Dirk van der Aa
* 31.03.1731 in Den Haag
† 23.02.1809 in Den Haag
Dirk van der Aa, in den Quellen auch unter dem Taufnamen Theodorus van der Ha geführt, gehörte zu jener Gruppe niederländischer Künstler, die im 18. Jahrhundert an der Schnittstelle von Malerei, Innenausstattung und höfisch-bürgerlicher Repräsentation arbeiteten. Das Biografisch Portaal van Nederland und die ältere niederländische Biographik nennen ihn als Maler, Zeichner, Grisailleschilder, Behangselschilder und Kutschenmaler.
Herkunft und familiärer Zusammenhang
Getauft wurde Dirk van der Aa am 01.03.1731 in Den Haag. Sein Geburtsdatum ist - wie beispielsweise bei Ludwig van Beethoven - in den historischen Nachschlagewerken nicht überliefert.1
Über Eltern, Geschwister und die nähere Familie des späteren Künstlers geben die herangezogenen Standardnachschlagewerke nur sehr knappe Auskunft.2 Greifbar wird der familiäre Zusammenhang vor allem über Jacob beziehungsweise Andries van der Aa (1743-1776) , der der jüngeren Generation angehörte. Die deutschsprachige Wikipedia bezeichnet ihn als Neffen Dirk van der Aas und nennt ihn als dessen Schüler; das RKD bestätigt zumindest die enge werkstattbezogene Verbindung, indem Andries van der Aa dort als Künstler mit Bezug auf Dirk van der Aa geführt wird.3
Ausbildung und beruflicher Werdegang
Nach A. J. van der Aa (1792-1857) erhielt Dirk van der Aa seine erste Ausbildung bei Johann Heinrich Keller (1692-1765). Unter dem Hofmaler Gerrit Mets entdeckte er das Kutschenmalen für sich. Später betrieben beide gemeinsam eine bedeutende Werkstatt. Das Nieuw Nederlandsch Biografisch Woordenboek ergänzt, van der Aa sei außerdem Schüler der Haager Akademie gewesen. Beide Nachschlagewerke heben hervor, dass er wiederholt nach Paris reiste, um seine Kenntnisse zu erweitern.4 Das RKD verzeichnet seine Tätigkeit in Den Haag für den Zeitraum 1755 bis 1809 und ordnet ihn als Dekorationsmaler von Interieurs, Behangselschilder, Grisailleschilder und Kutschenmaler ein.5
Werkstatt, Dekorationskunst und künstlerisches Profil
Die ältere niederländische Biographik beschreibt van der Aa als besonders begabt im Bemalen von Kutschenpaneelen. Seine Entwürfe seien reich und abwechslungsreich gewesen; vor allem die von ihm geschaffenen Kinder- und Puttenfiguren galten als anmutig und sicher gezeichnet. Daneben schuf er Kamerbehangsels, also Wand- und Raumdekorationen, sowie Saal- und Schornsteinstücke.6 Das Nieuw Nederlandsch Biografisch Woordenboek fasst sein Werk knapper, aber in ähnlicher Richtung: Van der Aa habe geschmackvoll komponierte dekorative Arbeiten geliefert, und in Den Haag seien noch Beispiele seiner bemalten Wandbehänge bekannt gewesen.7
Aus dieser Quellenlage ergibt sich das Bild eines Künstlers, dessen eigentliche Stärke weniger in monumentaler Historienmalerei als in der ornamentalen, allegorischen und interieurbezogenen Dekorationskunst lag.
