Luigi Boccherini

* 19.02.1743 in Lucca/Toskana
† 28.05.1805 in Madrid/Spanien

Luigi Boccherini wurde als dritte von fünf Kindern des Kontrabassisten und Cellisten Francesco Leopoldo Boccherini () am 19.02.1743 in Lucca geboren. Seine Mutter war Maria Santa di Dmenico Prosperi.

Zunächst unterrichtete der Vater Luigi im Umgang mit dem Cello, dass noch in jungen Jahren durch verbessert wurde. Im Alter von gerade einmal 10 Jahren wurde der Junge nach Rom geschickt, wo er seine musikalischen Kenntnisse vertiefe. Im Jahre 1756 wurde er Schüler des Opernkomponisten Giovanni Battista Costanzi (1704-1778) Eine wichtige Begegnung ist im gleichen Jahr die mit Giovanni Battista Sammartini (1700-1775), bei der Boccherini in dessen Mailänder Orchester spielte. Zu jener Zeit hatte er bereits erste Vorläufer seiner Streichquartette komponiert.

Zwischen 1757 und 1761 hielt sich Boccherini in Wien auf. Er hatte eine Anstellung am Wiener Hoftheater gefunden. Im Jahre 1761 zog es in ihn seine Heimatstadt Lucca zurück, wo er in der »Cappella Palatina« eine Anstellung als Cellist gefunden hatte. Er begab sich nun auch auf Konzertreisen, die in durch Europa führten. 1762 und 1764 hielt er sich in Wien auf und ging dann nach Mailand. In den Jahren 1765/66 hielt er sich wieder in Lucca auf, ehe es in 1767/68 auch nach Paris führte.

Seit 1765 wurde er von seinem Freund Filippo Manfredi (1731-1777), einen Geiger, begleitet. In Paris veröffentlichte er auch seine ersten Kompositionen, welche ihm großes Ansehen brachten. In jener Zeit gab er viele Konzerte und bekam von Verlegern lukrative Angebote. Seinen Plan, nach England zu reisen verwarf er und folgte dem Ruf des spanischen Botschafters in Paris nach Madrid.

Der spanische Infant Don Luis Antonio de Borbon y Famesio (1727-1785) , Bruder Karl III. (1716-1788), stellte Luis Boccherini, wie er sich in Spanien nannte, mit königlicher Erlaubnis im November 1770 als compositore e virtuosso die camera (Kammerkomponist und –virtuose) ein. Er war in den folgenden Jahren an vielen Stellen für den Infanten als Komponist tätig. So hielt er sich zwischen 1770 und 1776 in Boadilla del Monte auf. Weitere Aufenthalte folgten dann bis 1778 in Olias Velada-Cadalso und zwischen 1778 – 1785 in San Pedro.

Nach dem Tode des Infanten im Jahre 1785 kehrte er zusammen mit seiner ersten Frau Clementina Pelicha, einer Sängerin, nach Madrid zurück. In Madrid fand er eine Anstellung als ein der Königlichen Kapelle angehöriger Musiker. Zwischen 1785 und 1789 dirigierte er in Alameda de Osuna, in der Nähe Madrids, das Orchester der Maria Josefa de la Soledad (1752-1834), Gräfin von Benavente und Herzogin von Osuna.

Der preußische Kronprinz Friedrich Wilhelm ernannte ihn im Jahre 1786 zum Kammerkomponisten und gewährte ihn ein jährliches Gehalt in Höhe von 1.000 Talern. Bis zum Tode des preußischen Königs Friedrich Wilhelm II. im Jahre 1797 komponierte er überwiegend für den preußischen Monarchen und war zugleich als Dirigent in Spanien tätig. Er sandte jährlich 12 Kompositionen nach Berlin. Vermutlich hat sich Boccherini niemals in Berlin oder Potsdam aufgehalten, war jedoch vom Violoncello spielenden König sehr geachtet. Auch andere Zeitgenossen wie z.B. Joseph Haydn, Wolfgang Amadeus Mozart oder Ludwig van Beethoven versuchten erfolglos die Gunst des preußischen Monarchen zu gewinnen. Mit dem Tod Friedrich Wilhelm II. fiel auch die jährliche Zahlung aus Berlin fort, was den Komponisten in finanzielle Schwierigkeiten brachte.

