Armée den Grenzfluss Njemen (Memel).85 Napoleon hoffte auf eine rasche Entscheidungsschlacht, doch die russischen Armeen wichen unter Anwendung der Taktik der »verbrannten Erde« immer tiefer ins Landesinnere zurück und zwangen das Heer zu zehrenden Vormärschen durch verwüstetes Land. Schon vor der ersten großen Schlacht dezimierten Hunger, Krankheit, Hitze und Desertion die Truppe erheblich.86
Erst am 7. September 1812 kam es bei Borodino, rund hundert Kilometer westlich von Moskau, zur Hauptschlacht – dem blutigsten Einzelgefecht der napoleonischen Kriege mit zusammen etwa 70.000 bis 80.000 Toten und Verwundeten auf beiden Seiten.87 Taktisch behauptete Napoleon das Feld, doch die russische Armee unter Kutusow zog sich geordnet zurück und blieb intakt – die erhoffte vernichtende Entscheidung blieb aus, weshalb Borodino oft als »Pyrrhussieg« bezeichnet wird.88 Am 14. September zog Napoleon in ein weitgehend verlassenes Moskau ein. Noch in derselben Nacht brachen Brände aus, die die Stadt bis zum 18. September zu großen Teilen zerstörten; die Urheberschaft – gezielte russische Brandstiftung auf Anweisung des Militärgouverneurs Rostoptschin gegen unkontrollierte Plünderungsbrände – ist in der Forschung bis heute umstritten.89 Fünf Wochen wartete Napoleon vergeblich auf ein Friedensangebot Alexanders I.
7.3 Rückzug, Beresina und Verlustbilanz
Am 19. Oktober 1812 befahl Napoleon den Rückzug – zu spät, um dem Wintereinbruch zu entgehen. Der Versuch, über eine südlichere, unverwüstete Route abzuziehen, scheiterte, sodass die Armee auf die bereits kahlgefressene Vormarschstraße zurückgezwungen wurde.90 Der Rückzug wurde zur Katastrophe: eisige Kälte, Hunger, Auflösung der Disziplin und unablässige Angriffe von Kosaken und Partisanen verwandelten ihn phasenweise in eine panische Flucht. Ihren sinnbildlichen Tiefpunkt erreichte die Tragödie beim Übergang über die Beresina (26.–29. November 1812), der zwar dem Kern des Heeres gelang, aber Zehntausende das Leben kostete.91 Anfang Dezember verließ Napoleon die Reste der Armee, um in Paris die Herrschaft zu sichern, wo ein Putschversuch (Malet-Verschwörung) die Fragilität der napoleonischen Herrschaft offenbart hatte.92
Die Verlustbilanz ist wegen fehlender durchgehender Bestandslisten, ständig nachrückender Verstärkungen und uneinheitlicher Zählweisen bis heute nicht exakt zu bestimmen; jede Gesamtzahl hängt entscheidend von der Bezugsgröße ab (Gefallene, an Hunger, Kälte und Seuchen Gestorbene, Gefangene, Deserteure, Vermisste; nur Grande Armée oder auch russische Truppen und Zivilbevölkerung). Belastbar lässt sich sagen: Von den etwa 600.000 für den Feldzug mobilisierten Soldaten der Grande Armée kehrte nur ein Bruchteil zurück; die Angaben zu den beim Rückzug im Dezember 1812 noch kampffähig den Njemen überschreitenden Truppen des Hauptheeres schwanken zwischen rund 20.000 und 50.000 Mann, weitere Versprengte, Nachzügler und Angehörige der Flügelkorps nicht eingerechnet.93 Die Gesamtverluste der Grande Armée (Tote, Gefangene und Vermisste zusammen) werden überwiegend auf mehrere Hunderttausend beziffert; hinzu kommen erhebliche, ebenfalls nur schätzbare russische militärische und zivile Verluste.94 Wegen der methodischen Unsicherheit verzichtet dieser Artikel bewusst auf eine scheinbar präzise Gesamttotenzahl. In jedem Fall vernichtete der Feldzug das militärische Rückgrat des Kaiserreichs und leitete unmittelbar die Erhebung Europas gegen Napoleon ein.
Zur Deutung: Die nationalen Historiographien setzen bis heute unterschiedliche Akzente. Die russische Tradition deutet den Feldzug als »Vaterländischen Krieg« (Otečestvennaâ vojna) und Russland als »Retter Europas«; sie betont Volkswiderstand, Partisanenkrieg und die Rolle Kutusows.95 Ältere sowjetische Darstellungen (Beskrovnyj, Žilin) überhöhten diesen patriotischen Charakter teils ideologisch, während die postsowjetische Forschung (Bezotosnyj, Zemcov, Popov) bewusst quellenübergreifend arbeitet und manche Mythen – etwa die alleinige Schuld des »Generals Winter« – relativiert; der Zerfall der Armee setzte nachweislich schon im Sommer ein. Die französische und westliche Forschung betont stärker die logistische Überdehnung und die strategische Fehlkalkulation Napoleons; die polnische Historiographie schließlich hebt den hohen Blutzoll der polnischen Truppen für eine letztlich enttäuschte Hoffnung hervor.96
8. Niedergang: Befreiungskriege und erste Abdankung (1813–1814)
8.1 Neuaufbau der Armee und Frühjahrsfeldzug 1813
Die Katastrophe in Russland löste die europäische Erhebung aus. Den Anfang machte die preußisch-russische Annäherung: Nach der eigenmächtigen Konvention von Tauroggen (Dezember 1812) schlossen Preußen und Russland im Februar 1813 das Bündnis von Kalisch; im März 1813 rief Friedrich Wilhelm III. von Breslau aus zum Krieg auf.97 Napoleon stellte mit bemerkenswerter Energie binnen weniger Monate ein neues Heer auf, das jedoch überwiegend aus jungen, unerfahrenen Rekruten bestand und unter einem gravierenden Mangel an Kavallerie litt – eine unmittelbare Folge des Verlusts der Pferde in Russland.98 Im Frühjahrsfeldzug gelangen ihm bei Großgörschen (Lützen) und Bautzen (Mai 1813) noch Siege, die er mangels Reiterei aber nicht in vernichtende Erfolge ummünzen konnte. Ein Waffenstillstand im Sommer 1813 gab beiden Seiten Zeit zur Verstärkung – und Österreich Gelegenheit, nach gescheiterter Vermittlung im August auf die Seite der Koalition zu treten.99
8.2 Die Völkerschlacht bei Leipzig
Im Herbstfeldzug wendete sich das Blatt endgültig. Zwar errang Napoleon bei Dresden (26./27. August 1813) noch einen letzten großen Sieg auf deutschem Boden, doch seine Marschälle erlitten an mehreren Nebenschauplätzen (Großbeeren, Katzbach, Kulm, Dennewitz) empfindliche Niederlagen.100 Vom 16. bis 19. Oktober 1813 kam es bei Leipzig zur »Völkerschlacht« – mit über einer halben Million beteiligter Soldaten die größte Schlacht der europäischen Geschichte vor dem Ersten Weltkrieg, mit rund 90.000 bis 100.000 Toten und Verwundeten.101 Der Seitenwechsel der sächsischen und weiterer Rheinbundtruppen während der Schlacht beschleunigte die französische Niederlage. Napoleon musste sich hinter den Rhein zurückziehen; der Rheinbund brach zusammen, und die französische Herrschaft über Deutschland endete.102
Zur Deutung: Die ältere deutsche Geschichtsschreibung deutete die »Befreiungskriege« als spontane nationale Volkserhebung und Geburtsstunde des deutschen Nationalgefühls. Die neuere Forschung relativiert dieses Bild erheblich: Der Krieg war primär eine Auseinandersetzung der verbündeten Großmächte und ihrer regulären Armeen; die Beteiligung von Freiwilligenverbänden (etwa dem Lützowschen Freikorps) besaß eher symbolische als militärisch entscheidende Bedeutung, und der Begriff »Befreiungskriege« selbst ist eine spätere, national aufgeladene Prägung.103 Bezeichnenderweise kennt die französischsprachige Historiographie keine direkte Entsprechung; sie spricht neutral von der Campagne d'Allemagne.104
8.3 Frankreichfeldzug 1814, Abdankung und Elba
Zu Jahresbeginn 1814 überschritten die Koalitionsarmeen den Rhein. Im Frankreichfeldzug zeigte Napoleon noch einmal sein ganzes taktisches Können und errang mit zahlenmäßig weit unterlegenen Kräften mehrere Achtungserfolge; die erdrückende Übermacht der Verbündeten war jedoch nicht mehr aufzuhalten.105 Nach der Niederlage bei Arcis-sur-Aube (20./21. März 1814) marschierten die Alliierten auf die Hauptstadt; Paris kapitulierte am 31. März 1814.106 Als sich seine Marschälle weigerten weiterzukämpfen, unterzeichnete Napoleon am 6. April 1814 (formell besiegelt am 11. April im Vertrag von Fontainebleau) seine bedingungslose Abdankung.107 Man beließ ihm den Kaisertitel und wies ihm die Mittelmeerinsel Elba als souveränes Fürstentum zu; in Frankreich kehrten mit Ludwig XVIII. die Bourbonen auf den Thron zurück.108 In der Nacht vom 12. auf den 13. April 1814 soll Napoleon einen Selbstmordversuch mit Gift unternommen haben, das jedoch seine Wirkung verfehlte – ein Bericht, der auf der Erinnerung Caulaincourts beruht und quellenkritisch nicht restlos gesichert ist.109
9. Hundert Tage und Waterloo (1815)
9.1 Rückkehr von Elba und der Wiener Kongress
Napoleons Herrschaft über Elba währte nicht einmal ein Jahr. Aus einem Netz von Agenten wusste er um die weit verbreitete Unzufriedenheit mit der bourbonischen Restauration Ludwigs XVIII. und um die tiefen Zerwürfnisse unter den in Wien verhandelnden Siegermächten.110 Am 26. Februar 1815 verließ er die Insel und landete am 1. März 1815 bei Golfe-Juan an der südfranzösischen Küste. Auf dem weiteren Marsch nach Paris schlossen sich Napoleon zunehmend Soldaten und ganze Truppenteile an; mehrere gegen ihn entsandte Einheiten verweigerten schließlich den Kampf oder liefen zu ihm über – Chateaubriand prägte für diesen beispiellosen Vorgang das Wort von der »Invasion eines Landes durch einen Mann«.111 Ludwig XVIII. floh; am 20. März 1815 zog Napoleon in die Tuilerien ein und übernahm erneut die Macht. Der Wiener Kongress reagierte umgehend: Bereits am 13. März 1815 hatten die Mächte Napoleon zum Gesetzlosen erklärt, am 25. März erneuerten sie ihr Bündnis mit der Verpflichtung, ihn endgültig zu stürzen.112 Im Innern versuchte Napoleon, seine Herrschaft mit der liberaleren Zusatzakte zur Verfassung (Acte additionnel) auf eine breitere Grundlage zu stellen – ein Zugeständnis, das seine Gegner als taktisch durchschauten.113
9.2 Waterloo und die zweite Abdankung
Da eine Verständigung ausgeschlossen war, ergriff Napoleon die Initiative und marschierte in die südlichen Niederlande (das heutige Belgien), um die dort getrennt stehenden Heere Wellingtons und Blüchers zu schlagen, bevor die russischen und österreichischen Armeen eintreffen konnten.114 Nach den Gefechten bei Ligny (Sieg über Blücher) und Quatre-Bras am 16. Juni 1815 kam es am 18. Juni 1815 zur Entscheidungsschlacht bei Waterloo, rund fünfzehn Kilometer südlich von Brüssel.115 Wellingtons britisch-niederländisch-deutsche Armee hielt den ganzen Tag den französischen Angriffen stand; das rechtzeitige Eintreffen der preußischen Armee unter Blücher am Nachmittag entschied die Schlacht zugunsten der Alliierten und verwandelte die französische Niederlage in eine vollständige Katastrophe.116
Waterloo besiegelte Napoleons Schicksal. Nach Paris zurückgekehrt, dankte er am 22. Juni 1815 zum zweiten Mal ab, formal zugunsten seines Sohnes.117 Frankreich wurden im Zweiten Pariser Frieden härtere Bedingungen als 1814 auferlegt. Napoleon versuchte zunächst, in die Vereinigten Staaten zu entkommen, sah sich angesichts der britischen Seeblockade jedoch gezwungen, sich am 15. Juli 1815 an Bord des Linienschiffs HMS Bellerophon den Briten zu ergeben – im vergeblichen Vertrauen auf deren Großmut.118
10. St. Helena und Tod (1815–1821)
10.1 Verbannung und Longwood
Die Briten entschieden, Napoleon auf die entlegene Südatlantikinsel St. Helena zu verbannen, um jede Wiederholung der Elba-Flucht auszuschließen. Am 15. Oktober 1815 ankerte das Linienschiff HMS Northumberland vor der Insel; Napoleon ging tags darauf an Land.119 Nach einem provisorischen Aufenthalt bezog er am 10. Dezember 1815 das Landhaus Longwood House auf einem windigen, feuchten Hochplateau – eine dem Gesundheitszustand des Kaisers wenig zuträgliche Behausung.120 Er wurde von einer kleinen Gefolgschaft begleitet, darunter die Generäle Bertrand, Montholon und Gourgaud, Emmanuel de Las Cases sowie der Kammerdiener Marchand. Das Verhältnis zum britischen Gouverneur Hudson Lowe, der ein rigides Überwachungsregime führte und Napoleon den Kaisertitel verweigerte, war von ständigen Reibereien geprägt.121
10.2 Das Memorialwerk
Die Jahre der Verbannung nutzte Napoleon zur systematischen Arbeit an seinem Nachruhm. In stundenlangen Diktaten an Las Cases und die übrigen Getreuen legte er seine Sicht auf sein Leben, seine Feldzüge und seine politischen Entscheidungen nieder.122 Aus den Aufzeichnungen Las Cases' entstand das Mémorial de Sainte-Hélène, das 1823 – zwei Jahre nach Napoleons Tod – erschien und zu einem der größten Bucherfolge des 19. Jahrhunderts wurde. Das Werk stilisierte Napoleon nachträglich zum Vorkämpfer von Freiheit, Nation und Völkerverständigung und wurde damit zum Gründungstext des Napoleon-Kults und des Bonapartismus.123 Quellenkritisch ist es mit größter Vorsicht zu behandeln: Es handelt sich nicht um ein objektives Zeugnis, sondern um eine bewusste politische Selbstinszenierung, die die eigene Herrschaft im Rückblick idealisierte.124
10.3 Tod und Todesursachen-Kontroverse
Seit 1817 verschlechterte sich Napoleons Gesundheit; ab März 1820 litt er unter heftigen Magenbeschwerden. Am 5. Mai 1821 starb er um 17:49 Uhr in Longwood House im Alter von 51 Jahren.125 Die am folgenden Tag von seinem korsischen Leibarzt Francesco Antommarchi im Beisein mehrerer britischer Ärzte durchgeführte Autopsie führte den Tod auf ein schweres Magenleiden zurück. Die wahrscheinlichste Todesursache war nach heutigem medizinhistorischem Forschungsstand ein fortgeschrittenes Magenkarzinom; auch Napoleons Vater Carlo war wahrscheinlich an einem Magenkarzinom gestorben.126 Diese Diagnose gilt in der Fachwelt als am besten gestützt und wurde durch eine klinisch-pathologische Studie eines Basler Forschungsteams 2007 untermauert, die anhand des dokumentierten Gewichtsverlaufs und einer Neubewertung der Autopsiebefunde auf ein weit fortgeschrittenes Karzinom schloss.127 Die überlieferten, teils voneinander abweichenden Autopsieberichte lassen sich in ihren Einzelheiten unterschiedlich deuten, konvergieren aber im Befund eines ausgedehnten bösartigen Magenleidens.
