Johann Georg Keil

* 20.03.1781 in Gotha
† 01.07.1857 in Leipzig

Johann Georg Keil erblickte am 20.03.1781 in Gotha das Licht der Welt. Sein Vater war Senator und Ratskassierer seiner Vaterstadt. Seine erste schulische Ausbildung erhielt der junge Mann auf dem Gymnasium zu Gotha. Beim Tode seines Vaters verließ er die Schule um sich zunächst eine Anstellung als Kaufmann zu finden. Doch war der Beruf des Kaufmanns nicht für den jungen Mann und er siedelte, unter Aufgabe des Berufes nach Weimar um.

In Weimar setzte Keil auf Rat seiner Freunde Passow (1786-1833) und Schulze (1786-1869) seine unterbrochenen Studien fort. In Jena widmete er sich überwiegend philosophischen Studien.

Nach Abschluss seiner Studien fand Keil eine Anstellung als Sekretär der Bibliothek zu Weimar. Schon im folgenden Jahre wurde er zum zweien Bibliothekar ernannt und erteilte zugleich - unentgeltlich - am Gymnasium Unterricht in der italienischen, spanischen und englischen Sprache. Im Jahre 1814 trat er als Hofrat von seinem Amte zurück.

Im gleichen Jahr heiratete Hofrat Keil die einzige Tochter des Bankiers Carl Eberhard Löhr (1763-1813) und übersiedelte nach Leipzig.

In Leipzig lebte Keil nun vom Vermögen seiner Frau und widmete sich der Kunstsammlung seines verstorbenen Schwiegervaters sowie dessen Vater   Eberharld Heinrich Löhr und des Großvatersseiner Frau, den Weimarer Kupferstecher Johann Friedrich Bause (1738-1814). Bereits in seiner Weimarer Zeit hatte er, durch Goethe (1749-1832) angeregt, sich mit der zur Bibliothek gehörenden Kupferstichsammlung beschäftigt. Im Jahre 1849 veröffentlichte er ein sorgfältig erarbeiteten Katalog des Kupferstichwerkes Bauses.

Bereits in seiner Weimarer Zeit betätigte sich der Privatier Keil schriftstellerisch. So veröffentlichte er zahlreiche Lehrbücher für italienische und spanische Sprache. Übersetzte aber zugleich auch klassische Werke aus dem Spanischen und Italienischen ins Deutsche. Nun konnte er sich auch kunstgeschichtlichen Fragestellungen widmen.

Im Jahre 1828 wurde er zum Domherren und im Jahre 1831 auch zum Dechanten des Kollegiatsstiftes in Wurzen ernannt. Im Jahre 1833 vertrat er das Kollegiatsstift auch als Abgeordneten in der sächsischen ersten Kammer.

Im Jahre 1831 wurde Keil die Mitgliedschaft in der Real academia española in Madrid als erster Deutscher geehrt. Zuvor wurde er im Jahre 1828 bereits zum Ehrendoktor der Universität Jena berufen.

Keil machte es sich zur Aufgabe, sowohl die italienische sowie die spanische Sprache in Deutschland bekannt zu machen und zu verbreiten. Dies gelang ihm unter anderen durch die Übersetzung zahlreicher Klassiker aber auch von Lehr- und Hilfsbüchern für den höheren Schulunterricht. In den Jahren zwischen 1806 und 1812 erschien aus seiner Feder eine »Biblioteca italiana«.

In den 11 Bänden versammelte er unter anderem Tassos »Befreites Jerusalem«, Dantes »Vita nuova e rime« sowie auch dessen »Göttliche Komödie«, Boiardos »Orlando inamorato« und Boccaccios »Decamerone«. Im Jahre 1812 veröffentlichte er noch eine kleine Sammlung mit spanischen Romanen, die auch die deutsche Übersetzung beigefügt war. Im Jahre 1826 steuerte er noch einen Band zu den bei Brockhaus erschienenen »Bibliothek der klassischer Romane und Novellen des Auslandes« bei.

Auch veröffentlichte er eigene Werke der schönen Literatur, die jedoch nicht durch das Publikum angenommen wurden. Außer seinem im Jahre 1811 anonym erschienen Werk »Aemil und Elise, oder die Fahrt auf der Elbe« gehörten zu diesen Werken »Lyra und Harfe«, einer empfindsamen und formgewandte Sammlung lyrischer Gedichte. Zusammen mit den Illustratoren Ludwig Richter und Kirchhoff brachte er »Märchen und Geschichten eines Großvaters« und später noch »Neue Märchen für meine Enkel«, die mit Holzschnitten und Zeichnungen von E. Hasse und H. Bürkner ausgestattet waren.

Johann Georg Keil starb am 01.07.1857 in Leipzig im Alter von 76 Jahren.

Werke:

  • Boccaccio: Il Decamerone, 1805–1809
  • Tasso: La Gerusalemme liberata, 1806
  • Dante: La Divina Commedia, 1807–1809
  • Dante: La Vita Nuova E Le Rime, 1810
  • Leben des Lazarillo von Tormes, 1810
  • Quevedo, Vida del Gran Tacaño llamado Don Pablos, 1811
  • Italienische Sprachlehre, 1812
  • Libro elementar de la lengua castellana, 1814
  • Cesare Giudici, Glückliche Unfälle der Liebe, 1814
  • Spanische Sprachlehre, 1817
  • Calderón de la Barca: Comedias, 1819–1822
  • Lyra und Harfe. Liederproben, 1834 (Gedichtband)
  • Märchen und Geschichtchen eines Großvaters. Illustriert von Ludwig Richter und J. Kirchhoff, 1847
  • Neue Märchen für meine Enkel, 1849
  • Catalog des Kupferstichwerkes von Johann Friedrich Bause. Mit einigen biographischen Notizen, 1849

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