EPOCHE NAPOLEON


von der Bastille bis Waterloo

Eulogius Schneider

* 20.10.1756 in Wipfeld
† 01.04.1794 in Paris

Eulogius Schneider (1756-1794) war Theologe und Professor in Bonn ehe er sich offen zu den Idealen der Französischen Revolution bekannte und nach Frankreich auswanderte, wo er Öffentlicher Ankläger in Strassburg war.
Eulogius Schneider (1756-1794)

Eulogius Schneider wurde am 20.10.1756 in Wipfeld/Main als Sohn des Michael und der Margarethe Schneider, geborene Burkstahl, geboren. Der Vater war Häcker und Winzer und gehörte dem Dorfgericht an.

Schneider war das jüngste von 11 Kindern des Paares und da die Eltern schon früh entschieden, ihm eine kirchliche Laufbahn zu ermöglichen wurde er Knabe vom Kanonikus und Chorherren des nahegelegenen Klosters Heidenfeld, Valentin Fahrmann in Latein unterrichtet. Im Alter von 12 Jahren besuchte er, dank der Vermittlung Fahrmanns, das Würzburger Jugendkonvikt um in den nächsten fünf Jahren auch das Gymnasium in Würzburg seine Ausbildung fortzusetzen. Zu einen ersten Konflikt zwischen den jungen Mann und seinen Lehrern, die Schule wurde durch Jesuiten geführt, kam es, als diese seine Lektüre entdeckten. Er lass bereits in diesem Alter Romane von Klopstock oder Gellert und verfasste eigene Texte.

Im Alter von 17 Jahren verließ er das Gymnasium und begann, entgegen den elterlichen Wunsche, zunächst ein Studium Philosophie und Jurisprudenz an der Universität Würzburg. Durch seine Entscheidung gegen eine kirchliche Laufbahn war der Student auch gezwungen, das Konvikt zu verlassen. Dies ermöglichte Schneider jedoch, erste schriftstellerische Neigungen nachzugehen. Seinen Lebensunterhalt verdiente er sich als Nachhilfelehrer.

Als jedoch eine Liebesaffäre bekannt wurde, musste er wegen »vorehelicher Corpulation« ein Strafgeld in Höhe von 2 Reichstalern zahlen. Doch neben der Strafe verlor er, was ihn schließlich zum Abbruch des Studiums im Jahre 1775 zwang, seinen Lebensunterhalt. Schließlich weigerten sich Würzburgs geistliche Lehrer nach Bekanntwerden von Schneiders »Sündenfall« ihm weiterhin ihre Schüler und Studenten zu empfehlen. So blieb ihm letztlich nur übrig, als im elterlichen Haus in Wipfeld Unterschlupf zu finden.

Seine Eltern bedrängten ihn erneut Theologie zu studieren. Im Alter von 21 Jahren trat er im April 1777 in den Franziskanerorden zu Bamberg ein. Er legte sich zu jener Zeit den Ordensnamen Eulogius – nach dem Heiligen Eulogius von Córdoba zu. Im Rahmen der Priesterausbildung musste er an einen dreijährigen Studienzyklus teilnehmen, in dem er sich mit der Geschichte der Philosophie, Metaphysik, Moral, Kirchengeschichte, Mathematik und spekulative und experimentelle Physik beschäftigte. Doch besondere Freude hatte der angehende Mönch an der Rhetorik. In jener Zeit verfasste er das Dreifaltigkeitslied »Sei gelobt und hochgepriesen«, was sich heute noch im zahlreichen Diözesananhängen des Gotteslobes wiederfindet.

Im Jahre 1780 wurde Eulogius Schneider in Salzburg, wo er seine Studien fortsetzte, zum Priester geweiht. Dank der Salzburger Bibliotheken erhielt er Zugang zu modernen literarischen und philosophischen Werken der Aufklärer.

Im September 1784 trat er die Stelle des Lektors für Philosophie und geistliche Beredsamkeit bei den Franziskanernkonvent zu Augsburg an. Schneider geriet jedoch durch eine Predigt über christliche Toleranz, die er am 25.11.1785 in Augsburg hielt, in Konflikt mit den Franziskanerorden.

