EPOCHE NAPOLEON


von der Bastille bis Waterloo

Georges-Charles Leclerc Conte de Buffon

* 07.09.1707 in Montbard
† 16.04.1788 in Paris

Georges-Louis Leclerc de Buffon (1707-1788) war ein französischer Naturforscher dessen Einfluss bis weit ins 19. Jahrhundert reichte. Er war Mitglied der Académie Française.
Georges-Louis Leclerc de Buffon (1707-1788)

Georges-Charles Leclerc Buffon wurde am 07.09.1707 als ältester Sohn von Benjamin-Francois Leclerc (1683-1775), der Vorsitzender der Salzkammer von Montbard war, geboren. Die Mutter Anne-Christine Marlin, galt als eine gebildete Frau aus reichem Hause.

Kurz nach der Geburt ihres ältesten Sohnes erbte die Mutter ein größeres Vermögen. Sie erbte ebenfalls nach dem Tode der Witwe ihres Oheims Georges-Louis Blaisot, Steuereinnehmer des Herzogs von Savoyen, im Jahre 1714 eine beträchtliche Summe. Im Jahre 1717 konnte Francois-Bernhard Leclerc damit den Titel eines Seigneurie von Buffon, gelegen in der Nähe von Montbard, erwerben. Der Vater erwarb später noch das Amt des Gerichtsrates beim Burgunder Parlament und verlegte danach den Familienwohnsitz nach Dijon.

Ab dem Jahre 1717 besuchte der junge Buffon das Collège des Godrans, ein Jesuitenkollegium in Dijon, und studierte auf Wunsch des Vaters ab 1723 zunächst Rechtswissenschaften. In jener Zeit schloss er sich auch den intellektuellen Kreisen seiner Vaterstadt an.

Im Jahre 1726 entschloss er sich die juristische Laufbahn zu verlassen und ein weiteres Studium der Botanik, Medizin und Mathematik in Angers schloss sich an. Doch nach einem Duell im Jahre 1728 musste er die Stadt fluchtartig verlassen. Seit dem Jahre 1727 stand er mit den Genfer Mathematiker Gabriel Cramer in Kontakt.

Er kehrte in das elterliche Haus nach Dijon zurück und knüpfte mit den englischen Duke of Kingston enge Freundschaft. Zusammen unternahmen beide Männer eine Bildungsreise, die sie durch Frankreich, die Schweiz und Italien führte. Sie besuchten Nantes und gingen von dort nach La Rochelle, Rochefort, Bordeaux wo sie im Januar 1731 eintrafen. Von dort aus führte sie die Reise weiter nach Montaban, Toulouse, Carcassonne, Narbonne, Beziers und Montpelier, wo sie im April 1731 eintrafen. In seiner Korrespondenz feierte er sowohl das gute Essen als die Schönheit der Frauen. Im Mai 1731 verließ er seine Reisegefährten um nach Dijon zurückzukehren. Im Oktober 1731 erreichte er Genf, wo er mit seinem Korrespondenzpartner Cramer zusammentraf. Beide beschäftigte das »Kopf oder Zahl«, dass Buffon 1777 erneut aufgreifen sollte.

Ende 1731 reiste er zusammen mit seinen Reisegefährten Kingston und dessen Privatlehrer Hickmann, einem Arzt, nach Italien. Sie besuchen Turin, Mailand, Genua, Pisa, Florenz und hielten sich ab Januar 1732 in Rom auf, wo sie auch den Karneval erlebten. Im März kehrte er nach Dijon zurück.

Auf diesen Reisen wurde Buffon zu naturhistorischen Studien angeregt. Während eines Aufenthaltes in London widmete er sich weiteren Studien der Mathematik, Physik und Botanik. Er lernte bei dieser Gelegenheit auch die Schriften von Isaac Newton kennen und übertrug sie nach seiner Rückkehr nach Frankreich ins Französische.

Er ließ sich um das Jahr 1730 in Paris als Privatgelehrter nieder. Seine Schwerpunkte waren die Physik und Wahrscheinlichkeitsberechnungen.

Der junge Mathematiker hatte sich bereits seit dem Jahr 1727 mit dem später als Buffonsches Nadelproblem bekannten Experiments auseinandergesetzt um auf diesem Wege durch Wahrscheinlichkeitsrechnung eine Näherung an die Zahl π zu ermöglichen. Bei diesem Zufallsexperiment warf er einen Stock über seine Schulter, der auf einen gefliesten Boden auftraf. Der Stock war so lang wie der Abstand der Fugen. Nun ermittelte er, wie groß die Wahrscheinlichkeit ist, dass der Stock eine der Fugen berührte oder schnitt. Er stellte bei seinem Experiment fest, dass sich das Verhältnis von Treffern zu Würfen P(a)=2/π verhielt. Anders formuliert ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine Nadel eine Linie zufällig trifft, ein Verhältnis von 63,7% beträgt, wenn der Abstand der Linien gleich der Länge der Nadeln ist.

