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Clemens August von Aachen

* 00.00.1756 in Uerdingen
† 15.07.1808 in Münster

Clemens August von Aachen entstammte dem rheinisch-westfälischen Briefadelsgeschlecht derer von Aachen, das im 18. Jahrhundert im westfälischen Raum ansässig war und Güter bei Rhede und Bocholt besaß. Innerhalb der Familienüberlieferung steht er für jene Generation des westfälischen Landadels, deren Lebensweg noch stark vom preußischen Militärdienst geprägt war, die aber zugleich die politischen und gesellschaftlichen Umbrüche der napoleonischen Zeit miterlebte.

Herkunft und Familie

Die Familie von Aachen, ursprünglich auch Aach, war ein im 17, Jahrhundert nobilitiertes Briefadelsgeschlecht, das auf den kurfürstlich-bayerischen Rat und Hofkanzler Walther von Aach (1570 - nach 1630) zurückgeht. Der Adelsbrief wurde am 15. Juli 1625 ausgestellt und auf seine Söhne Jacob Adam und Philipp Christoph ausgedehnt.[1] Später finden sich Angehörige der Familie im Rheinland und in Westfalen. Im westfälischen Raum besaß die Familie unter anderem Gut Reigerding bei Rhede sowie einen Anteil am Haus Eichholz.[2]

Clemens August war der Sohn des preußischen Offiziers Anton Ludwig von Aachen. Dieser hatte bereits 1739 als Fähnrich im Regiment Dohna und 1742 als Sekondeleutnant im Infanterieregiment Hautcharmoy gedient.[3] Damit stand Clemens August in einer Familientradition, in der militärische Laufbahnen eine besondere Rolle spielten. Für Angehörige des kleineren Adels war der Offiziersdienst im 18. Jahrhundert eine wichtige Möglichkeit, Stand, Einkommen und gesellschaftliche Stellung zu sichern.

Ehe mit Maria Johanna von Amboten

Am 3. Oktober 1777 heiratete Clemens August von Aachen in Münster Maria Johanna Katharina Erika Elisabeth von Amboten, genannt Jeanette. Sie war am 21. April 1755 in Vechta geboren worden und stammte aus der Familie von Amboten, deren Angehörige im Dienst des Hochstifts Münster standen.[4] Ihr Vater Lewin Friedrich von Amboten wird als Major in münsterischen Diensten genannt. Die Familie seiner Frau entstammte den polnisch-livländischen Adel und ab 1630 siedelte ein Teil der Ambotens ins Münsterland aus.

Maria Johanna von Aachen wurde später als Schriftstellerin bekannt. Sie veröffentlichte Gedichte und Aufsätze meist nicht unter ihrem vollen Namen, sondern unter Pseudonymen wie „Maria“, „J.“, „J.v.A.“, „Johanna“ oder „Heimchen“.[5] Ihre literarische Tätigkeit setzte nach der Eheschließung ein. Zu ihren Veröffentlichungsorten gehörten unter anderem die »Münstrische Monatsschrift«, Raßmanns »Mimigardia«, westfälische Musenalmanache und weitere Zeitschriften und Taschenbücher der Zeit.[6] Das literarische Umfeld Maria Johannas verbindet die Familie von Aachen mit der Münsteraner Literatur- und Salonkultur der Spätaufklärung und Romantik.

Kinder

Aus der Ehe Clemens Augusts und Maria Johannas von Aachen gingen nach genealogischer Überlieferung sechs Kinder hervor. Die Kinder sind für die Familiengeschichte besonders wichtig, weil mit dem Tod des Sohnes Caspar Karl Ewald Franz von Aachen im Jahr 1816 das Geschlecht im Mannesstamm erlosch.[7]

Die älteste Tochter war Maria Charlotte Theresia von Aachen, geboren am 4. Juli 1779. Sie heiratete Caspar Leipold Anton Michael von Lilien, einen Angehörigen der Familie der Werler Erbsälzer.[8]

Als zweite Tochter wird Maria Elisabeth Josefine von Aachen, geboren am 17. Januar 1781, genannt. Über ihr weiteres Leben liegen in den bislang herangezogenen Quellen keine gesicherten Angaben vor.[9]

Der Sohn Lewin Friedrich Johann August von Aachen, geboren am 24. Februar 1782, trat ebenfalls in den Militärdienst ein. Er wird als Capitän beim 13. westfälischen Infanterieregiment und als Leutnant des 5. Westphälischen Linienregiments genannt. Er nahm am Russlandfeldzug von 1812 teil und kehrte aus Russland nicht zurück.[10] Sein Schicksal verweist unmittelbar auf die Katastrophe des napoleonischen Russlandfeldzuges, in dem zahlreiche westfälische Soldaten ums Leben kamen oder bis heute verschollen blieben.

