EPOCHE NAPOLEON


von der Bastille bis Waterloo

Johann Kaspar Beckenkamp

* 06.02.1747 in Ehrenbreitstein/Koblenz
† 01.04.1826 in Köln

Johann Kasper Benedikt Beckenkamp (1747-1826) war ein Landschafts- und Portraitmaler des Rheinlandes. Er gilt als Wegbereiter des rheinischen Familienbildes.
Johann Kasper Benedikt Beckenkamp (1747-1826) war ein Landschafts- und Portraitmaler des Rheinlandes. Er gilt als Wegbereiter des rheinischen Familienbildes.

Johann Kaspar Benedikt Beckenkamp wurde am 06.02.1747 Ehrenbreitstein bei Koblenz geboren. Sein Vater war Weinbrenner und Maler Lorenz Beckenkamp (1704-1762) und Mutter Scholastika war eine geborene Hofman. Die Familie siedelte sich nach dem Dreißigjährigen Krieg in Ehrenbreitstein an. Im Geburtsjahr des jungen Beckenkamp fand der Vater eine Anstellung am Kurtrierschen Hofe in Ehrenbreitstein als Hofmaler. Sein älterer Bruder Johann Franz Bernhard (1741-1769) trat ebenfalls als Maler in Erscheinung.

Den ersten Unterricht erhielt er von seinem Vater, der nach seiner zweiten Eheschließung in das Malergeschäft seines Schwiegervaters eintrat. Nach dem Tode des Vaters führte die Mutter die Werkstatt weiter und der junge Beckenkamp schied erst 1781 aus dem elterlichen Betrieb in Ehrenbreitstein aus.

Anlässlich eines Aufenthaltes in Würzburg erhielt der angehende Maler zahlreiche Anregungen. So sah er die von Giovanni Baptista Tiepolo und dessen Söhnen geschaffenen Fresken in der Residenz. Im Treppenhaus der Residenz zeigen die Arbeiten die vier Erdteile während im Kaisersaal Bilder der Hochzeit Kaiser Babarossas mit Betrix von Burgund und die Beleihung des Fürstbischofs mit den Rechten eines Reichsfürsten zeigte. Die Arbeiten waren insgesamt ein erdumspannendes Staatsgemälde und zählte zu den wichtigsten Arbeiten dieses italienischen Künstlers. Er lernte hier aber auch die Fresken von Johannes (1702-1762) und dessen Sohn Januarius Zick (1730-1797).

Nach dem Tode des Vaters im Jahre 1762 wurde er vermutlich auch von Januarius Zick unterrichtet, der seit 1762 in Ehrenbreitstein lebte und Kontakte in den oberschwäbischen Raum pflegte. Darauf deuten stilistische Übereinstimmungen zwischen dem jungen Beckenkamp und Zick hin, die gerade in religiösen Themen erkennbar sind, wie z.B. auf dem Hochaltarbild der kleinen Kirche St. Martin in Urmitz/Rhein, welches zwischen 1776-80 entstand, oder auf dem 1826 in Köln entstandenen beiden kleinen Täfelchen mit »Maria und Engel der Verkündung«, welche sich heute noch in der Sammlung Kasimir Hagen im Kölnischen Stadtmuseum befinden.

Beckenkamp ging auch nach Frankfurt am Main um beim Landschaftsmaler Christian Georg Schütz (1718-1791) in die Lehre. Beckenkamp fertigte in den 70er Jahren des 18. Jahrhunderts von Schütz ein Portrait an und auch Vorzeichnungen für einen Kupferstich »Rhein-Gegend bei Koblenz und der Festung Ehrenbreitstein« zeigen den Einfluss des älteren Schütz. Die gilt ebenfalls für die Verdute »Rhein-Gegend bei der Stadt Kölln«, die eine idyllische noch vorromantische Stimmung im Stile des 1798 erschienen Köln-Blattes von Laurenz Janscha (1749-1812) und Johannes Ziegler (1750-1812), beide Schütz dem Älteren nahestehend, aus der Serie »Collection de cnquante vues du Rhin... depuis Spire â Cologne« aufgreift.

