EPOCHE NAPOLEON


von der Bastille bis Waterloo

Leopold Bleibtreu

* 23.03.1777 in Neuwied
† 11.09.1839 in Bonn

Leopold Bleibtreu (1777-1839) war Angehöriger des Siebengebirgischen Landsturms, der im Jahre 1814 die Polizeigewalt in Bonn sicherstellte. Er hatte großen Anteil, dass nach dem zweiten Pariser Frieden die Saar an Preußen fiel. Er war Begründer der Alaum-Industrie im Bonner Raum.
Leopold Bleibtreu (1777-1839)

Leopold Bleibtreu wurde am 23.03.1777 als Sohn von Carl Philipp Bleibtreu (1746-1812) und dessen Ehefrau Sara Bolckhaus (1745-1810), der Tochter des Kölner Kaufmanns Jacob Bolckhaus. Der Vater betrieb seit dem Jahre 1773 mit seinem Bruder eine Woll- und Baumwollspinnerei in Neuwied. Die Familie Bleibtreu siedelte sich im Jahre 1752 in Neuwied an.

Nachdem Schulbesuch, bei der er insbesondere Sprachen erlernte, arbeitete Leopold Bleibtreu zunächst im Betrieb seines Vaters. Im Jahre 1792, als der Vater die Versorgung der alliierten Truppen übernommen hatte, begleitete der 15jährige Leopold diesen. Hierzu gehörte die Versorgung der französischen Emigranten unter dem Herzog de Provonce sowie preußische und österreichische Truppen während ihres Feldzuges in die Österreichischen Niederlande. Die Folgen des verlorenen Krieges bedeuteten auch für den Unternehmer Bleibtreu ein finanzielles Fiasko.

Im Jahre 1797 kauften sein Vater und dessen Schwager die Rheinbreitbacher Erzbergwerke, dessen Leitung im Jahre 1799 an Leopold Bleibtreu überging. Innerhalb kürzester Zeit konnte er das marode Werk wieder wettbewerbsfähig machen. Hier bewies er sich auch als sozial engagierter Unternehmer, der eine Knappschaftskasse einrichtete und die ärztliche Versorgung der Bergleute sicherstellte. Im Jahre 1801 wurde er, auf Wunsch des Fürsten von Wied zum Bergmeister des neu geschaffenen Bergamtes in Linz am Rhein. Sein älterer Bruder Abraham (1775-1852) übernahm nun die Leitung der familieneigenen Bergwerke.

Im Jahre 1804 erwarb Carl Philipp Bleibtreu die ersten Braunkohlegruben bei Hoholz und der Entdeckung von Alaun in der Kohle stellte sich Leopold Bleibtreu einer neuen Herausforderung. So versuchte er in langwierigen Experimenten aus schwefelkieslastiger und toniger Kohle Alaun zu gewinnen. Alaun wurde bis zu diesem Zeitpunkt überwiegend aus dem Ausland, meist Lüttich zu hohen Preisen importiert. Es fand als Hilfsmittel in der Tuchindustrie, Gerberei und Medizin Verwendung.

Zusammen mit den in Köln ansässigen Alaunhandelshaus Löhnis gründete er eine gemeinsame Alaunhütte in der Hardt bei Oberkassel. Bei Holzlar errichtete man 1809 eine Alaunhütte und unter der Firmierung »Leopold Bleibtreu und Consorten« folgten weitere Alaunhütten und Gruben erworben. Es gelang ihm so, die preußische Textilindustrie von ausländischen Alaun unabhängig zu machen.

Bis in die 1860er Jahre war der Abbau der Kohle in diesem Gebiet durch die Alaunproduktion rentabel. Mit dem Aufkommen günstigeren Alauns aus anderen Grundstoffen sank die jährliche Produktion schlagartig und wurde Mitte der 1870er Jahre ganz eingestellt.

Als im Herbst 1813 die Alliierten Truppen an den Rhein kamen, trat auch Bleibtreu in die Abteilung Villach in den Landsturm vom Siebengebirge ein. Ziel dieses Landsturms war es den Schutz vor Marodeuren zu gewährleisten. Die Französische Armee war in Auflösung begriffen und russische Kosaken und andere Banden sorgten in jenen Tagen bei der Bevölkerung für Unsicherheit und Unruhe So diente dieser etwa 600 Mann starke Landsturm zur Abschreckung und Aufrechterhaltung der Polizeigewalt. Im Folgejahr übernahm er diese Aufgabe auch in Bonn. Am 14.01.1814 überschritt er mit 100 Freiwilligen den mit dicken Eis bedeckten Rhein und besetzte das Rathaus und sandte Patrouillen ins Umland aus. Der russische General Jusefowitsch, der den flüchtenden Franzosen folgte, bestätigte ihn als Platzkommandanten. Eine Stelle als Offizier in der russischen Armee, die der General ihm anbot, lehnte er jedoch ab.

