Karl Heinrich Joseph von Sickingen

* 00.00.1737
† 13.07.1791 in Wien

Geboren wurde Karl Heinrich Joseph von Sickingen im Jahre 1737 als Sohn von Johann Damian von Sickingen (1702-1785), Oberamtmann beim kurpfälzischen Oberamt Simmern. Im Jahre 1778 erwarb dieser für sich und die nachgeborenen Familienglieder die Reichsgrafenwürde. Die Mutter des späteren Reichsgrafen war Charlotte Maximiliane von Seinsheim Sein Bruder Wilhelm Friedrich wurde später kurpfälzischer Staatsminister und nach 1794 außerordentlicher K.K. Minister. Er stammte in direkter Linie von Ritter Franz von Sickingen (1481-1523) ab.

Karl von Sickingen war zunächst pfalzbayerischer wirklicher Geheimrat sowie Ehrenritter des Malteserordens und Ritter des Ordens vom pfälzischen Löwen. Von 1780 bis zu seinem Tode im Jahre 1791 war der Graf auch pfalzbayerischer bevollmächtigter Minister am Hofe des französischen Königs Louis XVI. in Versailles. Zuvor war er auch schon als außerordentlicher kurbadischer Gesandter am Hofe zu Paris tätig. Er führte den von Kurfürsten Karl Theodor geförderten Landschaftsmaler und Radierer Ferdinand von Kobell in Paris ein, wo dieser sich für 18 Monate aufhielt und seine Fertigkeiten verfeinerte.

In seiner Freizeit beschäftigte sich Karl Heinrich Joseph Reichsgraf von Sickingen auch mit chemischen Experimenten. So war er der erste, dem es gelang Platin zur Blechform auszuhämmern und es in Drähten auszuziehen. Diese Versuche machte er um das Jahr 1772 in Paris. Im Jahre 1778 wurden die Ergebnisse seiner Versuche in der Pariser Akademie vorgestellt.

Am 14.08.1784 schrieb Georg Forster an den Arzt Thomas Soemmering folgende Zeilen über den Grafen Sickingen:

Der Graf S[ickingen] ist auch hier, er sieht aus wie ein alter Liebhaber in der französischen Comödie oder ich möchte sagen, wie ein Charlatan, das er aber nicht ist; oder wie ein Alchymist, der Mittel hat, auf sein exterieur was zu verwenden. Das letztere paßt, denn man versichert mich, er laborire. Ein gescheuter Kopf ist er aber. Er hat ein Stück Platinablech, das über einen Schuh ins Gevierte hält, es sieht wie Silber aus und ist völlig biegsam.

Am 26.01.1788 schrieb Soemmering, der zwischenzeitlich auch Sickingen kennengelernt hatte, an den Freund Forster nach Wilna:

Graf S[ickingen] ist hier, ich finde doch, daß er viele schöne gründliche Kenntnisse in Physik und Chemie hat, und mich dünkt seine Conversation ganz angenehm.“

Eine deutsche Übersetzung der Abhandlung, die er in der Pariser Akademie vorstellte, erschien erst im Jahre 1782 unter dem Titel »Versuche über die Platina, mit 2 Kupfern«, die durch Professor Suckow veröffentlicht wurde. Der Helmstädter Medizinprofessor und Chemiker Lorenz von Crell, der mit Sickingen im Briefwechsel stand, veröffentlichte einige Auszüge in seiner »Auswahl aller eigenthümlichen Abhandlungen aus den neuesten Entdeckungen der Chemie«.

Bereits Sickingens Vater Johann Damian von Sickingen beschäftigte sich mit Edelmetallen. Doch statt Erfolge zu erzielen verschwendete er große Summen seines Vermögens. Letztlich ließen ihn seine Söhne Karl Heinrich Joseph und Wilhelm Friedrich entführen und in einem Gewölbe der Sauerburg im Sauerthal bei Lorch gefangen halten. Diese Geschichte diente dem Schriftsteller Friedrich Schiller zur Vorlage in seinem Drama »Die Räuber«, wo Franz Mohr seinen Vater bei Wasser und Brot gefangen hielt.

Karl Heinrich Joseph von Sickingens waren durchgängig wissenschaftlich belegt und waren frei von alchemistischen Gedanken. Hier ist besonders seine Beobachtungsgabe zu erwähnen. So enthalten die von Crell publizierten Briefe zahlreiche richtige und wichtige Beobachtungen über Platin. Das Metall hatte ein hohes Gewicht, war schwer zu schmelzen und war unangreifbar. Doch erst seine Untersuchungen vollendeten die bereits in der Mitte des 18. Jahrhunderts begonnenen Forschungen von Watson, Scheffers und Marggrafs gemachten Entdeckungen zum bis dahin nur in unschmelzbaren Körnern bekannten Platin. So entstand ein zusammenhängendes Blech das man nun in Drähte verarbeiten konnte. So gab er eine Platinlösung in Königswasser, die Salmiak enthielt. Durch Glühen konnte aus dem Niederschlag ein fein verteiltes Platin mit dem Hammer zu dehnbaren Blech zusammenschweißen.

Am 13.07.1791 starb Reichsgraf Karl von Sickingen in Wien. Mit seinem Tode starb der älteste Zweig der Familie Sickingen zu Sickingen aus.


Letzte Änderung der Seite: 04. 08. 2019 - 17:08