Kronenburg am Sunde.

Des Abends Purpur sinkt in den Hain herab,
Am Meeresstrand steht herrschend die Festung da;
    Dumpf rollt die Wog’ an des Ufers Kiesel;
    Kulla steht schaurig im Duft der Ferne26.

Der Dolen Heer umschwärmet den grauen Thurm,
Laut schreiend streift die Möve der Wogen Haupt;
    Der Sturm verhallt in den Felsengängen,
    Rasselnder Ketten Getön erklirret.

Die Dämmrung schwebet leis’ auf des Meeres Schooß.
Die Woge thürmt sich hoch ans Gestad’ empor –
    Es sinkt die Wolke – das Meer steigt brausend;
    Trübe verlischt der Gestirne Fackel.

Des Pharos Flamm’ entglimmet auf Kullas Höh’;
Sie wehet schwankend unter des Sturms Geheul,
    Das lauter tobt und des bangen Schiffers
    Aengstlichen Flehens verhöhnend spottet.

Das Seegel reißt, und krachend entstürzt der Mast;
Es siedet das Meer und gürtet mit Schaum den Fels;
    Das Schiff zerschellt an der schroffen Klippe –
    Wehklag’ ertönt in des Dunkels Grausen.


Letzte Änderung der Seite: 06. 03. 2021 - 00:03

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