Populär geblieben ist gleichwohl eine konkurrierende Deutung. Seit 1961 vertrat der schwedische Toxikologe Sten Forshufvud die These einer gezielten Arsenvergiftung, gestützt auf erhöhte Arsenwerte in Haarproben Napoleons.128 Ein gezielter Giftmord durch Arsen gilt heute als nicht überzeugend belegt: Vergleichbar hohe Arsenwerte lassen sich in Haaren Napoleons bereits aus früheren, unverdächtigen Lebensphasen sowie bei Zeitgenossen nachweisen. Arsen war im frühen 19. Jahrhundert allgegenwärtig – unter anderem in Farbpigmenten wie dem »Scheeleschen Grün« von Tapeten, das in feuchtem Raumklima abgegeben werden konnte.129 Davon zu unterscheiden ist die Frage einer unbeabsichtigten toxischen Mitwirkung am Krankheits- und Sterbeverlauf: In den letzten Tagen wurden Napoleon hohe Dosen des quecksilberhaltigen Kalomel sowie ein Brechweinstein-Präparat verabreicht, was seinen geschwächten Zustand zusätzlich beeinträchtigt haben dürfte.130 Die anhaltende Debatte gilt somit als Beispiel dafür, wie sich um eine historische Gestalt »ein gewisser Hang zum Geheimnis« rankt; der wissenschaftliche Befund spricht klar gegen einen Giftmord, ohne dass sich jede toxikologische Begleiterscheinung des Sterbeverlaufs ausschließen ließe.131
10.4 Bestattung und »retour des cendres«
Napoleon wurde am 9. Mai 1821 in einem Tal nahe Longwood beigesetzt. Über die Grabinschrift kam es zum Streit: Napoleons Begleiter Montholon und Bertrand wollten – entsprechend der Namenskonvention für Herrscher – allein den Namen »Napoleon« anbringen, während Gouverneur Hudson Lowe auf »Napoleon Bonaparte« bestand. Da keine Einigung erzielt wurde, blieb die Grabplatte namenlos.132 Erst 1840 erwirkte König Louis-Philippe die Überführung der sterblichen Überreste nach Frankreich. Der »retour des cendres« gipfelte am 15. Dezember 1840 in einer gewaltigen nationalen Trauerfeier; die Gebeine wurden zunächst provisorisch in der Chapelle Saint-Jérôme des Invalidendoms aufgebahrt. Die endgültige Beisetzung im heutigen monumentalen Sarkophag aus rotem Quarzit (Entwurf Louis Visconti) unter der Kuppel des Invalidendoms erfolgte erst am 2. April 1861, nachdem sich der Bau der Grabanlage über zwei Jahrzehnte hingezogen hatte.133
11. Werk und Wirkung
11.1 Staat, Recht und Verwaltung
Napoleons nachhaltigste Wirkung liegt weniger auf den Schlachtfeldern als in der Neuordnung von Staat und Gesellschaft. Der Code civil von 1804 fasste die Errungenschaften der Revolution – Gleichheit vor dem Gesetz, Aufhebung der Feudalrechte, Trennung von Kirche und Zivilstand, Schutz des Privateigentums, Vertragsfreiheit – in einem klaren, systematischen Gesetzbuch zusammen und wurde zum Vorbild zahlreicher Zivilrechtsordnungen in Europa und darüber hinaus; er gilt bis heute als eines der einflussreichsten Gesetzbücher der Neuzeit und als maßgebliches Vorbild der kontinentaleuropäischen Kodifikationsbewegung.134 Ergänzt wurde er durch weitere Kodifikationen (Handels-, Straf- und Prozessrecht). Die von Napoleon geschaffenen oder ausgebauten Institutionen – das Präfektursystem, die Bank von Frankreich, der Rechnungshof (Cour des comptes), das staatliche Bildungswesen mit den Lyzeen und der zentralistisch organisierten Université impériale sowie die Ehrenlegion als Verdienstorden – prägen die Verwaltungsstruktur Frankreichs in wesentlichen Zügen bis in die Gegenwart.135
Diese Modernisierung hatte allerdings eine autoritäre Kehrseite. Der napoleonische Staat war ein Überwachungs- und Polizeistaat mit rigider Pressezensur, einem ausgebauten Geheimdienstwesen unter Polizeiminister Fouché und einer konsequenten Unterordnung individueller Freiheiten unter die Staatsräson.136 Die Rechtsgleichheit des Code civil galt zudem nicht uneingeschränkt: Frauen wurden rechtlich dem Ehemann untergeordnet, und die koloniale Sklaverei wurde wiedereingeführt (dazu 11.4).
11.2 Kriegführung und Feldherrntum
Als Feldherr zählt Napoleon zu den bedeutendsten der Geschichte. Seine Kriegskunst beruhte weniger auf technischen Neuerungen als auf der meisterhaften Handhabung vorhandener Mittel: rasche Truppenbewegungen, die Gliederung der Armee in selbstständig operierende Korps, die Konzentration überlegener Kräfte am entscheidenden Punkt und das Streben nach der vernichtenden Entscheidungsschlacht.137 Zugleich sind die Schattenseiten unübersehbar: Die napoleonischen Kriege forderten europaweit Millionen Tote, und Napoleons wachsende Neigung, politische Kompromisse zugunsten militärischer Lösungen zu verwerfen, führte in die Überdehnung und schließlich in die Katastrophe. Kritiker heben hervor, dass gerade seine größten Erfolge (Austerlitz) ihn zu den fatalen Fehlkalkulationen (Spanien, Russland) verleiteten.138
11.3 Kunst, Wissenschaft und Kultur
Napoleons Verhältnis zu Kunst, Wissenschaft und Kultur war von einer charakteristischen Doppelnatur geprägt: aufrichtige Förderung und zugleich Indienstnahme für Prestige und Herrschaftslegitimation – »le savoir au service du pouvoir«.139
Wissenschaftsförderung: Napoleon, selbst Mitglied des Institut de France (Klasse der mathematischen Wissenschaften), förderte die exakten Wissenschaften nachhaltig. Die ägyptische Expedition mit ihren savants, die Gründung des Institut d'Égypte und das monumentale Tafelwerk Description de l'Égypte begründeten die moderne Ägyptologie (siehe Abschnitt 3.2).140 Er förderte die Forschungen über Elektrizität und Galvanismus durch einen 1802 eingerichteten jährlichen Prix du galvanisme von 3.000 Francs für die beste Arbeit über den galvanischen Strom und stellte daneben einen außerordentlichen Preis von 60.000 Francs für eine grundlegende, mit den Leistungen Franklins oder Voltas vergleichbare Entdeckung in Aussicht – angeregt durch Alessandro Voltas Vorführung der von ihm erfundenen Batterie (»Voltasäule«) vor dem Institut national 1801. Ferner förderte er das Ingenieurwesen und öffentliche Bauten. Das während der Revolution gesetzlich eingeführte metrische Maßsystem blieb Teil der staatlichen Neuordnung; seine konsequente Durchsetzung relativierte Napoleon allerdings 1812 durch die Zulassung der sogenannten mesures usuelles, eines Kompromisses zwischen metrischen Größen und traditionellen Einheiten (das metrische System wurde in Frankreich erst 1840 wieder verbindlich).