Im Jahre 1798 schrieb Jean-Baptiste Cartier, ein Pariser Opernmeister und Violinlehrer, in seinem Buch »Die Kunst der Geige oder die Unterscheidung der in den italienischen, französischen und deutschen Sonaten gewählten Schulen«:

Wollte Gott zu den Menschen in Musik sprechen, so täte Er es mit den Werken Haydns: doch wenn er selbst Musik hören wollte, würde Er sich für Boccherini entscheiden.

Im Jahre 1800 lernte Luigi Boccherini Lucien Bonaparte, den Bruder des Ersten Konsuls Napoléon, am Madrider Hof kennen, wo dieser als französischer Botschafter entsendet worden war. Er förderte den Künstler bis zum Jahre 1802 wofür dieser ihm zwölf Streichquartette und ein »Stabat Mater« widmete.

Luigi Boccherini ist musikgeschichtlich als Komponist und Virtuose der vorklassischen und klassischen Epoche der Kammermusik anzusehen. Er gilt als der Erfinder des Streichquintetts mit zwei Celli und war der größte italienische Kammermusikkomponist seiner Epoche. Normalerweise war zu seiner Zeit in Streichquintetten das Spiel mit zwei Bratschen und einem Cello üblich. Die fünfte Stimme besetzte der Komponist auch mit anderen Instrumenten, wie zum Beispiel mit Klavier, Oboe, Flöte oder einer Gitarre.

So schrieb er am 08.07.1799 in einen Brief Marie Joseph Chenier:

Ich weiß gut, dass die Musik dazu da ist, zum Herzen des Menschen zu sprechen, und das versuche ich zu erreichen, wenn ich kann. Die Musik ohne Affekte und Leidenschaften ist bedeutungslos. Daraus ergibt sich, dass der Komponist nichts ohne die ausführenden Musiker erreicht. Es ist notwendig, dass diese dem Autor gewogen sind, und dann müssen sie im Herzen alles das empfinden, was dieser notiert hat; zusammenkommen, proben, untersuchen, schließlich den Geist des Autors studieren, dann seine Werke ausführen. Wenn sie dann beinahe den Komponisten in den Schatten stellen, oder zumindest den Ruhm mit ihm teilen, dann halte ich es zwar für eine Auszeichnung, zu hören: "Wie schön ist dieses Werk!", aber noch mehr bedeutet mir, wenn man sagt "Wie himmlisch haben sie es gespielt!

Das Werk besteht überwiegend aus Instrumentalmusik, aber auch 20 Sinfonien, 11 Cellokonzerte und 125 Streichquintette sowie 91 Quartette und mehr als 100 Kammermusikwerken. Hinzu kommen noch 6 Divertimenti, Oratorien sowie zwei Bühnenwerke. Sein Oratorium »Re di Giuda« wurde erst im Jahre 1999 in Saarbrücken uraufgeführt. Bei den Bühnenstücken handelt es sich um die 1789 uraufgeführte Oper »La Clementina« und das Drama »Dorval e Virginia«, welches 1799 in Turin uraufgeführt wurde. Sein bekanntestes geistliches Werk ist »Stabnat Mater«. Weitere bekannte Werke von Boccherini sind »Fandango«, aus dem Quintett D-Dur für zwei Violinen, Viola, Cello und Gitarre, aber auch »Menuett« aus dem Quintett E-Dur, op. 11, Nr. 5, das vier Jahre später unter eigener Nr. als op. 13, Nr. 5 für zwei Violinen, Viola und zwei Violoncelli veröffentlicht wurde.

Im späten 19. Jahrhundert war er fast in Vergessenheit geraten. Nur das Menuett aus dem Quintett Op. 11 Nr. 5 G 275 und eine sehr freie Bearbeitung des Cellokonzerts B-Dur, G 482 waren einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. In unseren Tagen erfreuen sich insbesondere seine Werke mit einer Verknüpfung zur spanischen Volksmusik großer Beliebtheit.

Luigi Boocherinis letzte Lebensjahre waren von familiären Verlusten begleitet. Zunächst starb im Jahre 1796 seine älteste Tochter Maira Joaquina und im Jahre 1802 starben zwei weitere Töchter. Seine zweite Frau Joaquina Porreti, für die er sich wegen einer nicht standesgemäßen Heirat nach San Pedro zurückgezogen hatte. Obwohl er durch wohlhabende Mäzene unterstützt wurde lebte er in sehr bescheidenen Verhältnissen.

Er starb am 28.05.1805 in Madrid an den Folgen einer Bauchhöhlentuberkulose. Bis heute ist nicht nachgewiesen worden, dass er in Armut verstarb.