Im Frühjahr 1786 wurde der Theologe, der einen guten Ruf als Kanzelredner hatte, als katholischer Hofprediger an den Hof des württembergischen Herzogs Carl Eugen berufen. Doch auch hier geriet er schnell in Konflikt mit dem Regenten, da er diesen öffentlich kritisierte. Der Herzog drohte Schneider ins Kloster zurückzuschicken.

Im Jahre 1789 konnte Eulogius Schneider, dank päpstlicher Einwilligung den Orden der Franziskaner verlassen und als »Weltpriester« weiterleben. Dank der Vermittlung von Thaddäus Trageser konnte er an der Universität zu Bonn eine Professur für Literatur und Schöne Künste antreten. Dank seines Redetalents hatte er in seinen Vorlesungen großen Zulauf. Zu Schneiders prominentesten Bonner Schülern gehörten der junge Ludwig van Beethoven, aber auch Severin Anton Averdonk, den er besondere Förderung zukommen ließ, und Friedrich Georg Pape.

Im Jahre 1790 verfasste Schneider, ganz im Sinne der Aufklärung, das »Katechetischen Unterrichts in den allgemeinsten Grundsätzen des praktischen Christentums«. Dieses Werk führte zu erheblichen Protesten des Klerus im Erzbistum Köln. Trotz der Protektion durch den Kölner Weihbischof Franz Wilhelm von Spiegel folgte schließlich am 07.06.1791 die Amtsenthebung durch den Kurfürsten Maximilian Franz. Dieser hatte noch versucht einen offenen Konflikt zu vermeiden, indem er das Entlassungsgesuch des päpstlichen Nuntius ablehnte und ein Verkaufsverbot aussprach. Dies veranlasste Schneider dagegen öffentlich zu protestieren. Gleichzeitig wurde er auch des Landes verwiesen.

Im Jahre 1791 veröffentlichte der Heidelberger Theologieprofessor Heinrich Benedikt Fleischbein gegen ihn die Schrift »Des Herrn Eulogius Schneider Irrthümer und Gefährlichkeiten in der Rede von der Übereinstimmung des Evangeliums mit der neuen Staatsverfassung der Franken«. 

Im Jahre 1791 wurde Schneider auch in die Freimaurerloge »Zur vollkommenen Gleichheit« aufgenommen. Doch später erfolgt sein Ausschluss.

Eulogius Schneider floh nun nach Straßburg, wo sich zahlreiche deutsche Emigranten angesiedelt hatten. Durch den revolutionsfreundlichen Bischof Franz Anton Brendel erhielt er zunächst eine Anstellung als Vikar am Straßburger Münster. Zeitweise war er auch als Professor an der Universität seiner neuen Wahlheimat tätig.

Er sympathisierte mit den Jakobinern und wurde noch im gleichen Jahr Mitglied im »Klub der Konstitutionsfreunde«. Es folgte die Wahl in den Straßburger Stadtrat, wo er in Opposition zum gemäßigten Bürgermeister Friedrich von Dietrich avancierte. Als sich der Klub im folgenden Jahr spaltete, schloss Schneider sich dem radikalen Flügel an. Unterstützt durch weitere deutsche http://www.epoche-napoleon.net/?id=3634Jakobiner, wie beispielsweise Friedrich Buttenschön, Christoph Friedrich Cotta oder Karl Clauer unterstützt wurde. Er gehörte auch zu den Kreisen, die die Kriegserklärung Frankreichs an Österreich und Preußen begrüßten.

Am 03.07.1792 erschien erstmals die Zeitschrift »Argos, oder der Mann mit hundert Augen«, wo er zur Beseitigung des Königtums und der Hinrichtung Ludwig XVI. eintrat.

Zwischen dem 14.09. und dem 19.12.1792 wirkte er als kommissarischer Maire der Gemeinde Hagenau. Seit dem 19.02.1793 war er Öffentlicher Ankläger am Kriminalgericht des Departements Bas-Rhin. Seit dem 29.10.1793 war er auch Öffentlicher Ankläger am Revolutionsgericht für das Elsaß. Er trat für eine harte Bestrafung der Republikfeinde ein und erhielt den Beinamen »Marat von Straßburg«. So wurde Schneider zum Sinnbild des »terreur« im Elsaß. In dieser Position verantwortete er mehr als 30 Todesurteile.

