EPOCHE NAPOLEON


von der Bastille bis Waterloo

Friedrich Christian Rühs

* 01.02.1781 in Greifswald
† 01.02.1820 in Florenz

Friedrich Christian Rühs (1781-1820) war ein deutscher Historiker für schwedischer und germanische Geschichte. Seit der Zeit der Befreiungskriege entwickelte er eine zunehmende nationalistische und antijüdische Position.
Friedrich Christian Rühs (1781-1820)

Geboren wurde Friedrich Christian Rühs als Sohn des Greifswalder Kaufmanns und Ratsherren Johann Rühs und seiner Gattin Eleonore Hyppolite, geborene Kriebel.

Im Jahre 1798 schrieb Rühs sich als Student an der Universität seiner Vaterstadt ein und studierte Geschichte und Staatswissenschaften. Er wechselte nach Göttingen, wo sein Verständnis für die moderne Geschichtsforschung und Quellenbehandlung wegweisend wurden. Zu seinen Lehrern in Göttingen gehörte auch August Ludwig Schlözer bei dem er Philologie-Vorlesungen hörte. Im Jahre 1801 promovierte er bei Arnold Heeren (1760-1842) mit einer Studie über die Geschichte der Religion, Staatsverfassung und Kultur der alten Skandinavier.

Nach Abschluss seines Studiums in Göttingen wirkte er zunächst 1801 dort als Privatdozent ehe er im folgenden Jahr wieder in seine Heimatstadt Greifswald zurückkehrte. Dort lehrte er zwischen 1802 und 1808 als Privatdozent. Die Stadt und Universität Greifswald gehörte in jenen Jahren noch zu Schweden. Er bot sich der schwedischen Regierung als Übersetzer an. So wurde er beauftragt als Berater an der Übersetzung der *Schwedenreise« aus der Feder des Italieners Joseph Acerbi mitzuarbeiten. Der Verfasser der Schrift hatte den Schwedenkönig Gustav IV. Adolf (1778-1837) als engstirnigen Zensor des Geisteslebens in den schwedischen Ländern dargestellt. Damit unterstützte er Bestrebungen, die schwedische Vorherrschaft in Vorpommern, die seit 1631 bestand, zu beenden. Dieser Reisebericht erschien 1803 in Berlin ohne Angriffe auf Schweden zu enthalten. Rühs hatte diese im Vorfeld getilgt.

Im folgenden Jahr erhielt er weitere Aufträge des schwedischen Königshauses. So übersetzte er auch eine Gegenschrift zu Acerbis »Schwedenreise«. Carl Gustaf af Leopolds (1756-1829) Briefe über »Schwedens neueste Verhältnisse« aber auch dessen »Vermischte prosaische Schriften«- Es folgten zwischen 1805 und 1808 eine dreibändige Ausgabe der Werke Gustav III. (1746-1792). Neben den Übersetzungen verfasste der Gelehrte auch Schriften aus seiner Feder zur skandinavischen Geschichte und Philologie. 1809 erschein Werk »Finnland und seine Bewohner«.

Erst im Jahre 1808 wurde er außerordentlicher Professor für Geschichte. Als Geschichtsprofessor vertrat er das gesamte Fach von der Antike bis in die Neuzeit. Auch die sogenannte Enzyklopädie der Geschichte und die historischen Hilfswissenschaften wurden von ihm unterrichtet.

Nach der Gründung der Berliner Friedrich-Wilhelms-Universität im Jahre 1810 wurde Rühs als Ordinarius für Geschichte nach Berlin berufen. Wie schon in seiner Zeit in Greifswald unterrichtete er die gesamte historische Spannbreite. In seinem Privathaus hielt der Historiker darüber hinaus regelmäßig die sogenannten »Societas historia« ab in denen seine Studenten an historischen Quellen ausgebildet wurden. Zusammen mit Ernst Moritz Arndt (1769-1860), beide verband eine Freundschaft aus Greifswalder Tagen, gehörte Rühs zu den Nationalisten unter den Berliner Professoren.

Auch in Berlin beschäftigte sich der Gelehrte weiterhin mit seinen skandinavischen Studien. So übersetzte er im Jahre 1812, noch vor den Gebrüdern Jacob und Wilhelm Grimm, die »Edda« ins Deutsche. Zugleich versah er das Werk mit einer Einleitung über nordische Poesie und Mythologie. Ihm diente als Basis für seine Übersetzung eine dänische Ausgabe von Rasmus Nyerup mit dem er 1810 in Stockholm zusammentraf. Durch die Übersetzung, die auf Kritik stieß, entwickelte sich ein »Edda«-Streit. So warf man ihm Übersetzungsfehler vor, weil er der altnordischen Sprache nicht mächtig sei. Er stützte sich bei seiner Übersetzung nicht auf ein im Vorjahr erschienenes Wörterbuch, welches Rasmus Rask herausgegeben hatte.

