Sophia Maria Westenholz

* 10.07.1759 in Neubrandenburg
† 04.10.1838 in Ludwigslust

Geboren wurde Sophia Maria Waternholz am 10.07.1759 als Tochter des Neubrandenburger Organisten Ferdinand Fritsch und dessen Ehefrau Christina Sophia, geborene Lilie. Die Eltern hatten wenige Monate vor der Geburt der Tochter, am 26.02.1759, die Ehe in der Kirchengemeinde St. Marien geschlossen.

Sie war gerade einmal 5 Jahre alt, als ihr Vater im Jahre 1764 starb. Vermutlich hielt sie sich auch in Schwerin auf, wo sie in den Fokus des Erbprinzen Ludwig von Mecklenburg-Schwerin (1725-1778), der als Gönner der schönen Künste galt, trat. So sorgte der Erbprinz dafür, dass sich sein Hofkapellmeister Johann Wilhelm Hertel (1727-1789) um die Ausbildung des gerade einmal zehnjährigen, begabten Mädchens kümmerte. Mehrere Jahre erhielt sie Klavier- und Gesangsunterricht. Im Alter von gerade einmal 17 Jahren wurde Fritsch zum Mitglied der Hofkapelle in Ludwigslust.

Am 12.09.1777 wurde Sophia Maria Westenholz die zweite Ehefrau von Carl August Friedrich Westenholz. Er war Kapellmeister und Tenors der Ludwigsluster Hofkapelle und im Jahre zuvor verwitwet. Seine erste Gattin war die italienische Sopranistin Lucietta Affabili (1725-1776). Der Ehe entstammten insgesamt 8 Kinder, die zwischen 1778 und 1788 geboren wurden.

Nachdem ihre Stimme nachließ, schaffte Carl August Friedrich Westenholz für seine Gattin eine Glasharmonika an, damit sie auch weiterhin als Teil der Ludwigsluster Hofmusik tätig sein konnte. Im Jahre 1779 wurde Westenholz zur Hofsängerin berufen und feierte sowohl in Ludwigslust als auch Schwerin beachtliche Erfolge. Zugleich verfeinerte sie ihre Fähigkeiten als Pianistin und Glasharmnika-Spielerin.

Bereits in den 1780er Jahren war Westenholz über die Grenzen von Ludwiglust und Schwerin hinaus bekannt. Im Jahre 1783 hob Ernst Wilhelm Wolf im »Magazin der Musik« ihr Klavierspiel »in der Bachischen Manier« hervor. Wolf widmete ihr sechs Sonatinen, die von Cramer wegen ihrer Ausgewogenheit im musikalischen Ausdruck ihres Spiels gewürdigt wurden.

Nach dem Tode ihres Mannes am 24.01.1789 ging sie an den Hof nach Schwerin und setzte ihre Karriere fort. So gab sie den Töchtern der Herzoglichen Familie Musikunterricht. Nach dem Tode von Antonio Rosetti, dem Nachfolger ihres Mannes als Hofkapellmeister, im Jahre 1792 leitete sie als Kapellmeisterin Konzerte der Hofkapelle vom Klavier aus.

Aus den Ludwigsluster Diarium, wo Louis Massonneau, Violinist und später Konzertmeister in Ludwigslust, die Konzerte der Hofkapelle aufzeichnete, kann man erkennen, dass Westenholz nicht mur Stücke von Mozart, Haydn, Pleyel und anderen zeitgenössischen Komponisten zur Aufführung brachte, sondern auch eigene Kompositionen spielte.

Im Jahre 1811 verlangte Louis Massonneau in herabsetzender Weise, dass sie vom Pult aus zu dirigieren. Sie legte 1812 ihr Amt als Kapellmeisterin nieder und ihr Nachfolger wurde Massonneau. Sie musste jedoch weiterhin an den regelmäßigen Konzerten im goldenen Saal des Ludwigsluster Schlosses und im Vorzimmer der Herzogin teilnehmen.

Konzertreisen führten Westenholz 1791 und 1804 nach Berlin. Im Jahre 1793 spielte sie in Lübeck und 1798 in Rostock und es folgte eine Reise nach Kopenhagen.  In Leipzig spielte sie 1799 und in den Jahren 1802/03 hielt sie sich in Hamburg auf. 1804 ist noch ein Aufenthalt in Stettin nachweisbar.

Im Jahre 1806 veröffentlichte Sophia Westenholz mehrere Werke für Klavier und eine Liedersammlung. Das Rondo (op. 1), die Variationen (op. 2) und die Sonate für vier Hände (op. 3) wurden von der zeitgenössischen Kritik kontrovers diskutiert.

Im Jahre 1821 trat Sophia Maria Westenholz mit einer Pension in den Ruhestand. Anfangs erhielt sie eine Pension von 250 Reichstalern und zuletzt von 580 Reichstalern sowie Naturalien, wie Brennholz, Torf, Kerzen und Unterkunft. Zum Vergleich hatte sich Louis Massonneau einen Verdienst von 500 Reichstalern ausgehandelt, der später auf 700 Reichstaler erhöht wurde.

Sophia Maria Westenholz starb am 04.10.1838 in Ludwigslust.

Werke:

  • Rondo B-Dur für Pfte. op. 1, Berlin 1806
  • Thème avec dix variations A-Dur für Pfte. op. 2, Berlin 1806
  • Sonate à quatre mains F-Dur für Pfte. op. 3, Berlin 1806
  • 12 deutsche Lieder für Klavier. op. 4, Berlin 1806
  • ch lag auf grünen Matten (Text: Ludwig Kosegarten),
  • Klaviersonaten in C-Dur, c-Moll, B-Dur, F-Dur, f-Moll
  • 1 Capriccio und 2 Walzer für Pfte.

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