Kunst und Repräsentation: Unter Napoleon erreichte der klassizistische Empire-Stil seinen Höhepunkt – in Architektur, Möbelkunst und Mode. Der Hofmaler Jacques-Louis David und Künstler wie Antoine-Jean Gros und Jean-Auguste-Dominique Ingres schufen die visuelle Ikonographie des Kaiserreichs. Unter Napoleon wurden in Paris zahlreiche Repräsentationsprojekte begonnen, fortgeführt oder grundlegend umgestaltet, darunter der Arc de Triomphe, die Colonne Vendôme, die Kirche La Madeleine und die Rue de Rivoli; mehrere davon wurden erst lange nach seinem Sturz vollendet.141 Unter dem Generaldirektor der Museen, Dominique Vivant Denon, wurde der Louvre als »Musée Napoléon« zum größten Kunstmuseum der Welt ausgebaut. Die kritische Kehrseite: Ein erheblicher Teil der Bestände stammte aus systematischem Kunstraub in den eroberten Gebieten Italiens, der Niederlande und Deutschlands; ein Großteil dieser Werke musste nach 1815 zurückgegeben werden, ein anderer verblieb in Frankreich.142
Öffentlichkeit und Propaganda: Napoleon war ein Meister der Selbstinszenierung. Über die staatlich gelenkte Presse – allen voran den Moniteur universel –, über Bulletins, Gemälde, Medaillen und Denkmäler formte er zielgerichtet sein Bild. Die berühmte Redewendung, wonach man den »Bulletins de la Grande Armée« kaum trauen könne, zeugt vom propagandistischen Charakter dieser Kommunikation.143
11.4 Die Wiedereinführung der Sklaverei 1802
Ein besonders dunkles Kapitel ist die koloniale Sklavereipolitik von 1802. Der Nationalkonvent hatte die Sklaverei 1794 formal abgeschafft, doch war dieser Beschluss keineswegs überall umgesetzt worden: In einigen Kolonien (etwa Martinique, das zeitweise unter britischer Kontrolle stand) hatte die Sklaverei faktisch nie aufgehört zu bestehen, während sie andernorts (namentlich Saint-Domingue und Guadeloupe) tatsächlich aufgehoben worden war. Getrieben von kolonialwirtschaftlichen Interessen und dem Einfluss der Pflanzerlobby, setzte Napoleon nach dem Frieden von Amiens eine Rückkehr zum alten System durch. Die Rechtslage war dabei territorial uneinheitlich: Das Gesetz vom 20. Mai 1802 schrieb den Fortbestand der Sklaverei in den Kolonien fest, in denen sie nie abgeschafft worden war; für Guadeloupe wurde sie durch eigene Maßnahmen desselben Jahres gewaltsam wiederhergestellt. Politisch trägt Napoleon die Verantwortung für die Wiederherstellung beziehungsweise Aufrechterhaltung des Sklavereisystems ungeachtet dieser juristischen Differenzierung.144 Zur Wiederunterwerfung von Saint-Domingue entsandte er ein über 30.000 Mann starkes Expeditionskorps unter seinem Schwager Leclerc. Der schwarze Freiheitsführer Toussaint Louverture wurde verhaftet und nach Frankreich deportiert, wo er 1803 im Fort de Joux starb.145 Der Feldzug endete jedoch in einem Desaster: An dem von Gelbfieber und dem erbitterten Widerstand der ehemaligen Sklaven zermürbten Korps – nach Leclercs Tod an Gelbfieber (November 1802) unter dem Befehl Rochambeaus – errang die Armee Jean-Jacques Dessalines' am 18. November 1803 bei Vertières den entscheidenden Sieg über das französische Expeditionskorps.146 Napoleon selbst war an diesen Gefechten nicht beteiligt. Am 1. Januar 1804 erklärte die ehemalige Kolonie als Haiti ihre Unabhängigkeit – der erste von ehemaligen Sklaven gegründete Staat der Geschichte.146 Die Sklaverei in den französischen Kolonien wurde erst 1848 endgültig abgeschafft. Dieser Komplex belastet Napoleons Erbe bis heute schwer und steht im offenen Widerspruch zum Gleichheitsversprechen des Code civil.147
12. Nachleben und Forschungsgeschichte
12.1 Der Napoleon-Mythos: »légende dorée« und »légende noire«
Kaum eine historische Gestalt hat ein so widersprüchliches Nachleben entfaltet wie Napoleon. Bereits zu Lebzeiten inszeniert und nach seinem Tod durch das Mémorial de Sainte-Hélène systematisch verklärt, wurde er zum Gegenstand eines regelrechten Kults.148 Die Forschung unterscheidet idealtypisch zwei Deutungslinien: die »légende dorée« (goldene Legende), die Napoleon als genialen Staatsmann, Rechtsreformer, Vollender der Revolution und Vorkämpfer eines geeinten Europa feiert, und die »légende noire« (schwarze Legende), die ihn als machtbesessenen Despoten, Kriegstreiber und Vorläufer der modernen Diktatur verurteilt.149
Der Bonapartismus als politische Strömung – der schließlich unter Napoleons Neffen Louis-Napoléon (Napoleon III.) zum Zweiten Kaiserreich führte – speiste sich unmittelbar aus dieser Legendenbildung. Im 20. Jahrhundert verschärfte sich die kritische Perspektive: Angesichts der totalitären Erfahrungen deuteten manche Historiker Napoleon als frühen Vertreter eines plebiszitär legitimierten, propagandagestützten Machtstaats – eine Lesart, die andere als anachronistisch zurückweisen.150 Jean Tulard hat mit Le mythe du sauveur (1977) die Genese dieser »Retter«-Figur grundlegend analysiert und damit die kritische Mythosforschung begründet.151
Auch materiell und institutionell ist die Erinnerung an Napoleon bis heute lebendig; ein kurzer Überblick (ein ausführlicher Einzelartikel folgt gesondert): Zentraler Gedächtnisort ist sein monumentales Grabmal im Invalidendom in Paris. Sein Geburtshaus, die Maison Bonaparte in Ajaccio, ist heute ein Nationalmuseum, ebenso wie Longwood House und das Grabtal auf St. Helena, die seit 1858 französischer Staatsbesitz sind. In Paris zeugen der Arc de Triomphe, die Colonne Vendôme und zahlreiche Straßennamen von der napoleonischen Erinnerung, in ganz Frankreich Denkmäler, Museen und Sammlungen. Institutionell wird das napoleonische Erbe von Vereinigungen wie dem Souvenir Napoléonien und der wissenschaftlich ausgerichteten Fondation Napoléon gepflegt. Die kulturelle Rezeption reicht von der Malerei des 19. Jahrhunderts über Literatur, Musik und Film bis in die Populärkultur der Gegenwart. Zugleich ist diese Erinnerungskultur nicht unumstritten: Insbesondere die Rolle Napoleons bei der Wiederherstellung der Sklaverei hat in Frankreich wiederholt zu kritischen Debatten über die Angemessenheit öffentlichen Gedenkens geführt.152
12.2 Die Historiographie im mehrsprachigen Vergleich
Die wissenschaftliche Beschäftigung mit Napoleon ist bis heute stark von nationalen Perspektiven geprägt; erst in jüngerer Zeit setzt sich eine sprachraumübergreifende Forschung durch.153
In Frankreich reicht das Spektrum von der kritischen Distanz Tulards bis zur institutionengeschichtlich fundierten, um Ausgewogenheit bemühten Gesamtdarstellung Thierry Lentz' (Nouvelle histoire du Premier Empire, 4 Bde., 2002–2010). Die angelsächsische Forschung hat mit der sogenannten »New Napoleonic History« (Michael Broers, Philip Dwyer u. a.) neue Akzente gesetzt: Sie rückt das napoleonische Europa als imperiales Herrschaftssystem in den Blick und relativiert nationale Erhebungsmythen. Innerhalb dieser Schule bestehen deutliche Bewertungsunterschiede – Andrew Roberts' Napoleon the Great (2014) gilt als ausgesprochen napoleonfreundlich, während Charles Esdaile und Dwyer kritischer urteilen.154
In Deutschland wurde Napoleon lange durch die Brille der »Befreiungskriege« und des erwachenden Nationalgefühls gesehen; erst die Biographien von Volker Ullrich (2004) und Johannes Willms (2005) lösten diese Perspektive durch quellennahe Gesamtdarstellungen ab.155 Die russische Historiographie deutet den Feldzug von 1812 traditionell als »Vaterländischen Krieg« und betont die Rolle Russlands als »Retter Europas«; nach der ideologisch überformten sowjetischen Phase (Beskrovnyj, Žilin) hat die postsowjetische Forschung (Bezotosnyj, Zemcov, Popov) eine quellenkritische Neubewertung eingeleitet, die auch französische, polnische und deutsche Quellen einbezieht.156 Die polnische Historiographie schließlich ringt bis heute um die Ambivalenz der napoleonischen Ära zwischen erhoffter nationaler Wiedergeburt (Herzogtum Warschau, Poniatowski) und der Erfahrung politischer Instrumentalisierung.157 Als sprachraumübergreifende Synthese, die diese nationalen Perspektiven zusammenführt, gilt Alexander Mikaberidzes globalgeschichtlich angelegte Darstellung The Napoleonic Wars: A Global History (2020).158
12.3 Gesamtwürdigung
Napoleons historische Bilanz bleibt zutiefst ambivalent und wird es voraussichtlich bleiben. Unbestritten ist die Nachhaltigkeit seines Zivilwerks: Der Code civil, das moderne Verwaltungswesen und die institutionelle Neuordnung überdauerten seinen Sturz und prägen Europa bis heute. Ebenso unbestritten ist der ungeheure Blutzoll seiner Kriege, der autoritäre Charakter seiner Herrschaft und die schwere moralische Hypothek der wiedereingeführten Sklaverei. Ob das eine das andere aufwiegt, ist keine Frage, die die Geschichtswissenschaft beantworten kann – sie kann nur die Spannung zwischen Modernisierer und Eroberer, zwischen Erbe der Revolution und ihrem Überwinder in ihrer ganzen Widersprüchlichkeit sichtbar machen.159
Quellen und Literatur
Gedruckte Quellen und Editionen
- Correspondance générale de Napoléon Bonaparte, hrsg. von der Fondation Napoléon, 15 Bde., Paris (Fayard) 2004–2018.
- Emmanuel de Las Cases, Le Mémorial de Sainte-Hélène, Paris 1823 (zahlreiche spätere Ausgaben) – quellenkritisch als politische Selbststilisierung zu behandeln.
- Armand de Caulaincourt, Mémoires, 3 Bde., Paris 1933.
- Description de l'Égypte, ou Recueil des observations et des recherches qui ont été faites en Égypte pendant l'expédition de l'armée française, 1. Ausgabe (Édition impériale/royale), Paris (Imprimerie impériale/royale) 1809–1822.
- Description de l'Égypte […], 2. Ausgabe, hg. und verlegt von Charles-Louis-Fleury Panckoucke, Paris 1821–1830 (zur Editionsgeschichte vgl. Anm. 32).
Darstellungen – deutschsprachig
- Johannes Willms, Napoleon. Eine Biographie, München (C.H. Beck) 2005.
- Volker Ullrich, Napoleon. Eine Biographie, Reinbek bei Hamburg (Rowohlt) 2004 (Taschenbuchausgabe 2006).
- Adam Zamoyski, Napoleon. Ein Leben, München (C.H. Beck) 2018 (dt. Übers. von Napoleon. The Man Behind the Myth).
- Adam Zamoyski, 1812. Napoleons Feldzug in Russland, München (C.H. Beck) 2012 (dt. Übers.).
- Karen Hagemann, »Mannlicher Muth und Teutsche Ehre«. Nation, Militär und Geschlecht zur Zeit der antinapoleonischen Kriege Preußens, Paderborn (Schöningh) 2002.
- Ewald Grothe, Art. »Befreiungskriege«, in: Enzyklopädie der Neuzeit, Bd. 1, Stuttgart (Metzler) 2005.
- Rüdiger Hillmer, Die napoleonische Theaterpolitik. Geschäftstheater in Paris 1799–1815, Köln (Böhlau) 1999.
- Ute Planert, Der Mythos vom Befreiungskrieg. Frankreichs Kriege und der deutsche Süden. Alltag – Wahrnehmung – Deutung 1792–1841, Paderborn (Schöningh) 2007.
- Hans-Ulrich Thamer, Die Völkerschlacht bei Leipzig. Europas Kampf gegen Napoleon, München (C.H. Beck) 2013.
- Franz Wieacker, Privatrechtsgeschichte der Neuzeit, 2. Aufl., Göttingen (Vandenhoeck & Ruprecht) 1967 (zur Wirkungsgeschichte des Code civil).
- Konrad Zweigert / Hein Kötz, Einführung in die Rechtsvergleichung, 3. Aufl., Tübingen (Mohr Siebeck) 1996 (zum romanischen Rechtskreis).
- Sudhir Hazareesingh, The Legend of Napoleon, London (Granta) 2004 (frz. Übers.: La légende de Napoléon, Paris [Tallandier] 2005).
Darstellungen – französisch
- Jean Tulard, Napoléon ou le mythe du sauveur, Paris (Fayard) 1977.
- Thierry Lentz, Nouvelle histoire du Premier Empire, 4 Bde., Paris (Fayard) 2002–2010.
- Thierry Lentz, Le Grand Consulat 1799–1804, Paris (Fayard) 1999.
- Pierre Branda / Thierry Lentz, Napoléon, l'esclavage et les colonies, Paris (Fayard) 2006.
- Pierre Branda, La guerre secrète de Napoléon: Sainte-Hélène 1815–1821, Paris 2021.
Darstellungen – englisch
- Michael Broers, Europe under Napoleon 1799–1815, London (Arnold) 1996.
- Michael Broers, Napoleon, 3 Bde. (Soldier of Destiny 2014; The Spirit of the Age 2018; The Decline and Fall 2022), London (Faber).
- Philip Dwyer, Napoleon: The Path to Power, 1769–1799, London/New Haven (Yale UP) 2008.
- Philip Dwyer, Citizen Emperor: Napoleon in Power, 1799–1815, London/New Haven (Yale UP) 2013.
- Andrew Roberts, Napoleon the Great, London (Allen Lane) 2014 (US-Titel Napoleon: A Life).
- Charles Esdaile, Napoleon's Wars: An International History, 1803–1815, London (Allen Lane) 2007.
- Charles Esdaile, The Peninsular War: A New History, London (Allen Lane) 2002.
- David G. Chandler, The Campaigns of Napoleon, London (Weidenfeld & Nicolson) 1966.
- Alexander Mikaberidze, The Napoleonic Wars: A Global History, Oxford (Oxford UP) 2020.
- Alexander Mikaberidze, The Battle of Borodino: Napoleon against Kutuzov, Barnsley (Pen & Sword) 2007.
- Michael Broers / Philip Dwyer (Hg.), The Cambridge History of the Napoleonic Wars, 3 Bde., Cambridge (Cambridge UP) 2022.
