Das Kriegsgericht zu Wesel

16. Sept. 1809

Zu Wesel auf der Schanz
Da stand ein junger Knabe:
Lebt wohl, lebt wohl ihr Lieben,
Die ihr daheim geblieben
Mich scheidt von aller Noth
   Der bittere Tod.

Mit meinem Führer zog
Ich aus für Deutschlands Ehre,
Doch es war Gottes Will:
Erschlagen liegt der Schill
Bei Stralsund auf dem Wall.
   O harter Fall.

Oh hart Geschick für die
Die ihren König lieben!
Wer ziehet nun den Degen,
Führt den Franzos entgegen
Sein schönes Regiment?
   Der Feind es kennt!

Wer´s mit dem Tapfern hielt,
Der war da bald gefangen,
Wie Räuber und wie Mörder
Geworfen in den Kerker,
Das Leben wart ihm gar
   Gesprochen ab.

Vom Rumpfe schnitten sie -
Es will mein Herz brechen,
Denk ich es mir - das Haupt -
Bei Türken nur erlaubt!
Und umher wards gesandt
   Im Deutschen Land!

Verblutet liegen da
Schon meine Kameraden,
Es ist schon frei vom Schmerz
Ihr tiefdurchbohrtes Herz.
Mir nur ward Gnad gegeben
   Für mein Leben.

Ich will Napoleon,
Von Dir gar kein Erbarmen,
Mit meinen Brüdern allen
Soll gleiches Loos mir fallen.
Schieß zu du Schelm-Franzos,
   Mein Herz ist bloß!

Mein Säbel und Gewehr,
Und alle meine Waffen,
Wird man aufs Grab mir henken,
Da soll man lang gedenken,
Das hier ein treuer Knab
   Ruht tief im Grab.


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