Die Tochter Maria Sophia Theresia Ludovica von Aachen, geboren am 6. April 1784, starb am 12. Oktober 1858. Sie heiratete 1816 den preußischen Offizier Wilhelm Christoph Jakob August von Haas, der später zum Generalmajor aufstieg.[11]

Der Sohn Caspar Karl Ewald Franz von Aachen, geboren am 19. August 1786, diente zunächst als Leutnant im Dragoner-Regiment von Wobeser und später in der englisch-deutschen Legion. Er beging im Jahre 1817 Suizid in London, weil ihm ein Orden verwehrt wurde. Mit seinem Tod erlosch das Adelsgeschlecht derer von Aachen im Mannesstamm.[12] 

Die jüngste Tochter war Bernhardine von Aachen, geboren am 5. April 1793 und gestorben am 17. März 1830. Sie heiratete 1825 Friedrich Karl von Schauroth.[13]

Militärische Laufbahn

Clemens August von Aachen trat bereits sehr früh in den münsterschen Militärdienst ein. Schon 1760 wurde er, noch im Kindesalter, im Rang eines Fähnrichs mit Besoldung beim münsterschen Infanterieregiment Wenge geführt; diese frühe Versorgung wurde 1763 während der Sedisvakanz jedoch wieder aufgehoben. Sein tatsächlicher militärischer Dienst begann 1774 als Kadett bei der Leibgarde. 1778 wurde er Fähnrich im Infanterieregiment von Wartensleben und 1780 Titularleutnant. Die Ernennung zum Leutnant in der 3. Kompanie desselben Regiments folgte im Jahre 1790. Die zeitgenössischen Beurteilungen beschreiben ihn als französischsprachig, mathematisch und zeichnerisch gebildet, fleißig und für den Dienst brauchbar. Am 9. September 1792 erfolgte seine Beförderung zum Capitain; kurz darauf übernahm er eine eigene Kompanie.[14]

Während der Koalitionskriege führte Aachen zwischen 1795 und 1798 eine Kompanie in dem als Reichskontingent eingesetzten münsterschen Infanteriebataillon. Im Jahr 1802 stand er als Chef der 2. Kompanie im Infanterieregiment Nr. 7 von Tönnemann. Nach der preußischen Besitzergreifung Münsters wurde er am 24. Januar 1803 in preußische Dienste übernommen. Als Capitain und Kompaniechef erhielt er eine Kompanie im neu aufgestellten III. Musketier-Bataillon des preußischen Infanterieregiments Nr. 44 von Hagken, dessen Garnison von Wesel nach Münster wechselte. Damit gehörte Aachen zu den ehemals münsterschen Offizieren, denen der Übergang in das preußische Heer gelang.[15]

Nach der Kapitulation Hamelns am 22. November 1806 wurde das Infanterieregiment Nr. 44 aufgelöst. Wahrscheinlich schieden die ehemals münsterschen Offiziere nach der militärischen Katastrophe von 1806 aus dem aktiven Dienst aus oder gerieten zeitweise in den Wartestand. Clemens August von Aachen starb am 15. Juli 1808. Ob er zur Besatzung Hamelns gehört hatte, dort nach der Auflösung des Regiments verblieb oder ob sein Tod in einem mittelbaren Zusammenhang mit den Kriegsereignissen stand, bleibt nach derzeitigem Quellenstand ungeklärt.[16]

Tod und Nachwirkung

Nach dem Tod Clemens Augusts lebte seine Witwe Maria Johanna von Aachen weiterhin in Münster. Der Verlust ihres Mannes und ihrer Söhne prägte ihr literarisches Werk stark. Zeitgenössische und spätere literarische Lexika betonen die melancholische Grundstimmung vieler ihrer Gedichte, die mit den familiären Schicksalsschlägen in Verbindung gebracht wird.[17]

Sie bewegte sich im literarischen Umfeld Münsters. Sie förderte Friedrich Raßmann (), war mit Kreisen um Elisa von Ahlefeldt und Elise Rüdiger (1812-1899) verbunden und wurde im Briefwechsel Annette von Droste-Hülshoffs (1797-1848) mehrfach erwähnt.[18] Dadurch tritt die Familie von Aachen nicht nur als militärisch-adlige Familie, sondern auch als Teil der westfälischen Literaturgeschichte hervor.

