EPOCHE NAPOLEON


von der Bastille bis Waterloo

Johann Christoph Adelung

* 08.08.1732 in Spantekow/Anklam
† 10.09.1806 in Dresden

Johann Christoph Adelung (1732-1806) war deutscher Sprachforscher, der dass erste große Standardwerk zur deutschen Grammatik schuf.
Johann Christoph Adelung (1732-1806)

Johann Christoph Adelung wurde am 08.08.1732 im pommerschen Spantekow geboren. Der Vater war der örtliche Pfarrer Johann Paul Adelung. Seine Schwester Christiane Sophie Adelung war mit Johann Friedrich Sprengel (1726-1808) verheiratet und Mutter des Botanikers Kurt Sprengel (1766-1833).

Er besuchte die Gymnasien zu Anklam und Klosterbergen - wo er Wieland kennenlernte - ehe er an der Universität von Halle Theologie studierte. Halle entwickelte sich in jener Zeit zu einem Zentrum des Pietismus und durch Christian Thomasius und Christian Wolff zu einem Zentrum der frühen Aufklärung.

Der Theologe Siegmund Jakob Baumgarten (1706-1757) war in dieser Zeit sein Lehrer. Für diesen war er zugleich auch als Bibliothekar tätig. Auch band sein Lehrer Baumgarten den Studenten in seine Arbeit als Übersetzer ein. Er wirkte insbesondere an Übersetzung der »Allgemeinen Welthistorie die England durch eine Gesellschaft von Gelehrten ausgefertigt wurden« mit. Adelung blieb Baumgarten zeitlebens eng verbunden.

 

Am 11.12.1756 war Adelung mit sieben Mitstreitern an der Stiftung der Hallenser Loge »Philadelphia« beteiligt, dessen Sekretär er am folgenden Tage wurde. Die Loge erhielt die Bewilligung durch den preußischen Generalfeldmarschall und Gouverneur von Berlin Lord Jacob von Keith, der zugleich Provinzialgroßmeister der nordischen Logen war, höchstpersönlich. Dieses Amt übte er bis zum April des folgenden Jahres aus. Weitere Aktivitäten im Umfeld der Freimaurer sind von ihm nicht bekannt und in seiner »Geschichte der menschlichen Narrheit« scheint er diese Phase jedoch als menschlichen Fehltritt zu verstehen.

Ob und wann er ein Abschlussexamen abgelegt hat ist jedoch nicht bekannt. Studenten der Universität zu Halle hatten das Privileg, auch ohne Examen als Pfarrer wirken zu dürfen. Von 1759 bis 1761 war Adelung Professor am evangelischen Gymnasium zu Erfurt. In seiner Erfurter Zeit gehörte er auch der »Kurfürstlich Mainzischen Akademie nützlicher Wissenschaften« an und schuf seine erste selbstständige Übersetzung eines politisch-historischen Werks »Nouveau traité de diplomatique«. 1761 wechselte er auf Grund religiöser Streitigkeiten von Erfurt nach Leipzig, wo er sich literarischen Studien widmete. 1761 wechselte er auf Grund religiöser Streitigkeiten von Erfurt nach Leipzig, wo er sich literarischen Studien widmete.

 

Adelung war bereits seit 1757 im sehr großen Umfang als Schriftsteller und Autor tätig. Er veröffentlichte eine Vielzahl von zeitgeschichtlicher Schriften über die Epoche vom Regierungsantritt Friedrich II. im Jahre 1740 bis zum bayrischen Erbfolgekrieg 1778/79. Weiterhin veröffentlichte er zahlreiche Werke über Themen des menschlichen Wissens von der Diplomatik oder Metallurgie. Auch als Übersetzer englischer und französischer Geschichtswerke machte Adelung sich einen Namen. Zudem schrieb er noch viele Jahre als Journalist für die »Leipziger politische Zeitung« und schrieb für das damit verbundene Allerlei. Selbst ein militärisches Taschenbuch wurde vom Vielschreiber Adelung herausgegeben. Er gilt als Begründer des »Weiße´schen Kinderfreunds« und redigierte noch 1785/86 für die »Leipziger Gelehrte Zeitung«.