Obwohl er sich zu den Idealen und Zielen der Jakobiner bekannte, geriet Schneider wegen seiner deutschen Herkunft und seines ehemaligen Priesterstandes in Konflikt mit der Revolutionsregierung in Paris und deren örtlichen Kommissaren Saint-Just und Le Bas. Zuvor hatte sich bereits in den Straßburger Sektionen Widerstand gegen den öffentlichen Ankläger Schneider gebildet, doch erst durch den Zusammenschluss des Maire Monet und den vom Pariser Konvent entsandten Kommissäre wurde sein Sturz möglich.

Unmittelbar nach seiner Heirat mit Sara Stamm in Barr wurde er am 15.12.1793 nach seiner Rückkehr nach Straßburg all seiner Ämter verlustig und verhaftet. Saint-Just und der Konventkommissar und Abgeordneten in außerordentlicher Mission für den Elsass, Philippe-François-Joseph Le Bas führten den Verhafteten auf dem Straßburger Paradeplatz zwischen 10:00 und 14:00 Uhr auf dem Schafott, an der Guillotine angebunden, dem Volk zur Schau vor. Da Schneider mit einem Wagen, der von sechs Pferden gezogen wurde sowie von Gardisten mit bloßem Säbel umgeben war, warfen die Konventskommissare ihm vor, die Sitten der entstehenden Republik geschmäht zu habe. Anschließend wurde er noch von Brigade zu Brigade zum Komitee des öffentlichen Wohls der Nationalkonvention nach Paris geführt.

Am 01.04.1794 wurde Eulogius Schneider durch das Pariser Revolutionstribunal zum Tode verurteilt und noch am gleichen Tage wurde das Urteil durch die Guillotine vollstreckt.

Es muss davon ausgegangen werden, dass die Hinrichtung Schneiders aus politischen Gründen erfolgte. Nachdem der Wohlfahrtsausschuss um Robespierre zunächst Girondisten und dann Teile seiner Bergpartei um Danton aufs Schafott brachte, musste er der Bourgeoise ein Zugeständnis machen., indem er auch gegen die sozialrevolutionären Sansculotten vorging. Schneider galt als deren Fürsprecher. So schrieben Saint-Just und Le Bas am 14.12.1793 an Maximilian de Robespierre:

Wir liefern dem Wohlfahrtsausschuss den Öffentlichen Ankläger beim Straßburger Revolutionstribunal ein. Es ist ein ehemaliger Priester, als Untertan des Kaisers geboren. Ehe er aus Straßburg fort kommt, wird er auf dem Schafott der Guillotine an den Pranger gestellt werden. Diese Strafe, die er sich durch sein freches Betragen zugezogen hat, war auch von der Notwendigkeit geboten, einen Druck auf die Fremden auszuüben. Glauben wir nicht an die kosmopolitischen Scharlatane, und vertrauen wir nur auf uns selbst.

Wir umarmen Sie von ganzem Herzen.

Insgesamt wurde Eulogius Schneider in der Geschichtsschreibung bis in die 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts negativ beurteilt. Eine seitdem einsetzende Betrachtung seiner Person als »idealtypischer Vertreter des deutschen Jakobinismus, so der Historiker Walter Grab. Neuere Forschungen sehen sein Handeln im Elsass eher im Kontext des französischen Jakobinismus.