Münster, Literatur und Familienkrisen

Clemens August von Aachen starb 1808 in Münster. In der Forschung und in digitalen Nachschlagewerken begegnen zwei unterschiedliche Tagesangaben: Der 15. Juni 1808 wird im Lexikon Westfälischer Autorinnen und Autoren als Beginn der Witwenschaft Maria Johannas genannt, während genealogische Zusammenstellungen und andere Kurzbiographien den 15. Juli 1808 überliefern.[19] 

Seine historische Bedeutung liegt weniger in einer herausragenden militärischen Einzelleistung als in seiner exemplarischen Stellung. Clemens August von Aachen verkörpert den kleineren westfälisch-rheinischen Adel im Übergang vom Alten Reich zur napoleonischen Neuordnung. Seine Familie verband preußischen Militärdienst, westfälische Grundbesitztradition und literarische Kultur. Die Lebenswege seiner Kinder zeigen, wie sich die Kriege Napoléons auch auf die Lebensverhältnisse des Adels auswirkten.


[1] Österreichisches Staatsarchiv, AT-OeStA/AVA Adel RAA 1.5: Aach, Walter, kurfürstlich-bayerischer Rat und Hofkanzler, Adel, Palatinat und Ausdehnung auf seine Söhne Jacob Adam und Philipp Christoph, 15. Juli 1625.

[2] Max von Spießen: Wappenbuch des Westfälischen Adels, Bd. 1, Görlitz 1901–1903, S. 1; vgl. ferner die genealogische Zusammenstellung zum Geschlecht Aachen.

[3] Genealogische Zusammenstellung zum Geschlecht Aachen; dort mit Hinweis auf Anton Ludwig von Aachen als Fähnrich im Regiment Dohna und Sekondeleutnant im Infanterieregiment Hautcharmoy.

[4] Lexikon Westfälischer Autorinnen und Autoren: „Aachen, Maria Johanna von“; Niedersächsische Personen: „Aachen, Johanna von“.

[5] Lexikon Westfälischer Autorinnen und Autoren: „Aachen, Maria Johanna von“.

[6] Ebd.; vgl. dort die Liste der unselbständigen Veröffentlichungen.

[7] Genealogische Zusammenstellung zum Geschlecht Aachen; vgl. auch Gothaisches genealogisches Taschenbuch der freiherrlichen Häuser auf das Jahr 1873, S. 590.

[8] Genealogische Zusammenstellung zum Geschlecht Aachen.

[9] Ebd.

[10] Vgl. Michael Jolk: „Der Werler Erbsälzer Leopold von Lilien (1770–1829)“, in: Beiträge zur westfälischen Familienforschung, Bd. 51, 1993, S. 251–269; außerdem Quellen und Forschungen zur Geschichte der Stadt Münster, 1984, S. 194; genealogische Zusammenstellung zum Geschlecht Aachen.

[11] Kurt von Priesdorff: Soldatisches Führertum, Bd. 6, Hamburg o. J. [1938], S. 180, Nr. 1805; vgl. biographische Angaben zu Wilhelm Christoph Jakob August von Haas.

[12] Michael Jolk: „Der Werler Erbsälzer Leopold von Lilien (1770–1829)“, in: Beiträge zur westfälischen Familienforschung, Bd. 51, 1993, S. 251–269, mit Hinweis auf die Nachricht über den Tod Ewald von Aachens in London und einen Brief im Werler Stadtarchiv. Vgl. ergänzend die genealogische Zusammenstellung zum Geschlecht Aachen.

[13] Gothaisches genealogisches Taschenbuch der freiherrlichen Häuser auf das Jahr 1873, S. 590.

[14] Dieter Zeigert: „Die münsterschen Truppen und ihre Übernahme in das preußische Heer 1802/1803“, in: Westfälische Zeitschrift, Bd. 141, Paderborn 1991, S. 193–240, hier S. 227f.

[15] Ebd., S. 225–228.

[16] Ebd., S. 225f. und S. 228, Anm. 107.

[17] Lexikon Westfälischer Autorinnen und Autoren: „Aachen, Maria Johanna von“; Carl Wilhelm Otto August von Schindel: Die deutschen Schriftstellerinnen des neunzehnten Jahrhunderts, Bd. 1, Leipzig 1823.

[18] Lexikon Westfälischer Autorinnen und Autoren: „Aachen, Maria Johanna von“; F. Zurbonsen: „Der ehemalige Freischarführer von Lützow in Münster und sein Kreis 1817–1830“, in: Zeitschrift für vaterländische Geschichte und Altertumskunde, 58, 1900, S. 186–217, hier S. 200.

[19] Lexikon Westfälischer Autorinnen und Autoren nennt „seit dem 15. Juni 1808 verwitwet“; genealogische Zusammenstellungen nennen den 15. Juli 1808.

Letzte Änderung der Seite: 01.08.2026 - 18:57