Im Auftrag des Generalgouverneurs des Bergischen Landes, Justus von Gruner reiste er sowohl in militärischen als auch Bergwerksangelegenheiten ins Saarland. Als er im Saarland eintraf, fand er auch eine etwa 500 Mann starke russische Bedeckung der Vorratslager vor, deren Offizier jedoch schwer erkrankt war und so nicht in der Lage war, das Kommando auszuüben. Er vereitelte einen französischen Angriff durch geschickte Verteidigungsmaßnahmen.

Als nach dem ersten Pariser Frieden 1814 das Saarland an Frankreich fallen sollte, stieß das auf Ablehnung bei den Menschen. In einer Ansprache forderte er von den Saarländern jedoch Geduld und versprach sich für die Sache des Saarlandes einzusetzen. Er trug dies sogleich bedeutenden deutschen Fürsten vor und verwies auch auf die entsprechenden Bodenschätze des Landes. Er hatte mit seinen Bemühungen Erfolg und im zweiten Pariser Frieden wurde das Saarland preußisch. Er nahm nach seiner Rückkehr in den Bonner Raum keine öffentlichen Ämter mehr wahr. Hierzu vermerkte er in seinem Tagebuch:

Beim ersten Ausritt auf den Gebirgshöhen der Hardt, wo meine Berg- und Hüttenwerksanlagen in einem weiten Gesichtskreis sich dem Auge anmutig darstellten, schwor ich, diese Anlagen zum Wohle der Meinigen und meiner Mitmenschen, die davon leben, nicht mehr zu verlassen.

Die Große Goldene Medaille der Tapferkeit am St. Georgenbande wurde ihm im Jahre 1815 durch den russischen Zaren Alexander verliehen.

1815 bezog die Familie Bleibtreu von Villach ins ehemalige Kloster Pützchen. Im Jahre 1825 kaufte Leopold von Bleibtreu das Grundstück.

Ernst Moritz Arndt, der Dichter der Befreiungskriege, beschrieb Bleibtreu mit folgende Worten: »Ein Mann mit einem Löwengesicht und mit einem Löwenherzen.«

Im Jahre 1830 gründete er das Gut Großenbusch, das neben der Familie auch einen Teil seiner Belegschaft mit Lebensmitteln versorgte. Darüberhinaus besaß er umfangreiche Waldungen und Heidegebiete, die er mit Rückständen seiner Industrieanlagen düngte.

Er gehörte sowohl den Freimaurern als auch dem Illuminatenorden in Neuwied an. Darüber hinaus war er auch Mitglied einiger naturforschender, landwirtschaftlicher und mineralogischen Gesellschaften.

Er war auch schriftstellerisch tätig und veröffentlichte »Denkwürdigkeiten aus dem Kriegsbegebenheiten bei Neuwied von 1792 bis 1797 in übersichtlichen Zusammenhang mit gleichzeitigen Kriegsereignissen in den Rhein- und Niederlanden« Aufzeichnungen über die Zeit der Revolutionskriege im Rheinland. Das Buch erschien im Jahre 1834 im Verlag Georg in Bonn. Im Jahre 1988 erschien ein erweiterter Nachdruck der Erstausgabe von 1834.

Leopold Bleibtreu ging am 06.03.1807 die Ehe mit Anna Maria Ackermann aus Biberach ein und gemeinsam schenkte das Paar 12 Kindern das Leben. Dear wohl bekannteste Sohn des Paares war spätere Chemiker und Erfinder des Portlandzements, Hermann Bleibtreu (1821-1881). Er galt als liebevoller Familienvater.

Leopold Bleibtreu starb am 11.09.1839 im Kloster Pützchen bei Bonn und fand seine letzte Ruhestätte auf dem Evangelischen Friedhof in Holzlar. In einer zeitgenössischen Quelle heißt es:

»Viele Freunde und zahlreiche Landsleute bildeten einen an tausend Menschen zählenden Leichenzug. Sie gaben Zeugnis, dafür, in welcher Achtung er bbei den Einwohnern der Umgebung gestanden hat. […] Die zahlreiche Knappschaft in Grubenkitteln, verstärkt durch die Bergleute des benachbarten Unternehmens Jäger marschierten mit ihren Keilhauern vor, neben und hinter dem Wagen; voran wurde die Fahne des Vilicher Landsturmbataillons getragen.«

Noch heute erinnert ein großes gusseisernes Kreuz an ihn und seinen Sohn Carl. In Niederholtorf erinnert eine Straße an den Bergwerks- und Fabrikbesitzer.

  • Bergmännische Nachrichten über den Bleyberg im Rördepartement, 1810
  • Denkwürdigkeiten aus dem Kriegsbegebenheiten bei Neuwied von 1792 bis 1797 in übersichtlichen Zusammenhang mit gleichzeitigen Kriegsereignissen in den Rhein- und Niederlanden, 1834

Letzte Änderung der Seite: 15. 10. 2017 - 14:10