Werner von Haxthausen

* 18.07.1780 in Bökendorf bei Brakel
† 30.04.1842 in Würzburg

Geboren wurde Werner von Haxthausen am 18.07.1780 in Bökendorf in der Nähe von Brakel im Fürstbistum Paderborn. Seine Eltern waren Werner Adolph von Haxthausen, der Herr auf Thienhausen, Bökendorf, Abbenburg und Bellersen, und seine Mutter Marie Anne entstammte den Geschlecht Wendt-Pappenhausen. Der Vater war Droste des paderbornischen Amtes Lichtenau.

Der junge Haxthausen lebte ab dem Jahre 1799 in der Familie des Dichters Friedrich Leopold zu Stolberg-Stolberg in Münster. An der Universität dieser Stadt studierte er neben orientalischen Sprachen auch Jura und Medizin.

Durch Stolberg-Stolberg wurde er angeregt, auch erste eigene Dichtungen anzufertigen. So schuf er deutsche Nachdichtungen pindarischer und horazischer Oden. Er erhielt auch Zugang zum Kreise der »familia sacra« um die Fürstin Amalia von Gallizin und lernte so Anton Matthias Sprickmann.

In jenen Tagen hielt sich der Student auch häufig auf Burg Hülshoff bei seiner ältesten Stiefschwester Therese auf. Seiner jungen Nichte Anette gab er Literaturhinweise. Seine Gedichte, über die sich Goethe abschätzig äußerte, waren im Stile Vossens gehalten.

Im Jahre 1801 wechselte der Student nach Prag. Ab etwa 1803 oder 1804 lebte er in Böhmen und legte anno 1804 in Prag sein juristisches Examen ab.

Im Jahre 1805 wurde er Gerichtsreferendar in Münster und übernahm kurzzeitig eine in Paderborn vakante Dompräbande. Im Jahre 1806 gehörte er auch der Ständeversammlung des Hochstifts Paderborn an. Dieses wurde jedoch kurz darauf durch Kaiser Napoléon dem neu zu schaffenden Königreich Westfalen einverleibt.

In der Folgezeit wandte er sich wieder den orientalischen Studien zu und ging nach 1807 Paris. Im folgenden Jahr setzte Haxthausen seine Studien in Göttingen fort, wo er eine erste Bekanntschaft mit Jakob und Wilhelm Grimm schloss. Er unterstützte, zusammen mit seinem Bruder August von Haxthausen und seiner Nichte Jenny von Droste zu Hülshoff die Brüder Grimm bei der Suche nach Volkssagen und Märchen. Zusammen mit seinem jüngeren Bruder August und seinen Schwestern begründete er den Bökendorfer Märchenkreis.

In Halle begann er ein Medizinstudium und schloss sich dem Kreis um den Naturphilosophen Heinrich Steffens an.

Er schloss sich den national und antifranzösisch gesinnten »Tugendbund« an und pflegte den Umgang mit Wilhelm von Dörnberg. Als der westphälische Offizier im Frühjahr 1809 gegen König Jérôme einen Aufstand anzettelte, gehörte auch Haxthausen dieser Verschwörung an.

Im Jahre 1811 musste er auf Grund seiner politischen Tätigkeit um Dörnberg das Land verlassen. Er flüchtete über Schweden nach London, wo er mit einflussreichen Preußen Freundschaft schloss. Hier begründete sich die Freundschaft mit August Neidhardt von Gneisenau. Seinen Lebensunterhalt verdiente er als Hilfsarzt an einem Londoner Krankenhaus, wo er den Decknamen Dr. Albrock führte. Im Jahre 1813 heuerte er gerade bei der Ostindischen Handelskompanie an um als Schiffsarzt nach Kalkutta zu segel. Doch die politische Lage auf dem Kontinent, Kaiser Napoléon war aus Russland geflüchtet, veranlasste ihn zur Rückkehr nach Deutschland. Er schloss sich, im Range eines Majors dem Korps des Generals von Wallmoden-Gimborn an und diente als Adjutant.

In Paris traf er beispielsweise mit dem Dichter Ernst Moritz Arndt, Sulpiz Boisserée, Joseph von Laßberg oder dem Publizisten Joseph Görres zusammen. So gelangte der junge Offizier in einflussrieche politische Kreise. Er nahm in der Folge auch am Wiener Kongress teil. Hier gelang es ihm, einen Grundstock für seine Sammlung neugriechischer Volkslieder zu erwerben.

Nach Ende der Befreiungskriege trat Werner von Haxthausen in den preußischen Staatsdienst. Durch diese Ernennung befreundete er sich auch mit dem Grafen Solms-Laubach, dem Oberpräsidenten der Rheinprovinz, der den jungen Mann förderte.

