EPOCHE NAPOLEON


von der Bastille bis Waterloo

Adele Schopenhauer

* 12.07.1797 in Danzig
† 25.08.1849 in Bonn

Adele Schopenhauer (1797-1849) war die Schwester des Philosophen Arthur Schopenhauer und führte mit der Bonner Bankiersgattin Sibylle Mertens-Schaafhausen eine Liebesbeziehung.
Adele Schopenhauer (1797-1849)

Luise Adelaide Lavinia Schopenhauer wurde am 12.07.1797 in Hamburg geboren. Ihre Mutter war die Saloniere Johanna Schopenhauer (1766-1838) und ihr Vater Heinrich Floris Schopenhauer (1749-1805) war Kaufmann. Sie war die Schwester des Philosophen Arthur Schopenhauer. Beide Eltern entstammten angesehenen Danziger Familien. Nach der preußischen Anexion Danzigs ging das Paar 1793 in die freie Reichsstadt Hamburg.

Nach dem Tode des Vaters zogen Johanna und Adele Schopenhauer im Herbst 1806 nach Weimar. Es war eine unruhige Zeit, Preußen unterlag den Truppen Kaiser Napoléons und Weimar wurde von den siegreichen Franzosen geplündert. Doch schnell etablieren sich die Tee-Empfänge der Mutter in der Stadt und werden zu einem Mittelpunkt des literarischen Salonlebens der Kulturmetropole. So wuchs die junge Adele unter dem Einfluss eines Künstler- und Gelehrtenzirkels auf, der regelmäßig Gast im Hause von Johanna Schopenhauer war.

Johann Wolfgang von Goethe, der häufig zu Gast im Hause Schopenhauer war, wurde im Laufe der Zeit zu einer Art Ersatzvater für die junge Adele. So war die junge Adele ein sehr begabtes Kind, dass sich sowohl mit Dichtung als auch Literatur beschäftigte. So schrieb sie Romane, Gedichte und Märchen, aber ihre große Leidenschaft waren Scherenschnitte. So bezeichnete Karl Immermann dieses kleinen Kunstwerke bewundernd als »wahrhaftige Gedichte mit der Schere« und auch Goethe bewunderte die »zartumriss’ne holden Finsternisse«. Gerade im englischsprachigen Raum fanden ihre Werke große Aufmerksamkeit.

Im Hause Goethes lernte sie auch die junge Ottilie von Pogwisch kennen. Zwischen beiden Mädchen, die ohne Vater aufwuchsen, entspannte sich eine lebenslange Freundschaft. So schrieb Ottilie in das Stammtuch der Freundin »Da fing mein Leben an, als ich Dich liebte« während Adele die Beziehung zur Freundin in der Einsicht zusammenfasste:

Ich passte nur zu Ottilien, ihre fesselfreie Empfindung aller Tiefen des Lebens und Liebens hatten mich verdorben für alles andere Leben.

Als im Jahre 1813 Weimar durch preußische Truppen besetzt wurde, traf auch der junge Premierleutnant Ferdinand Heinke als Adjutant des Stadtkommandanten von Weimar, Friedrich Anton Ulrich Carl Leopold von Kleist, in das Lebe der jungen Frauen. Sowohl Ottilie als auch Adele Schopenhauer verliebten sich auf eine fantasierende Weise in den jungen Mann. Ehe sie jedoch erkennenmusste – und somit auch die Realität anerkennen – zog sie sich aus diesem fantasievollen Eros zurück.

Adele selbst war in jenen Jahren eine Schattengestalt an der Seite ihrer Mutter Johanna, die zu jener Zeit den Höhepunkt ihres literarischen Schaffens erreichte. So passte sie sich den Wünschen der Mutter nach Abwechslung und Gesellschaft widerstandslos an.

Im Jahre 1819 gerieten Johanna und Adele Schopenhauer in wirtschaftliche Bedrängnis. Das Danziger Bankhaus Muhl musste Konkurs anmelden, wo sie das gesamte von ihrem Mann im Jahre 1805 geerbte Vermögen deponiert hatte. Arthur Schopenhauer hatte bereits 2/3 seines Vermögens von Muhl abgezogen und war auch nicht bereit, sich auf einen Vergleich einzulassen. Diese Affäre führte zu einer weiteren Abkühlung der Beziehungen zwischen dem Philosophen und den beiden Frauen, die ihm mehrfach aufgefordert hatten, einem Vergleich zuzustimmen. Beide Frauen stimmten dem Vergleich zu und verzichteten so auf 70 % ihres gesamten Vermögens.

