Programm der Tagung »Andreas Hofer - Ein Tourismusheld?«

»Andreas Hofer - Ein Tourismusheld?« Ist Thema eines Symposiums des Südtiroler Landesmuseums für Tourismus vom 05. bis 06.09.2008.

Andreas Hofer (1767-1810) führte im Jahre 1809 als Landeshauptmann von Tirol den Widerstand gegen die bayerisch-französische Besatzung Tirols.

Andreas Hofer (1767-1810) führte im Jahre 1809 als Landeshauptmann von Tirol den Widerstand gegen die bayerisch-französische Besatzung Tirols.

Der Frage welche Bedeutung Andreas Hofer und der Mythos um den Tiroler Freiheitshelden heute noch für den Tourismusem Tirol hat, wird in 13 Referaten anlässlich des Andreas-Hofer-Symposiums des Touriseums nachgegangen.

1. Heiligtum des Landes: Andreas Hofer und Schloss Tirol aus Besucherbüchern und Reiseberichten

Nach Anno Neun wird die »zweite Stammburg der Habsburger« - Schloss Tirol - zu einem patriotischen Denkmal. Mehrere der alten Haudegen, Andreas Hofers »alte Garde«, werden entsorgt, indem man ihnen den Posten eines »Schlosshauptmanns« bzw. eines Portiers auf Schloss Tirol anbietet. Gleichzeitig entwickelt sich Meran vom »Kuhdorf« zum Kurort: zum obligaten Programm eines jeden patriotisch gesinnten (oder nur neugierigen) Kurgastes gehört der Besuch der zwei Nationalheiligtümer, dem Sandwirt in Passeier und der Burg Tirol. In den Besucherbüchern von Schloss Tirol, die ab 1832 offiziell geführt werden, spiegelt sich die Geschichte des »Vormärz«, des aufblühenden Andreas Hofer-Mythos, und des »Freiheitskampftourismus« mit einer Prägnanz, die man in anderen Quellen vergeblich sucht. Hinzu kommt, dass diese Besuche zu einem Topos in der Reiseliteratur dieser Zeit werden, der wesentlich dazu beiträgt, die Resonanz des Hofer-Mythos zu verstärken.

2. Andreas Hofer - Ein Geschichtsbild für Jugend und Volk

Der Mythos Andreas Hofer fand Eingang in die Jugendliteratur - und das nicht ohne Grund: Dieser Stoff sollte den Jungen, in einer von radikalen gesellschaftspolitischen Brüchen geprägten Zeit (ca. 1860-1960), Lenkung angedeihen lassen. Vor dem Analyseraster der Industrialisierung und Säkularisierung soll nachgespürt werden, was Hofer auch war: ein Vorbild aus der Unterschicht für die Unterschicht?

3. Ein Held erstarrt zum Bild

Anhand des Bestandes in der Grafiksammlung und der Studienbibliothek des Stadtmuseums Meran sollen einige Überlegungen zur Wechselwirkung zwischen bildlicher Darstellung und schriftlicher Überlieferung über Hofer angestellt werden.Elmar Gobbi, 1962 in Meran geboren. Studium der Kunstgeschichte in Wien und Bamberg. Von 1988 bis 1998 Kunsterzieher und Kunstgeschichtelehrer an verschieden Südtiroler Mittel- und Oberschulen. Seit 1998 Direktor des Stadtmuseums Meran.

4. Unterwegs mit Friedrich Schillers Wilhelm Tell - Zur Genese der literaturtouristischen Landschaft Vierwaldstättersee

Friedrich Schillers »Wilhelm Tell« (1804) ist die Kombination eines filmreifen Plots mit grandiosen Schauplätzen. Kaum erschienen, avancierte das Drama zum Reiseführer durch jene Landschaft, die Schiller selbst nie gesehen hatte, und die »Originalschauplätze« wurden zu Zielen emotionsgeladener literarischer Wallfahrten. Das Referat schildert sowohl die semantische Überformung als auch die physische Modellierung einer literaturtouristischen Region – ein Resultat, das nur entstehen konnte, weil ein Text von weltliterarischem Format und ein spektakulärer Landschaftsraum buchstäblich miteinander verschmolzen sind.

>5. Hofer-Mythos - a never ending Story?