- Stuart Woolf, Napoleon's Integration of Europe, London (Routledge) 1991.
Darstellungen – russisch
- Evgenij V. Tarle, Našestvie Napoleona na Rossiû 1812 god [Napoleons Invasion Russlands 1812], Moskau 1938 (dt. u. engl. Übersetzungen).
- Modest I. Bogdanovič, Istoriâ Otečestvennoj vojny 1812 goda [Geschichte des Vaterländischen Krieges von 1812], 3 Bde., St. Petersburg 1859–1860.
- Ljubomir G. Beskrovnyj, Otečestvennaâ vojna 1812 goda, Moskau 1962 (sowjetische Deutung, kritisch zu nutzen).
- Pavel A. Žilin, Gibel' napoleonovskoj armii v Rossii [Der Untergang der napoleonischen Armee in Russland], Moskau 1968 (sowjetische Deutung, kritisch zu nutzen).
- V. M. Bezotosnyj u. a. (Red.), Otečestvennaâ vojna 1812 goda: Ènciklopediâ, Moskau (ROSSPÈN) 2004 (kollektiv erarbeitetes Standardwerk der postsowjetischen Neubewertung).
- Vladimir N. Zemcov und Aleksandr I. Popov, mehrere Studien zur quellenkritischen Neubewertung des Feldzugs von 1812 (seit den 1990er Jahren). [Einzeltitel vor Publikation am Katalogisat zu ergänzen.]
Darstellungen – polnisch
- Szymon Askenazy, Napoleon a Polska [Napoleon und Polen], 3 Bde., Warschau/Krakau 1918–1919.
- Marian Kukiel, Wojny napoleońskie [Die napoleonischen Kriege], Warschau 1927.
- Andrzej Zahorski, Napoleon, Warschau (PIW) 1982.
- Robert Bielecki, Wielka Armia [Die Große Armee], Warschau 1995.
Medizinhistorische Spezialliteratur
- Alessandro Lugli u. a., »Napoleon Bonaparte's gastric cancer: a clinicopathologic approach to staging, pathogenesis, and etiology«, in: Nature Clinical Practice Gastroenterology & Hepatology 4 (2007), S. 52–57.
Fachportale und Nachschlagewerke
- Fondation Napoléon / napoleon.org (Fachbeiträge, Chronologien, Quellendossiers).
- Fondation pour la mémoire de l'esclavage / memoire-esclavage.org (zum Sklaverei-Komplex 1802).
- Deutsches Historisches Museum, LeMO (Lebendiges Museum Online), lemo.dhm.de.
- Neue Deutsche Biographie (NDB), Art. »Napoleon II.« (Bd. 18, 1997; als Beleg herangezogen, vgl. Anm. 82). Für Napoleon I. selbst besteht in der Deutschen Biographie nur ein Indexeintrag mit Normdaten, kein eigener biografischer Artikel.
- Allgemeine Deutsche Biographie (ADB) (weiterführende Nachschlage-Ressource).
Anmerkung zur Zitierweise: Die im Fußnotenapparat verwendeten Kurztitel (z. B. »Willms (2005)«, »Lentz, Nouvelle histoire, Bd. 1«) verweisen auf die hier aufgeführten Vollnachweise. Bei online konsultierten Fachbeiträgen ist das Abrufdatum (3. September 2026) vermerkt; für die Endfassung sind je Beleg die konkrete URL und das tatsächliche Datum der redaktionellen Prüfung nachzutragen. Angaben aus der deutschsprachigen Wikipedia dienen ausschließlich der Datenorientierung und wurden, wo möglich, gegen die Fachliteratur abgeglichen. Die Erscheinungsjahre einzelner russisch- und polnischsprachiger Titel sowie ihrer Neuauflagen sind vor der Publikation am Katalogisat (DNB, WorldCat, BnF) zu verifizieren.
Anmerkungen
-
Zur Ausprägung und Deutungsgeschichte des Napoleon-Mythos grundlegend Jean Tulard, Napoléon ou le mythe du sauveur, Paris 1977; kritisch zur »légende dorée«/»légende noire« auch Thierry Lentz, Nouvelle histoire du Premier Empire, Bd. 1, Paris 2002. ↩
-
Diese oft wiederholte Schätzung geht auf Jean Tulard zurück; sie ist naturgemäß nicht exakt verifizierbar und wächst fortlaufend. Vgl. die entsprechenden Angaben in den Rezensionen zu Adam Zamoyski, Napoleon. Ein Leben, München 2018. ↩
-
Zur Abtretung Korsikas und zur Niederlage Paolis vgl. Willms, Napoleon (2005), S. 21–28; knapp auch Zamoyski, Napoleon (2018), Einleitungskapitel. ↩
-
Zur Identitätsfrage differenziert Philip Dwyer, Napoleon: The Path to Power, 1769–1799, London/New Haven 2008, Kap. 1–2, der die korsische Prägung stärker gewichtet als die ältere, französisch-zentrierte Historiographie. ↩
-
Willms, Napoleon (2005), S. 29–33. Zur juristischen Anerkennung des Adels und deren Bedeutung für die Stipendien ebd. ↩
-
Zur Rolle Letizias vgl. Dwyer (2008), Kap. 2; zur Kinderzahl bestehen in der Literatur geringfügig abweichende Angaben, je nachdem, ob früh verstorbene Kinder mitgezählt werden. ↩
-
Zu den Schulstationen Autun und Brienne Dwyer (2008), Kap. 2; Willms (2005), S. 34–40. ↩
-
Die Schilderungen der Schulzeit beruhen teils auf späteren, durch den Mythos gefärbten Erinnerungen und sind quellenkritisch mit Vorsicht zu behandeln; vgl. den entsprechenden Hinweis bei Dwyer (2008). ↩
-
Zum verkürzten Abschluss und zur Ausmusterung Willms (2005), S. 41–45. Der Vater Carlo starb wahrscheinlich an einem Magenkarzinom. Dass daraus eine gesicherte erbliche Prädisposition Napoleons abzuleiten sei, lässt sich jedoch nicht belegen; die neuere medizinhistorische Forschung deutet Napoleons Erkrankung eher als sporadisches (nicht zwingend erblich bedingtes) Karzinom. Vgl. die Diskussion zu Napoleons eigener Todesursache, Abschnitt 10.3. ↩
-
Zu den Garnisonsjahren und den Korsika-Aufenthalten Dwyer (2008), Kap. 3–4; Willms (2005), S. 46–70. ↩
-
Zur Prägung durch du Teil und zur Artillerielehre vgl. Willms (2005), S. 52 f. ↩
-
Zu Napoleons frühen Schriften und Lektüren Dwyer (2008), Kap. 4, der die korsisch-patriotische Grundhaltung dieser Jahre betont. ↩
-
Zum Bruch mit Paoli und zur Flucht der Familie 1793 Willms (2005), S. 71–85; Dwyer (2008), Kap. 5. ↩
-
Zur Vorgeschichte der Belagerung und zur Übergabe an Hood ausführlich Willms (2005), S. 86–95. ↩
-
Die Belagerung fand 1793 statt (verbreitete Datierung des Kernzeitraums: September bis 18. Dezember 1793); Beginn und Ende werden je nach Definition unterschiedlich abgegrenzt. Die Angabe korrigiert die im früheren Seitentext irrtümlich genannte Jahreszahl 1792. ↩
-
Zur Beförderung am 22. Dezember 1793 und zur Bedeutung der revolutionären Personalfluktuation Willms (2005), S. 94 f.; Dwyer (2008), Kap. 6. ↩
-
Zur Nähe zu Augustin Robespierre und zur kurzzeitigen Verhaftung nach Thermidor Dwyer (2008), Kap. 6; Willms (2005), S. 96–104. ↩
-
Die berühmte Formulierung stammt von Thomas Carlyle (The French Revolution, 1837) und ist nicht Napoleons eigene; sie hat sich gleichwohl als geflügeltes Wort etabliert. Zur Sache Willms (2005), S. 110–118. ↩
-
Zum Karrieresprung durch Vendémiaire und zur Ernennung zum Oberbefehlshaber der Italienarmee (März 1796) vgl. Abschnitt 3.1. ↩
-
Zur Heirat am 9. März 1796 mit Joséphine de Beauharnais Willms (2005), S. 119–126. Damit ist die im früheren Seitentext irrtümlich genannte Verbindung »mit Désirée Clary« richtigzustellen: Désirée Clary war zeitweise mit Bonaparte verlobt, heiratete jedoch später Jean-Baptiste Bernadotte, den späteren König von Schweden. ↩
-
Zur Ambivalenz der Ehe kritisch Andrew Roberts, Napoleon the Great, London 2014, der die romantische Überhöhung der Beziehung als Mythos einstuft; anders gewichten Tulard und Lentz die emotionale Bindung. Die Darstellungen weichen hier deutlich voneinander ab. ↩
-
Zur Übertragung des Oberbefehls am 2. März 1796 Willms (2005), S. 120 f. ↩
-
Zu den Schlachten und zur Chronologie des Feldzugs Willms (2005), S. 127–170; knapper Überblick bei Zamoyski (2018). Einzelne Tagesdaten (insbesondere Rivoli) werden in der Literatur mit geringfügigen Abweichungen angegeben. ↩
-
Zur eigenmächtigen Diplomatie Bonapartes Dwyer (2008), Schlusskapitel; Willms (2005), S. 171–185. ↩
-
Zum Frieden von Campo Formio (18. Oktober 1797): Die Abtretung der österreichischen Niederlande erfolgte unmittelbar; hinsichtlich des linken Rheinufers erkannte Österreich die französischen Ansprüche in geheimen Zusatzartikeln grundsätzlich an, doch blieb die reichsrechtliche Regelung offen und wurde erst im Frieden von Lunéville (9. Februar 1801) sowie im Reichsdeputationshauptschluss (1803) förmlich vollzogen. Die frühere Fassung dieses Artikels, die eine unmittelbare »Abtretung des linken Rheinufers« behauptete, ist entsprechend zu differenzieren. ↩
-
Zur Auflösung der Republik Venedig und ihrer Bewertung Willms (2005), S. 180–184. ↩
-
Zu den strategischen Motiven der Ägyptenexpedition Willms (2005), S. 190–205; Dwyer (2008). ↩
-
Zur Commission des sciences et des arts, zur Zahl der savants (in der Literatur zwischen ca. 150 und 167 schwankend) und zur Rolle Monges vgl. napoleon.org, »The Institut d'Égypte and the Description de l'Égypte« (Abruf 3. September 2026). Die genaue Zahl variiert je nach Zählung (Gelehrte im engeren Sinn vs. gesamtes ziviles Personal). ↩
-
Zur Schlacht bei den Pyramiden und zur Katastrophe von Abukir Willms (2005), S. 206–220. ↩
-
Zum heimlichen Verlassen des Heeres im August 1799 und zu dessen Bewertung Dwyer (2008); Willms (2005), S. 221–230. ↩
-
Zur Gründung des Institut d'Égypte im August 1798 nach dem Vorbild des Institut de France napoleon.org (Abruf 3. September 2026). ↩
-
Die abweichenden Jahresangaben zur Description de l'Égypte beruhen wesentlich auf der Unterscheidung zweier Ausgaben: Die erste Ausgabe (Édition impériale, ab 1815 Édition royale) erschien zwischen 1809 und 1822 (nach Katalogisat des Inalco 23 Bände); die erweiterte zweite Ausgabe des Verlegers Charles-Louis-Fleury Panckoucke erschien 1821–1830 (nach Katalogisat der BnF 24 Teile in 26 Textbänden sowie elf Tafelbänden/Atlanten). Die häufig genannte Spanne »1809–1829« vermischt beide Ausgaben. Vgl. napoleon.org, »The Institut d'Égypte and the Description de l'Égypte« (Abruf 3. September 2026). ↩
-
Zur Entzifferung durch Jean-François Champollion: Sein öffentlich vor der Académie des Inscriptions et Belles-Lettres vorgetragener und Ende Oktober 1822 gedruckter Brief Lettre à M. Dacier relative à l'alphabet des hiéroglyphes phonétiques (Paris 1822) gilt als Gründungsdokument der Ägyptologie. Deutschsprachig zum Kontext: Friedhelm Hoffmann/Stefan Pfeiffer, Der Stein von Rosetta, Stuttgart (Reclam) 2021. Die Entzifferung stützte sich wesentlich, aber nicht ausschließlich auf den Stein von Rosetta. ↩
-
Zur Doppelnatur von Wissenschaft und Herrschaft pointiert die Formel »le savoir au service du pouvoir«; vgl. die Einordnung in der »New Napoleonic History« bei Michael Broers. ↩
-
