Kinder- und Hausmärchen 1812-1815

von Jacob und Wilhelm Grimm.

2. Band [1815]

53. Dat Mäken von Brakel

Et gink mal 'n Mäken von Brakel na de sünt Annen Capellen unner de Hinnenborg un weil et gierne 'n Mann heven wulle un ock meinde, et wäre süs neimes in de Capellen, sau sank et:

»O hilge sünte Anne!
help mie doch bald tom Manne,
du kennst 'n ja wull,
he wuhnt var'm Suttmer Dore,
hed gele Hore:
du kennst 'n ja wull!«

De Köster stand awerst hünner den Altare un höre dat, da rep he mit 'ner gans schrögerigen Stimme: »du kriggst'n nig! du kriggst'n nig!« Dat Mäken awerst meinde, dat Marienkinneken dat bie de Mudder Anne steiht, hedde üm dat to ropen, da wor et beuse un reip: »Pepperlepep, dumme Blae, halt de Schnuten, un lat de Möhme kühren (die Mutter reden).«

53. Dat Mäken von Brakel

(Aus dem Paderbörn.) St. Anna nämlich ist die Schutzpatronin von Brakel und ihre Capelle liegt nicht weit von der Stadt. Mudder ist aus dem Hochdeutschen herübergekommen, Möhme aber der gemeine Ausdruck. Man hat dort noch einen andern Spottvers:

O hilge sünte Anne,
help mie doch bald tom Manne!
O hilge sünte Viet,
et ist ietz de hogeste Tied!

St. Vitus ist der Schutzpatron des nahliegenden Corvei.


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