Michael Creizenach

* 16.05.1785 in Mainz
† 05.08.1842 in Frankfurt/Main

Geboren wurde Michael Creizenach am 16.05.1789 in Mainz als Spross einer wohlhabenden jüdischen Familie der Stadt. Ab dem Jahre 1805 besuchte der junge Mann das französische Lyzeum, welches er jedoch mit Auszeichnung schon zweieinhalb Jahre später verließ.

Der junge Creizenach wurde durch die Enzyklopädisten aber auch durch die Ideen von Immanuel Kant und Jean-Jacques Rousseau stark in seinem Denken beeinflusst.

Durch seinen Bildungsgang und durch den philosophischen Einfluss stand er im Konflikt mit den traditionellen Auffassungen im Judentum. So gründete Creizenach im Jahre 1813 in seiner Vaterstadt eine jüdische Schule. Im Jahre 1819 wurde die Schule mit der Mädchenschule von Markus Bloch und führte nun den Namen »Lehr- und Erziehungsanstalt für die Jugend beiderlei Geschlechts«.In seiner Schule schuf der jüdische Pädagoge einen neuen gymnasialen Schultyp. War bisher das Gymnasium überwiegend auf alten Sprachen angelegt, so orientierte er sich an den modernen Fremdsprachen, Geschichte Mathematik und Naturwissenschaften. Später wurde dieser Ansatz auch von Reformpädagogen außerhalb der jüdischen Gemeinde übernommen.

Am 22.09.1823 verlieh die Universität Gießen ihm die Promotionsurkunde zum Doktor der Philosophie. Im Jahre 1825 erhielt er eine Anstellung als Prediger an der israelischen Realschule Philanthropin, die im Jahre 1804 gegründet wurde, in Frankfurt/Main.

Zeitlebens beschäftigte Creizenach sich sowohl mit politischen als auch religiösen Themen des Judentums. So gilt heute noch »Schulchen Aruch oder eine enzyklopädische Darstellung des mosaischen Gesetzes« als sein Hauptwerk.

Im Jahre 1831 verfasste Creizenach eine Gegenschrift zum antiemanzipatorischen Werk »Die jüdische Nationalabsonderung nach Ursprung, Folgen und Verbesserungsmiteln« aus der Feder des evangelischen Theologen Heinrich Eberhard Gottlob Paulus (1761-1851).

Er war auch an der Schaffung einer städtischen Realschule in seiner Vaterstadt Mainz beteiligt, die im Jahre 1831 die Tore öffnete. Ihren Standort fand die Schule im ehemaligen Mainzer Welchnonnenkloster. Die Schule wurde im Jahre 1836 erweitert und zur großherzoglichen Provinzialschule umgewandelt und im Jahre 1848, wenige Jahre nach Creizenachs Tod wurde sie auf sechs Klassen erweitert.

Der Pädagoge verfasste neben seinen Aufgaben als Lehrkraft und Schulleiter auch zahlreiche pädagogische Schriften, wie zum Beispiel »Anfangsgründe der darstellenden Geometrie oder der Projektionslehre« aber auch eine »Abhandlung über den elften Euklidischen Grundsatz in Betreff der Parallellelinien«. Auch eine »Anleitung zur Zinsrechnung nebst Logarithmen-Tafeln« oder »Elementarlehre der technischen Geometrie: zum Gebrauche für Bürger- und Gewerbeschulen«. Mit seinem »Französischen Lesebuch zum Gebrauch der Bürgerschulen« widmete er sich auh sprachlichen Forschungen.

Zusammen mit dem Historiker Isaak Marcus Jost gab er in den Jahren1841/42 auch die Zeitschrift »Zion« in hebräischer Sprache heraus. Am 08.08.1842 hielt Jost auch die Grabrede, beide Männer waren freundschaftlich miteinander verbunden.

Neben Ludwig Börne, Berthold Auerbach Gabriel Riesser und Jost gehörte er der im Jahre 1808 gegründeten Freimaurerloge »Zur aufgehenden Morgenröte« an. Diese Loge nahm überwiegend Menschen jüdischen Glaubens auf.

Der Prediger und Pädagoge Creizenach war mit Marianne Haas (1788-1844) verheiratet. Sein Sohn Theodor (1818-1877) wurde ebenfalls Lehrer. Er wandte sich auch der Literaturgeschichte zu und verfasste eigene Gedichte.

Michael Creizenach starb am 05.08.1842 in Frankfurt am Main.

Werke:

  • Anfangsgründe der darstellenden Geometrie oder der Projektionslehre, Mainz 1821
  • Abhandlung über den elften Euklidischen Grundsatz in Betreff der Parallellinien, Maiz 1821
  • Versuch über die Parallellentheorie, Mainz 1822
  • Lehrbuch der Darstellenden Geometrie, Mainz 1822
  • Geist der Pharisäischen Lehre,", Mainz 1823-24 [Herausgeber der Monatsschrift]
  • Anleitung zur höheren Zinsrechnung nebst Logarithmen-Tafeln, Frankfurt/Main 1825
  • Französisches Lesebuch zum Gebrauch der Bürgerschulen
  • Lehrbuch der Technischen Geometrie, Frankfurt/Main 1828
  • Elementarlehre der technischen Geometrie: zum Gebrauche für Bürger- und Gewerbschulen, Frankfurt/Main 1829
  • 32 Thesen über den Talmud," Frankfurt/Main 1831
  • Lehrbuch der Algebra, Stuttgart und Leipzig 1835
  • Ḥeshbon ha-Nefesh, oder Selbstprüfung des Israeliten Während der Busstage, Frankfurt/Main 1838
  • Ḥinnuk li-Bene Miẓwah, oder Stunden der Weihe für Israelitische Confirmanden, Frankfurt/Main 1841
  • Ibn Ezra's »Yesod Mora« [editiert und mit einer deutschen Übersetzung], Frankfurt/Main 1840
  • Shulḥan 'Aruk, oder Encyklopädische Darstellung des Mosaischen Gesetzes (Teil 1: Thariag, oder Inbegriff der Mosaischen Vorschriften nach Talmudischer Interpretation, Stuttgart und Leipzig 1833; Teil 2: Shurat ha-Din, Anweisung zur Regulirung des Israelitisch-Religiösen Lebens, Stuttgart und Leipzig 1837; Teil 3: Ḥizzuḳ ha-Torah, oder die Dringlich Gewordene Befestigung der Mosaischen Lehre, Stuttgart und Leipzig 1839; Teil 4: Dorshe ha-Dorot, oder Entwickelungslehre des Mosaischen Ritualgesetzes, Stuttgart und Leipzig 1840)

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