Zum Verbleib des Rosetta-Steins als britische Kriegsbeute (Kapitulation von Alexandria 1801) und seiner heutigen Aufbewahrung im British Museum vgl. die Bestandsangaben des British Museum. ↩
-
Zur Erstürmung Jaffas am 7. März 1799 und zur Plünderung mit Übergriffen gegen die Zivilbevölkerung vgl. Patrice Gueniffey, Bonaparte 1769–1802, Paris 2013 (dt. u. engl. Ausg.); Philip Dwyer, Napoleon: The Path to Power (2008), Kap. zum Syrienfeldzug. ↩
-
Zur Verstümmelung der Parlamentäre und zur französischen Rechtfertigung vgl. die Memoiren Louis-Antoine Fauvelet de Bourriennes (Mémoires sur Napoléon, postum 1829) als zeitgenössische, jedoch tendenziöse Quelle; kritisch dazu Dwyer (2008). ↩
-
Zur Erschießung der Kriegsgefangenen (7.–10. März 1799) und zur nicht anerkannten Kapitulationszusage der Adjutanten Beauharnais und Croisier vgl. Gueniffey, Bonaparte (2013); die Opferzahlen schwanken je nach Quelle zwischen ca. 2.400 und über 4.000. Bourriennes Augenzeugenbericht nennt zwei Gefangenengruppen von zusammen rund 4.000 Mann. Die neuere Forschung ordnet den Vorgang überwiegend als Kriegsverbrechen ein. ↩
-
Zur umstrittenen Opium-Episode: Mehrere französische Memoiren berichten, Bonaparte habe am 23. April 1799 (bzw. beim Rückzug im Mai 1799) Desgenettes die Verabreichung von Opium an nicht transportfähige Pestkranke vorgeschlagen; Desgenettes habe abgelehnt. Andere Zeugen bestreiten den Vorgang; ein dokumentarischer Beweis fehlt, die Historiographie bleibt geteilt. Zum Gemälde Bonaparte visitant les pestiférés de Jaffa (Antoine-Jean Gros, 1804, heute im Musée du Louvre) als propagandistische Reaktion auf den Massaker- und den Vergiftungsvorwurf vgl. napoleon.org, »Le tableau de Gros: Les pestiférés de Jaffa« (Abruf 3. September 2026); zur medizinhistorischen Deutung des Krankenbesuchs (Desgenettes, Furchtlehre) die Fachliteratur in Medicina nei Secoli (2024). ↩↩
-
Zum Ablauf des 18./19. Brumaire Willms (2005), S. 231–255; Thierry Lentz, Le Grand Consulat 1799–1804, Paris 1999. ↩
-
Zur Rolle des Militärs und zur Krise im Rat der Fünfhundert (Saint-Cloud) Lentz (1999); Dwyer, Citizen Emperor, London 2013, Eingangskapitel. ↩
-
Zur historiographischen Einordnung »Ende der Revolution« vgl. die Übersicht bei Lentz (1999); ähnlich die angelsächsische Forschung. ↩
-
Diese Einschätzung – das Zivilwerk sei wesentlich im Konsulat grundgelegt worden – ist in der Forschung weitgehend Konsens; vgl. Lentz, Nouvelle histoire du Premier Empire, Bd. 1, Paris 2002. ↩
-
Zu den einzelnen Reformen (Bank von Frankreich 18.1.1800; Präfekturen 1800; Konkordat 1801/02; Code civil 21.3.1804) Willms (2005), S. 256–300; Thierry Lentz, Le Grand Consulat 1799–1804, Paris 1999. Zur Wirkungsgeschichte des Code civil ausführlich unten Anm. 134. ↩
-
Zur Beschneidung der Pressefreiheit (Januar 1800) und zum Konsulat auf Lebenszeit (Plebiszit 2. August 1802) Willms (2005). ↩
-
Zur territorial uneinheitlichen Aufrechterhaltung bzw. Wiederherstellung der Sklaverei 1802 und zum Scheitern der Saint-Domingue-Expedition vgl. Abschnitt 11.4 mit weiterer Literatur (u. a. Branda/Lentz, Napoléon, l'esclavage et les colonies). ↩
-
Zu Marengo und zum teils glücklichen Schlachtverlauf (Eingreifen Desaix') Willms (2005), S. 270–280. ↩
-
Zu Lunéville (9.2.1801) und Amiens (25.3.1802) Willms (2005), S. 281–295. ↩
-
Zu den Ursachen des erneuten Kriegsausbruchs mit Großbritannien 1803 (Malta, Handelsfragen) Dwyer (2013). ↩
-
Zur Enghien-Affäre Willms (2005), S. 305–315; zum Exilort Ettenheim in Baden, zur Entführung am 15. März 1804 und zur Hinrichtung am 21. März 1804 in Vincennes vgl. Jean Tulard, Le Duc d'Enghien, Paris (Fayard) 2004. Damit sind die im früheren Seitentext enthaltenen Angaben richtigzustellen: Der Herzog lebte nicht in Württemberg, sondern im badischen Ettenheim, und Napoleon war zum Zeitpunkt der Affäre noch Erster Konsul, nicht Kaiser. ↩
-
Zur europäischen Reaktion und zur Belastung des Verhältnisses zu Alexander I. Dwyer (2013); Zamoyski (2018). ↩
-
Das Bonmot »C'est pire qu'un crime, c'est une faute« (auch in der Variante »C'est plus qu'un crime …«) wird unterschiedlich Talleyrand, Fouché oder Boulay de la Meurthe zugeschrieben; die Zuschreibung ist nicht gesichert. Ein früher Beleg findet sich 1807 in der Zeitschrift L'Ambigu; das Oxford Dictionary of Quotations nennt Boulay de la Meurthe als wahrscheinlichsten Urheber, Bartlett's Familiar Quotations dagegen Fouché. ↩
-
Zur Kaiserkrönung am 2. Dezember 1804 in Notre-Dame Willms (2005), S. 316–330; Zamoyski (2018). ↩
-
Zur Deutung der Selbstkrönung als bewusste Symbolik (nicht als spontaner Affront) vgl. Dwyer, Citizen Emperor (2013); zur Titelwahl »Kaiser der Franzosen« ebd. ↩
-
Zur Manipulation der Plebiszitzahlen vgl. die Diskussion bei Lentz, Nouvelle histoire du Premier Empire, Bd. 1 (2002). ↩
-
Zu Ulm (Oktober 1805) und Austerlitz (2. Dezember 1805, »Dreikaiserschlacht«) Willms (2005), S. 340–360; zur Operationsführung David Chandler, The Campaigns of Napoleon, London 1966; knapp Zamoyski (2018). ↩
-
Zu Trafalgar (21. Oktober 1805) und seiner strategischen Bedeutung (Ausschluss einer Invasion Großbritanniens) vgl. Zamoyski (2018); Esdaile, Napoleon's Wars, London 2007. ↩
-
Die Rheinbundakte trägt das Datum 12. Juli 1806; die Unterzeichnung durch die Abgesandten der zunächst 16 Mitgliedsstaaten erfolgte gestaffelt (u. a. 12., 16., 19. und 20. Juli 1806 in Paris). Der förmliche Austritt der Mitglieder aus dem Heiligen Römischen Reich wurde zum 1. August 1806 erklärt. Bis 1808 traten zahlreiche weitere Staaten bei. Vgl. das Historische Lexikon Bayerns, »Ende des Alten Reiches« (Abruf 3. September 2026). ↩
-
Zur Niederlegung der Reichskrone durch Franz II. am 6. August 1806 und zum Ende des Heiligen Römischen Reiches ebd. Die Angabe »mehr als acht Jahrhunderte« bezieht sich auf die Kaiserkrönung Ottos I. (962); rechnet man ab Karl dem Großen (800), ergibt sich gut ein Jahrtausend. ↩
-
Zu Jena und Auerstedt (14. Oktober 1806) und zur Rolle Davouts bei Auerstedt vgl. napoleon.org, »Jena-Auerstedt« (Abruf 3. September 2026). ↩
-
Zum Berliner Dekret (21. November 1806) und zur Kontinentalsperre Willms (2005), S. 380–395. ↩
-
Zur Kontinentalsperre als struktureller Ursache weiterer Konflikte Broers, Europe under Napoleon (1996); Esdaile (2007). ↩
-
Zur unentschiedenen Schlacht bei Preußisch Eylau (7./8. Februar 1807) Zamoyski (2018). ↩
-
Zu Friedland (14. Juni 1807) und zu den Verträgen von Tilsit (7./9. Juli 1807), zur Herabstufung Preußens und zur Errichtung des Herzogtums Warschau vgl. Willms (2005), S. 396–415; zur polnischen Perspektive Abschnitt 6.2. ↩
-
Zum Dreiringmodell des napoleonischen Herrschaftssystems (Kernreich, Satellitenstaaten, erzwungene Verbündete) vgl. Michael Broers, Europe under Napoleon 1799–1815, London 1996; Stuart Woolf, Napoleon's Integration of Europe, London 1991. ↩
-
Zur Familienmonarchie und den Thronbesetzungen (Joseph, Louis, Jérôme, Murat) Willms (2005), S. 420–440. Zum Königreich Westphalen unter Jérôme als »Modellstaat« (erste Verfassung auf deutschem Boden, 15. November 1807; Code Napoléon; Aufhebung von Leibeigenschaft, Adelssteuerfreiheit und Patrimonialgerichten) und zu seinem ambivalenten Charakter zwischen Modernisierungsanspruch und Scheitern an den Kriegslasten grundlegend Andreas Hedwig/Klaus Malettke/Karl Murk (Hg.), Napoleon und das Königreich Westphalen. Herrschaftssystem und Modellstaatspolitik, Marburg 2008; Ewald Grothe, »Die Verfassung des Königreichs Westphalen von 1807«, in: H. Brandt/E. Grothe (Hg.), Rheinbündischer Konstitutionalismus, Frankfurt a. M. 2007, S. 31–51. ↩
-
Zur Absetzung Louis Bonapartes als König von Holland 1810 und zur Eigenwilligkeit der Satellitenherrscher Broers (1996). ↩
-
Zur »Familienmonarchie« als Herrschaftsinstrument und zu den Rollen der Geschwister vgl. Willms (2005), S. 420–440; als Überblick zu den Lebensdaten und Titeln die genealogischen Angaben bei Letizia Ramolino und den Einzelartikeln der Fondation Napoléon (napoleon.org). Zu den Spannungen zwischen Napoleons Zentralinteresse und den Eigeninteressen der Familienherrscher Michael Broers, Europe under Napoleon (1996). Ausführliche Einzeldarstellungen der Familienmitglieder folgen gesondert. ↩
-
Zur inneren Verschärfung nach Tilsit: Das napoleonische Theaterdekret vom 29. Juli 1807 beschränkte die Pariser Bühnen auf acht Theater mit je festgelegtem Repertoire (dazu Rüdiger Hillmer, Die napoleonische Theaterpolitik. Geschäftstheater in Paris 1799–1815, Köln [Böhlau] 1999; napoleon.org, »Napoleon and the theatre«, Abruf 3. September 2026). Die noblesse impériale wurde durch Dekrete von 1806 und 1808 geschaffen. Die verschärfte Pressezensur traf u. a. Germaine de Staël, deren Werk De l'Allemagne 1810 verboten wurde; offizielles Sprachrohr war der Moniteur. Zur Gesamtdeutung Dwyer, Citizen Emperor, London 2013. ↩
-
Zum Herzogtum Warschau und zu Fürst Józef Poniatowski Zamoyski (2018); zur Gründung der polnischen Legionen (Vertrag mit der Lombardischen Republik, 9. Januar 1797) unter Jan Henryk Dąbrowski und zu Józef Wybickis Pieśń Legionów Polskich we Włoszech (der späteren polnischen Nationalhymne) vgl. Jan Pachoński, Legiony Polskie 1794–1807, 4 Bde., Warschau 1969–1979; Andrzej Zahorski, Napoleon, Warschau 1982. ↩
-
Zur außenpolitischen Abhängigkeit des Herzogtums Warschau (kein eigenes Außenministerium, enge militärische Bindung an Frankreich, Personalunion mit dem sächsischen Königshaus) und zur kritischen Bewertung in der polnischen Forschung vgl. Barbara Grochulska, Księstwo Warszawskie, Warschau 1966; Jarosław Czubaty, Księstwo Warszawskie (1807–1815), Warschau 2011; zusammenfassend Alexander Mikaberidze, The Napoleonic Wars: A Global History, Oxford 2020. ↩
-
Zur Entsendung von rund 6.000 polnischen Legionären nach Saint-Domingue (1802–1803) zur Niederschlagung der Haitianischen Revolution, von denen nur wenige Hundert zurückkehrten, vgl. Jan Pachoński/Reuel K. Wilson, Poland's Caribbean Tragedy: A Study of Polish Legions in the Haitian War of Independence 1802–1803, New York 1986. Quellenkritisch offen bleibt, inwieweit einzelne polnische Einheiten den Befehl zu Massakern an unbewaffneten Aufständischen (Saint-Marc 1802) verweigerten bzw. überliefen; die Berichte sind widersprüchlich. In der polnischen Erinnerungskultur gilt Saint-Domingue als Sinnbild der Instrumentalisierung der polnischen Sache durch Napoleon. ↩