Dieser Vermögensverlust blieb jedoch nicht ohne Auswirkungen für das Weimarer Leben der beiden Frauen. Obwohl Johanna durch ihre schriftstellerischen Arbeiten noch Geld verdiente, verfügte auch Adele über ein kleines Vermögen, das ihr auf Grund ihrer Unmündigkeit zum großen Teil erhalten blieb, musste in den 1820er Jahren der Lebensstil gesenkt werden.

Im Jahre 1828 gelange es Adele ihre Mutter Johanna Schopenhauer davon zu überzeugen von Weimar nach Bonn zu übersiedeln. Zunächst war den beiden Frauen das ganzjährige Wohnen in der Stadt nicht möglich. So wich man zeitweise auf das preiswertere Unkel aus. In Bonn befreundete sich sie sich mit der Münsteraner Schriftstellerin Annette von Droste-Hülshoff. Mit der Bankiersgattin Sibylle Mertens-Schaafhausen ging sie eine Beziehung ein, die für einen gesellschaftlichen Skandal sorgte. So schrieb sie in einem Brief an ihre Weimarer Freundin Ottilie von Goethe folgende Zeilen:

Es ist meine Bestimmung, ihr Wohl und Weh dem meinen sehr eng zu verbinden, ich glaube, wir trennen uns nicht so bald. Sie lebt in mir, und mir ist sie in dem neuen Leben unentbehrlich, denn ihre Liebe, ihre Hingebung erhalten mich. Ihre Fehler, Eigenheiten, Unarten, Gewohnheiten, Krankheiten, Tollheiten und alle heiten der ganzen Person sind mir summa summarum bekannt, und ich halte es eben aus und liebe sie wie sie ist. Ich glaube, am besten vergleichst Du uns ein paar Leuten, die sich spät finden und dann einander heiraten. Stürbe sie - so spräng ich jetzt in den Rhein, denn ich könnte nicht ohne sie bestehen.

Weder Louis Mertens noch Arthur Schopenhauer, ihr Bruder standen dieser Beziehung der beiden Frauen ablehnend gegenüber. So schrieb sie, »daß den Mertens der Teufel holen möchte, damit ich frei würde mit ihr, doch schenkt er ihm die trefflichste Gesundheit.«

Im Jahre 1836 zog Adele Schopenhauer nach Jena, wo sie ihre Mutter Johanna bis zu ihrem Tode im Folgejahr pflegte. Nach deren Tode reiste sie sehr viel durch Italien.

Nachdem Louis Mertens im Jahre 1842starb, zog sie in das große Haus ihrer Geliebten Sibylle Mertens-Schaafhausen an der Wilhelmstraße in Bonn ein. Gemeinsam reisten die beiden erneut nach Italien.

Nachdem Adele bei einem Besuch im Frühjahr 1849 in Weimar zusammenbrach, holte Mertens-Schaafhausen, trotz der Wirren der Revolution aus Rom kommend, ihre kranke Freundin nach Bonn zurück um sie zu pflegen.

Wenige Monate später, am 25.08.1849 starb Adele Schopenhauer in Bonn. Beigesetzt wurde sie am 100. Geburtstag ihres väterlichen Freundes Goethe auf dem Alten Friedhof zu Bonn beigesetzt.

Vier Tage nach der Beerdigung ihrer Geliebten hielt die Archäologin Sibylle Mertens-Schaafhausen eine Totenfeier nach antiken Vorbild in ihrem Garten in der Wilhelmstraße. Auch ließ die Mertens-Schaafhausen den Grabstein von Adele Schopenhauer mit folgender italienischer Inschrift gestalten:

Qui riposa
Luise Adelaide Lavinia Schopenhauer
vissuta 52 anni
egregia di cuore, d’ingegno, di talento,
ottima figlia,
affetuosa e costante agli amici
Sostenne con nobilissima dignità d’animo
mutamenti di fortuna,
e lunga dolorosa malattia
con pazienza serena,
ebbe fine de’ mali a di’ 25 Ag. 1849.

Erse il monumento la sconsolata amica
Sibilla Mertens-Schaaffhausen

Die deutsche Übersetzung lautet:

 

Hier ruht Luise Adelaide Lavinia Schopenhauer nach einem Leben von 52 Jahren ausgezeichnet von Herz, Geist, Talent, beste Tochter, zärtlich und treu ihren Freunden ertrug sie mit edelster Seelenwürde Wechselfälle des Schicksals, und lange schmerzhafte Krankheit mit heiterer Geduld. Sie fand das Ende ihrer Leiden am 25. Aug. 1849. Das Grabmal errichtete die untröstliche Freundin Sibylle Mertens-Schaaffhausen

Werke:

  • Haus-, Wald- und Feenmärchen; Leipzig 1844.
  • Anna. Ein Roman aus der nächsten Vergangenheit, Leipzig 1845.
  • Eine dänische Geschichte; Braunschweig 1848.

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