Friedrich August von Tschirschky

* 17.10.1737 in Mittel-Arnsdorf/Schlesien
† 13.01.1799 in Wesel

Friedrich August Albrecht von Tschirschky wurde am 17.10.1734 als Sohn von Ernst Friedrich von Tschirschky (1708-1748) geboren. Er war Herr auf Wilkau und Arnsdorf im Kreis Schweidnitz. Seine Mutter war Luise Margarethe von Zedlitz aus dem Hause Bankwitz (1715-1773). Der spätere preußische Generalmajor Carl Wilhelm von Tschirschky war sein Vetter.

Tschirschky trat im Jahre 1749 als Gefreitenkorporal in das Infanterie Regiment von Lestwitz Nr. 31 ein. Am 22.05.1754 erfolgte seine Beförderung zum Fähnrich. Während des Siebenjährigen Krieges nahm er als Adjutant des Herzogs Karl Eugen von Württemberg (1728-1793) teil. In dieser Stellung erhielt er am 24.07.1757 sein Patent zum Secondeleutnant. Am 09.02.1759 wurde er als Adjutant zu Generalleutnant von Klitzing (1698-1759) versetzt. Seine Beförderung zum Premierleutnant erhielt er am 24.06.1761 ausgestellt.

Nach dem Friedensschluss des Jahres 1763 stieg der verdiente Offizier innerhalb seines Regiments, dessen Inhaber zwischenzeitlich Friedrich Bogislav von Tauentzien (1710-1791) wurde, weiter auf. Seine Beförderung zum Stabskapitän erhielt er am 17.09.1766 und bereits am 30.03.1768 wurde er zum Kapitän und Kompaniechef befördert. 

Er heiratete am 24.04.1770, nachdem er am 02.04.1770 die königliche Erlaubnis erhalten hatte, in Breslau Johanna Beate von Kessel (1741-1794). Dieser Ehe entstammten vier Töchter. Die älteste Tochter Jeanette Margarethe (1772-1817) ging am 06.05.1798 in Wesel die Ehe mit Karl Thomas von Othegraven (1769-1844), einen späteren preußischen Generalleutnant, ein. Über das Schicksal der anderen Töchter ist nur wenig bekannt. Mit dem Tode Tschirschkys erlosch auch dieser Familienzweig endgültig.

Im August 1773 erhielt er das Kommando über eine Grenadierkompanie, die er auch während des Bayerischen Erbfolgekrieges 1778/79 führte. Im Jahre 1780 erfolgte die Beförderung zum Major und im Jahre 1789 ernannte König Friedrich Wilhelm II. den Offizier zum Oberstleutnant. Zwei Jahre später erfolgte die Beförderung zum Obersten.

Am 23.01.1792 wurde Oberst Tschirschky zum Kommandanten der preußischen Zitadelle in Wesel ernannt. Der König schrieb dem Offizier dazu folgende Worte:

da Ich diesen Posten bei den gegenwärtigen Conjuncturen nicht anders als mit einem Mann besetzen kann, dem es nicht an Tätigkeit gebricht, und der die unentbehrlichen militairischen und besonders mathematischen Kenntnisse besitzt, um in einem befestigten Ort alle seine Pflichten gehörig wahrnehmen zu können.

Er folgte somit auf Generalleutnant Johann Friedrich von Romberg (1724-1792), der das Kommando seit 1789 wahrnahm und Friedrich Wilhelm von Gaudi (1725-1788), der im Jahre 1787 auf den langjährigen Kommandeur der Festung Salenmon (1710-1797) folgte.

Für den ins Feld ziehenden General von Romberg  übernahm er am 22.04.1792 auch die Aufgaben eines Vize-Generalinspekteurs für die westfälische Infanterie.  Wenige Tage zuvor hatte das revolutionäre Frankreich Preußen und Österreich den Krieg erklärt.