Sein erstes von ihm signiertes Werk war eine religiöses Gemälde für die Pfarrkirche Heilig Kreuz in Ehrenbreitstein, das jedoch während eines Luftangriffs auf Koblenz im Jahre 1944 vernichtet wurde. Zu jener Zeit erschien wohl auch ein Zyklus von Pferde- und Reiterportraits des kurfürstlichen Hofstalls. Durch diese Arbeiten fiel auch das Augenmerk des Kurfürsten Clemens Wenzeslaus von Sachsen auf den aufstrebenden Künstler. Er erhielt jedoch keine Anstellung am Trierer Hofe und nahm zusätzlich auch Aufträge aus bürgerlichen Zirkeln an.

Nach seiner ersten Eheschließung mit Katharina Breitbach siedelte sich der Künstler in Köln an, wo er auch mit dem Universitätsrektor Ferdinand Franz Wallraf in engeren Kontakt trat. Nach dem Tode seiner Gattin zog es ihn, auch auf Grund der unsicheren Auftragslage, nach Bonn.

In den Jahren 1784 und 1785 lebte er dann Beckenkamp in Bonn. Hier lebte sein Bruder Johann Peter Beckenkamp, dessen Frau Veronika als Sängerin am Hofe angestellt war. Durch sie lernte er seinen wichtigsten Auftraggeber und Förderer, den Grafen Sigismund zu Salm-Reifferscheidt. Der Graf war Intendant der Hofmusik und Obristhofmeister des Kölner Kurfürsten. Im Jahre 1786 finden sich seine Spuren wieder in Köln wo er in der Pfarrkirche St. Jakob am 26.03.1786 seine zweite Frau Anna Maria Zipperling (1751-1831) aus Bruchsal bei Karlsruhe heiratete.

Er wurde in die Malerzunft aufgenommen und erhielt das Kölner Bürgerrecht, was für ihn sowohl das aktive ala auch passive Wahlrecht bedeutete. Er lebte zusammen mit seiner Frau und seinen sieben Kindern, von denen nur zwei das Erwachsenenalter erreichten, am der Severinstraße am Waidmarkt. Von seinem Wohnviertel entstand im Jahre 1795 eine Serie aus vier Aquarellen, die sich an den Stadtbildern seines Lehrers Schütz orientierten.

Beckenkamp galt als bedeutender Portraitmaler. Schon 1786 entstand sein großes Repräsentationsportrait des Kölner Kurfürsten Maximilian Franz in der Sakristei des Kölner Doms. Vermutlich vermittelte der Trierer Kurfürst Clemens Wenzeslaus ihn diesem Auftrag. Dieser ließ sich 1790/92 vor dem Frankfurter Römer zu Pferde ebenfalls vom Künstler malen.

Den Kontakt zu seiner Koblenzer Heimat verlor der Künstler auch in Köln nicht. Dies lässt sich auch für die Nachwelt daran erkennen, dass er vermutlich im Jahre 1787 die Verzierungen am neuen Koblenzer Schauspielhaus übernahm und an einem Bild des Koblenzer Kunstmäzens Gregor Joseph Lang (1755-1834) deutlich. Seine Kölner Auftraggeber kamen überwiegend aus Kreisen des Klerus und des intellektuellen Bürgertums. Auf den Portraits, zu denen auch die Frau und Kinder des Künstlers gehören, ist ein Stilwandel erkennbar. Seine ersten Werke sind von der raffinierten und detailverliebten Stofflichkeit des französischen Rokoko geprägt. Den Klassizismus in seiner strengen, ebenfalls an der französischen Portraitmalerei angelehnten Strenge bis hin zu intimen Bildnissen des deutschen Biedermeier in der Zeit des Vormärz. Beckenkamp bewahrte sich trotz der Rezeption der zeitgleichen französischen Malerei einen eigenen ernsthaften Stil.