Der Heldenmythos um Andreas Hofer blüht nach wie vor, zumindest in Festtagsreden und Leitartikeln. An dessen Idealisierung zu rühren ist nicht opportun. Das positive Image Andreas Hofers ist in weiten Kreisen der Tiroler Bevölkerung tief verwurzelt und der Mythos vom Freiheitskampf des Jahres 1809 weit verbreitet.

Mindestens 80 Hofer-Dramen und eine unüberschaubare Menge an volkstümlichen Balladen, Rollengedichten, Romanen und Erzählungen hielten und halten die Erinnerung an das Jahr 1809 wach. Andreas Hofer und die Ereignisse von 1809 wurden und werden über das gesamte 20. Jahrhundert bis heute in vielfältigster Weise immer wieder als Vorlage für Spielfilme, Dokumentationen, Berichterstattungen im Radio und Fernsehen verwendet. Neuerdings werden sogar Medienkampagnen rund um die Person Andreas Hofers und die Ereignisse von 1809 geführt.

6. Mander, es isch Zeit ... für Mail Art

Künstler waren es, die das Bild des Andreas Hofer in den letzten beiden Jahrhunderten tradierten und popularisierten. Hofers legendäre Ausspruch »Mander es isch Zeit«, um seine Männer motivierend in den Kampf zu schicken, versteht sich hier im erweiterten und übertragenen Sinne als Aufruf - als so genannter »mail art call« - an heutige Künstler aus aller Welt, sich der Person Andreas Hofer zu nähern - eine Kunstform, die sich »mail art« nennt und dadurch charakterisiert ist, dass sie per Post verschickt wird.

Andreas Hofer wird somit nach 200 Jahren erneut zum Gegenstand der Kunstbetrachtung, reflektierend in ironischer, kritischer oder verklärender Form wird die Person in einen neuen Kontext gestellt. Die bislang eingelangten Postsendungen sollen hier Gegenstand der Untersuchung sein und können auf andreas-hofer.blogspot.com bereits eingesehen werden.

7. Andreas Hofer, der Herz-Jesu-Held - Zur Instrumentalisierung und Popularisierung des Hofer-Mythos im Ersten Weltkrieg

Die Instrumentalisierung des Hofer-Mythos durch die katholischen Kirchen Österreichs und Deutschlands im Ersten Weltkrieg diente der Etablierung des Herz-Jesu-Kultes als Nationalkult. Hofer wurde dabei als kämpferischer Vaterlandsverteidiger präsentiert und zum Protagonisten einer virilen Frömmigkeit stilisiert. In ihm kristallisierte sich der Nexus zwischen Herz-Jesu-Kult und Krieg, was dem katholischen Publikum nicht zuletzt durch auflagenstarke Periodika vermittelt wurde. Dies trug nicht nur zur Bellifizierung des Herz-Jesu-Kultes bei sondern auch massiv zur Popularisierung der Figur Andreas Hofer.

8. 1809 und der "Schlachtfeldtourismus"

Vor 100 Jahren stand ganz Tirol im Bann der Landesjahrhundertfeier 1809-1909. Mit zahlreichen Veranstaltungen wurde damals an die Tiroler Freiheitskämpfe erinnert. Höhepunkt des Veranstaltungsreigens war der Landesfestzug in Innsbruck, bei dem auch Kaiser Franz Josef anwesend war. Die zahlreichen Gedenkfeiern hatten einen »Schlachtfeldtourismus« zur Folge: Spezielle Reiseführer und Landkarten kamen auf den Markt. Dabei stand besonders der Bergisel im Zentrum des Publikumsinteresses.

9. Fallstudie Passeiertal, Heimat des Freiheitskämpfers

Andreas Hofer, geboren am Sandhof bei St. Leonhard, ist zu einer bekannten Persönlichkeit des Passeiertales geworden. Es wird untersucht, ob und wie die Figur des Andreas Hofer bei der touristischen Vermarktung des Tales im Laufe der Zeit (19. Jahrhundert bis heute) verwendet wurde bzw. wird.

Frieda Raich hat in Innsbruck Betriebswirtschaft mit den Schwerpunkten Unternehmensführung und Marketing studiert. Sie ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Regionalwirtschaft und Standortmanagement der Europäischen Akademie Bozen. Dissertation zum Thema Governance von räumlichen Wettbewerbseinheiten.

Monika Mader, 1959, wohnhaft in St. Leonhard/Passeier. Lehrerin an der dortigen Mittelschule J.J. Staffler. Geschichtestudium in Innsbruck, Dissertation zum Deutschen Orden in St. Leonhard. Aufarbeitung und Betreuung der Pfarrarchive in Passeier. Zusatzausbildung im Bereich Reformpädagogik und Psychologie.

