Johann Baptist Seele

* 27.06.1774 in Meßkirch
† 27.08.1814 in Stuttgart

Johann Baptist Seele wurde am 27.06.1774 in Meßbach als Sohn eines Soldaten geboren. Der Vater stand im Dienste des Fürsten zu Fürstenberg und versah ab 1776 Dienst in Hüffingen.

Im Alter von 6 Jahren begann der Knabe mit dem Zeichnen und Malen und noch während er die Normalschule zu Donaueschingen besuchte, erste Schlachtenszenen, nach den Erzählungen des Vaters während des Siebenjährigen Krieges, in Szene zu setzen.

Schon früh wurde der Knabe durch Joseph Wenzel zu Fürstenberg (1728-1783) und seiner Schwiegertochter Marie Antoinette unterstützt.

Im Alter von gerade einmal 14 Jahren schuf Seele das Werk »Christus im Grabe«, das heute noch in der Schlosskapelle zu Wolfach aufbewahrt wird.  Das Werk ist eine genaue Kopie der Jesus-Darstellung eines Gemäldes von Guido Renzi (1575-1642).

Auf Empfehlung der Fürstin suchte ihr Gatte Fürst Joseph Maria Benedict um Aufnahme des Knaben in die Hohe Karlsschule zu Stuttgart nach, wo ihm im Dezember 1789 Herzog Carl Eugen (1728-1793) ein kostenloses Stipendium ermöglichte.

Auf der Hohen Karlsschule gehörten Friedrich Leybold (1755-1838) als Lehrer für Zeichnen und Modellieren nach der Natur, sowie Adolf Friedrich Harper  (1725-1806) als Lehrer der Landschaftsschaftsmalerei und schließlich Philipp Friedrich Hetsch (1758-1839) für Gesichtsmalerei zu seinen bedeutenden Lehrern. Schnell machte er Fortschritte und so konnte er bereits im Jahre 1790 an einem Preiswettbewerb teilnehmen. Aber im Frühjahr 1791 kam es zu einer unter den Kunstzöglingen schon länger gärenden Unzufriedenheit, da sie zu häufig zu dekorativen Arbeiten an den herzoglichen Neubauten herangezogen wurden, zu offenen Widerstand.

Als der ebenfalls an der Hohen Karlsschule befindliche Joseph Anton Koch nach Straßburg durchbrannte, wurde auch der mit dem Geflüchteten im Verkehr stehende  Seele verdächtigt, eigene Fluchtpläne zu haben. Auf Betreiben von Joseph Maria Benedict zu Fürstenberg verließ er, »um ihn für sein bisherige schlechte Ausführung zu bestrafen« die Schule. Da er jedoch innerhalb kürzester Zeit schon sehr viel malerisches Handwerkszeug erlernte, konnte der junge Mann sich in Donaueschingen ansiedeln und mit Bestellungen von Hofe und Privatleuten seinen Unterhalt sichern.

Er ging zunächst nach Donaueschingen und später nach Stuttgart zurück. Durch einige von ihm geschaffene Auftragswerke wurde auch Herzog Friedrich II. von Württemberg auf ihn aufmerksam. Im Jahre 1797 hielt er sich in der Schweiz auf, berühmt ist aus jener Zeit sein Portrait Erzherzog Carls im Jahre 1800 sowie das Schlachtengemälde »Der Übergang der Russen über die Teufelsbrücke«.

Im Jahre 1804 berief der württembergische Kurfürst Friedrich Seele zu seinem Hofmaler und Galeriedirektor. Als Hofmaler schuf der Künstler zahlreiche Portraits von Mitgliedern der württembergischen Hocharistokratie. Er malte auch zahlreiche Genrebilder mit militärischen Themen, die sich ihn während der napoleonischen Kriege sehr zahlreich boten. Zahlreiche seiner Werke zierten in Schwarz oder Farbe zu Beginn des 19. Jahrhunderts Schlösser, Häuser und Wirtsstuben in ganzen süddeutschen Raum.