Er erhielt eine Stelle als Regierungsrat in Köln und erhielt überwiegend organisatorische Aufgaben in der neu geschaffenen preußischen Rheinprovinz. Zusammen mit seinem Freund Boisseriée setzte er sich für die Fertigstellung des Kölner Doms ein.

Im Laufe der Demagogenverfolgung unterstützte der preußische Beamte Brüder die Jakob und Wilhelm Grimm oder seinen Freund Joseph Görres. Dies kostete ihn sein Amt.

Durch die Mitgift seiner Frau Elisabeth von Harff-Dreiborn, die er im Jahre 1825 heiratete, konnte er seine Güter sanieren. In der Folgezeit finanzierte er seinen Lebensunterhalt durch die Erträge der Güter.

Um das Jahr 1825/26 lebte seine Nichte Anette von Droste Hülshoff für längere Zeit in seinem Kölner Haus und unterstützte ihn bei der Neuanlegung seiner Bibliothek.

Im Jahre 1833 gehörte er dem westfälischen Provinziallandtag als Vorsitzender des Ausschusses für das Bäuerliche Erbhofgesetz an. In jener Zeit entstand auch seine Schrift »Über die Grundlagen unserer Verfassung« hervor. Diese ultrakonservative Schrift führte wegen ihrer heftigen Kritik an der preußischen Regierung zu einer kurzzeitigen Verhaftung des Freiherrn von HAxthausen. Auch seine bisherigen Weggefährten distanzierten sich von ihm. Er entschloss sich nun, nach Bayern zu ziehen.

Im Jahre 1837 erwarb die Burg Salzburg und das Schloss Neuhaus in Bad Neuhaus bei Bad Neustadt an der Saale. Die Gegend hatte er anlässlich eines Kuraufenthalts in Bad Kissingen kennengelernt. Durch den bayerischen König er in den Grafenstand erhoben.

Zusammen mit König Ludwig I. legte er im Jahre 1841 den Grundstein für eine in neobyzantinischer Architektur realisierte Kapelle auf der Burg Salzburg.

Werner von Haxthausen bearbeitete auch zahlreiche neugriechische Volkslieder. Der Weimarer Dichter Johann Wolfgang von Goethe, mit dem Haxthausen im Jahre 1815 in Wiesbaden erstmals zusammentraf, äußerte sich positiv über diese Arbeiten. Diese wurden jedoch, mit Ausnahme einiger kleiner Proben, erst im Jahre 1935 von Karl Schulte-Kemminghausen und Gustav Soyter herausgegeben.

Schon früh, nachdem er das Haus Stolberg-Stolbergs in Münster verlassen hatte, wurde er durch die Frühromantik beeinflusst. So ließ er sich durch die von Achim von Arnim und Clemens von Brentano herausgegebene Volksliedersammlung »Des Knaben Wunderhorn« selbst zum Sammeln von Volksliedern animieren. Sein Plan, eine Sammlung alter deutscher Jagdlieder in Form eines Almanachs zu publizieren, war nur einer seiner gescheiterten Editionspläne.

Er sammelte auch altgermanische Texte und so kam es, dass im den Jahren 1820 und 1821 der mittellose Heinrich Hoffmann von Fallersleben bei ihm zu Gast war. Ein gemeinsames Editionsprojekt kam ebenfalls nicht über den Status der Idee hinaus.

Haxthausen schwärmte auch früh für die Wiederbelebung altadelig-ritterlicher Werte und Tugenden zur moralischen Restauration. So gehörte er, neben Joseph von Laßberg zu Beginn des Jahres 1815 in Wien zu den Begründern des »Allgemeinen Adelsvereins durch ganz Teutschland«.

Seine umfangreiche und bedeutende Gemäldesammlung gilt heute als verloren.

Anette von Droste Hülshoff äußerte sich kritisch zu ihrem Onkel. So erkannte sie seine glänzenden Begabungen an, jedoch sah sie seine gesamten Leistungen auch im hohen Alter sehr kritisch. Dieses gespaltene Verhältnis mag wohl darauf zurückzuführen sein, das Werner von Haxthausen dem literarischen Wirken seiner Nichte ebenfalls kritisch gegenüberstand und sie so kränkte.

Aus seiner Ehe ging die Tochter Maria (1826-1880) hervor. Nach seinem Tode verwaltete seine Gattin den Familienbetrieb und wandelte diesen in einen Kurbetrieb, den sie ihren gerade einmal elfjährigen Enkel Otto von Brenken überließ. Den Eltern, die das Gut und die Burg Salzburg verwalteten, konnten auch die restlichen Anteile der Burg hinzuerwerben. Auch erweiterten die Eltern das von der Gräfin Elisabeth gegründete Privatbad in Neuhaus.

Werner von Haxthausen starb am 30.04.1842 in Würzburg. Seine letzte Ruhestätte fand er in der Familiengruft der Grafen Schenk von Staufenberg.

Werke:

  • Ueber die Grundlage unserer Verfassung, o.O., 1833

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