EPOCHE NAPOLEON


von der Bastille bis Waterloo

Guiseppe Acerbi

* 03.05.1773 in Castel Goffredo
† 25.08.1846 in 
Castel Goffredo

Giuseppe Acerbi (1773-1846) war ein war ein italienischer Forschungsreisender, Schriftsteller und österreichischer Konsul in Ägypten. Er begleitete die Expedition Rosselinis und Champolions nach Oberägypten.
Giuseppe Acerbi (1773-1846)

Acerbi wurde am 03.05.1773 in der italienischen Stadt Castel Goffredo bei Mantua geboren. Er studierte zunächst an der Universität zu Mantua und schloss dann ein rechtswissenschaftliches Studium in Pavia im Jahre 1796 ab.

Da er aus einer wohlhabenden Familie stammte, konnte er nach seinem Studium eine sehr umfangreiche Reise durch Nordeuropa antreten. Er bereiste zunächst Deutschland und traf auch mit Klopstock zusammen. Beide Männer sollte eine langjährige Freundschaft verbinden.

Im Jahre 1798 ging er über Dänemark nach Schweden. Er war der erste Italiener, der die Route zum Nordkap bewältigte. Diese Route galt zu jener Zeit selbst im Sommer für unüberwindlich. Doch in Begleitung des schwedischen Malers Skjöldebrand reiste er von Helsingborg durch Südschweden in Richtung Stockholm. Dann setzte er seine Reise nach Upsala, Abo und schließlich durch Finnland bis zum Nordkap fort, wo er im Juli 1799 eintraf.

Seine Reise führte ihn schließlich nach England. Dort nutzte er die Zeit zur Abfassung seines Reiseberichts zum Nordkap.

Im Jahre 1802 veröffentlichte er unter dem Titel »Travels through Sweden, Finnland, Lappland« seinen zweibändigen Reisebericht aus den Jahren 1798/99 in englischer Sprache. Auf seiner Reise interessierten ihn die durch das nördliche Klima geprägten Eigenheiten der skandinavischen Länder sowie die Lebensweise der Bevölkerung. Hier legte er große Aufmerksamkeit auf die ethmographische Beschreibung der Lappen und Finnen. Die deutsche – leicht gekürzte - Übersetzung stammte von Christoph Martin Wieland und erschien bereits im folgenden Jahr. Beim Publikum stieß sie jedoch auf Kritik.

Acerbi ging nach seinem Englandaufenthalt nach Paris und verweilte zunächst in der Seinestadt. Er trat in jener Zeit auch in die diplomatische Gesandtschaft der Italienischen Republik unter der Leitung Ferdinando Marescalchi.

Hier nutzte er die Zeit, seinen Reisebericht durch Petit-Radel ins Französische zu übersetzen. Erst viel später erschien eine Ausgabe in italienischer Sprache.

Doch nachdem sich die schwedische Regierung über vermeintliche anti-schwedische Passagen in Acerbis Reisebericht beschwerte, kam es zu Durchsuchungen und Beschlagnahme von Dokumente. Schließlich führte diese Beschwerde auch zur Verhaftung des Autors, obwohl dieser als Diplomat akreditiert war.

Als Folge des Skandals zog er sich in seine Vaterstadt Castel Goffredo zurück, wo er ein sich auf seinen Besitz zurückzog. Er lebte bis zum Ende des Königreichs Italien in Abgeschiedenheit.

Nach dem Untergang des Königreichs Italien ging Acerbi nach Wien um dort seine diplomatische Laufbahn fortzusetzen. Zunächst wurde er zum österreichischen Konsul in Lissabon ernannt.

Im Jahre 1816 begründete der Schriftsteller in Mailand die »Biblioteca italiana«, die er auch bis zum Jahre 1826 selbst führte und dann an Gironi, Bibliothekar der Mailänder Brera, übergab. Es handelte sich hierbei um eine durch die österreichische Regierung in Mailand initiierte Kulturzeitschrift. Hier entstanden auch zahlreiche Verzeichnisse über italienische Literatur aus seiner Feder. Hiermit gelang es ihm zu den überalterten Vorstellungen der Akademie della Crusca eine Gegenposition entgegenzustellen.

Zu den Mitarbeitern der Zeitschrift gehörten Vincenzo Monti (1754-1828), Pietro Giordani (1774-1848), Carlo Botta (1766-1837), Antonio Cesari (1760-1828), Giulio Perticari (1779-1822), Gian Domenico Romagnosi (1761-1835), Melchiorre Gioia (1767-1829), Silvio Pellico (1789-1854), Vittorio Barzoni (1767-1843), Paride Zajotti (1793-1843) und Giambattista Brocchi (1772-1826).

Für Österreich war er als k.k. Generalkonsul in Ägypten tätig. In Alexandria, wo sein Amtssitz war, sammelte er auch zahlreiche Naturalien und Altertümer der alten ägyptischen Kultur, die er später der Universität zu Padua schenkte. Auch die Bestände der Museen in Mailand, Pavia und Wien wurden durch Stücke seiner Sammlung erweitert. Er wurde im Jahre 1834 von diesem Posten abberufen.

In den Jahren 1828/29 begleitete der Schriftsteller und Diplomat die archäologische Expedition von Ippolito Rossellinis (1800-1843) und Jean-François Champollions (1790-1832) nach Oberägypten. In dieser Zeit erwarb er auch zahlreiche archäologische Funde, die heute noch im Museum Palazzo del Te zu sehen sind. Seine Aufzeichnungen dieser Reise konnte er jedoch zu Lebzeiten nicht mehr veröffentlichen.

Zwischen 1834 und 1836 war er nochmals für die österreichische Regierung tätig. Er war als Berater der Regierung in Venedig angestellt und entschloss sich im Jahre 1836 auf sein Gut La Palazzina bei Castel Goffredo zurück.

Bis zu seinem Tode beschäftigte er sich weiterhin mit naturwissenschaftlichen Fragestellungen. In jener Zeit kümmerte er sich um die Erforschung von Seidenraupen. Giuseppe Acerbi starb am 25.08.1846 in seiner Geburtsstadt Castel Goffredo in der Nähe Mantuas.

  • Travels through Sweden, Finland and Lappland, to the North Cape, in the years 1798 and 1799. London, 1802
  • Studj e lavori fatti in Egitto intorno la spiegazione de' geroglifi da' viaggiatori e principalmente dalla Commissione franco- toscana sotto la direzione del celebre M. Champollion minore. In: , scienze ed arti. Tomo LVI. Milano 1829.
  • Descrizione della Nubia e dell'Egitto monumentale secondo le scoperte del sig. Vhampollion. In: In: Bibliotheca italiana (wie vor), Tomo LIX, Milano 1830.
  • Materiali per servire ai progressi della geografia dell'Africa centrale. 1840

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