Werksverzeichnis

  • De philosophiae in sacro tribunali usu commentatio, 1786;
  • Rede über die christliche Toleranz auf Katharinentag, 1785, gehalten zu Augsburg, 1786;
  • Des heiligen Chrysostomus Kirchenvaters und Erzbischoffs zu Konstantinopel Reden über das Evangelium des heiligen Matthei. Aus dem Griechischen (nach der neuesten Pariser Ausgabe) übersetzt und mit Anmerkungen versehen von J[oh.] M[ichael] Feder u. E. Sch., 2 Bde., 4 Abt., 1786-88;
  • Freymüthige Gedanken über den Werth und die Brauchbarkeit der Chrysostomischen Erklärungsreden über das Neue Testament und deren Uebersetzung, 1787;
  • Oden eines Franziscaner Mönchs auf den Rettertod Leopolds von Braunschweig, 1787;
  • Ode an die verehrungswürdigen Glieder der Lesegesellschaft zu Bonn, als das Bildniß unsers erhabenen Kurfürsten im Versammlungssaale feyerlich aufgestellt wurde, 1789;
  • Rede über den gegenwärtigen Zustand, und die Hindernisse der schönen Litteratur im katholischen Deutschlande, 1789;
  • Elegie an den sterbenden Kaiser Joseph II., Bonn 1790;
  • Die ersten Grundsätze der schönen Künste überhaupt, und der schönen Schreibart insbesondere, 1790;
  • Gedichte. Mit einem Portrait des Verfassers, Frankfurt am Main 1790 [Nachdr. 1985];
  • Katechetischer Unterricht in den allgemeinsten Grundsätzen des praktischen Christenthums, 1790;
  • Patriotische Rede über Joseph II. in höchster Gegenwart Sr. kurfürstl. Durchl. von Cöln, vor der literarischen Gesellschaft zu Bonn den 19. März 1790 gehalten, 1790;
  • Predigt über den Zweck Jesu bey der Stiftung seiner Religion, gehalten in der Hofkapelle zu Bonn den 20. Dec. 1789, 1790;
  • Trauerrede auf Joseph II. gehalten vor dem hohen Reichskammergerichte zu Wetzlar, 1790;
  • Das Bild des guten Volkslehrers, entworfen in einer Predigt über Matth. VII, 15, am 17ten Sonntage nach Pfingsten, 1791;
  • De novo rerum theologicarum in Francorum imperio ordine commentatio, 1791;
  • Die Quellen des Undankes gegen Gott, den Stifter und Gründer unserer weisen Staatsverfassung, dargestellt in einer Predigt über Luk. XVII, 17, am 13ten Sonntage nach Pfingsten, 1791;
  • Die Übereinstimmung des Evangeliums mit der neuen Staats-Verfassung der Franken. Eine Rede bey Ablegung des feyerlichen Bürgereides, 1791;
  • Gespräch eines Referendarius, Camerarius und Landdechants über den sogenannten katholischen Unterricht in den allgemeinsten Grundsätzen des pracktischen Christenthums. Kaufmann, Düsseldorf 1791 (Digitalisat);
  • Rede über die Priesterehe, der Gesellschaft von Konstitutionsfreunden am 11. Oct. 1791 in der Sitzung zu Strasburg vorgelesen. Aus dem Französischen übersetzt und mit Anmerkungen begleitet, 1791;
  • Argos, oder der Mann mit hundert Augen, 4 Bde. [4. Bd. hrsg. v. Friedrich Butenschön und Johann Jakob Kämmerer] 1792–1794 [Nachdr. 1976];
  • Auf die Erklärung der National-Versammlung Frankreichs an die Völker Europa's und die ganze Menschheit, in Rücksicht des bevorstehenden Krieges vom 29. December 1791, 1792;
  • Auf Kaiser Leopolds II. Tod, 1792;
  • Discours sur l'éducation des femmes, prononcé à la Société des Amis de la Constitution séante à Strasbourg, 1792;
  • Gedächtnisrede auf Mirabeau vor der Gesellschaft der Constitutionsfreunde, 1792;
  • Jesus der Volksfreund, 1792 (Universitätsbibliothek Tübingen);
  • Politisches Glaubensbekenntnis, der Gesellschaft der Konstitutionsfreunde vorgelegt, 1792;
  • Von einem deutschen Bauern am Rhein, 1792;
  • Ernste Betrachtungen über sein trauriges Schicksal, nebst flüchtigem Rückblick auf seinen geführten Lebenswandel kurz vor seiner Hinrichtung von ihm selbst geschrieben, 1794;
  • Der Guckkasten, ein komisches Gedicht in drey Gesängen. Aus seinen hinterlassenen Papieren, 1795;

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