Aufträge, Entwürfe und erhaltene Werke
Besondere Bedeutung besitzt der Entwurf »Erepoort op het Buitenhof voor de intrede van Willem V en Wilhelmina van Pruisen« aus dem Jahre 1767, den das Rijksmuseum auf 1768 datiert hat. Das Museum beschreibt das Blatt ausdrücklich als Entwurf für einen Druck nach der am 09.11.1767 auf dem Buitenhof errichteten Ehrenpforte zum Einzug des frisch vermählten Statthalterpaares Willen V. und seiner Gattin Wilhelmine von Preußen in Den Haag.8 Van der Aa ist damit nicht nur als Ausstatter privater Innenräume, sondern auch als Gestalter öffentlicher Fest- und Repräsentationskultur nachweisbar. Weitere sichere Werke im Rijksmuseum sind die Zeichnungen »Pallas en de Gerechtigheid« von 1767, »Musicerende geniën« sowie »Allegorie op de Tekenkunst« von 1785.9 Das Bild seiner Kunst wird durch das RKD und Art UK ergänzt, die unter anderem »Kinderen verbeeldende de Herfst« von 1769 und »Three Cupids Playing Instruments« um 1775 dokumentieren.10
Interieurmalerei in Den Haag
Für van der Aas Bedeutung als Interieurmaler spricht auch die Überlieferung zu Lange Voorhout 32 in Den Haag. Die ältere niederländische Denkmalbeschreibung nennt dort gemalte Wandbehänge mit arkadischen Landschaften sowie ein weiteres, 1773 signiertes Dekor mit Kindern und Medaillons nach Fabeln La Fontaines; spätere Haager Archivnachweise verzeichnen dort weiterhin ein »behangsel van Dirk van der Aa«.11 Auch wenn die moderne Forschung diese Ausstattung weiter im Einzelnen prüfen muss, zeigt bereits diese Überlieferung, dass van der Aa als Dekorationsmaler in repräsentativen Haager Häusern tatsächlich präsent war.
Schüler und Umfeld
Die Schülerüberlieferung ist nicht in allen Punkten gleich stark belegt. Das Nieuw Nederlandsch Biografisch Woordenboek hebt Louis Moritz (1773-1850) als den bekanntesten Schüler hervor.12 Die engste, auch biographisch greifbare Verbindung bestand zu Jacob beziehungsweise Andries van der Aa, der nach der deutschsprachigen Wikipedia Schüler seines Onkels war und 1769 als Meister der Haager Gilde erscheint.13 So unterrichtete er auch und Cornelis Kuipers (1737-1802), Johannes Christianus Roedig (1750-1802) oder Jan Evert Morel (1777-1808).
Fundatie van Renswoude, Tod und Nachlass
A. J. van der Aa berichtet, das Dirk van der Aa in der Renswoudschen Stiftung zunächst Zögling gewesen sei und ihr bis zu seinem Tod als Regent angehört habe.14 Sein Tod in Den Haag am 23.02.1809 ist gesichert.
Der Getty Provenance Index dokumentiert die nachfolgende Versteigerung seines Nachlasses in Den Haag für den 25.07.1809 und 26.07.1809; dort wird er ausdrücklich als in Den Haag bekannter Kutschenmaler bezeichnet. Der Katalog verzeichnet nicht nur eigene Arbeiten, sondern auch Gipse, Modelle sowie Werke seines Lehrers Keller und seiner Schüler Louis Moritz und Johannes Christianus Roedig.15 Der Nachlass ist damit nicht nur für die Werkgeschichte, sondern auch für die Rekonstruktion seines künstlerischen Umfelds von großem Wert.
Einordnung
Dirk van der Aa war kein Hauptmeister der niederländischen Malerei des 18. Jahrhunderts im Rang eines großen Historienmalers; gleichwohl nimmt er innerhalb der Kunst- und Kulturgeschichte Den Haags einen festen Platz ein. Seine Bedeutung liegt in der Verbindung von dekorativer Erfindung, sicherer Zeichnung und einer auf Putten, Allegorien und repräsentative Raumwirkung ausgerichteten Bildsprache. Gerade weil ein erheblicher Teil seines Schaffens in Interieurs, Supraporten, Grisaillebildern und Entwürfen für höfische Festkultur bestand, ist er ein aufschlussreicher Vertreter jener Kunstpraxis, die den visuellen Alltag des späten 18. Jahrhunderts stärker prägte als die große Historienmalerei allein.
Ausfürliches Werksverzeichnis
Das folgende Verzeichnis ist kritisch gestuft. Es trennt zwischen sicher belegten Werken, Druckgraphik nach Vorlagen Dirk van der Aas, zugeschriebenen Arbeiten in öffentlichen Sammlungen und lediglich im Kunsthandel oder in sekundären Bildnachweisen fassbaren Stücken. Ein abgeschlossenes catalogue raisonné ist in den offen zugänglichen Quellen nicht erkennbar.