Im Jahre 1811 gelang Friedrich Rühs mit seiner Schrift »Entwurf einer Propädeutik des historischen Studiums« eine der bedeutenderen Schriften Sein »Handbuch der Geschichte des Mittelalters« wurde weitestgehend als Überblickswerk anerkannt. Im Jahre 1817 widmete er sich in einem Werk dem Verhältnis Schleswigs und Holsteins zu Deutschland und Dänemark.

Der aus Greifswald stammende Verleger Georg Andreas Reimer (1776-1842) unterstützte den Schriftsteller und veröffentlichte im Jahre 1813 »Über den Ursprung der Isländischen Poesie« Auch ein Werk über die schwedische Geschichte erschien und wurde 1823 auch ins Schwedische übersetzt wurde.

Dank der Freundschaft zu seinem Verleger Reimer wurde der Historiker und Politiker Barthold Georg Niebuhr auf ihn aufmerksam und gewann ihn als Autoren für die Mitarbeit am »Preußischen Correspondenten«. Seine Veröffentlichungen wurden stets nationalistischer. So kritisierte er im Jahre 1815, Greifswald und Schwedisch Pommern wurden an Preußen abgetreten, die Schwedenzeit in einem Aufsatz, der als Brief fingiert war sehr hart. »Historische Entwicklung des Einflusses Frankreichs und der Franzosen auf Deutschland« war eine Schrift in der Frankreich als Erzfeind und ewige Bedrohung darstellte.

In seinem Werk »Über die Ansprüche der Juden auf das deutsche Bürgerrecht« sprach er den Juden das deutsche Bürgerrecht ab, solange sie sich nicht zum Christentum bekennen würden. In seiner Argumentation folgte er einer völkischen und antijüdischen Argumentation Johann Gottlieb Fichtes. So forderte er die Wiederherstellung eines künftigen deutschen Staates auf Basis eines christlich-germanischen Bekenntnisses. Durch dieses Werk entwickelte sich Rühs als Gegner der jüdischen Aufklärung, die zu jener Zeit die preußische Tagespolitik beherrschte.

In der Zeit nach den Befreiungskriegen stand Rühs mit seinen Gedanken nicht alleine da. So erlebten antijüdische Hetzschriften und antiemanzipatorische Schriften einen ersten Höhepunkt. So fand er mit dem Jenaer Professor Jakob Friedrich Fries mit einer eigenen Schrift dem Untergang der jüdischen Religion an.Sowohl Saul Ascher (1767-1822) als auch Karl Christian Ernst von Bentzel-Sternau reagierten mit projüdischen Gegenschriften.

1817 erfolgte seine Berufung als Histograph Preußens. Er widmete sich nun der Veröffentlichung germanischen Altertums-Forschung. Auch an den Vorbereitungen zur Gründung der »Gesellschaft für Deutschlands ältere Geschichtskunde« war er maßgeblich beteiligt. Die Gesellschaft wurde 1819 gegründet. Aus dem Verein, dessen Initiator der Reichsfreiherr von Stein war, ging die Generaldirektion der »Monumenta Germaniae Historica« hervor. Im selben Jahr wurde der Berliner Professor zum Mitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin.

Friedrich Christian Rühs starb am 01.02.1820 auf einer Italienreise in Florenz. Sein Neffe Carl Gustav Homeyer (1795-1874) übernahm während der Krankheit die Obhut des Onkels und nach dessen Tod übernahm er die Pflege dessen Werks.

Werke:

  • Carl Gustaf af Leopold (Autor): Schwedens neueste Verhältnisse, 1804
  • Carl Gustaf af Leopold (Autor): Vermischte prosaische Schriften, 1805
  • Gustav III. (Autor): Werke in drei Bänden, 1805–1808
  • Finnland und seine Bewohner, 1809
  • Entwurf einer Propädeutik des historischen Studiums, 1811
  • Edda, nebst einer Einleitung über die nordische Poesie und Mythologie, Berlin 1812
  • Über den Ursprung der Isländischen Poesie, 1813
  • Historische Entwickelung des Einflusses Frankreichs und der Franzosen auf Deutschland und die Deutschen, 1815
  • Über die Ansprüche der Juden auf das deutsche Bürgerrecht, 1815
  • Das Verhältnis Holsteins und Schleswigs zu Deutschland und Dänemark, 1817
  • Handbuch der Geschichte des Mittelalters, 1816

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