Gedichte

von Iwan Andrejewitsch Krylow

Das Quartett

Der Affe, der stets hinter Streichen her,
Der Esel im grauen Rock,
Dazu noch der Ziegenbock
Und schließlich mit mächtigen Pranken der Bär -
Die hatten vor, zu vieren
Unter Linden zu musizieren.
Noten, Cello, Bratsche, zwei Geigen
Brachten sie mit, ihre Kunst zu zeigen.
Legten gleich los. Kam nichts raus als Gekratz.
Der Affe klopft ab schon im ersten Satz:
»Halt, Freunde, warum so hetzen! Geduld, Geduld!
Am allem ist eins nur schuld:
Wir sitzen falsch, erst mal richtig sich setzen.
Erlaub mir, daß ich dich, Meister Petz,
Mit dem Cello der Bratsche gegenübersetz,
Geig gegen Geige. So. Aufgepaßt! Bald
Tanzen nach unserm Takt Berge und Wald.«
Doch als mans wieder aufnimmt,
Gehts schlimmer als vorher, nichts stimmt.
»Augenblick mall« schreit der Esel jetzt,
»Ich habs! Viel besser ists doch, man setzt
Seite an Seite sich, so daß man statt
Blickrichtung Ellbogenfühlung hat.«
Aber was hilfts, daß man streng ausgerichtet -
Das Chaos der Töne sich keineswegs lichtet.
Da fallen Bock, Aff, Esel, Bär
Mit Gezänk übereinander her.
Vom Streit, wie man sitzen soll, angezogen,
Kam die Nachtigall zu den Linden geflogen.
Die viere gingen sie gleich an um Rat.
»Woran kanns nur liegen! Sieh, Nachtigall, wir
Sind, wies zu einem Quartett gehört, vier.
Kein Zweifel, daß jeder sein Bestes tat -
Und wir haben, weiß Gott, äußerst griffige Pfoten!
Instrumente vollzählig, in Ordnung die Noten,
Und doch klappts nicht. Es muß doch zuletzt
Daran liegen, wie man sich setzt!«
»An was anderm«, erwidert die Nachtigall,
»Scheint mirs zu liegen in eurem Fall:
Mit etwas zarteren Ohren
Werden Musikanten geboren.
Solang man so wichtig sich tut um den Platz,
Gibts immer Gekratz.«


Letzte Änderung der Seite: 06. 03. 2021 - 00:03

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