EPOCHE NAPOLEON


von der Bastille bis Waterloo

Marie Louise von Habsburg

* 12.12.1791 in Wien
† 17.12.1847 in Parma

Marie Lousie von Habsburg (1791-1847) war die zweite Gemahlin Napoleon I. und Mutter des Königs von Rom. Durch den Wiener Kongress wurde ihr das Herzogtum Parma, Piacenca und Guastalla auf Lebenszeit zugewiesen.
Marie Lousie von Habsburg (1791-1847)

Am 12.12.1791 wurden dem österreichischen Thronfolger Franz und seiner Gemahlin Marie Therese von Neapel-Sizilien eine Tochter geschenkt, die auf den Namen Marie Louise Leopoldine Franziska Theresia Josepha Lucia hörte. Sie trug den Titel einer »Kaiserlichen Prinzessin und Erzherzogin von Österreich«.

Der österreichische Hof legte auf die Bildung der Erzherzogin keinen großen Wert, wichtiger war es, das sie Würde und Anstand lernte um in der Welt auftreten zu können. Sie zeigte Interesse für Kunst und neben Zeichnen spielt sie auch Klavier. Sie wächst in einer fast bürgerlichen Milieu auf, obwohl man ihr immer wieder erklärte, das die erste Pflicht der Gehorsam gegenüber ihren Eltern sei. Sie liebte ihren Vater sehr, was in vielen hundert Briefen bekundet ist. Im Alter von 15 Jahren starb ihre Mutter bei der Geburt des 13. Kindes im Kindbett.

Um die im Jahre 1809 drohende komplette Vernichtung des österreichischen Kaiserreichs zu verhindern entschloss sich Kaiser Franz I. seine älteste Tochter mit Kaiser Napoléon zu verheiraten. Vermutlich auf Initiative des österreichischen Botschafters in Paris Clemens von Metternich werden Heiratspläne geschmiedet. Napoléon hat seine Braut bisher nur auf Gemälden und Portraits gesehen.

Im März 1810 heiratete Marie Louise zunächst aus Gründen der Staatsräson den französischen Kaiser. Aus ihrer inneren Abneigung entwickelte sich im Laufe der Beziehung eine innige Zuneigung der beiden Ehegatten. Mit der Hochzeit verzichtete sie auf ihren Titel einer Erzherzogin von Österreich und wurde Kaiserin von Frankreich.

Napoléon vernachlässigte in dieser Zeit seine Staatsgeschäfte, schrieb viele liebevolle Briefe an seine Gemahlin und bemühte sich, ihr Zerstreuung und Ablenkung zu verschaffen. In die Staatsgeschäfte bezog er sie nicht ein. Am 20.03.1811 war es endlich soweit - der lang ersehnte Stammhalter Napoléons erblickte das Licht der Welt. Die Geburt Napoléon Franz Joseph Karl - der spätere Napoléon II. - erwies sich jedoch als nicht ganz einfach, das das Kind falsch lag. Als zwischendurch nicht klar war, ob man Mutter und Kind retten konnte, entschied sich Napoléon für seine Gattin.

Nach dem Russlandfeldzug im Jahre 1812 wurde Marie Louise Regentin von Frankreich, Napoléon führte derweil Krieg in Deutschland. Da sie jedoch nicht über die Fähigkeiten einer Regentin verfügte, regierten eigentlich ihre Berater. Im Sommer 1813 erklärte Österreich, Frankreich den Krieg und der geliebte Vater, der österreichische Kaiser Franz I. wendet sich gegen ihren geliebten Ehemann. Sie stand jedoch fest an der Seite Napoléons.

Als im Frühjahr 1814 die alliierten Truppen vor Paris stehen entscheidet sie sich, entsprechend dem Befehl Napoléons abzureisen und verspielte damit die Einzige Chance ihres Sohnes auf den Throne Frankreichs. Nach der Abdankung des Kaisers wird sie von der provisorischen Regierung Frankreichs gezwungen ihren Privatbesitz abzugeben. Sie ist unentschlossen und folgt aus Angst Napoléon nicht in die Verbannung. Kaiser Franz I. von Österreich befahl ihr zusammen mit dem kleinen Napoléon Franz Joseph Karl, nach Wien zu reisen. Sie wird Ehemann Napoléon nicht mehr wieder sehen.

Durch den Vertrag von Fontainebleau wurden ihr die Herzogtümer Parma, Piacenza und Guastallla, die ihr Napoléon bei der Hochzeit geschenkt hatte, zugewiesen. Im Sommer 1814 unternimmt sie - ihr Sohn muss in Wien bleiben - zusammen mit dem Grafen Adam Albert von Neipperg eine Reise nach Aix. Graf Neipperg sollte sie bewachen und beschützen und zugleich über ihr Verhalten nach Wien berichten. Auf dieser Reise verliebte sich Marie Louise in den tapferen und verheirateten Grafen Neipperg. Im Frühjahr 1816 erlaubte der Hof in Wien Marie Louise die Reise nach Parma anzutreten. Von dieser Zeit an sieht sie ihren erstgeborenen Sohn Napoléon II. nur noch sehr selten. So kam sie im Jahre 1832 auch zu spät an sein Krankenbett. Der Wiener Hof hatte sie falsch informiert.

Zusammen mit Graf Neipperg führte sie im Herzogtum Parma die Staatsgeschäfte. 1817 wurde die Tochter Albertine geboren und Wilhelm Albrecht folgte im Jahre 1819. Die Kinder leben in der Nähe des Schlosses, doch bekennt sich Marie Louise nicht zu ihnen. 3 Monate nach dem Tode Kaiser Napoléons auf St. Helena im Mai 1821 heiratete sie den Grafen Neipperg und schenkte im folgenden Jahr noch eine Tochter Mathilde das Leben. Sie lebten im Parma ruhig und beschaulich. Ihr zweiter Gemahl Graf Neipperg starb am 22.02.1829.

Im Jahre 1831 brach auf Grund der Härte und Intoleranz des Ministers Werklein in Parma eine Revolution aus. Marie Louise war zu keinen Kompromissen bereit gewesen und bat Österreich um Hilfe. Nach ihrer Flucht stellte das österreichische Militär die Ruhe im Lande wieder her und die Herzogin konnte zurückkehren.

Nach dem TodeNeippergs ging Marie Louise - die sich einsam fühlte - mehrere Liebschaften ein. Dies führte zu Skandalen, da diese Liebhaber weit unter ihrem Stande waren. So hatte sie Affären mit einem Hauslehrer, dem Tenor Locomte und den herzoglichen Kammerherren Sanvitale. Dieser heiratete im Jahre 1833 die erst 15jährige Tochter Albertine. Als im August Charles-René Graf von Bombelles in Parma eintrifft, um als Obersthofmeister und Minister in Parma die Geschäfte zu führen, fand sie ihn im ihren 3. Ehemann. Sie führte ein ruhiges und einfaches Leben in Parma.

Im Alter von 56 Jahren starb Marie Louise in Parma. In Frankreich hat sie bis zum heutigen Tage noch einen schlechten Ruf, der sicherlich darin begründet ist, das sie Napoléon 1814 nicht in die Verbannung folgte.

Letzte Änderung der Seite: 07. 09. 2017 - 22:09