Er fertigte auch einige Historienbilder sowie religiöse und mythische Darstellungen für den Hof an. So schuf er im Jahre 1804 »Josephs Traumdeutung« und später schmückte er das neu erbaute Rauch’sche Haus am Marktplatz in Heilbronn mit Wandgemälden. So schuf er für dieses Objekt einen Ganymed, eine Hebe, einen Bacchus, eine Bacchantin in Lebensgröße sowie eine Minverva und ein Brustbild. Zu seinen bedeutendsten Portraits am württembergischen Hofe dürften wohl das Portrait König Friedrich I. von Württemberg sowie Katharina von Westphalen sein.

Seele war in seiner Zeit ein Vorreiter des Realismus, während viele seiner Kollegen noch dem Klassizismus anhingen. Obwohl sich in seinem Werk Bildideen, Perspektiven und Darstellungsweisen dem Realismus entspringen war seine Linienführung  jedoch noch dem Klassizismus zuzurechnen. Heute finden sich seine Bilder überwiegend in Baden-Württemberg, insbesondere in Stuttgart und Ludwigsburg sowie in Wien. Seine bekanntesten Werke sind das Portrait von König Friedrich I. von Württemberg und Katharina von Westphalen.

Gottlieb Schick (1776-1812), ein Vertreter des Klassizismus beurteilte den Maler jedoch eher feindselig. So unterstellte er ihm Betrügereien bei der Ernennung zum Hofmaler und Galeriedirektor, auch sah er sein Talent weit weniger entwickelt als das anderer klassischer württembergischer Maler, wie Hetsch, Eberhard Wächtler (1762-1852) oder Ferdinand Hartmann (1774-1842). Gottlob Heinrich von Rapp (1761-1832) erkannte, dass Seeles Genius insbesondere als Schlachtenmaler seine Stärke zeige.

Er bekam für seine Leistungen durch König Friedrich den Civilverdienstorden, der insbesondere als Ehrenzeichen für verdiente Beamten des jungen Königreichs gedacht war. Die Verleihung erfolgte nachdem er für den König einen lebensgroßen Ganymed für das Stuttgarter Schloss schuf. 

Abgesehen von einigen kleineren Reisen, so im Jahre 1808 nach München und Wien, wo er die Antike studieren wollte, verließ Seele die württembergische Residenzstadt Stuttgart nicht mehr.

Mit der aus Hasslach stammenden Margarethe Sandhaas (1771-1830) hatte er den unehelichen Sohn Carl Friedrich Sandhaas (1801-1859), der ebenfalls Maler wurde. Seine Ehe mit der Tochter eines Tänzers war zum Ende seines Lebens zerrüttet.

Johann Baptist Seele starb am 27.08.1814 in seiner Wahlheimat Stuttgart.

Werke:

  • Der Rückzug der Franzosen, um 1796 [Radierung, koloriert]
  • Avancier des Autrichiens - Abmarschbereite östererreichische Soldaten, 1797 [Öl auf Karton, 31×46 cm]
  • Der Übergang der Russen über die Teufelsbrücke, 1799
  • Porträt Erzherzog Karl, 1800 [Öl auf Leinwand, 88×75 cm]
  • Rückkunft von Dragonern von der Nahrungsmittelbeschaffung (vom Fouragieren). Originaltitel: Retour du Fouragement des Autrichiens, um 1800 [Öl auf Holz, 31×22 cm]
  • Familienporträt Justizrat Johann Friedrich Zeller mit seiner Frau und drei Kindern, 1804 [Ölmalerei]
  • Österreichische Husaren auf Vorposten, um 1805 [Öl auf Holz, 28×40 cm]
  • Schlacht an der Donau bei Aspern, 1809, 1809 [Öl auf Leinwand, 200×170]
  • Porträt König Friedrich I. von Württemberg, um 1806/1808 [Öl auf Leinwand, 224×150 cm]
  • Brautbild der Katharina von Württemberg, um 1807 [Öl auf Leinwand]
  • Das Festinjagen (Dianenfest) bei Bebenhausen, um 1813/14 [Öl auf Leinwand]
  • Porträt Louis-Guillaume Otto, comte de Mosloy, 1809

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