Im Jahre 1927 wurden die sterblichen Überreste von Luigi Boccherini auf Betreiben seiner Heimatstadt Lucca von Madrid in die Toskana überführt und in der Basilika San Francesco beigesetzt.

Kompositionen:

  • Op.1: 6 Streichtrios für 2 Violinen und Violoncello, G.77-82, 1760
  • Op.2: 6 Streichquartette, G.159-164, 1761
  • Op.3: 6 Violinduos, G.56-61, 1761
  • Op.4: 6 Streichtrios für 2 Violinen und Violoncello, G.83-88, 1766
  • Op.5: 6 Sonaten für Klavier und Violine, G.25-30, 1768
  • Op.6: 6 Streichtrios für 2 Violinen und Violoncello, G.89-94, 1769
  • Op.7: Concerto a piu stromenti obligati, G.491, 1769
  • Op.8: 6 Streichquartette, G.165-170, 1769
  • Op.9: 6 Streichquartette, G.171-176, 1770
  • Op.10: 6 Streichquintette für 2 Violinen, Viola und 2 Violoncelli, G.265-270, 1771
  • Op.11: 6 Streichquintette für 2 Violinen, Viola und 2 Violoncelli, G.271-276, 1771
  • Op.12: 6 Sinfonien, G.503-508, 1771
  • Op.13: 6 Streichquintette für 2 Violinen, Viola und 2 Violoncelli, G.277-282, 1772
  • Op.14: 6 Streichtrios für Violine, Viola und Violoncello, G.95-100, 1772
  • Op.15: 6 Streichquartette (Opera piccola), G.177-182, 1772
  • Op.16: 6 Divertimenti für Flöte, 2 Violinen, Viola, 2 Violoncelli und Kontrabass ad lib., G.461-466, 1773
  • Op.17: 6 Quintette für Flöte, 2 Violinen, Viola und Violoncello (Opera piccola), G. 419-424, 1773
  • Op.18: 6 Streichquintette für 2 Violinen, Viola und 2 Violoncelli, G.283-288, 1774
  • Op.19: 6 Quintette für Flöte, 2 Violinen, Viola und Violoncello (Opera piccola), G.425-430, 1774
  • Op.20: 6 Streichquintette für 2 Violinen, Viola und 2 Violoncelli, G.289-294, 1775
  • Op.21: 6 Sinfonien, G.493-498, 1775
  • Op.22: 6 Streichquartette (Opera piccola), G.183-188, 1775
  • Op.23: 6 Streichsextette, G.454-459, 1776
  • Op.24: 6 Streichquartette, G.189-194, 1776-1778
  • Op.25: 6 Streichquintette für 2 Violinen, Viola und 2 Violoncelli, G.295-300, 1778
  • Op.26: 6 Streichquartette (Opera piccola), G.195-200, 1778
  • Op.27: 6 Streichquintette für 2 Violinen, Viola und 2 Violoncelli (Opera piccola), G.301-306, 1779
  • Op.28: 6 Streichquintette für 2 Violinen, Viola und 2 Violoncelli, G.307-312, 1779
  • Op.29: 6 Streichquintette für 2 Violinen, Viola und 2 Violoncelli, G.313-318, 1779
  • Op.30: 6 Streichquintette für 2 Violinen, Viola und 2 Violoncelli (Opera piccola), G.319-324, 1780
  • Op.31: 6 Streichquintette für 2 Violinen, Viola und 2 Violoncelli, G.325-330, 1780
  • Op.32: 6 Streichquartette, G.201-206, 1780
  • Op.33: 6 Streichquartette (Opera piccola), G.207-212, 1781
  • Op.34: 6 Streichtrios für 2 Violinen und Violoncello, G.101-106, 1781
  • Op.35: 6 Sinfonien, G.509-514, 1782
  • Op.36: 6 Streichquintette für 2 Violinen, Viola und 2 Violoncelli (Opera piccola), G.331-336, 1784/1786
  • Op.37: 4 Sinfonien, G.515-518, 1786-1787 Nr. 2 verschollen.
  • Op.38: 6 Notturni (Sextette und Oktette) für Streicher und Bläser (Opera piccola), G.467-472, 1787 Nr. 2 und 3 verschollen.
  • Op.39: 3 Streichquintette für 2 Violinen, Viola, Violoncello und Kontrabass, G.337-339; 1 Streichquartett, G.213, 1787
  • Op.40: 6 Streichquintette für 2 Violinen, Viola und 2 Violoncelli (Opera piccola), G.340-345, 1788
