Karl Wilhelm Ferdinand von Bismarck

* 13.11.1771 in Schönhausen
† 22.11.1845 in Schönhausen

Karl Wilhelm Ferdinand von Bismarck wurde am 13.11.1771 auf Gut Schönhausen als Sohn des preußischen Rittmeisters Karl Alexander von Bismarck und seiner Gemahlin Christiane Charlotte Gottliebe, eine geborene von Schönfeld, geboren.

Schon im Alter von 12 Jahren ließ der junge Bismarck erkennen, dass er für eine militärische Karriere die besten Voraussetzungen hatte. So hatte er bereits in diesem Alter vor einem Rittmeister des Regiments von der Marwitz geritten und vor einem Unteroffizier bereits das Gewehr gehandhabt.

In Rathenow trat der junge Adelige in das Leibkarabinerregiment ein und diente nun von der Pike auf. So musste er, wie jeder gewöhnliche Soldat in der Frühe den Stalldienst nachkommen. Im Alter von 14 Jahren wurde ihm zwar bezeugt, dass er ein vorzüglicher Reiter, jedoch noch zu klein für die Vorstellung beim Könige als Junker sei. Als er später dem König vorgestellt wurde, erinnerte dieser sich an seinen tapferen Großvater, dem Obersten August Friedrich von Bismarck (1695-1742).

Am 19.03.1790 erhielt der junge Bismarck sein Patent als Kornett und zwei Jahre später wurde er Ordonanzoffizier beim Oberstkommandierenden des preußischen Expeditionskorps nach Frankreich, den Herzog von Braunschweig, kommandiert. Seine Beförderung erhielt der während des Feldzuges in Französisch-Flandern am 05.05.1793 übersandt. Er wurde dann zur Dienstverrichtung an den Prinzen Louis Ferdinand kommandiert. In der Schlacht bei Kaiserslautern konnte er mit seiner Tapferkeit überzeugen und wurde jedoch schwer verwundet.

Der Vater Karl Alexander von Bismarck wünschte sich jedoch Unterstützung bei der Bewirtschaftung der familiären Güter und so bat er Karl Wilhelm Ferdinand von Bismarck um den Abschied von der Armee. Obwohl es dem jungen Offizier schwer gefallen sein dürfte, folgte er dem väterlichen Wunsche und erhielt am 28.07.1795 die Erlaubnis des Königs Friedrich Wilhelm II..

Nach dem Tode des Vaters im September 1797 übernahm Bismarck das Familiengut Schönhausen. Im Winter verbrachte er einige Monate in Berlin, wo er auch einen freundschaftlichen Umgang mit den Prinzen Louis Ferdinand stand.

Am 02.01.1802 erhielt der ausgeschiedene Rittmeister von Bismarck die Erlaubnis zum Tragen der Armeeuniform.

Am 06.07.1806 ging er die Ehe mit Luise Wilhelmine Mencken ein. Sie war die Tochter des Gutsbesitzers und Kabinettsrats Anastasius Ludwig Mencken. Auch sein älterer Bruder Friedrich Adolf Ludwig von Bismarck warb erfolglos um die Braut.

Nur wenige Wochen später spürte man auch auf Gut Schönhausen die Folgen der preußischen Niederlage bei Jena und Auerstedt am 14.10.1806. Bereits am 25.10.1806 erschienen die ersten Franzosen in Schönhausen als Vorboten stärkerer feindlicher Truppenverbände. 3 Tage später wurde der Ort von napoleonischen Truppen überfallen und geplündert. Die Gattin Luise Wilhelmine konnte sich nur knapp vor den plündernden Franzosen in Sicherheit bringen während man auf beiden Rittergütern, der Pfarre und in mehreren anderen Häusern plünderte. Man brachte sich in den Trüben, einen schwer zugänglichen Erlenbusch in Sicherheit und verbrachte dort auch die kalte regnerische Nacht. Der Ortsgeistliche schrieb über jene Ereignisse ins Kirchenbuch:

Seit dem Dreißigjährigen Krieg hat kein feindlicher Fuß den ruhigen Winkel zwischen Elbe und Havel betreten. Gott erhalte unsere Wohnungen, unsere Scheunen und unser Vieh, Sonst wird das Elend grenzenlos. O goldner Frieden, glückliche Ruhe, die wir genossen, wann kehren sie wieder?

