Gedichte

von Iwan Andrejewitsch Krylow

Der Wolf und das Mäuslein

Aus einer Herde schleppte Isegrim
Ein Lamm fort in sein Waldversteck.
Nun – Gastlichkeit war nicht sein Zweck;
Es ging dem armen Lamme schlimm,
Der Wolf zerriss es und fraß es auf mit heißer Gier –
Die Knochen krachten schier,
Zermalmt vom Druck des Wolfsgebisses.
Jedoch, wie sehr er immer mochte schlingen,
Er konnte alles nicht bezwingen;
So ließ er dies und jenes Stück
Sich für sein Vesperbrot zurück.
Dann streckt er sich behaglich aus,
Sich zu erholen von dem fetten Schmaus.

>Nun hatte in der Näh' ein Mäuslein
Sein Häuslein.
Das Mäuslein riecht das Fleisch und kommt herausgehüpft,
Schleicht sacht durch Moos und Busch,
Packt einen Lappen Fleisch, und husch
Ist es damit zurückgeschlüpft.
Der Wolf gewahrt den Raub mit Grimme
Und heulet durch den Wald mit heisrer Stimme:
»Zu Hilfe kommt, ihr Leute!
Ein Dieb! Halt, halt,
Fangt ihn, entreißt ihm seine Beute!
Man plündert mich verwegen,
Man raubt mir mein Vermögen!«

So was passiert nicht bloß in Waldgehegen.
Dem Richter Klimytsch nahm einmal
Ein Dieb die Uhr – da hört man jenen wüten:
»Setzt nach, packt mir den Schurken, der sie stahl,
Er mag sich hüten!«


Letzte Änderung der Seite: 06. 03. 2021 - 00:03

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