Meinem Münchhausen zum Denkmal

Bona, iusta, honesta, decora, utilia,
omnia eadenm virtus.

 

Vielleicht blickt jezt dein Engel auf mich nieder
Von seinem Stralenweg, und sieht,
Wie meine Seele Hochgefühle glüht
Und flüstert Dirs im stillen Lüftchen wieder.

Wie ich an unsers guten Gellerts Grabe,
Auf meinen Knotenstab gelehnt;
Und seelig in Betrachtung hingedehnt
Mich an der Liebenswürdigkeit des Todten labe;

Wie ich auf seinen Stein mein Auge senke,
Und wie in tiefer Andacht Glut
Auf meiner Wimper eine Thräne ruht,
Und wie ich dann ein Lied der Freundschaft denke.

So wahr ich lebe, Freund, und hier am Staube
Des gröten Menschenfreundes steh,
Und froh in Sternenregionen seh,
So wahr ich an den Werth der Tugend glaube:

Mein Herz zwar hart und arm, doch gut und bieder,
War einst so folgsam, als du mir
Am Felsen riefst, und sendet jetzo Dir
Dein Echo aus der tiefsten Falte wieder.

Ich habe, liebster Freund, der Freunde wenig,
Der eine starb; der andre zog
In eine fremde Welt; der dritte log
Und war es nicht. So bin ich fast ein König.

Auf meine Stirne fiel geheimnisvolle
Zurückgezogenheit, und hielt
Mein Herz, wie man auf lose Waare schielt,
Voll Argwohn in dem tiefsten Menschengrolle.

Es giebt der Schurken zahlenlose Rotten,
Die listig aber mit Gewalt,
In mehr als tausendförmiger Gestalt
In Hütten und am Thron der Tugend spotten.

Die Bosheit rolet ungeheure Fluten,
Und was nicht diese niederziehn,
Zerflickt, zerbessertm und zerkünstelt kühn
Die Weisheit und die Grillerey der Guten.

Nun tadle mich, wenn ich in diesem Strauße
Nicht meine Lanze brechen will,
Und wohlbedachtsam, ruhig, stumm und still
Auf meinem Lager sitz in meiner Klauße.

Mein Herz ist enge, hat nicht Platz für viele.
Ich binde mich an keine Pflicht,
Die Freundschaft ist die größte, wenn ich nicht
Die Kraft in mir sie zu erfüllen fühle.

Wer mir mit Bonzenton den Glauben stärket,
Und wie aus einer Todtengruft
Den Bann mit der Verdammnis Stimme ruft,
Sobald er einen Schein von Zweifel merke;

Wer Tugend und die Vorsehen verlachte,
Wer mit des Witzes frechem Spott
Nur zum Gespenst des Pöbels seinen Gott
Und Volksreligion zum Hohne machet;

Wer glatt und schlüpfrig mit Kabale züngelt,
War nie noch werht, mein Freund zu seyn:
Wer Silberglätte schenkt für ächten Wein
Und mit den Schwüren wie mit Münze klingelt;

Wer seinen Werth in seiner Börse wieget,
Und wög' er Tonnen Goldes auf,
Wer in der feinsten Wollust gift'gen Lauf
Die Unschuld fängt und Unschuld dann betrüget;

Wer Unsinn von dem Recht des Stärkern redet
Und den Beweis am Degen trägt,
Wer die Vernunft mit Fluchen widerlegt,
Und seine Zeit durch dumme Wildheit tödtet;

Wer hinter einem alten Ahrenbaume
Sich Vetter Karls des großen fühlt,
Und auf die Undiplomten schielt,
Als wären sie nur von der Schöpfung Schaume.

Wer mit zwey Groschen noch in seinem Sacke
Dem alten Bettler der es wagt
Um Brod zu bitten, geht zum Teufel! Sagt,
Ist, trag er goldnen Kragen oder Jacke.

Ist mein micht werth; und wer mit leerer Stirne,
Wie ein Insekt des Lenzes hüpft,
Von Strauch zu Strauch, von Blatt zu Blatte hüpft,
Als sucht' er den Verlust von seinem Hirne.

Ist mein nicht werth; und wer den Dunst der Schule
Um seinen weißen Schädel webt
Und jeden Zweifel aus ser Wurzel hebt
Mit Hevreka von seinem großen Stuhle.

Verzeiht mir, mein Freund muß gut und bieder,
Muß hell von Kopf, von Herzen rein,
Wie eine Probe schweren Goldes seyn,
Ein Freund für alle seine Erdenbrüder.

Sie mögen sich in Ganges Fluten baden,
Sie mögen an des Jura Fuß
Die Ziegen hüten, an dem Platafluß
Den Köcher zu der Jagd mit Pfeilen laden.

Sein Wort steht fest wie tausend Eisenschrauben;
Sein Mund ist karg; sein Leben spricht
Dem Edlen Muth und Furcht dem Bösewicht,
Und ist der Kommentar zu seinem Glauben.

Herab vom Fürstensaal zur Bettlerhütte
Bricht er die Schaale von dem Mann,
Und steht, ob er den Kern genießen kann:
Wo Gute sind, ist er in seiner Mitte.

So Freund bist du, ich denke. Keine Kronen
Erkaufen von mir Schmeicheley.
Mein Herz ist gut, ist hart, ist stolz und frey;
Es werde Dein, kann es dem Deinen lohnen.

Der Bund bleibt ohne Schwur so lange feste,
Als Tugend in uns beyden schlägt,
Als Muth und Kraft uns ihre Wege trägt:
Und dieses alte Siegel ist das Beste.

Ha könnt' ich einst, ha könntest du es brechen
Das himmlische, das schöne Band,
Das nur die Tugend für die Tugend wand.
So möge Dich und mich der Himmel rächen.


Letzte Änderung der Seite: 06. 03. 2021 - 00:03

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