Karl Gottlieb Horstig

* 03.06.1763 in Reinswalde bei Sorau in der Niederlausitz
† 21.01.1835 in Miltenberg/Oberfranken

Karl Gottlieb Horstig wurde am 03.06.1763 in Reinswalde bei Sorau in der Niederlausitz geboren. Seine Eltern waren Johann Georg Horstig (1694-1779) und seine zweite Frau Anna Rosina Güttner, die er im Jahre 1760 heiratete.

Nach dem Theologie-Studium in Leipzig wurde er im Jahre 1787 zunächst Pfarrer in Eulo bei Forst in der Niederlausitz. Im Jahre 1792 folgte er einem Ruf nach Bückeburg, wo er später das Amt eines Oberpredigers und Superintendenten sowie Scholaren wahrnahm. Ein Anfall von Geisteskrankheit, der ihn während der Predigt auf der Kanzel traf, nötigte ihn jedoch seinen Abschied zu nehmen.

Auf einer Reise mit seiner Frau Nina d’Aubigny von Engelbrunner im Jahre 1803 nach Frankreich, England und Holland veröffentlichte er seine Reiseerlebnisse in dem Buch »Reise nach Frankreich, England und Holland, zu Anfang des Jahres 1803 gemacht und beschrieben«. Auf dieser Reise traf man mit Jens Baggesen, Friedrich Schlegel und auch Johann Heinrich Pestalozzi zusammen. Während des Aufenthalts in England traf die Reisegesellschaft, die um die Schwägerin title="Engelbrunner, Emilie d’Aubigny von">Emilie d’Aubigny von Engelbrunner vergrößert war, auch mit Henry Cavendish, Benjamin West und Charles Burney zusammen.

Im Jahre 1803 zog Horstig nach Heidelberg und später ließ er sich in Miltenberg/Oberfranken nieder.

Der Fürst von Leiningen erhielt die Mildenburg im Jahre 1803 als er ehemalige kurmainzerische Gebiete übernahm. Doch blieb dieser nicht lange dort wohnen sondern siedelte nach Amorstadt über. So konnte Horstig die Burg am 01.08.1808 von Emrich Carl von Leiningen erwerben. Dieser Wohnsitz blieb nun bis zu seinem Lebensende ein Ort des Schutzes und des Trostes. Der bayerische König Ludwig besuchte den Pädagogen im Jahre 1834 auf seinen Besitz.

Der Theologe war ein gelehrter und vielseitig gebildeter Mann, der auch schriftstellerisch tätig wurde. Seine bedeutendste pädagogische Schrift »Die Religion der Bibel« erschien im Jahre 1826 in Gotha.

Er interessierte sich auch für die von Frankreich und England kommende stenographische Bewegung und entschloss sich auch eine deutsche Kunstschrift zu entwickeln. Bereits vor ihm veröffentlichte Friedrich Mosengeil (1773-1839) eine deutsche Kurzschrift.

Im Jahre 1797 veröffentlichte er seine »Erleichterte deutsche Stenographie«, die erfolgreich verkauft wurde. Bereits im folgenden Jahr erschien eine zweite verbesserte Auflage. Horstigs System lehnte sich eng an die französischen und englischen Systeme an. Hierbei wurden die Zeichen vorteilhaft verteilt ohne das es ihm gelungen ist, diese auch leicht lesbar zu machen.

Auch das Kapitel über Abkürzungen war als durchaus verfehlt zu bezeichnen. Auch spätere Bearbeiter wie zum Beispiel Leichtlen (1791-1830), der Pfarrer Heim (1789-1850) oder Dr. Thon (1792-1838) sowie schließlich auch Professor Ineichen (1792-1881) vermochten diese Schwächen jedoch nicht auszugleichen.

Entgegen seinem schwer zu erlernenden System einer deutschen Kurzschrift setzte sich später das von Gabelsberger (1789-1849) und Stolze (1798-1867) entwickelte System flächendeckend durch.

Im Jahre 1801 veröffentlichte er zusammen mit Christian Valentin Ulrich von Ulmenstein das »Westphälische Taschenbuch«. Noch war das Taschenbuch als literarische Form in den Kinderschuhen. So griffen die Herausgeber im Vorwort pointiert die sprichwörtliche westfälische Kunstmissachtung auf:

Aus Westfalen kommst du, dem Lande der Schinken und Würste?
Armes Taschenbuch, du!
Wie wird es dir wohl ergehen?
Kann aus Westphalen, dem feisten und wohlernährten Lande,
Etwas kommen, was noch mehr als Körper verspricht?
Sind da die Menschen auch Mensch?
Sind’s nicht vielmehr Trogloditen,
Ichhyophagen und wie sonst man die Untiere nennt
Die an den Ufern der Seen Noräste und Sümpfe durchwaten,
Oder in Hütten versperrt, dulden den schrecklichsten Qualm,
Gleich den Wilden am Feuer sich braten,
lebendig sich räuchern,
Und auf Klumpen von Holz wandeln durch grundlosen Moor?
Hat nicht Hoche uns do die Saterländer beschrieben?
Und ist Friesland nicht auch von Westphalen ein Theil?
Jenes Land, wo die Ochsen und Kühe so trefflich gedeihen,
Daß der Nachbar sie sich öfter als Bücher verschreibt.
Läuft der bescheidne Strom der Weser nicht auch durch Westphalen,
Der keinen einzigen Verse einer Xenie gönnt?
Haben nicht Voltaire und Bar mit unerbittlicher Strenge
Ewigen Fluch und Bann auf Westphalen gelegt?
Dreimal seliges Land, schon jetzt beglückt und gesegnet,
Doch beglückender dereinst, wenn du dein Glück recht erkennst,
Neid den glänzenden Reichtum nicht den benachbarten Ländern,
Glänzender ist er zwar, aber größer doch nicht...
Gehe denn, Büchlein! erzähle dem forschenden Ohre des Lesers,
Daß bei Westphälingern auch Glück und Zufriedenheit wohnt!

Im Jahre 1795 ging Karl Gottlieb Horstig die Ehe mit der Schriftstellerin Nina d’Aubigny von Engelbrunner (1770-1847) ein. Seine Gattin war als Erzieherin des Kinder von Juliane von Schaumburg-Lippe tätig und unterrichtete auch den Enkel Johann Christoph Friedrich Bachs (1732-1795) im Musizieren. Auch als Sängerin präsentierte sie ihr Können bei manch öffentlichem Auftritt.

Karl Gottlieb Horstig starb am 21.01.1835 im oberfränkischen Miltenberg im Alter von 72 Jahren. Er wurde acht Tage später beigesetzt. Noch bis zum Jahre 1856 blieb die von ihm erworbene Burg im Familienbesitz. Im Burghof erinnert heute ein Gedenkstein an den Pädagogen und ersten privaten Burgbesitzer des Ortes.


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