Er wandte sich jedoch ganz der Naturgeschichte zu. Bereits im Jahre 1732, er war gerade 25 Jahre alt, wurde Buffon in die Académie de Sciences aufgenommen.

Auf Betreiben Louis XV. wurde Buffon als Unsterblicher in die Académie Française aufgenommen. Er folgte Jean-Joseph Languet de Gergy (1677-1753) als Akademiemitglied.

Die üblichen Antrittsbesuche wurden ihm auf Drängen des Monarchen erlassen, jedoch musste er eine Antrittsrede halten. Seine Antrittsrede »Discours sur le style« begründete seinen Ruf als Literaturkritiker. In seiner Stilkritik beschrieb er treffend den Geist des Ancien Régime So wurde sein Satz

»Der Stil ist der Mensch selbst.«

Jean Paul formulierte diesen Satz ironischer als »Wohllaut statt Wahrheit« wodurch sein wissenschaftlicher Habitus, dem von Linné entgegengesetzt werden sollte. Buffons Antrittsrede in der Académie Française gilt heute noch als eine der besten jemals gehaltenen Reden.

Im Jahre 1739 berief König Louis XV. den Naturwissenschaftler zum Leiter des Botanischen Gartens, der heute noch als Jardin des Plantes fortbesteht, in Paris.

Nach seiner Rückkehr von einer Reise im Jahre 1739 stellte der Wissenschaftler fest, dass der Vater das mütterliche Erbe – seine Mutter starb im Jahre 1732 - in Montbard für sich und seine neue Gemahlin alleine in Anspruch nahm. Er strengte einen Prozess an, der für Leclerc de Buffon gut ausging. Doch von diesem Zeitpunkt an sprachen Vater und Sohn kein Wort mehr miteinander. Erst kurz vor dem Tode des Vaters im Jahre 1771 befriedete sich das Verhältnis beider Männer wieder.

Seit dem Jahre 1760 war Buffon auch Direktor der Académie Française. Auf einer Reise durch Montbart im Frühjahr 1770 traf Jean-Jacques Rousseau mit ihm zusammen. Im Jahre 1773 verlieh der König Buffon den Titel eines Conte de Buffon. Seit dem Jahre 1776 war Buffon auch mit der Saloniere Madame Necker, der Gattin des amtierenden französischen Finanzministers Jacques Necker befreundet.

Das wissenschaftliche Hauptwerk des Naturhistorikers ist die »Allgemeine und spezielle Geschichte der Natur« die er zusammen mit Louis Jean-Marie Daubenton. Das Werk sollte ursprünglich 50 Bände umfassen, doch zwischen 1749 und 1788 - dem Jahr seines Todes erschienen jedoch nur 36 Bände. Unter der Leitung von de La Cépède wurden noch weitere acht Bände veröffentlicht. Der Herausgeber Buffon brachte die Edition als fortlaufende Sammlung einzelner Artikel und Bände heraus. Buffon, dessen Werk in vielen Sprachen übersetzt wurde, brachte seinem Schöpfer in Frankreich sowohl große wissenschaftliche Aufmerksamkeit als auch eine gewisse Popularität. Ab 1752 erschien, eingeleitet durch Albrecht von Haller eine deutsche Ausgabe unter dem Titel »Allgemeine Historie der Natur«. Ab 1771 erfolgte auch eine Berliner Ausgabe unter Leitung von Joachim Pauli. Die Systematik der deutschen Ausgaben variierte

Entgegen der von Carl von Linné (1707-1778) vertretenen Auffassung, dass die gesamte Natur in eine Taxonomie erfasst werden kann, vertrat Buffon die Ansicht, dass die Natur zu vielfältig und reichhaltig sei um sie in einen so strengen Rahmen einzufassen. Buffon bediente sich sowohl der Beobachtung als auch dem Experiment als wissenschaftliche Methode. Er war bemüht die Entstehung der Lebewesen aus kleinsten Teilchen und ihre Entwicklung als Anpassung an die gegebenen klimatischen Änderungen zu erklären. Er setzte dem hierarchischen System Linnés die Idee einer evolutionären Stufenleiter entgegen. Er stützte seine Theorie durch vergleichend anatomische Studien. So versuchte er nutzlose Körperteile durch die Rückbildung vormals nützlicher Körperteile zu erklären. Nach ihm stammten alle Mitglieder einer Familie von Arten mit gleichen Vorfahren ab. Von diesen Vorfahren haben sich manche vervollkommnet und andere zurückgebildet. So stellte er die seinerzeit sicherlich gewagte These auf, dass ein Affe ein unvollständiger oder ein rückgebildeter Mensch seien.