-
Zur bis heute gespaltenen Deutung Napoleons in der polnischen Historiographie (Befreier vs. Machtpolitiker) vgl. die würdigende Tradition bei Szymon Askenazy, Napoleon a Polska, 3 Bde., Warschau/Krakau 1918–1919, und Marian Kukiel gegenüber der kritischeren Einordnung bei Andrzej Zahorski, Napoleon, Warschau 1982, und Jerzy Skowronek; zur jüngeren, abwägenden Synthese Jarosław Czubaty, The Duchy of Warsaw, 1807–1815: A Napoleonic Outpost in Central Europe, London 2016. ↩
-
Zu den Abdankungen von Bayonne (5.–7. Mai 1808) und der Einsetzung Josephs Willms (2005), S. 441–455; Charles Esdaile, The Peninsular War: A New History, London 2002. ↩
-
Zum Dos de Mayo und zur Kapitulation von Bailén (Juli 1808) Esdaile (2002). ↩
-
Zum Charakter des Halbinselkriegs und zur Metapher »ulcère espagnol« Esdaile (2002); Broers (1996). Der spanische Widerstand war nach neuerer Forschung kein einheitlicher nationaler Aufstand, sondern ein komplexes Gemenge aus Widerstand, Bürgerkrieg und Bandenwesen (zur übergreifenden Einordnung dieses Deutungsmusters Abschnitt 12.2). ↩
-
Francisco de Goya, Radierfolge Los Desastres de la Guerra (entstanden ca. 1810–1815 als Reaktion auf den Halbinselkrieg, erst postum 1863 durch die Real Academia de Bellas Artes de San Fernando veröffentlicht). Vgl. die Bestands- und Werkangaben der Real Academia de Bellas Artes de San Fernando, Madrid. ↩
-
Zu Aspern-Eßling (21./22. Mai 1809) und Wagram (5./6. Juli 1809) sowie zum Frieden von Schönbrunn Willms (2005), S. 456–470. ↩
-
Zur mehrstufigen Auflösung der Ehe mit Joséphine sind rechtlich zu unterscheiden: die zivile Auflösung durch beiderseitige Erklärung am 15. Dezember 1809 und deren Bestätigung durch Sénatus-consulte am 16. Dezember 1809 sowie die kirchliche Nichtigkeitserklärung durch das Pariser Diözesangericht (Officialité) im Januar 1810. Eine förmliche »Scheidung« nach dem Code civil war für Mitglieder der kaiserlichen Familie ausgeschlossen (Statut der kaiserlichen Familie vom 30. März 1806, am 31. März 1806 in die Register des Senats eingetragen); daher der Weg über zivile Dissolution und kirchliche Nichtigkeit. Die Rechtmäßigkeit des kirchlichen Verfahrens wurde von Zeitgenossen, auch von Papst Pius VII., angezweifelt. Vgl. napoleon.org, »Napoleon's divorce« (Abruf 3. September 2026); Zamoyski (2018). Die frühere Angabe »10. Januar 1810« als einziges Datum der Annullierung ist damit richtigzustellen. ↩
-
Zur Heirat mit Marie-Louise (standesamtlich 1. April, kirchlich 2. April 1810) und zu ihrer dynastisch-politischen Bedeutung Willms (2005), S. 471–485. ↩
-
Zur Geburt des »Königs von Rom« (Napoleon Franz, später Herzog von Reichstadt) am 20. März 1811 ebd. ↩
-
Zu den Ehen und Kindern Napoleons vgl. Willms (2005); zum legitimen Sohn Napoleon Franz (Napoleon II., Herzog von Reichstadt) die Neue Deutsche Biographie, Art. »Napoleon II.«, Bd. 18 (1997); zu den außerehelichen Söhnen Charles Léon (geb. 13. Dezember 1806, Sohn der Éléonore Denuelle) und Alexandre Walewski (geb. 1810, Sohn der Maria Walewska) vgl. die Einzelartikel der Fondation Napoléon (napoleon.org). Die Vaterschaft Léons gilt als weitgehend, die Walewskis als sicher anerkannt; weitere zugeschriebene Kinder (u. a. Émilie Pellapra) sind nicht gesichert. Ausführliche Personenartikel folgen gesondert. ↩
-
Zu den Ursachen des Bruchs (Kontinentalsperre, polnische Frage, Oldenburg) Adam Zamoyski, 1812. Napoleons Feldzug in Russland, München 2012; Willms (2005). ↩
-
Die Zahlenangaben zur Grande Armée von 1812 hängen entscheidend von der Bezugsgröße ab und dürfen nicht gleichgesetzt werden: (a) das Gesamtaufgebot für den Feldzug einschließlich Reserve-, Etappen- und Nachschubverbände sowie später nachrückender Truppen wird verbreitet mit ca. 600.000, einzelne Zählungen mit bis zu ca. 674.000–680.000 Mann angegeben; (b) die Invasionsarmee am Njemen im Juni 1812 umfasste rund 440.000 Mann (so Marie-Pierre Rey), von denen etwa 420.000 in den Tagen um den 24.–27. Juni 1812 den Fluss überschritten (napoleon.org; EHNE, Rey). Zum multinationalen Charakter: Die Franzosen bildeten die stärkste Einzelgruppe, stellten aber weniger als die Hälfte des Heeres; große Kontingente stammten aus Polen, den Rheinbundstaaten, Italien und weiteren abhängigen Staaten (EHNE, »Russian Campaign, French Campaign 1812–1814«; Mikaberidze 2020). Der genaue französische Anteil ist definitionsabhängig, je nachdem, ob Soldaten aus annektierten Departements als »französisch« oder nach regionaler Herkunft gezählt werden; verbreitete Schätzungen bewegen sich um die 40 Prozent. Vgl. auch DHM/LeMO, »Napoleons Russlandfeldzug 1812« (Abruf 3. September 2026). ↩
-
Zum Übergang über den Njemen am 24. Juni 1812 DHM/LeMO (Abruf 3. September 2026). ↩
-
Zur Taktik der verbrannten Erde und zum frühen Kräfteverfall vgl. Zamoyski, 1812 (2012); zur Relativierung des »Winter-Mythos« die postsowjetische Forschung. ↩
-
Zu den Verlusten bei Borodino (zusammen ca. 70.000–80.000 Tote und Verwundete) DHM/LeMO (Abruf 3. September 2026); die Einzelangaben differieren je nach Quelle. ↩
-
Zur Deutung Borodinos als »Pyrrhussieg« und zum intakten Rückzug Kutusows vgl. Zamoyski (2012); Mikaberidze, The Battle of Borodino (2007). ↩
-
Zur bis heute umstrittenen Urheberschaft des Brandes von Moskau (14.–18. September 1812) vgl. Zamoyski (2012); die Positionen reichen von gezielter russischer Brandstiftung (Rostoptschin) bis zu unkontrollierten Plünderungsbränden. ↩
-
Zum verspäteten Rückzugsbefehl (19. Oktober 1812) und zur erzwungenen Rückkehr auf die verwüstete Route Zamoyski (2012). ↩
-
Zur Schlacht an der Beresina (26.–29. November 1812) ebd. ↩
-
Zum Verlassen der Armee Anfang Dezember 1812 und zur Malet-Verschwörung in Paris Willms (2005); Zamoyski (2012). ↩
-
Die Angaben zu den beim Rückzug im Dezember 1812 noch kampffähig den Njemen überschreitenden Truppen des Hauptheeres schwanken je nach Definition und Quelle zwischen rund 20.000 und 50.000 Mann; Versprengte, Nachzügler, Kranke sowie die Flügelkorps (u. a. Macdonald, Schwarzenberg, Yorck) und später eintreffende Verstärkungen sind darin nicht einheitlich erfasst. Vgl. Zamoyski, 1812 (2012); Mikaberidze (2020). ↩
-
Jede Gesamtzahl hängt entscheidend von der Bezugsgröße und Zählweise ab; die Literatur rechnet Gefallene, an Hunger/Kälte/Seuchen Gestorbene, Gefangene, Deserteure und Vermisste unterschiedlich zusammen und bezieht teils nur die Grande Armée, teils auch russische Truppen und Zivilbevölkerung ein. Die Gesamtverluste der Grande Armée (Tote, Gefangene und Vermisste) werden überwiegend auf mehrere Hunderttausend beziffert; für die russische Seite und die Zivilbevölkerung liegen ebenfalls nur Schätzungen vor. Eine einzelne, scheinbar präzise Gesamttotenzahl »für beide Seiten« (wie die früher genannte Spanne 300.000–400.000) ist methodisch nicht tragfähig und wird hier bewusst vermieden. Vgl. Zamoyski, 1812 (2012); Mikaberidze (2020); zur russischen Zählung die postsowjetische Forschung (Bezotosnyj, Zemcov, Popov). ↩
-
Zur russischen Deutung als »Vaterländischer Krieg« und zur Figur Kutusows vgl. Evgenij V. Tarle, Napoleons Invasion Russlands 1812; kritisch dazu die postsowjetische Historiographie (Bezotosnyj, Zemcov, Popov). ↩
-
Zum Vergleich der nationalen Deutungen (russisch/französisch/polnisch) vgl. Mikaberidze (2020) als sprachraumübergreifende Synthese; zur polnischen Perspektive Abschnitt 6.2. ↩
-
Die Konvention von Tauroggen (30. Dezember 1812) schloss der preußische Generalleutnant Yorck von Wartenburg eigenmächtig mit dem russischen Generalmajor von Diebitsch; sie neutralisierte das preußische Hilfskorps und gilt als Auslöser des Bündniswechsels. Der Volltext ist bei EPOCHE NAPOLEON dokumentiert (Quellensammlung 1812, nach Fritz Lange [Hg.], Das neue Deutschland 1813/14, Berlin 1953). Der Vertrag von Kalisch folgte am 28. Februar 1813 (teils gestaffelt 23./24. Februar unterzeichnet); der Aufruf »An mein Volk« Friedrich Wilhelms III. erging am 17./20. März 1813 von Breslau aus. Vgl. rbb Preußen-Chronik, »Befreiungskriege« (Abruf 3. September 2026). ↩
-
Zum raschen Neuaufbau der Armee 1813 und zum Kavalleriemangel als Folge des Russlandfeldzugs Willms (2005); David Chandler, The Campaigns of Napoleon, London 1966. ↩
-
Zu Großgörschen/Lützen und Bautzen (Mai 1813), zum Sommerwaffenstillstand und zum Kriegseintritt Österreichs (August 1813) Willms (2005), S. 500–520. ↩
-
Zum Herbstfeldzug 1813: Napoleons Sieg bei Dresden (26./27. August 1813) stand den Niederlagen seiner Marschälle an den Nebenschauplätzen gegenüber – Großbeeren (23. August, Oudinot/Bernadotte), an der Katzbach (26. August, Macdonald/Blücher), Kulm (29./30. August, Vandamme) und Dennewitz (6. September, Ney). Vgl. Thamer, Die Völkerschlacht bei Leipzig (2013); zur Operationsgeschichte David Chandler, The Campaigns of Napoleon, London 1966. ↩
-
Zur Völkerschlacht bei Leipzig (16.–19. Oktober 1813) mit bis zu rund 600.000 beteiligten Soldaten und etwa 90.000–100.000 Toten und Verwundeten grundlegend Hans-Ulrich Thamer, Die Völkerschlacht bei Leipzig. Europas Kampf gegen Napoleon, München (C.H. Beck) 2013; die genauen Zahlen variieren je nach Zählung. Napoleon zog sich nur mit rund 100.000 Mann nach Deutschland-West zurück; weitere rund 80.000 waren in belagerten Festungen eingeschlossen. ↩
-
Zum Seitenwechsel der sächsischen Truppen, zum Zusammenbruch des Rheinbunds und zum Rückzug hinter den Rhein Willms (2005). ↩
-
Zur Relativierung des »nationalen« Charakters der Befreiungskriege in der neueren Forschung vgl. Karen Hagemann, »Mannlicher Muth und Teutsche Ehre«, Paderborn 2002; Ewald Grothe, Art. »Befreiungskriege«, in: Enzyklopädie der Neuzeit, Bd. 1, Stuttgart 2005. Diese Sicht steht im Gegensatz zur älteren, national gefärbten Deutung. ↩
-