Sicher belegte Werke
- Pallas en de Gerechtigheid, Zeichnung, 1767, Rijksmuseum, Objekt-Nr. RP-T-1889-A-2195.9
- Erepoort op het Buitenhof voor de intrede van Willem V en Wilhelmina van Pruisen, 1767, Zeichnung/Entwurf, 1768, Rijksmuseum, Objekt-Nr. RP-T-00-836.8
- Musicerende geniën, Zeichnung, undatiert innerhalb der Lebenszeit des Künstlers, Rijksmuseum, Objekt-Nr. RP-T-1889-A-2196.9
- Allegorie op de Tekenkunst, Zeichnung, 1785, Rijksmuseum, Objekt-Nr. RP-T-1986-59.9
- Kinderen verbeeldende de Herfst, Öl auf Leinwand, 1769, RKD-Bilddatensatz.10
- Three Cupids Playing Instruments, Öl auf Tafel, um 1775, Victoria and Albert Museum / Art UK.10
Druckgraphik nach Vorlagen Dirk van der Aas
- Allegorie op het ochtendgloren met personificatie van Aurora, Radierung von Abraham Delfos nach einer Zeichnung Dirk van der Aas, Rijksmuseum. Das Museum nennt Dirk van der Aa ausdrücklich als Urheber der Vorlage.16
Zugeschriebene Werke in öffentlichen Sammlungen
Im Kunsthandel oder in sekundären Nachweisen belegte Arbeiten
- An overdoor: Putti desporting on clouds by a vase on pedestal, Öl auf Leinwand, signiert und datiert 1773, im Katalog von Christie’s nachgewiesen. Als Marktquelle nützlich, aber schwächer als ein Museumsdatensatz.19
- An Allegory of Summer with Putti Disporting, im Kunsthandel und in Bildportalen nachgewiesen; ohne Museums- oder RKD-Datensatz nur mit Vorbehalt in einen Hauptkatalog aufzunehmen.2
Weitere Putten-, Allegorie- und Interieurbilder erscheinen wiederholt in Auktionsportalen und Kunstmarktdatenbanken. Für eine Veröffentlichung empfiehlt sich, diese Stücke nur in einem Anhang mit Vorbehaltsvermerk aufzuführen, solange keine gesicherte museale oder wissenschaftliche Dokumentation vorliegt.19
Quellen- und Literaturverzeichnis
Digitale Nachschlagewerke und Sammlungsdatenbanken
- Biografisch Portaal van Nederland, „Dirk van der Aa“.
- RKD Research, „Dirk van der Aa“.
- Rijksmuseum, „Pallas en de Gerechtigheid“.
- Rijksmuseum, „Erepoort op het Buitenhof voor de intrede van Willem V en Wilhelmina van Pruisen, 1767“.
- Rijksmuseum, „Musicerende geniën“.
- Rijksmuseum, „Allegorie op de Tekenkunst“.
- Rijksmuseum, „De verkoop van Cupido's“.
Ältere biographische Literatur
- A. J. van der Aa, Biographisch woordenboek der Nederlanden, Teil 1, ’s-Gravenhage 1852.
- Ernst Wilhelm Moes, Nieuw Nederlandsch Biografisch Woordenboek, Teil 1, Leiden 1911.
