Abraham Gotthelf Kästner

* 27.09.1719 in Leipzig
† 20.06.1800 in Göttingen

Am 27.09.1719 wurde dem Leipziger Juraprofessor Abraham Kästner ein Sohn geboren. Dieser wurde auf den Namen Abraham Gotthelf getauft. Nach damaligen Maßstäben galt der Junge als Wunderkind. Im Alter von 10 Jahren begann er bereits juristische Vorlesungen seines Vaters mit Erfolg zu hören.

Im Jahre 1731 - er war gerade einmal 12 Jahre jung - begann er sein Studium der Rechte in Leipzig. Zusätzlich belegte er noch Vorlesungen in Philosophie, Physik, Mathematik und Metaphysik. Sein Studium schloss er bereits nach 2 Jahren ab, eine Berufung als Notar erfolgte im Jahre 1733.

Im Jahre 1739 habilitierte Kästner an der Universität Leipzig und hielt danach mathematische, philosophische und juristische Vorlesungen. 1746 erfolgte seine Berufung zum außerordentlichen Professor an der Universität. Seit dem 05.02.1750 gehörte er auch der Akademie der Wissenschaften in Berlin als auswärtiges Mitglied im Fachbereich Mathematik an.

Kästner folgte im Jahre 1756 einem R uf an die Universität Göttingen, wo er zum ordentlichen Professor für Naturphilosophie und Geometrie berufen wurde. Ab dem Jahre 1763 leitete er zusätzlich die Göttinger Sternwarte.

Zu seinen bekanntesten Schülern gehörten Georg Christoph Lichtenberg (1742-1799), der später auch Professor in Göttingen wurde, und Johann Pfaff (1765-1825), den Doktorvater von Carl Friedrich Gauss (1777-1855). Auch der Mathematiker Johann Tobias Mayer (1752-1830) und den Metrologen Heinrich Wilhelm Brandes (1777-1834).

In seinen Briefen und den »Sudelbüchern« berief sich Georg Christoph Lichtenberg oft auf seinen Lehrer und Mentor. Auch führten beide Männer einen regen Briefverkehr. Der Schriftsteller Heinrich von Kleist nahm in »Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden« Bezug auf den Göttinger Mathematiker:

Nicht, als ob sie es mir, im eigentlichen Sinne, sagte; denn sie kennt weder das Gesetzbuch, noch hat sie den Euler, oder den Kästner studiert.

Zu seinen bedeutenden mathematischen Schriften gehörten die »Anfangsgründe der Mathematik«, die zwischen 1758 und 1769 in vier Bänden erschien. Bis zu seinem Tode erschien das Werk in sechster Auflage. Ebenso ist seine »Geschichte der Mathematik« ein scharfsinniges Werk, jedoch berücksichtigte der Autor nicht alle Teilgebiete der Mathematik.

Erstmals erschienen 1781 - ohne seine Einwilligung - seine Sinngedichte in Gießen. Dabei bewies er sich als Meister des beißenden Witzes und scharfer Ironie, was ihn von zahlreichen Persönlichkeiten viel Kritik einbrachte. So spottete er z.B.:

     So hoch war noch kein Sterblicher gestiegen,
     als Kepler stieg, und starb in Hungersnoth
     Er wußte nur die Geister zu vergnügen,
     darum ließen ihn die Körper ohne Brot.

Kästner förderte auch die jungen literarischen Talente des Göttinger Hainbundes um Gleim und Voß.

Abraham Gotthelf Kästner verstarb am 20.06.1800 im 81. Lebensjahr, Er wurde auf dem Göttinger Bartholomäusfriedhof beigesetzt.

Werke:

  • Anfangsgründe der Mathematik, 1758–1769
  • Geschichte der Mathematik, 1796–1800
  • Sinngedichte, 1781
  • Vermischten Schriften 1 und 2, 1783

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