Siegmund von Bibra

* 04.11.1750 in Bamberg
† 03.03.1803 in Fulda

Siegmund von Bibra erblickte am 04.11.1750 in Bamberg das Licht der Welt und wurde auf den Namen Philipp Anton getauft. Seine Eltern waren Heinrich Carl von Bibra (1696-1772) und dessen dritten Ehefrau Christine Juliane von Ilten.

Zunächst besuchte er zwischen 1758 und 1761 als Schüler das Bamberger Aufseesianum und wurde danach bis 1763 Schüler des Jesuitengymnasiums in Fulda. Zwischen 1763 und 1770 studierte der junge Mann Theologie und Kirchenrecht an der Universität Fulda.

Im Jahre 1767 trat er als Novize in den Benediktinerorden ein. Am 13.11.1768 wurde er im Stift Fulda auf geschworen und führte nach dem Profess den Ordensnamen Siegmund. Zwischen 1770 und 1772 besuchte er die Ritterakademie in Kremsmünster. Im Jahre 1772 ging er nach Fulda zurück, wo ein Verwandter von ihm auf dem Bischofsstuhl saß. Bischof Heinrich von Bibra (1711-1788) erwählte ihn zum Subdiakon und am 18.12.1773 erhielt er seine Priesterweihe.

Im Jahre 1776 wurde er zum Kantor und im Jahre 1778 erfolgte seine Berufung zum Kapitular.

Er war zwischen 1778 und 1782 für die Stadt Fulda als Vizedominats-, Oberrats- und Polizeipräsident tätig. Zwischen 1778 und 1785 war er zunächst Vizepräsident und in den Jahren 1785/86 Präsident der geistlichen Regierung des Bistums Fulda. Auch war der Theologe in der weltlichen Regierung des Hochstifts engagiert.

Nach der Säkularisation wurde Bibra zum Konferenzrat des neuen Fürsten Wilhelm Friedrich von Nassau-Oranien, der neuer Herr im Hochstift Fulda und Corvay wurde. Dieser erhielt das Hochstift als Entschädigung für die durch seinen Vater verlorene Erbstatthalterschaft in Holland. Er erlangte schnell das Vertrauen des Fürsten und so beauftragte ihn der Fürst mit mehreren diplomatischen Missionen. Seit 1788 bis zu seinem Tode war er auch als Rat des Erzbistums Mainz tätig.

Im Jahre 1784 setzte er die von Goeckingk eingestellte Zeitung »Journal von und für Deutschland« fort. Goeckingk nahm das englische »Gentleman's Magazine« als Vorbild für seine Zeitschrift. In der Zeitschrift verzichtete man ganz bewusst auf die Veröffentlichung von Rezensionen. Auch hinsichtlich politischer Nachrichten war man aus Gründen der Zensur vorsichtig. So äußerte sich Bibra im Jahre 1786:

Noch eine Ursache, warum ich manche Nachrichten verschweige, ist die politische Intoleranz unseres Jahrzehends, welche in nämlichen Grade zunimmt, als die Toleranz in Religionsmeinungen wächst. Man kann ungestraft die Gottheit Jesu zweifelhaft machen; aber dem Cabinette manches kleinen Sultanchens Infalibilität abstreiten, wäre Hochverrath. Preßfreyheit in unserm Deutschlande ist noch ein sehr relativer Begriff.

Bibra führte das Journal bis zum Jahre 1792 fort. Ob und wie weit die politischen Veränderungen und der Krieg mit Frankreich für eine Einstellung des Journals verantwortlich sind, lässt sich heute nicht mehr erschließen. Der Herausgeber selbst schrieb dazu in der 12. Auflage:

Da in Rücksicht des Journals von und für Deutschland mancherley Anfragen bey mir geschehen sind, so mache ich hierdurch bekannt, daß ich solches nach einem veränderten Plane in einiger Zeit fortsetzen werde.

Der katholische Geistliche gehörte als Aufklärer auch dem von Adam Weishaupt gegründeten Illuminatenorden an. Er führte den Ordensnamen Clemens Alexander.

Kurz vor seinem Tode wurde der Theologe noch weltlicher Priester. Nach seinem Ableben entstand ein Streit um sein Erbe. Dieser Streit um die Erb- und Testierfähigkeit ausgetretener Klostergeistlicher landete vor dem Reichskammergericht und führte zu einem Gutachten der Reichsversammlung zu Regensburg.

Philipp Anton Bibra starb am 03.03.1803 in Fulda.


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