Ergänzende Hilfsquellen
- Das Biografisch Portaal van Nederland nennt Dirk van der Aa als „winkelier, rijtuigschilder, behangselschilder, schilder, tekenaar, grisaille-schilder, decoratieschilder“ und gibt als Geburt den 01.03.1731 in Den Haag an; A. J. van der Aa bestätigt das Geburtsjahr 1731 und den Tod am 23.02.1809 in Den Haag. ↩
- Weder der Eintrag bei A. J. van der Aa noch jener im Nieuw Nederlandsch Biografisch Woordenboek entfalten die engere Familie näher; die überlieferten Biographien konzentrieren sich auf Ausbildung, Werk und Nachruhm. ↩
- Die deutschsprachige Wikipedia zu Jacob van der Aa nennt ihn „Schüler seines Onkels Dirk van der Aa“; das RKD führt Andries van der Aa als eigenständigen Künstlerdatensatz. Für den Grad der Verwandtschaft ist die Wikipedia hilfreich, das RKD belegt mindestens die kunsthistorische Relevanz der Verbindung. ↩
- A. J. van der Aa nennt Johann Heinrich Keller als ersten Lehrer, Gerrit Mets als späteren Lehrmeister im Kutschenmalen, die gemeinsame Werkstatt und die Reisen nach Paris; das Nieuw Nederlandsch Biografisch Woordenboek ergänzt die Haager Akademie. ↩
- Der RKD-Eintrag zu Dirk van der Aa nennt als Tätigkeitsfelder „decoratieschilder van interieurs“, „behangselschilder“, „grisailleschilder“ und „rijtuigschilder“ sowie Den Haag als Wirkungsort für 1755–1809. ↩
- A. J. van der Aa hebt insbesondere van der Aas Leistungen im Bemalen von Kutschenpaneelen sowie seine Kinder- und Puttenfiguren hervor und erwähnt außerdem „kamerbehangsels“, Saal- und Schornsteinstücke. ↩
- Ernst Wilhelm Moes betont im Nieuw Nederlandsch Biografisch Woordenboek, van der Aa habe mit Gerrit Mes geschmackvoll komponierte Arbeiten geliefert; von seinen Behangsels seien in Den Haag noch Beispiele bekannt gewesen. ↩
- Rijksmuseum, Erepoort op het Buitenhof voor de intrede van Willem V en Wilhelmina van Pruisen, 1767, Objekt-Nr. RP-T-00-836. Das Museum datiert die Zeichnung auf 1768 und beschreibt sie als Entwurf für einen Druck nach der am 09.11.1767 errichteten Ehrenpforte. ↩
- Rijksmuseum, Pallas en de Gerechtigheid, Objekt-Nr. RP-T-1889-A-2195, datiert 1767; Musicerende geniën, Objekt-Nr. RP-T-1889-A-2196; Allegorie op de Tekenkunst, Objekt-Nr. RP-T-1986-59, datiert 1785. ↩
- RKD, Kinderen verbeeldende de Herfst, datiert 1769; Art UK / Victoria and Albert Museum, Three Cupids Playing Instruments, um 1775. ↩
- Die Denkmalliste zu Lange Voorhout 32 nennt arkadische Landschaften sowie ein 1773 signiertes Dekor von Dirk van der Aa; das Haags Gemeentearchief verzeichnet dort ebenfalls ein „behangsel van Dirk van der Aa“. ↩
- Im Nieuw Nederlandsch Biografisch Woordenboek wird Louis Moritz als der bekannteste Schüler Dirk van der Aas genannt. ↩
- Die deutschsprachige Wikipedia zu Jacob van der Aa nennt eine zweijährige Italienreise und seine Nennung als Meister der Haager Gilde im Jahr 1769. Da dies eine offene Enzyklopädie ist, empfiehlt sich bei weitergehender Ausarbeitung eine zusätzliche Absicherung in Spezialliteratur oder RKD-Daten. ↩
- A. J. van der Aa beschreibt Dirk van der Aa als früheren Zögling und späteren Regenten der Renswoudschen Stiftung. ↩
- Der Getty Provenance Index zur Nachlassauktion N-147 dokumentiert die Auktion am 25.07.1809 und 26.07.1809; der Katalog nennt van der Aa als bekannten Haagener Kutschenmaler und verzeichnet Werke beziehungsweise Bezüge zu Johann Heinrich Keller, Louis Moritz und Johannes Christianus Roedig. ↩
- Rijksmuseum, Allegorie op het ochtendgloren met personificatie van Aurora, Radierung von Abraham Delfos nach einer Zeichnung Dirk van der Aas. ↩
- Rijksmuseum, De verkoop van Cupido's, Grisaille über einer Tür, 1775–1800, Objekt-Nr. SK-A-1300, Dirk van der Aa zugeschrieben. ↩
- Rijksmuseum, Het kortwieken van Cupido's, Grisaille über einer Tür, 1775–1800, Objekt-Nr. SK-A-1301, Dirk van der Aa zugeschrieben. ↩
- Christie’s, An overdoor: Putti desporting on clouds by a vase on pedestal, Öl auf Leinwand, signiert und datiert 1773. ↩
- Bildportale und Kunsthandelsnachweise zu An Allegory of Summer with Putti Disporting; ohne Museums- oder RKD-Datensatz nur mit Vorbehalt zu verwenden. ↩