Mit fremder Hand wurde der Eintrag und die Frage des Pfarrers in fremder Handschrift ergänzt:

Dann wenn Preußens edle Krieger mit Gott für König und Vaterland fechtend in Paris einziehen werden.

Wie sich später herausstelle stammte die unbekannte Handschrift von niemand anderen als dem Schriftsteller und Lützower Jäger Karl Theodor Körner (1791-1813), der sich am 13.05.1813 auf den zu Schönhausen gehörenden Pfarramt aufhielt.

Im Jahre 1809 hielt sich Adolph von Lützow im Schönhausen bei den Brüdern Friedrich und Karl Wilhelm Ferdinand auf. Zuvor hatte Friedrich von Bismarck den bei Dodendorf an der Lende verwundeten späteren Freikorps-Führer aus seinem westfälischen Versteck bei Tangermünde über die Elbe gebracht und auf dem Gut Schönhausen versteckt. Hier erfuhr Lützow die erste sachkundige Wundbehandlung und Pflege. Nachdem sein Transport nach Berlin vertretbar war ging er über Berlin nach Dänemark ab.

Während des russischen Feldzugs Kaiser Napoléons spürte man auf den Bismarckschen Gütern die Belastung. Einquartierungen und massigfache Lieferungen an die Armee ließen die Schönhauser Bevölkerung leiden. Schon Anfang 1813 kehrte die geschlagene französische Armee auch über Schönhausen zurück in die Heimat.

In den folgenden Monaten zogen die Brüder Ferdinands in den Krieg. Er selbst blieb jedoch in Schönhausen zurück und organisierte den Landsturm. Sein älterer Bruder Philipp Ludwig Leopold Friedrich von Bismarck fiel im Alter von 43 Jahren als Major in der Völkerschlacht bei Leipzig im Oktober 1813.

Während der Befreiungskriege hielt sich auch Major Adolph von Lützow, der nun an der Spitze des Königlich-preußischen Freikorps von Lützow stand, wieder in Schönhausen auf und auf Grund des zwischen den Alliierten und Napoléon geschlossenen Waffenstillstandes verlängerte sich der Aufenthalt auf Gut Schönhausen. Auch Friedrich Ludwig Jahn, der das 3. Infanterie-Bataillon der Lützower führte, hielt sich hier auf.

Noch im Jahre 1895 erinnerte sich der spätere Reichskanzler Otto von Bismarck lebhaft an die Erzählungen seines Vaters über den Aufenthalt der Lützower in Schönhausen.

»Die Erzählungen über die Anwesenheit der Lützower in Schönhausen bilden eine meiner ersten und lebhaftesten Erinnerungen.«

Im Jahre 1816 gingen die pommerschen Güter Kniephof, Jarchim und Külz auf Karl Wilhelm Ferdinand von Bismarck über. Nun entschloss er sich auf das Gut Kniephof umzuziehen. Im Winter hielt er sich mit seiner Familie einige Zeit in Berlin auf.

Nachdem seine Frau Luise Wilhelmine gestorben war setzte Bismarck ihr in Schönhausen ein Denkmal. Das Denkmal war eine Marmorplatte mit der Aufschrift

Luise Wilhelmine v. Bismarck, geb. Mencken. Schwer prüfte sie Gott durch körperliche Leiden. Sie ertrug selbige mit großer Geduld und Sanftmut. Die mit den Thränen säen, werden mit Freuden ernten. Der trauernde Gatte der zu früh geschiedenen Gefährtin.

Vom Charakter her war Ferdinand von Bismarck eher ein Vertreter des schlichten altmärkischen Junkertums. Er war passionierter Pferdezüchter und leidenschaftlicher Reiter.

Aus seiner Ehe entstammten 6 Kinder. Sein dritter Sohn sollte unter dem preußischen König und späteren deutschen Kaiser Wilhelm I. die Geschicke Deutschlands und Europas entscheidend prägen: Otto von Bismarck.

Karl Wilhelm Ferdinand von Bismarck starb wenige Tage nach seinem 74. Geburtstag auf Gut Schönhausen.


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