Therese von Artner

* 19.04.1772 in Schintau, Komitat Neutra
† 25.11.1829 in Agram

Therese von Artner wurde am 19.04.1772 als Tochter des kaiserlichen Generalmajors Leopold von Artner und seiner Ehefrau Magdalena, geb. von Hubert in Schintau in oberungarischen Komitat Neutra geboren. Sie war die Erstgeborene und es sollten noch vier jüngere Geschwister folgen, von denen jedoch nur Wilhelmine, Charlotte und Amalie das Erwachsenalter errichten. Bereits 1784 starb Josephe.

Im Jahre 1781 zog die Familie nach Ödenburg, woher beide Elternteile stammten. Artner erhielt eine gute Erziehung, sodass sie in Religion, Schreiben, Briefstil, Geographie und Zeichnen mehrere Jahre Unterricht erhielt. Ebenfalls wurde sie in Französisch unterrichtet, während sie die italienische Sprache autodidaktisch erlernte, damit sie auch Werke italienischer Autoren im Original lesen konnte.

Im Alter von 16 Jahren arbeitete die angehende Schriftstellerin bereits an einem ersten Epos unter dem Titel »Conradin der Hohenstaufe«, welches sich mit dem unglückseligen Schicksal Konradin von Hohenstaufen (1252-1268), dem letzten Abkömmling des schwäbischen Kaiserhauses, auseinandersetzte. Hierbei war Klopstocks Epos »Messias«, das ihr auch half den Tod der jüngeren Schwester Josephe zu verarbeiten, als Vorbild. Ebenfalls beschäftigte sie sich mit Frühaufklärers John Miltons Epos »Paradise Lost«, dass das Ringen zwischen Himmel und Hölle, Gott und Teufel zum Thema hatte. Sie laß aber aber auch Werke des Göttinger Historikers Christoph Gatterer, August Ludwig von Schlözer, Christian Gottlob Heyne oder Arnold Heeren.

Nach dem Tode der Mutter im Jahre 1796 übernahm Therese von Artner die Führung des väterlichen Haushalts. Sie kümmerte sich auch um die Pflege des kranken Vaters, der im Jahre 1799 starb, und die Erziehung ihrer jüngeren Schwestern. Sie zog nach dem Tode des Vaters zu ihrer Freundin Maria Elisabeth Zay von Csömör und lebte auf den Schlössern Buscan und Zay-Ugrocz. In den literarischen Zirkel der Freundin genoss Artner hohes Ansehen. Zusammen mit der Beamtentochter Marianne von Tiell veröffentlichte sie im Jahre 1800 ihre frühen Gedichte in dem Band »Feldblumen auf Ungarns Fluren, gesammelt von Nina und Theone«. Hinter dem Pseudonym Nina stand von Tiell während Therese Artner das Pseudonym Theone für zukünftige Veröffentlichungen nutzte. Im deutschsprachigen Raum fand das Werk bei den Kritikern wohlwollende Aufnahme, während es in Ungarn kaum beachtet wurde.

Im Jahre 1803 reiste Therese von Artner ins Breisgau, dass zu jener Zeit noch zu Vorderösterreich gehörte. In Freiburg besuchte sie ihre Schwester Charlotte. Sie lernte Friedrich Heinrich Jacobi sowie dessen Freiburger Freundeskreis kennen. Zu ihren neuen Freunden gehörten somit auch Karl von Rotteck, Joseph Albrecht von Ittner, Johannes Matthias Alexander Ecker und Gottlieb Konrad Pfeffel.

In jener Zeit entstanden die »Neueren Gedichte von Theone«. Diese Texte waren durch Jacobi, der ihr Förderer wurde, stilistisch und inhaltlich beeinflusst. Diese Gedichte erschienen im Jahre 1806 unter ihrem Pseudonym im Druck. Den Winter des 1804 verbrachte Therese von Artner erneut auf den Gütern ihrer Freundin Maria Elisabeth Zay von Csömör. Es sollten zahlreiche Veröffentlichungen von Gedichten in Zeitungen folgen. So publizierte Artner Texte in »Aglaja«, der »Minerva« sowie in Jacobis »Iris«, Während eines zweimonatigen Aufenthalts in Wien, wo ihre Schwester Charlotte den Tod ihres Mannes verarbeitete, trat sie in Kontakt mit Gabriele von Baumberg. Beide Frauen verband eine enge freundschaftliche Beziehung.

