Jakub Jan Ryba

* 26.10.1765 in Pschestitz/Böhmen (Přeštice)
† 08.04.1815 in Rosenthal/Böhmen (Rožmitál pod Třemšínem)

Geboren wurde Jacub Jan Ryba als Sohn eines Kantors am 26.10.1765 in Pschetitz im Westen Böhmens. Sein Vater wirkte als Kantor in Rosenthal, Volyně und Pschestitz und Nepomuk. Jakub Jan Ryba merkte später an, dass seine Eltern »reich an weiser Gerechtigkeit, aber arm an materiellen Mitteln« gewesen waren. Der Vater unterrichtete den Jungen in Gesang, Geige, Cello und Orgel sowie später auch als Generalbass. Er wurde auch in Komposition unterrichtet. Den Vater konnte der junge bereits im Alter von zehn Jahren an der Orgel vertreten.

Im Jahre 1780 kam er an das Gymnasium der Piaristen nach Prag wo er mit den Werken von Josef Seger (1716-1782) in Berührung geriet. Seger galt als einer der bedeutendsten Vertreter der altböhmischen Schule. Zugleich lernte er auch die Werke Bachs und Haydns kennen, die er seinerzeit abschrieb. Zunächst überlegte der junge Jakub Jan Ryba Philosophie zu studieren um später Geistlicher zu werden. Im Jahre 1785 verließ er jedoch, nachdem ihm sein Vater mitteilte, dass die Stelle des Kantors in Nepomuk frei wurde, die böhmische Metropole und ging in seine westböhmische Heimat zurück. Die in Aussicht gestellte Stelle wurde den jungen Mann jedoch verwehrt und so hielt er sich noch ein Jahr im Elternhause auf ehe er nach Mníšek, wo er eine Anstellung als Lehrergehilfe fand.

Am 11.02.1788 trat er die Stelle eines Lehrers in Rosenthal an, die er bis zu seinem Tode ausüben sollte. Jakub Jan Ryba versuchte die von Kaiser Joseph II. auch in Böhmen initiierten Schulreformen voranzubringen. Dies stieß jedoch nicht auf die Zustimmung der Bürger seiner neuen Heimat. So war er schnell von der Haltung seiner Mitbürger enttäuscht. Auch mit seinen Vorgesetzten geriet der Lehrer immer wieder in Konflikt.

Dies und die ständig verschlimmernden materiellen Bedingungen führten in den folgenden Jahren dazu, dass Ryba sich immer mehr aus dem gesellschaftlichen Leben zurückzog und ein menschenscheuer Zeitgenosse wurde.

Als Kantor gehörte Ryba zu den angesehensten und gelehrtesten seiner Zeit. So beherrschte er mehrere Sprachen, was in die Lage setzte, zahlreiche philosophische und musiktheoretische Schriften auch im Original zu lesen.

Als Schriftsteller legte er in seinem postum erschienen Werk »Anfängliche und allgemeine Fundamente zu aller Musikkunst« legte er den Grundstein für eine tschechische Musikterminologie. Zahlreiche seiner musikalischen Werke wurden erst lange Zeit nach seinem Tode veröffentlicht. Als Komponist schuf Ryba etwa 1.500 Werke. Jedoch wurden die meisten seiner Werke, deren Qualität sehr unterschiedlich war, nicht gedruckt. Sein Werk umfasst etwa 300 Kirchenlieder.

In seinem Werk verlieh er insbesondere die ästhetische Seite der Musik umso auch den Zuhörer anzusprechen. Als Kirchenmusiker hinterließ er zahlreiche Messen, wie zum Beispiel die »Böhmische Weihnachtsmesse«. In dieser Messe kombinierte er einen seinerzeit üblichen klassischen lateinischen Aufbau, verfasste jedoch alle Texte in tschechischer Sprache. Ryba wollte auf diese Weise auch den einfachen Menschen den Zugang zur Geschichte von Jesus Christus ermöglichen. Das seinerzeit in der Kirche verwendete Latein wurde oft innerhalb der Gemeinde nicht mehr verstanden. Er verlegte den Ort der Handlung nach Böhmen und bezog bewusst auch Elemente der böhmischen Weihnacht in seine Komposition ein. Nur so, war Ryba der Ansicht, konnte eine liturgische Messe den Zugang zum Publikum erreichen.

In diesen Werken bewies er seine Fähigkeit sowohl homophon als auch polyphon die Melodien erklingen zu lassen. So konnte er als Komponist einfache, jedoch sehr melodisch klingende Werke, hervorbringen. Zahlreiche seiner Werke beruhten auch auf tschechischen Melodien, die schon bekannt waren.

Im Jahre 1796 komponierte er in Rosenthal seine über die Jahre stets beliebte »Böhmische Hirtenmesse«. Selbst während der kommunistischen Herrschaft nach dem Zweiten Weltkriege wurde diese Messe sehr häufig in den Weihnachtsgottesdiensten aufgeführt.

Ryba bemühte sich schon sehr früh, seine Werke in tschechischer Sprache zu veröffentlichen. Im Jahre 1800 gab er auch die erste tschechische Liedersammlung heraus.

In den Jahren 1799-1801, 1806 und zwischen 1811 und 1815 verfasste der Komponist mehrere Autobiographien. Die erste Biographie wurde von ihm in deutscher Sprache für einen kleinen Kreis enger Freunde verfasst. Diese fand später Verwendung in einem Kunstlexikon. Die zweite Autobiografie entstand als Gedicht für František Jan Vavák.

Im Jahre 1790 heiratete Ryba die Anna Legler mit der er gemeinsam 13 Kinder zeugte. Sechs seiner Kinder erreichten jedoch das Erwachsenalter nicht. Der Ophthalmologe Josef Jakub (1795-1856) war sein Sohn.

Am 08.04.1815 beendete der Komponist und Lehrer sein Leben durch Freitod. Sein Leichnam wurde 2 Tage später in einem Dickicht in Voltuš gefunden. Man setzte ihn in einem »Eselsbegräbnis« auf einem alten Pestfriedhof nordwestlich von Rosenthal bei. Somit wurden ihm, den Selbstmörder, die christlichen Weihen verwehrt. Erst im Jahre 1855 wurde der Leichnam auf Initiative seines Sohnes Josef Jakub Ryba durch den Pfarrer Jan Fähnrich auf den Rosenthaler Friedhof überführt.

Im Jahre 1854 wurde durch Waldarbeiter an seinem Sterbeort ein Holzkreuz errichtet, das im Jahre 1933 durch einen steinernen Grabhügel ersetzt wurde.

Musikalische Werke:

  • Zwölf böhmische Lieder, 1800
  • Cantate oder Herzenserwährmung der Rossmittaler, 1803
  • Kircheliedersammlung, 1803-1805
  • Neue böhmische Lieder, 1808
  • Česká mše vánoční (Böhmische Weihnachtsmesse)
  • Cursus Sacro-harmonicus
  • Vlastenské písně (Patriotische Lieder)
  • Věnec ze zpěvů vlastenských (Zyklus patriotischer Lieder)

Musiktheoretische Schriften:

  • Anfängliche und allgemeine Fundamente zu aller Musikkunst, 1817

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