Ulrich Hegner

* 07.02.1759 in Winterthur
† 03.01.1840 in Winterthur

Ulrich Hegner wurde am 07.02.1759 als Spross einer wohlhabenen Winterthurer Familie geboren. Sein Vater Johann Heinrich Hegner übte das Amt eines Stadtarztes aus.

Zwischen 1776 und 1781 studierte Hegner - gegen seine eigenen Neigungen und nur auf Wunsch des Vaters - an der Universität zu Straßburg Medizin und promovierte auch zum Doktor der Medizin. Hier vermittelte ihm Johann Wolfgang von Goethe die Bekanntschaft mit dem Acutuar Johann Daniel Salzmann. Nach seinem Studium, an das sich eine Reise durch Deutschland anschloss, zog er sich jedoch als Privatmann in seine Vaterstadt Winterthur zurück. Er folgte seinem Interesse an Literatur und Kunst und nahm eine Anstellung als Bibliothekar wahr.

Ab dem Jahre 1786 übernahm er das Amt des Landschreibers in der Grafschaft Kyburg. Dieses Amt war seit dem Jahre 1525 innerhalb der Familie stets weitervererbt worden. Dieses Amt erlosch jedoch mit dem Ende der alten Eidgenossenschaft im Jahre 1798.

Ab 1798 übernahm der Mediziner Hegner weitere Ämter innerhalb der Stadt und des Kantons Zürich und Winterthurs wahr. Dies war für ihn eine republikanische Pflichterfüllung und Notwendigkeit, jedoch stand er nie mit Leidenschaft und Feuereifer hinter den revolutionären Veränderungen. So war er zwischen 1798 und 1801 als Richter am neu geschaffenen Kantonsgericht in Zürich tätig. Hierlebte er bei seinem Freunde Johann Caspar Lavater.

Nach seinem Ausscheiden als Kantonsrichter nutzte er die Gelegenheit und begab sich auf eine Reise nach Paris. Diese Reise verarbeitete er in seinen Reisebericht »Auch ich war in Paris«, das in den Jahren 1803 bis 1805 in drei Bändchen erschien. Hier wurde zum ersten Mal die feinsinnige Beobachtungsgabe kultureller und politischer Ereignisse deutlich.

Als seine Wahl zum Präsidenten des Winterthurer Bezirksgerichts scheiterte schrieb er seinem Freunde Meyer von Konau folgende Zeilen:

Soll nun meine politische Laufbahn ein Ende haben, so sey es; der Mensch ist nicht um der Politik willen in der Welt. Epikur wußte sich in seinem Garten Ehre und Glück zu schaffen; ich habe auch einen Garten.

Er war ab dem Jahre 1805 Friedensrichter und zugleich übte er das Amt eines Stadtrats in in Winterthur aus. Im Jahre 1814 kehrte er schließlich wieder in die Kantonspolitik zurück. Nach der Wahl zum Kantonsrat, das Amt übte er bis zum Jahre 1829 aus, gehörte er zwischen 1814 und 1815 auch den Kleinen Rat – einer Kantonsregierung – an. Bis zum Jahre 1829 gehörte er auch dem Großen Rat, einer gesetzgebenden Versammlung, an.

Er legte seine politischen Ämter nieder, als ihm klar wurde, dass er eine weitere Demokratisierung der politischen Institutionen des Kantons nicht aufhalten konnte. Eine entsprechende Politik sagte ihm nicht zu. Hegner bekämpfte sowohl in seinen politischen Ämtern als auch in seinen schriftstellerischen Werk den sogenannten Parteigeist, politische Leidenschaften und moderne Vorurteile.

So nahm er in seinen Roman »Die Molkenkur«, geschrieben als witzig-fiktive Briefe eines norddeutschen Offiziers, der sich mit seiner Nichte zur Kur in die Schweiz begab. Die Nichte war von allen neuen Moden angezogen. Hier machte sich der Autor über die billige Nautrbegeisterung der Reisenden in den Alpen lustig aber entlarvte gleichzeitig auch manches Schweizer Klischee der Bodenständigkeit.

Sein zweiter großer Roman »Salys Revolutionstage« schilderte die politischen Umgestaltungen seiner Zeit. Hier übte man jedoch Kritik, dass dem Werk die Unmittelbarkeit des Ausdrucks fehle., da sich der Autor eher als Beobachter und nicht als Mitstreiter des Veränderungsprozesses fühle.

Darüberhinaus verfasste er auch Abhandlungen zur Literatur und Kunst. Hier waren sene Werke zu Holbein und Johann Caspar Lavater zu erwähnen.

Neben seinen politischen Ämtern übte Ulrich Hegner zwischen 1789 und 1834 das Amt des Stadtbilbiothekars in Winterthur aus. Hier ist sein Verdienst in einer Neugestaltung des Biblitothekswesens innerhalb der Stadt hervorzuheben. Als solcher gab er die sogenannten »Neujahrsblätter« heraus. Diese Reihe beschäftigte sich in Wort und Bild mit der Geschichte der Schlösser und Dörfer in der Nähe Winterthurs.

Seit dem Jahre 1785 war Hegner mit Elisabetha Sulzer, der Tochter des Winterthurer Stadtrichters und Großrats Jakob Sulzer verheiratet. Die Ehe blieb kinderlos. Im Jahre 1830 verstarb seine Frau.

Ulrich Hegner starb am 03.01.1840 in seiner Geburtsstadt Winterthur.

Erzählungen:

  • Die Molkenkur, Zürich 1812
  • Suschens Hochzeit, Zürich 1819

Romane:

  • Salys Revolutionstage, Winterthur 1814

Sonstige Werke:

  • Auch ich war in Paris, Winterthur 1803-1804
  • Berg-, Land- und Seereisen, Zürich 1818
  • Hans Holbein der Jüngere, Berlin 1827
  • Beiträge zur nähern Kenntnis und wahren Darstellung J.K. LAvaters, Leipzig 1836
  • Aufzeichnungen aus Winterthurs Revolutionstagen
  • Gesammelte Schriften, Berlin 1828 - 1830
  • Aus dem Briefwechsel zwischen Ulrich Hegner und Johann Georg Müller, Winterthur 1891

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