  • Op.41: 2 Streichquintette für 2 Violinen, Viola und 2 Violoncelli, G.346-347; 2 Streichquartette, G.214-215; Un gioco di Minuetti ballabili, G.525; 1 Sinfonie, G.516, 1788
  • Op.42: 1 Sinfonie (G.520); 4 Streichquintette für 2 Violinen, Viola und 2 Violoncelli (davon 1 Opera piccola), G.348-351; 2 Streichquartette (Opera piccola), G.216-217; 1 Oktett (Opera piccola), G.473, 1789 Das Oktett ist verschollen.
  • Op.43: 1 Sinfonie, G.521; 3 Streichquintette für 2 Violinen, Viola und 2 Violoncelli (davon 1 Opera piccola), G.352-354; 2 Streichquartette (Opera piccola), G.218-219, 1790
  • Op.44: 6 Streichquartette (Opera piccola), G.220-225, 1792
  • Op.45: 1 Sinfonie, G.522; 4 Streichquintette für 2 Violinen, Viola und 2 Violoncelli, G.355-358, 1792
  • Op.46: 6 Streichquintette für 2 Violinen, Viola und 2 Violoncelli, G.359-364, 1793
  • Op.47: 6 Streichtrios für Violine, Viola und Violoncello (Opera piccola), G.107-112, 1793
  • Op.48: 6 Streichquartette (Opera piccola), G.226-231, 1794
  • Op.49: 5 Streichquintette für 2 Violinen, Viola und 2 Violoncelli, G.365-369, 1794
  • Op.50: 6 Streichquintette für 2 Violinen, Viola und 2 Violoncelli (Opera piccola), G.370-375, 1795
  • Op.51: 2 Streichquintette für 2 Violinen, Viola und 2 Violoncelli, G.376-377, 1795
  • Op.52: 4 Streichquartette, G.232-235, 1795
  • Op.53: 6 Streichquartette (Opera piccola), G.236-241, 1796
  • Op.54: 6 Streichtrios für 2 Violinen und Violoncello, G.113-118, 1796
  • Op.55: 6 Quintette für Oboe (oder Flöte), 2 Violinen, Viola und Violoncello (Opera piccola), G.431-436, 1797
  • Op.56: 6 Klavierquintette, G.407-412, 1797
  • Op.57: 6 Klavierquintette, G.413-418, 1799
  • Op.58: 6 Streichquartette, G.242-247, 1799
  • Op.59: Messa a quatro con tutti stromenti obligati, G.528, 1800 Verschollen.
  • Op.60: 6 Streichquintette für 2 Violinen, 2 Violen und Violoncello, G.391-396, 1801 Nr.4 verschollen.
  • Op.61: Stabat mater, G.532, 1800; erste Version schon 1781
  • Op.62: 6 Streichquintette für 2 Violinen, 2 Violen und Violoncello, G.397-402, 1802
  • Op.63: Cantata al Santo Natale di Nostro Signor Jesu-Cristo a quatro voci obligati, coro e stromenti dedicata all'Imperatore die Russia, G.535, 1802 Verschollen.
  • Op.64: 2 Streichquartette (das zweite unvollendet), G.248-249, 1804

Werke für Violincello:

  • ca. 40 Cellosonaten G.1-17, 19, 563-566, 568-569, 580 und weitere ohne Gérard-Nummer
  • 12 Cellokonzerte G.474-483, 573, G deest

Vokalwerke:

  • Oratorien: Gioas G.537, Il Giuseppe riconosciuto G.538 (beide ca. 1764-1766)
  • Kantate La confederazione dei Sabini con Roma G.543, 1765)
  • Messen und Teile von Messen: Kyrie G.529, Gloria G.530, Credo G.531
  • Psalmen: Dixit Dominus G.533, Domine ad adjuvandum G.534
  • Villancicos al Nacimiento de Ntro Senor Jesu-Christo G.539, 1783)
  • Zarzuela La Clementina G.540, 1786)
  • 15 Konzertarien G.544-558 (undatiert), ein Duett für Sopran und Tenor G.559, 1792)
  • Scena dell'Ines di Castro G.541, 1798)

Bearbeitungen:

  • 8 erhaltene Quintette für Gitarre, 2 Violinen, Viola und Violoncello G.445-451 und 453, 1798-1799)

Letzte Änderung der Seite: 07. 06. 2020 - 22:06