Kurz nach dem Einmarsch der französischen Revolutionsarmee der Kölner Bürger Beckenkamp zum jüngeren Amtsmeister der Kölner Malerzunft gewählt. Im Jahre 1798 kandidterte er erfolglos für das Amt des älteren Amtsmeisters und unterlag. Doch Ende März desselben Jahres wurden die Kölner Zünfte durch die französische Verwaltung endgültig aufgehoben. Die nächsten Jahre im Leben Beckenkamps sind nicht genau überliefert. Es ist aber nach Ansicht des Biografen de Noël (1782-1849) berichtete über Reisen nach Holland und in den Aachener Raum. Vermutlich hielt er sich auch mehrere Jahre im holländischen Groningen auf.

Zu Zeiten der Säkularisation eröffnete sich Johann Kaspar Benedikt Beckenkamp ein neues Betätigungsfeld. Viele Kunstwerke wurden verkauft bzw. wurden durch den Kurfürsten auf der rechten Rheinseite in Sicherheit gebracht. Als im Jahre 1807 der Dreikönigsschrein beschädigt in die Domstadt zurückkehrte, malte er im Auftrag seines Freundes Wallraf 16 Kupfertäfelchen mit typologischen Szenen aus dem Alten Testament und der Geschichte der Heiligen Drei Könige. Mit dieser Arbeit wurden während der revolutionären Ereignisse verlorengegangene Beschläge ersetzt.

Durch die entstehende Romantik wurden mittelalterliche Szenen verklärt. Nachdem 1810 Stefan Lochners »Altar der Stadtpatrone«, das um das Jahr 1445 entstand, von der Kölner Ratskapelle in den Dom umzog, bestellten nach 1815 Mitglieder des preußischen Königshauses zahlreiche Kopien für ihre Berliner Räumlichkeiten bei ihm. Dies entsprach einem romantisch-katholisierenden Frömmigkeitsideal im protestantischen Königshaus und enthielt ebenso kulturpolitische wie private Erinnerungen an eine Rheinreise. Zu den Auftraggebern gehörten zum Beispiel König Friedrich Wilhelm III. (1770-1840), Kronprinz Friedrich Wilhelm (1795-1861).

Kleinere Andachtsbildchen, die er für private Auftraggeber schuf, trugen keinen eigenen Stil des Künstlers sondern schwankten eher zwischen den Formen und Kompositionen seines Lehrers Zick oder Carlo Maratta (1625-1713).

1826 bestellte die westfälische Adelsfamilie Heereman von Zuydtwick bei ihm eine Nachbildung des »Dombildes«, wo der Künstler auf mittelalterliche Devotionsbilder zurückgriff. Der mittlere Teil stellt eine freie Kopie der »Anbetung der Heiligen Drei Könige« dar während auf den Flügeln die Kölner Stadtpatrone durch eine sehr freie Kopie nach den Stifterflügeln von Joos van Bekes (1485-1540) »Marientod« ersetzt wurde.

In den Jahren 1824 und 1828 schuf Beckenkamp zwei große Portraits des Kölner Kalligraphen Johann Heinrigs (1781-1861). Das Bild von 1824 zeigt Heinrigs zusammen mit seiner Frau und Söhnen. Vier Jahre später schuf er ein zweites Bildnis Heinrigs, indem er das zuvor entstandene in einem Bild-in-Bild-Abfolge integrierte. So zeigte der Künstler den Kreislauf der Generationen um den Wert der Familie in Zeiten des Biedermeier zu betonen. Beckenkamp gilt als Wegbereiter des rheinischen Familienbildes, dass durch Simon Meister (1796-1844) weiter entwickelt wurde.

 

Beckenkamp verstarb am 01.04.1826 in Köln. Zahlreiche seiner Werke sind in Kölner Museen und Kirchen heute noch zu betrachten. In der Stadt erinnert eine Straße an den rheinischen Maler.

Werke:

  • Bildnis einer unbekannten Dame
  • Bildnis eines unbekannten Musikers
  • Bildnis einer Familie im Freien, 1776
  • Hochaltarbild in der Kirche St. Martin zu Urmitz/Rhein, Urmitz 1776-1780
  • Antoinette Gräfin von Wolff-Metternich spielt die Harfe
  • Großbild Johann Michael DuMont
  • Selbstbildnis

Letzte Änderung der Seite: 06. 08. 2017 - 15:08