Nachdem die Alliierten Truppen sich im Herbst 1792 zurückziehen musste, wurde auch die Lage für die preußische Festung Wesel kritisch. Zum einen befanden sich zahlreiche französische Emigranten in der Stadt aber auch der von den Österreichern in Flandern gefangen genommene General La Fayette in der Festung Wesel, den er nach Magdeburg transportieren ließ. Mit A.K.O. vom 17.12.1792 zeigte der preußische König Friedrich Wilhelm II. seine Zufriedenheit mit dem Obersten.

Ich billige alle von Euch getroffenen Verfügungen. Überhaupt ist es gut, daß Ihr nunmehr so handelt, als Ihr es den eintretenden Umständen nach für gut achtet, ohne von Meiner Seite bestimmte Vorschriften zu erwarten, die sich in der Entfernung nicht werden geben lassen. Ich verlasse Mich auf Eure Erfahrung und Euren Eifer für Mein und des Landes Interesse.

Nachdem das Jahr 1793 ruhig verlief bemühte sich Tschirschky, die Festung für den Verteidigungsfall vorzubereiten. Im Herbst 1794, die österreichischen Truppen zogen sich über den Rhein zurück, bombardierten die Franzosen die Stadt und die Zitadelle zu Wesel. Es gelang dem Kommandanten den Rückzug der fliehenden Österreicher zu decken. Er konnte die Gefahr für die Festung zunächst abwenden. 

Doch bereits zu Beginn des Jahres 1795 musste Oberst Tschirschky dem preußischen König erneut eine Bedrohung für die Festungsanlagen melden. Zur gleichen Zeit befand sich der preußische Staat in Geheim-Gesprächen mit Frankreich zum Abschluss eines Friedensvertrages. So wollte der preußische König auch nicht die Hilfe der verbündeten österreichischen Truppen annehmen, die sich zur Verstärkung der Festungsbesatzung ebenfalls in Wesel einquartieren wollten.

Mit Wirkung vom 22.05.1795 erhielt der preußische Festungskommandant den Orden Pour le Merite verliehen. In der Begründung wurde angeführt, das er diese Auszeichnung »für seine treue Vorsorge für den Vertheidigungszustand von Wesel und sein ganzes Benehmen«.

Fünf Monate später, nachdem Generalleutnant Alexander Friedrich von Woldeck gestorben war, übernahm er auch vorläufig die Aufgaben eines Gouverneurs der Festung. Dieses Amt sollte zunächst nicht neu besetzt werden. 

Als Franzosen und Österreicher beabsichtigten in der preußischen Stadt Wesel ihre Kriegsgefangene auszutauschen, lehnte der Gouverneur und Festungskommandant Oberst von Tschirschky dieses Anliegen mit Verweis auf die Neutralität Preußens ab. Er verwies die Streitenden Parteien nach Düsseldorf oder Köln.

Der König, der mit der gesamten Amtsführung während der Kriegsjahre zufrieden war, beförderte Tschirschky am 16.01.1796 zum preußischen Generalmajor. Die Strapazen der Kriegszeit haben jedoch auch seine Gesundheit angegriffen. Er erkrankte iim Jahre 1798 ernsthaft.

An den Folgen der Krankheit starb Generalmajor Friedrich August von Tschirschky am 13.01.1799 in Wesel. Mit A.K.O. vom 29.01.1799 wandte sich König Friedrich Wilhelm III. an die Töchter des Generalmajors:

Besonders Liebe.

Ich habe mit Eurem Schreiben vom 20. dieses dem von Eurem Vater, dem gestorbenen General Major von Tschirschky hinterlassenen Orden pour le merite erhalten. Ich bedaure, das Ableben Eures braven, dem Staate viele Jahre hindurch treu und ausgezeichnet gut gedienten Vaters und nehme an Eurem Verlust um so mehr aufrichtigen Anteil, da er sich auf meine besondere Wert Schätzung gerechte Ansprüche erworben hat.

Friedrich Wilhelm

Berlin, den 29. 1. 1799.


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