EPOCHE NAPOLEON


von der Bastille bis Waterloo

Eulogius Schneider's ehemaligen Professors in Bonn etc. Schicksale in Frankreich.

von Christoph Friedrich Cotta

31.

Während nun die Revolutionskommission recht geschäftig war, gegen die Feinde der sogenannten Republik, während dem, daß man die sämmtlichen reichen Bürger Strasburgs um viele Millionen schätzte, die sie innerhalb 24 Stunden bezahlen oder gewärtig seyn mußten, auf die Guillotine gestellt zu werden, während dem man diejenigen, welche sich wider das abscheuliche Maximum oder die neue Taxe verfehlten, um diese Tausende bestrafte und an die Guillotine stellte; während dem endlich, daß man beinahe alle Kleidungsstücke der Strasburger: als Röcke, Hüthe, Mäntel, Westen, Beinkleider, Strümpfe, Schuhe, Betten und dergleichen requirirte, um es den, wie man vorgab[1], an allen mangelleidenden, in dieser Jahreszeit gegen den Feind streitenden Soldaten zu überliefern; während auf der einen Seite der Feind das Land besetzt hielt, und auf der andern ein Haufen Menschen unter der Firma: Revolutionsarmee das erschreckte Landvolk beraubte, plünderte, und täglich häufig nach Strasburg in die vielen Gefängnisse schleppte, - während dem aller Orten Jammer und Schrecken herrschte; hatte sich in Strasburg eine Race menschen versammelt, die jaus allen in der Nähe liegenden Departementen von Teterel, dem Mitgehiülfen Monets, auf Saint-Justs und Monets Geheiß, waren dahin berufen worden – die Ketzerei, Aristokrateism, aus den Köpfen der Bewohner dieses Departementes zu verbannen. Sie mochten sich an der Kopfzahl auf etliche sechzig oder achtzig belaufen, und ohne ein Wörtchen deutsch zu verstehen oder sprechen zu können, sollten doch sie allein im Stande seyn, das Volk zu verstehen. Sie erhielten vielleicht die Gabe der Zungen? – zum Rasen und Brüllen wohl, aber nicht dazu, auch nur eine Gans auf ihr System bringen zu können. Im Grunde war das auch die Absicht nicht, weshalb Saint-Justs die wackern Leutchen auf Kosten der Gemeinde von Strasburg hatte kommen lassen. Sie nannten sich Propagandisten, folglich machten sie zusammen die Propaganda in politischer Rücksicht aus. – Sie sollten in Monets Plan mitarbeiten, und neben Schneiders Sturz das Elsaß zu Grunde richten helfen. Und wirklich hiezu schienen sie am tauglichsten zu seyn. Die Meisten von ihnen waren ganz dazu gemacht, wie die Hunnen, nur zu zerstören, und gleich ihrem Vater Saint-Just überall Verderben anzurichten. Täglich erschien der Präsident dieser Horde, Names Richard und der böse Bube Delatre, beide von Metz, mit noch einigen ähnlichen, in der Wildheit und Rohheit sich auszeichnenden Brüdern bei Saint-Just und vernahm für diesen Tag die Ordre, und welche Motionen heute in Klubs gemacht werden sollten.

So lange Schneider noch in Strasburg sich befand, war das Wesen dieser Leute noch zu ertragen. Daß er ihnen ganz eigentlich im Wege stand, ist gewiß; denn Saint-Just hätte schon die Probe an sich gemacht, und erfahren müssen, daß Schneider, alles seines Ehrgeizes ohngeachtet, doch noch so viel Scharfblick beiszte, und wirklich auch seine schändlichen Absichten mit Strasburg schon durchschauet habe. Der Ton, mit dem sich Schneider gelegentlich über Saint-Just und Lebas deshalb geäusert hatte, war viel zu bedeutend für diese, so daß sie sogar Ursache hatten, seine sie betreffenden geäußerten Drohungen nicht als Spaß aufzunehmen, als wolle er sie nämlich, wenn sie so fortfahren würden, sdas gute Volk zu plündern und zu mishandeln, füsiliren, oder wenigstens gefangen nehmen und vor’s Revolutionsgericht nach Paris bringen lassen. Diese Thatsache würde uns nicht bekannt seyn, wenn nicht Saint-Just selbst einige seiner Kreaturen davon unterrichtet hätte. Die Herren fürchteten also Schneidern, und sie hatten Ursache hiezu. Weil zu bekannt mit seiner Denkart, und wohlwissend, daß ihm ihre geheimen Absichten, die sie auszuführen gedächten, kein Hehl seyn, und daß er sie eben so sehr deshalb verabscheue, als sie ihn, als das einzige bisherige Hinderniß in der Ausführung ihrer schändlichen Anschläge, haßten, und um so mehr haßten, weil er als ein deutscher Hund die Kühnheit hatte, ganz allein beinahme, ihren boshaften Beginnen sich zu widersetzen, bekannt damit, daß er sogar ihre tükische Rachsucht nicht fürchte oder achte; und also leicht gegen sie zu Schritten und Unternehmungen schreiten könnte, die ihrer Haut sehr gefährlich werden könnten, mußten sie das ihr ernsthaftes Geschäft seyn lassen, sich ihn vom Halse zu schaffen. –


[1] Das wenigste von allen diesen Kleidungsstücken haben die Soldaten erhalten. Man packte dieselben in verschiedene, im Gemeindehause befindliche Kammern ein, und der größte Theil davon verdarb. Die unbeschreibliche Menge von Schuhen, die man theils requisitionsweise erhielt, theils den Gefangenen bei ihren Eintritten in die Gefängnisse mit Gewalt von den Füssen nahm, wurde ebenfalls in solche Kammern geschafft, und was nicht unter der Transportirung desselben bei Seite kam, wußte ebenfalls verderben. Endlich mußte man die halb vermoderten Ueberbleibsel heimlich bei der Nacht aus der Stadt schaffen und verscharren. Aber eben das wollte man ja!

 

 

Letzte Änderung der Seite: 30. 07. 2017 - 15:07