Zur kritischen Begriffsgeschichte grundlegend Ute Planert, Der Mythos vom Befreiungskrieg. Frankreichs Kriege und der deutsche Süden. Alltag – Wahrnehmung – Deutung 1792–1841, Paderborn (Schöningh) 2007. Bereits Zeitgenossen verwendeten den Begriff distanziert: Ludwig Börne (1832) und Karl Marx (1849) setzten »Befreiungskrieg« in Anführungszeichen bzw. versahen ihn mit spöttischen Zusätzen. Die französischsprachige Historiographie kennt keine direkte Entsprechung und spricht neutral von der Campagne d'Allemagne. ↩
-
Zum Frankreichfeldzug 1814 und zu Napoleons taktischen Achtungserfolgen bei zahlenmäßiger Unterlegenheit Chandler (1966); Willms (2005). ↩
-
Zum Frankreichfeldzug 1814, zur Schlacht bei Arcis-sur-Aube (20./21. März 1814) und zur Kapitulation von Paris (30./31. März 1814) vgl. David Chandler, The Campaigns of Napoleon, London 1966; Thierry Lentz, Nouvelle histoire du Premier Empire, Bd. 2 (L'effondrement du système napoléonien 1810–1814), Paris 2004. ↩
-
Zur Abdankung (Unterzeichnung 6. April, Vertrag von Fontainebleau 11. April 1814) Willms (2005). ↩
-
Zur Zuweisung Elbas als souveränes Fürstentum unter Beibehaltung des Kaisertitels und zur Rückkehr Ludwigs XVIII. Zamoyski (2018). ↩
-
Der berichtete Giftselbstmordversuch in der Nacht vom 12./13. April 1814 beruht wesentlich auf den Memoiren Caulaincourts; er ist in der Forschung nicht unumstritten und sollte mit Vorbehalt referiert werden. ↩
-
Zur Lage auf Elba, zur Unzufriedenheit mit Ludwig XVIII. und zu den Spannungen des Wiener Kongresses vgl. DHM/LeMO, »Napoleons Rückkehr von Elba« (Abruf 3. September 2026); Willms (2005). ↩
-
Zur Landung bei Golfe-Juan (1. März 1815), zum Überlaufen der Truppen und zum Chateaubriand-Zitat ebd. Nicht zu verwechseln ist die Landung mit dem benachbarten Antibes: Eine von Napoleon dorthin entsandte Vorausabteilung, die das in Antibes stationierte 87. Linienregiment gewinnen sollte, hatte keinen Erfolg und wurde festgesetzt. Vgl. die entsprechende Unterscheidung bei der Fondation Napoléon (napoleon.org). ↩
-
Die Erklärung des Wiener Kongresses vom 13. März 1815 stellte Napoleon »hors des relations civiles et sociales« (außerhalb der bürgerlichen und gesellschaftlichen Beziehungen) und bezeichnete ihn als »ennemi et perturbateur du repos du monde« (Feind und Störer der Ruhe der Welt). Am 25. März 1815 erneuerten Großbritannien, Österreich, Russland und Preußen ihre Allianz gegen ihn. Vgl. Thierry Lentz, Nouvelle histoire du Premier Empire, Bd. 4 (Les Cent-Jours 1815), Paris 2010, sowie den bei der Fondation Napoléon (napoleon.org) wiedergegebenen Wortlaut der Déclaration. ↩
-
Zur Acte additionnel und zu ihrer Bewertung als taktisches Zugeständnis Willms (2005); Dwyer, Citizen Emperor (2013). ↩
-
Zur Strategie der Trennung Wellingtons und Blüchers Chandler (1966). ↩
-
Zu Ligny und Quatre-Bras (16. Juni 1815) sowie zur Schlacht bei Waterloo (18. Juni 1815) grundlegend David Chandler, The Campaigns of Napoleon, London 1966; Thierry Lentz, Nouvelle histoire du Premier Empire, Bd. 4 (Les Cent-Jours 1815), Paris 2010. Zur entscheidenden Rolle des preußischen Eingreifens unter Blücher ebd. ↩
-
Zur entscheidenden Rolle des preußischen Eingreifens unter Blücher ebd.; Zamoyski (2018). ↩
-
Die historiographische Bezeichnung »Hundert Tage« (frz. Cent-Jours) ist eine gerundete Formel und bezeichnet nicht exakt Napoleons zweite Herrschaft. Sie geht auf eine Ansprache des Pariser Präfekten Chabrol de Volvic zurück und rechnet üblicherweise vom Einzug Ludwigs XVIII. in Paris am 20. März 1815 bis zu dessen erneuter Rückkehr am 8. Juli 1815 (rund 111 Tage). Von der eigentlichen zweiten Herrschaft Napoleons zu unterscheiden sind deren mögliche Eckdaten: Landung bei Golfe-Juan (1. März 1815), Machtübernahme in Paris (20. März 1815), Waterloo (18. Juni 1815) und zweite Abdankung (22. Juni 1815). ↩
-
Zur gescheiterten Flucht und zur Übergabe an Bord der HMS Bellerophon (15. Juli 1815) Zamoyski (2018); zur Deutung als Fehleinschätzung britischer Nachsicht ebd. ↩
-
Zur Ankunft vor St. Helena (15./16. Oktober 1815) an Bord der HMS Northumberland vgl. napoleon.org, »Napoléon en exil à Sainte-Hélène« (Abruf 3. September 2026); Willms (2005). ↩
-
Zum Bezug von Longwood House (10. Dezember 1815) und zu den ungünstigen klimatischen Bedingungen vgl. ebd. ↩
-
Zum Gefolge und zum Konflikt mit Gouverneur Hudson Lowe Zamoyski (2018); Willms (2005). ↩
-
Zur Diktatarbeit auf St. Helena napoleon.org, »Napoléon en exil à Sainte-Hélène« (Abruf 3. September 2026). ↩
-
Das Mémorial de Sainte-Hélène erschien erstmals 1823 (Paris) und wurde in mehrere Sprachen übersetzt; es beruht auf Las Cases' Aufzeichnungen der Gespräche mit Napoleon zwischen 1815 und Dezember 1816. Philip Dwyer charakterisiert es als den wahrscheinlich meistgelesenen politischen Text seiner Zeit und als »Bibel des Bonapartismus« im 19. Jahrhundert (Dwyer, Citizen Emperor, London 2013). Eine 2017 bei Perrin edierte Frühfassung aus dem Nachlass Lord Bathursts zeigt, dass die gedruckte Version von 1823 gegenüber dem 1816 konfiszierten Manuskript erheblich erweitert wurde – ein wichtiger quellenkritischer Befund. Vgl. napoleon.org, »The eye-witness memoirs of Napoleon on St Helena« (Abruf 3. September 2026). ↩
-
Zur quellenkritischen Einordnung des Mémorial als politische Selbststilisierung vgl. Tulard (1977); Willms (2005). ↩
-
Zum Todeszeitpunkt (5. Mai 1821, 17:49 Uhr) napoleon.org (Abruf 3. September 2026). ↩
-
Zur Autopsie durch Antommarchi (6. Mai 1821) und zur Diagnose eines fortgeschrittenen Magenkarzinoms vgl. napoleon.org, »Napoleon's Death« (Abruf 3. September 2026). Der Vater Carlo starb wahrscheinlich ebenfalls an einem Magenkarzinom; eine daraus abgeleitete gesicherte erbliche Disposition ist jedoch nicht belegbar (vgl. Anm. 9). Die neuere pathologische Neubewertung spricht für ein sporadisches, weit fortgeschrittenes Karzinom. ↩
-
Alessandro Lugli u. a., »Napoleon Bonaparte's gastric cancer: a clinicopathologic approach to staging, pathogenesis, and etiology«, in: Nature Clinical Practice Gastroenterology & Hepatology 4 (2007), S. 52–57. Die Studie stützt anhand einer Neubewertung der Autopsiebefunde und des dokumentierten Gewichtsverlaufs die Diagnose eines fortgeschrittenen Magenkarzinoms (Tumorstadium T3/T4) und wertet eine erbliche Disposition als unwahrscheinlich. ↩
-
Zur Arsen-These Sten Forshufvuds (seit 1961) auf Grundlage von Haaranalysen vgl. die medizinhistorische Aufarbeitung bei Alessandro Lugli u. a., »The gastric disease of Napoleon Bonaparte«, in: Swiss Medical Weekly 151 (2021), w30017 (Bicentenar-Studie eines internationalen Pathologen-Konsortiums). ↩
-
Zur Widerlegung der Vergiftungsthese (vergleichbare Arsenwerte in früheren Lebensphasen und bei Zeitgenossen; arsenhaltige Umwelt, u. a. Tapetenpigmente und in der Weinbereitung verwendetes Arsen) vgl. Lugli u. a. (2021); zur klinischen Unterscheidung von Geschwür und Karzinom J. Thomas Hindmarsh/Philip F. Corso, »The Death of Napoleon Bonaparte: A Critical Review of the Cause«, in: Journal of the History of Medicine and Allied Sciences 53 (1998), S. 201–218. ↩
-
Zur Existenz mehrerer, teils voneinander abweichender Autopsieberichte und zur Verabreichung einer massiven Kalomel-Dosis (Quecksilber(I)-chlorid; nach mehreren Darstellungen 10 grains statt der üblichen 1–2, verordnet durch den britischen Arzt Archibald Arnott gegen Antommarchis Rat) sowie eines Brechweinstein-Präparats (Antimonpräparat) in den letzten Tagen vgl. napoleon.org, »The ‚Poisoning' of Napoleon: an update« (Abruf 3. September 2026); Lugli u. a. (2021). Diese Substanzen können den Sterbeverlauf beeinträchtigt haben, belegen aber keine gezielte Vergiftung. ↩
-
Die Formulierung vom »Hang zum Geheimnis« (frz. »un certain goût pour le mystère«) als Erklärung für die anhaltende Debatte findet sich in der medizinhistorischen Aufarbeitung (vgl. Lugli u. a. 2021). Der wissenschaftliche Konsens lehnt einen gezielten Giftmord durch Arsen ab; davon zu unterscheiden ist die nicht auszuschließende unbeabsichtigte toxische Mitwirkung zeitgenössischer Arzneimittel (Kalomel, Brechweinstein) und einer allgemeinen Arsenexposition am Krankheits- und Sterbeverlauf. ↩
-
Zur Beisetzung am 9. Mai 1821 und zum Streit um die Grabinschrift: Der Konflikt entzündete sich an der Namensform – Montholon und Bertrand wollten den imperialen Namen »Napoleon« verwenden, Gouverneur Hudson Lowe bestand auf »Napoleon Bonaparte«, um den Kaisertitel nicht anzuerkennen. Mangels Einigung blieb die Grabplatte namenlos. Vgl. St Helena Heritage Trust sowie napoleon.org (Abruf 3. September 2026). ↩
-
Zu unterscheiden sind zwei Vorgänge: der »retour des cendres« mit der Überführung nach Frankreich und der Staatstrauerfeier am 15. Dezember 1840 (unter Louis-Philippe, betrieben von Adolphe Thiers) sowie die endgültige Beisetzung im heutigen Sarkophag (roter Quarzit, Entwurf Louis Visconti) am 2. April 1861 in Anwesenheit Napoleons III. Zwischen 1840 und 1861 ruhten die Gebeine provisorisch in der Chapelle Saint-Jérôme. Vgl. napoleon.org, »Final burial … 2 April 1861« (Abruf 3. September 2026). ↩
-
Zur Bedeutung und Wirkungsgeschichte des Code civil (1804) als einem der einflussreichsten Gesetzbücher der Neuzeit und maßgeblichem Vorbild der kontinentaleuropäischen Kodifikationsbewegung sowie zu seiner Ausstrahlung auf zahlreiche Zivilrechtsordnungen vgl. Franz Wieacker, Privatrechtsgeschichte der Neuzeit, 2. Aufl., Göttingen 1967; Konrad Zweigert/Hein Kötz, Einführung in die Rechtsvergleichung, 3. Aufl., Tübingen 1996, Kap. zum romanischen Rechtskreis; Jean-Louis Halpérin, Le Code civil, 2. Aufl., Paris 2003. Der kontinentaleuropäische civil-law-Rechtskreis selbst beruht auf älteren Grundlagen (römisches Recht, ius commune, naturrechtliche Kodifikationslehre); ihm gingen bereits Kodifikationen wie der Codex Maximilianeus Bavaricus Civilis (1756) und das preußische Allgemeine Landrecht (1794) voraus. Der Code civil ist daher nicht dessen Ursprung, wohl aber sein wirkmächtigstes und stilbildendes Vorbild. ↩
-