Die von Buffon entwickelte Theorie der Stufenleiter reichte bis ins 19. Jahrhundert, als Charles Darwin seine Evolutionstheorie veröffentlichte, hinein. Hierbei ist von großer Bedeutung, dass Buffon für die stufenweise Entwicklung der Lebewesen lange Zeiträume annahm. So teilte er die Entwicklung der Erde in sieben Epochen ein. So ging er davon aus, dass die Erde durch einen Zusammenstoß mit einem Kometen mit der Sonne entstanden sein musste Das erste Leben habe sich im Meer entwickelt. So vermutete er, die Erde sei vor mehr als 75.000 Jahren entstanden. Damit überschritt er die von Theologen errechnete biblische Altersgrenze von 6.000 Jahren deutlich. Den durch seine Thesen hervorgerufenen Widerstand versuchte der Naturwissenschaftler durch eine Abänderung seiner besonders umstrittenen Thesen zu umgehen. Er wagte es noch seine systematische Ordnung zu Ende zu denken und damit die gottgewollte Ordnung der Welt aus den Angeln zu heben.

Seine Theorien und seine Methodik erläuterte er in den ersten drei Bänden seiner »Historie naturelle« während das Hauptwerk ausführliche Beschreibungen einzelner Tier- und Pflanzenarten enthielt. Er stellte auch erstmals die Skelettanatomie der Tiere dar und schuf somit die Grundlagen der vergleichenden Anatomie.

Carl von Linné benannte die Gattung Bufonia aus der Pflanzenfamilie der Nelkengewächse nach ihm. Auch der Mondkrater Buffon hatte den französischen Naturwissenschaftler als Namensgeber.

Am 22.09.1752 heiratete Buffon im Alter von 45 Jahren Marie-Francoise de Saint-Belin-Malain. Die 25 Jahre jüngere Frau wurde im Kloster der Ursulinen von Montbard erzogen, dessen Vorsteherin eine Schwester des Bräutigams war. Im Jahre 1758 wurde die Tochter Marie-Henriette geboren, die schon nach 1 ½ Jahren am 14.10.1759 starb. Am 22.05.1764 wurde der erste Sohn Georges-Louis-Marie Leclerc de Buffon geboren, der schnell Buffonet genannt wurde. Während der Französischen Revolution starb der Militär unter der Guillotine.

Nach einem Reitumfall im Mai 1767 verschlechterte sich der Zustand von Madame Buffon Sie starb am 09.03.1769 im Alter von nur 37 Jahren. Der Naturwissenschaftler war von dem Verlust tief getroffen.

Georges-Charles Leclerc Comte de Buffon starb am 16.04.1788, nachdem er die letzte Ölung erhalten hatte, kurz nach Mitternacht.

Als im folgenden Jahre die Französische Revolution ausbrach verachtete man den Geadelten Naturforscher zunächst. In seiner Heimatstadt Montbard warf der aufrührerische Mob eine Büste des Naturforschers aus dem Rathausfenster. In Kriegszeiten goss man aus seinem Grabmal Bleikugeln für die revolutionäre Armee.

Seinen Platz in Académie Française nahm Felix Vicq d‘Azir (1748-1794) ein.

Werke:

  • Histoire de naturelle , générale et particulière., Paris 1749-1804 [Histoire naturelle, générale et particulière, avec la description du Cabinet du Roy. 15 Bände, Imprimerie Royale, Paris 1749–1767 (von Buffon und Daubenton); Histoire naturelle des oiseaux. 9 Bände, Imprimerie Royale, Paris 1770–1783 (von Buffon, Guéneau de Montbeillard und Abbé Bexon); Supplément à l’Histoire naturelle. 7 Bände, Imprimerie Royale, Paris 1774–1789 (von Buffon); Histoire naturelle des minéraux (et traité de l’aimant). 5 Bände, Imprimerie Royale, Paris 1783–1788 (von Buffon); Histoire des quadrupèdes ovipares et des serpents. 2 Bände, Hôtel de Thou, Paris 1788–1789 (von Lacépède); Histoire naturelle des poissons. 5 Bände, Plassan, Paris 1798–1803 (von Lacépède); Histoire naturelle des cétacés. 1 Band, Plassan, Paris 1804 (von Lacépède)]

Deutsche Ausgaben:

  • Allgemeine Historie der Natur nach allen ihren besonderen Theilen abgehandelt; nebst einer Beschreibung der Naturalienkammer Sr. Majestät des Königes von Frankreich. Mit einer Vorrede Herrn Doctor Albrecht von Haller, Hamburg/Leipzig 1750–1774
  • Herrn von Buffons allgemeine Naturgeschichte. Eine freye mit einigen Zusätzen vermehrte Übersetzung nach der neuesten französ. Außgabe von 1769, von F. H. W. Martini. [7 Bände], Berlin 1771–1774

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