10. Andreas Hofer in Hotelnamen – Anstöße und Auswirkungen

Ein Hotelname hat unterschiedliche Funktionen und ruft unterschiedliche Assoziationen hervor. An Hotels in Süd- und Nordtirol, welche im Namen den Begriff »Andreas Hofer« haben, zeigen die Referenten anhand von Interviews mit Hoteleignern und Gästen die Motive und Effekte dieser besonderen Namensgebung.

Frieda Raich hat in Innsbruck Betriebswirtschaft mit den Schwerpunkten Unternehmensführung und Marketing studiert. Sie ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Regionalwirtschaft und Standortmanagement der Europäischen Akademie Bozen. Dissertation zum Thema Governance von räumlichen Wettbewerbseinheiten.

11. (K)ein vergessener Tourismusheld – Andreas Hofer in der Wahrnehmung der Südtirol-Urlauber des Jahres 2008

Nimmt der heutige Südtirol-Tourist den Mythos Andreas Hofer überhaupt wahr? Kann er ihn einordnen? Welches Bild von der »Kunstgestalt« Andreas Hofer herrscht vor? Von welchen Faktoren wird dieses Bild beeinflusst? Diese Fragen sollen mit Hilfe einer empirischen Untersuchung geklärt und im Rahmen des Vortrages präsentiert werden.

Thomas Ohnewein, geb. 1977 in Bozen, Studium der Politikwissenschaften und Geschichte in Wien und Innsbruck, Forschungs- und Inventarisierungsprojekte am Südtiroler Landesarchiv, Koordinierung der Aktivitäten der Südtiroler Landesregierung zum Jubiläum „60 Jahre Pariser Vertrag". Seit 2007 wissenschaftlicher Mitarbeiter im Touriseum.

 

12. Andreas Hofer: vom Freiheitskämpfer zur Werbefigur

Im Referat sollen Beispiele gebracht werden für Werbemaßnahmen von früher und heute, in denen auf Andreas Hofer Bezug genommen wird. Ein besonderes Augenmerk soll dabei auf den Spruch „Mander es isch Zeit" gelegt werden, der im alltäglichen Sprachgebrauch in Südtirol, in der Werbung und in der Politik immer noch verwendet wird. Auf dem Spaziergang durch die Werbegeschichte stellt sich die Frage, ob Andreas Hofer heute noch ein idealer Werbeträger ist. Beim Rundgang durch die Altstadt von Innsbruck fällt auf, dass die Souvenirläden mit Urlaubsandenken gefüllt sind, die Kaiserin Elisabeth zeigen, während Hofer dort gar nicht mehr präsent ist. Lässt sich mit Hofer überhaupt noch ein Geschäft machen oder ist er nur noch als regionales Nischenprodukt präsent?

13. Braucht der Tourismus Helden? Annotationen zu Andreas Hofer und Tirol

Nationen, Regionen, aber auch soziale Bewegungen aller Art (incl. der Freiheitskämpfe weltweit) – so lehrt uns die Geschichtswissenschaft – bedürfen der Mythen und auch der Helden. Manche dieser Helden werden schnell vergessen, andere aber (wie etwa der Tiroler Andreas Hofer) bleiben in Erinnerung – wobei diese Erinnerung in Hoch- und Volkskultur immer wieder neu bearbeitet wurde (und wird). Jedes Volk, so kann man konsequent, wenn auch ein wenig zugespitzt behaupten, besitzt daher die Helden, die es verdient. Aber verdient auch der Tourismus seine Helden? – Im Vortrag werden dazu am Tiroler Beispiel einige Beobachtungen und Überlegungen vorgestellt und entlang der Figur von Andreas Hofer diskutiert.

Veranstaltungsinformation:

»Andreas Hofer - Ein Tourismusheld?«
Symposium des Touriseum - Tiroler Landesmuseum für Tourismus
St. Valentinstraße 51a
I – 39012 Meran
: ++39 0473 270 172
: ++39 0473 277 665

: info(at)touriseum(dot)it

: www.touriseum.it

: Freier Eintritt, jedoch wier eine vorherige Anmeldung erbeten.

Routenplaner zur Veranstaltung:

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Letzte Änderung der Seite: 16. 09. 2023 - 23:09