In der Schlacht von Aspern am 21./22.05.1809 verlor Kaiser Napoléon I. erstmals eine militärische Schlacht gegen den österreichischen Erzherzog Carl. Unter diesem Eindruck verfasste Therese von Artner im folgenden Jahr das Epos »Die Schlacht von Aspern«. In diesem Gedicht verherrlichte die Schriftstellerin die Leistungen des österreichischen Militärs. Auf Grund der veränderten innenpolitischen Verhältnisse in Österreich, das letztlich den Krieg verloren hatte und zu einem Bündnis mit Frankreich gezwungen wurde, verbot Staatskanzler Metternich zunächst die Veröffentlichung. Erst 1812 konnten Auszüge des Gedichts in »Hormayr's Historischen Archiv« erscheinen.

Während des Wiener Kongresses hielt sich Artner zusammen mit ihrer Freundin Maria Elisabeth Zay von Csömör in Wien auf. Die beiden Frauen waren regelmäßig Gäste in Caroline von Pichlers literarischen Salon. Neben der Freundschaft zu Maria Elisabeth Zay von Csömör Pichler lernte Artner auch Franz Grillparzer,

Es sollten nun einige Theaterstücke, wie die dramatische Vorgeschichte zu Adolf Müllners »Die Schuld«, die unter dem Titel »Die That« im Jahe 1817 dem Publikum übergeben wurde. 

Die letzten Jahre ihres Lebens verbrachte Artner bei ihrer Schwester Wilhelmine Romano in Zagreb, dass zu jener Zeit im deutschen Sprachraum noch Agram genannt wurde. In der kroatischen Provinz entstanden neben historischen Dramen auch  »Briefe über einen Theil von Croatien und Italien«. Diese Briefe waren an ihre dichtende Freundin  Caroline von Pichlers gerichtet waren.

Ihre Gedichte sind von durchgängiger Innerlichkeit geprägt sowie wahren und warmen Gefühls. Die Poseie war ein Ersatz für ihre fehlende Lebensfreude und später auch für manche Verluste. Constantin von Wurzbach urteilte in der ADB über sie wie folgt: 

Ohne daß sich ihre Arbeiten über den Werth höheren Dilettantismus zu erheben vermöchten, unterscheiden sie sich doch wesentlich durch die schlichte Form und die Innigkeit des ausgesprochenen Gedankens von den halt-, sinn- und geistlosen Faseleien jener Reimerinnen, die um die Hohlheit des Inhalts den Mantel der patriotischen Phrase hängen, um welches Kleid sich die Göttin [75] nur dann kümmert, wenn alles andere vorhanden.

Die Schriftstellerin Therese von Artner starb am 25.11.1829 im Alter von gerade einmal 57 Jahren in Agram.

Werke:

  • Theseus auf Kreta, 1796
  • Das Fest der Tugend, 1798
  • Feldblumen, auf Ungarns Fluren gesammlet (sic) von Nina und Theone (mit Marianne von Tiell). 2 Bändchen, Jena 1800.
  • Neuere Gedichte von Theone. Tübingen 1806.
  • Die That. Ein Trauerspiel in fünf Akten. Der Schuld von Adolph Müllner erster Theil. Pesth 1817.
  • Gedichte. Gewählt, verbessert, vermehrt. 2 Theile, Leipzig 1818.
  • Rettung und Lohn. Ein Lustspiel in einem Aufzug. Agram 1823.
  • Stille Größe. Schauspiel in drey Acten. Kaschau 1824.
  • Rogneda und Wladimir. Trauerspiel in drei Aufzügen. Kaschau 1824.
  • Briefe über einen Theil von Croatien und Italien an Caroline Pichler. Pesth 1830.

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