Zu den napoleonischen Institutionen (Präfekturen, Bank von Frankreich, Cour des comptes, Lyzeen/Université impériale, Ehrenlegion) und ihrer Fortdauer Thierry Lentz, Nouvelle histoire du Premier Empire, Bd. 1 (2002); Willms (2005). ↩
-
Zum polizeistaatlichen Charakter der napoleonischen Herrschaft und zur Rolle Fouchés Dwyer, Citizen Emperor (2013); Broers (1996). ↩
-
Zur napoleonischen Kriegskunst (Korpssystem, Bewegungskrieg, Entscheidungsschlacht) David Chandler, The Campaigns of Napoleon (1966). ↩
-
Zur kritischen Bewertung von Napoleons strategischer Überdehnung Esdaile, Napoleon's Wars (2007); zur Debatte um das Verhältnis von militärischem Erfolg und politischem Scheitern die neuere Forschung. ↩
-
Zur Doppelnatur von Förderung und Indienstnahme (»le savoir au service du pouvoir«) vgl. Abschnitt 3.2 mit Nachweisen. ↩
-
Napoleon wurde am 25. Dezember 1797 in die Erste Klasse (mathematische und physikalische Wissenschaften) des Institut national de France gewählt und führte diese Mitgliedschaft mit sichtbarem Stolz; zur Bedeutung des Instituts für seine Selbstdarstellung als aufgeklärter Herrscher vgl. napoleon.org, »Napoléon et l'Institut« (Abruf 3. September 2026). Zur Ägyptologie Abschnitt 3.2. Napoleon (damals Erster Konsul) ließ Volta 1801 eine Goldmedaille des Instituts verleihen und stiftete 1802 zwei zu unterscheidende Förderinstrumente: einen jährlichen Prix du galvanisme (Medaille bzw. Preis von 3.000 Francs) für die beste Arbeit über den galvanischen Strom sowie einen außerordentlichen Großpreis von 60.000 Francs für eine grundlegende Entdeckung auf dem Gebiet der Elektrizität und des Galvanismus von einer den Leistungen Franklins oder Voltas vergleichbaren Bedeutung; dieser Großpreis wurde offenbar nie vergeben. Davon zu unterscheiden ist der spätere, gleichnamig auf Volta bezogene Prix Volta, der erst 1852 von Napoleon III. gestiftet wurde. Vgl. napoleon.org, »Volta et la pile électrique« (Abruf 3. September 2026); zur Unterscheidung der beiden Preise A. Deprouw, Diss. (École nationale des chartes) 2008. ↩
-
Zum Empire-Stil grundlegend die von Charles Percier und Pierre-François-Léonard Fontaine, den führenden Architekten und Ausstattern des Kaiserreichs, herausgegebene Recueil de décorations intérieures (Paris 1801/1812). Zur Hofmalerei (Jacques-Louis David, insbesondere Le Sacre de Napoléon, 1805–1807; Antoine-Jean Gros; Jean-Auguste-Dominique Ingres) und zu den Pariser Bauprojekten vgl. die Bestände des Musée du Louvre sowie napoleon.org, »Musée du Louvre – Premier Empire« (Abruf 3. September 2026). Zur zeitlichen Differenzierung der Bauprojekte: Der Arc de Triomphe wurde 1806 von Napoleon in Auftrag gegeben, aber erst 1836 unter Louis-Philippe vollendet; die Kirche La Madeleine, deren Baugeschichte bis 1764 zurückreicht, ließ Napoleon 1806 als »Temple de la Gloire« der Grande Armée wiederaufnehmen, geweiht wurde sie erst 1842; die Rue de Rivoli wurde ab 1802 angelegt, aber erst im 19. Jahrhundert vollendet. Allein die Colonne Vendôme (nach dem Vorbild der Trajanssäule, aus erbeutetem Geschützbronze) wurde 1810 noch unter Napoleon fertiggestellt. ↩
-
Dominique Vivant Denon wurde 1802 zum Generaldirektor der Museen ernannt; der Louvre wurde 1803 in »Musée Napoléon« umbenannt. Denon trat im Oktober 1815 zurück. Bei der Restitution 1815 wurden rund 5.000 Werke an ihre Herkunftsländer zurückgegeben, ein Teil verblieb nach zähen Verhandlungen in Frankreich. Zur kritischen Einordnung ist festzuhalten, dass die Politik der kriegsbedingten Kunstkonfiszierung bereits 1794 vom Nationalkonvent eingeleitet wurde und Napoleon somit nicht ihr Urheber war. Fachliteratur: Bénédicte Savoy, Kunstraub. Napoleons Konfiszierungen in Deutschland und die europäischen Folgen, Wien (Böhlau) 2011; Ernst Steinmann, Der Kunstraub Napoleons, hrsg. von Yvonne Dohna, Rom (Bibliotheca Hertziana) 2007; Jean Chatelain, Dominique Vivant Denon et le Louvre de Napoléon, Paris (Perrin) 1973. Vgl. auch napoleon.org, »Denon, Dominique-Vivant« (Abruf 3. September 2026). ↩
-
Zur Presselenkung: Der Moniteur universel wurde am 2. Dezember 1799 zum offiziellen Regierungsorgan erklärt; seine politischen Inhalte wurden staatlich kontrolliert (u. a. durch Maret und Cambacérès). Die Bulletins de la Grande Armée übertrieben Siege systematisch und spielten Rückschläge herunter – so notorisch, dass die Redewendung »mentir comme un bulletin« (»lügen wie ein Bulletin«) entstand; nach Borodino (1812) etwa gab Napoleon die russischen Verluste weit höher und die eigenen weit niedriger an als tatsächlich. Fachliteratur: Wayne Hanley, The Genesis of Napoleonic Propaganda 1796–1799, New York 2005; grundlegend zum Mythos Jean Tulard, Napoléon ou le mythe du sauveur, Paris 1977. Louis-Léopold Boillys Gemälde La Lecture du Bulletin de la Grande Armée (1807) illustriert die öffentliche Rezeption. ↩
-
Zur territorial uneinheitlichen Rechtslage ist zu unterscheiden zwischen Kolonien, in denen die Abschaffung von 1794 nie umgesetzt worden war, und solchen, in denen die Sklaverei tatsächlich aufgehoben und 1802 gewaltsam wiederhergestellt wurde (namentlich Guadeloupe; angestrebt auch in Saint-Domingue). Zu den Kolonien mit ununterbrochenem Fortbestand zählten unter anderem Martinique (das zeitweise unter britischer Kontrolle gestanden hatte) sowie die Maskarenen-Inseln Île de France (das heutige Mauritius) und Île Bourbon (das heutige Réunion). Das Gesetz vom 20. Mai 1802 schrieb den Fortbestand fest, ergänzt durch weitere Maßnahmen desselben Jahres. Zur Rolle der Pflanzerlobby und zur politischen Verantwortung Napoleons vgl. Fondation pour la mémoire de l'esclavage, »Napoléon et le rétablissement de l'esclavage« (Abruf 3. September 2026); Pierre Branda/Thierry Lentz, Napoléon, l'esclavage et les colonies, Paris 2006. ↩
-
Zur Saint-Domingue-Expedition unter Leclerc (über 30.000 Mann) und zur Deportation und zum Tod Toussaint Louvertures (Fort de Joux, 1803) vgl. heritage.bnf.fr (Abruf 3. September 2026). ↩
-
Zur Schlacht bei Vertières (18. November 1803), in der die Armee Jean-Jacques Dessalines' das französische Expeditionskorps unter Rochambeau (Nachfolger des im November 1802 an Gelbfieber verstorbenen Leclerc) entscheidend schlug, und zur Unabhängigkeit Haitis (1. Januar 1804) vgl. Fondation pour la mémoire de l'esclavage (Abruf 3. September 2026); Laurent Dubois, Avengers of the New World: The Story of the Haitian Revolution, Cambridge/Mass. 2004. ↩↩
-
Zur endgültigen Abschaffung der Sklaverei 1848 und zur bleibenden Belastung von Napoleons Erbe vgl. Branda/Lentz (2006); zur aktuellen erinnerungspolitischen Debatte die jüngere französische Diskussion. ↩
-
Zum Napoleon-Kult und zur Rolle des Mémorial vgl. Abschnitt 10.2; grundlegend Sudhir Hazareesingh, The Legend of Napoleon, London (Granta) 2004. ↩
-
Zur Begriffspaarung »légende dorée«/»légende noire« Jean Tulard, Napoléon ou le mythe du sauveur (1977); Lentz, Nouvelle histoire du Premier Empire, Bd. 1 (2002). ↩
-
Zur Debatte um Napoleon als Vorläufer moderner Diktaturen und zur Kritik an dieser Deutung vgl. die historiographische Diskussion bei Dwyer (2013) und Broers. ↩
-
Zu Tulards Analyse der »Retter«-Figur Tulard (1977). ↩
-
Zu den Erinnerungsorten: Maison Bonaparte in Ajaccio (Musée national de la Maison Bonaparte); Longwood House und das Grabtal auf St. Helena, 1858 von Napoleon III. für Frankreich erworben und heute als Museen vom französischen Außenministerium verwaltet (vgl. napoleon.org, »Island of St Helena«; Ajaccio-Tourisme). Zur institutionellen Pflege durch Souvenir Napoléonien und Fondation Napoléon ebd. Zur kritischen Debatte um das öffentliche Gedenken vgl. die französische Diskussion anlässlich des 200. Todestags 2021 (u. a. um die Wiederherstellung der Sklaverei 1802, siehe Abschnitt 11.4). Ein ausführlicher Einzelartikel zur Erinnerungskultur folgt gesondert. ↩
-
Zur nationalen Prägung der Napoleon-Forschung und zur jüngeren transnationalen Wende vgl. Mikaberidze (2020), Einleitung; Broers/Dwyer (Hg.), The Cambridge History of the Napoleonic Wars, 3 Bde., Cambridge 2022. ↩
-
Zur »New Napoleonic History« und zu den Bewertungsunterschieden vgl. Michael Broers, Napoleon-Trilogie (2014–2022), sowie die kritische Auseinandersetzung mit Andrew Roberts, Napoleon the Great (2014), etwa durch Charles Esdaile (Rezension in Reviews in History, 2015) und Philip Dwyer. ↩
-
Zur deutschen Forschungstradition und zur Ablösung durch Ullrich (2004) und Willms (2005) vgl. die Rezensionen bei H-Soz-Kult und sehepunkte. ↩
-
Zur russischen Historiographie (klassisch Tarle; sowjetisch Beskrovnyj/Žilin; postsowjetisch Bezotosnyj/Zemcov/Popov) vgl. Abschnitt 7.3; zusammenfassend Mikaberidze (2020). ↩
-
Zur polnischen Historiographie und ihrer Ambivalenz vgl. Abschnitt 6.2 (Askenazy, Kukiel, Zahorski, Bielecki). ↩
-
Zu Mikaberidzes globalgeschichtlicher Synthese Mikaberidze (2020). ↩
-
Diese Gesamtwürdigung fasst die in den Abschnitten 11–12 referierten Positionen zusammen; sie erhebt keinen Anspruch auf ein abschließendes Urteil, sondern benennt die bleibende Deutungsspannung. ↩
Normdaten
- lobid.org (GND)
- GND-Explorer
- B3Kat 549 Treffer
- Wikipedia (de) - Personenartikel
- Deutsche Digitale Bibliothek - Personenseiten 3.674 Treffer
- correspSearch - Briefe (GND)
- Wikimedia Commons - Personenbilder
- Kalliope-Verbund - Nachlaesse und Autographen
- correspSearch - Briefe (VIAF)
- correspSearch - Briefe (LCCN)
- Wikisource - Personenartikel
- Carl-Maria-von-Weber-Gesamtausgabe - Personen
- Iffland - Dramaturgisches Archiv (BBAW)
- Forschungsdatenbank so:fie (Klassik Stiftung Weimar)
- Graphikportal - Dargestellte Personen (Foto Marburg) 167 Treffer
- Digitaler Portraitindex - Dargestellte (Foto Marburg) 139 Treffer
- Lebenswelten Lehndorff (BBAW)
- Bildindex der Kunst und Architektur (Foto Marburg) 73 Treffer
- SMB Muenzkabinett (GND) 23 Treffer
- SMB Muenzkabinett (VIAF) 23 Treffer
- Deutsche Biographie (Register)
- Porträtsammlung des Münchner Stadtmuseums
- Portraitsammlung Trier (Dargestellte Personen)
- Portraitsammlung Trier (Künstler)