Trotz seiner umfangreichen Tätigkeit gilt Adelung nur auf wenigen Gebieten als Gelehrter. So gilt er in mittelalterlicher Latinität (Zusätze zu seinem Kompendium des »Ducange, Glossarium manuale«, 1772-1784) sowie in Gelehrtengeschichte (er setzte den »Jöchner« von 1784-1787 fort) und aus dem Gebiete der Sprache gelten. Er ist aber bei allem eher Sammler und Ordner als Forscher. Er war auch in der Lage gute Lehrbücher abzufassen. So erlebte sein Lehrbuch »Unterweisung in den vornehmsten Künsten und Wissenschaften« aus dem Jahre 1771, das bestimmt war für niedere Schulen, mehrere Auflagen und wurde Grundlage für sein Werk »Kurzer Begriff menschlicher Fertigkeiten« (1780-1781), das an Realschulen eingesetzt wurde. Aus diesem Werk wurde später - als selbstständige Ausgabe - »Geschichte der Kultur«. In seinem Buche fasst Johann Christoph Adelung nur zusammen, forderte aber gleichzeitig, dass diese allgemeine Kulturgeschichte auch die Grundlage für die Welt- und Religionsgeschichte sein solle. Durch dieses Werk erhält er eine besondere Stellung in der deutschen Aufklärung.

Ab 1774 widmete er sich verstärkt der deutschen Sprache. So veröffentlichte er zwischen 1774 und 1786 das »Gramatisch-kritisches Wörterbuch der hochdeutschen Mundart«. Weitere Werke wie »Deutsche Sprachlehre für Schulen, zunächst für die preußischen« (1781), »Umständliches Lehrgebäude« (1782), eine »Stylistik« (1785/86) sowie das »Magazin für die deutsche Sprache« (1783/84) ergänzte als rechtfertigende und erläuternde Zeitschrift sein sprachwissenschaftliches Werk.

Besondere Bedeutung erlangte das »Gramatisch-kritische Wörterbuch der hochdeutschen Mundart« (1793 - 1802 in einer 2.Auflage erschienen) als erstes großes umfassendes Wörterbuch der deutschen Sprache. Bei der Sortierung der Einträge richtete sich Adelung nach der phonetischen Rechtschreibung. Es trug maßgeblich zu deren Standardisierung bei. Die darin aufgeführte Einteilung in Wortarten blieb bis heute unverändert.

Adelung prägte bis zur Reform der deutschen Rechtschreibung im Jahre 1996 dir Regeln zur Schreibung des »ß«., die durch die erste Rechtschreibreform anno 1901 für alle Schulen und Ämter im deutschsprachigen Raum verbindlich wurde. Sein unangefochtener Verdienst ist es, das erste große Wörterbuch der deutschen Sprache zusammengestellt und veröffentlicht zu haben.

Ab 1787 ging er als Hofrat und Oberbibliothekar nach Dresden. Im Jahre 1793 übertrug Kurfürst Friedrich August III. dem Germanisten die Verantwortung für seine Privatbibliothek in Dresden. Noch im Jahre 1805 bat er seine Nichte, die Schriftstellerin Friederike Adelung ihn den Haushalt zu führen. Er starb dort am 10.09.1806 im Alter von 74 Jahren.

Werke:

  • Grammatisch-kritisches Wörterbuch der hochdeutschen Mundart,.Leipzig 1774-86
  • Geschichte der menschlichen Narrheit, oder Lebensbeschreibungen berühmter Schwarzkünstler, Goldmacher u.a., 1785-99
  • Kleines Wörterbuch für die Aussprache, Orthographie, Biegung und Ableitung, Leipzig 1788
  • Directorium diplomaticum., 1802
  • Glossarium manuale ad scriptores mediae et infimae latinitatis., Halle 1772-84, ein Auszug aus Dufresne und Charpentier mit vielen eignen Zusätzen.
  • Deutsche Sprachlehre für Schulen, 1781
  • Umständliches Lehrgebäude der deutschen Sprache, 1782
  • Über den deutschen Stil, 1785-86
  • Anweisung zur Orthographie, 1788
  • Magazin für die deutsche Sprache, 1782-84
  • Mithridates, oder allgemeine Sprachenkunde, 1806 [Fortgesetzt und vollendet von Johann Severin Vater]

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