Sturmglocken über Mergentheim

Am 13.06.1809 sollte das Gebiet um die Stadt Mergentheim formell Bestandteil des württembergischen Staates werden. Bereits im April des gleichen Jahres kam das Gebiet des ehemaligen Deutschritterordens zu Württemberg.

Als bei der Huldigungsversammlung die Eidesformel auf den König gesprochen werden sollte, herrschte eisiges Schweigen. Als der überraschte Generalkommissar die Menge aufforderte, die Finger zum Eid zu heben, blieben diese unten. Vereinzelte Arme, die sich hoben, wurden von Umstehenden mit Stöcken auf die Hand geschlagen. Für die Regierung war die Inbesitznahme jedoch ordnungsgemäß geschehen.

Zwölf Tage später wollte man im neu in Besitz genommenen Landesteil Rekruten ausheben. Doch die Bauern, die sich nicht an den Eid gebunden fühlten, wehrten sich und es kam zu lautstarken Tumulten in deren Verlauf sich die wehrhaften jungen Männer. Bei einem erneuten Versuch Truppen auszuheben begab sich Oberamtmann Kuhn zusammen mit seinem Aktuar und Polizeipersonal in den bei Mergentheim liegenden Flecken Wachbach. Während er sich mit der Constription (den Aushebungslisten) beschäftigte entstand ein Aufruhr, die Sturmglocke wurde geläutet. Kuhn und seine Begleiter konnten kaum noch in die Stadt entkommen. Die aufrührerischen Bauern folgten ihnen auf den Fersen und besetzten die Stadt. Sie entwaffneten die wenigen württembergischen Soldaten und rissen die württembergischen Wappen ab. Endlich entschloss man sich den Generalkommissar, den Oberamtmann, die Polizeiangehörigen und Soldaten im Rathaus zu bringen und dort gefangen zu halten.

Inzwischen haben sich die Bürger Mergentheims bewaffnet um die Ordnung innerhalb der Stadtmauern wiederherzustellen. Sie schützten das Leben der Gefangenen und sorgten dafür, das die aufgebrachten und gewalttätigen Bauern die Stadt verließen. Hinter ihnen wurden die Stadttore wieder geschlossen. Man musste den aufständischen Bauern versprechen bei aufkommender Gefahr, diese sofort wieder zu benachrichtigen. In den Dörfern wurden Wachen aufgestellt.

Wenige Tage später sahen die Bauern württembergische Truppen anrücken. Sie läuteten die Sturmglocken und die Bauern eilten in die Stadt. Der Ordensritter von Hornstein musste das Kommando über den Bauernhaufen übernehmen. Dieser übernahm das Kommando in der Absicht Blutvergießen zu vermeiden. Mit 1.500 Mann und einem Tambour an der Spitze zog er der Armee entgegen. Sie bezogen beim Armenhaus Stellung und flüchteten sich beim Anrücken der Armee in die nahe gelegenen Weinberge zurück und gaben eine Zeitlang ein lebhaftes Feuer. Sie wurden jedoch von den Truppen schnell verjagt.

Nach dem Abzug der Bauern hatten die Mergentheimer Bürger die Tore wieder verschlossen und wollten diese nur den königlich württembergischen Truppen öffnen. Als diese vor dem Tore erschienen konnte der Torwart jedoch die Schlüssel nicht schnell genug finden und an einer anderen Stelle, am Bocksberger Torturme eröffneten zwei junge Burschen das Feuer auf die anrückenden Truppen. Nun wurde das Tor umgehend gesprengt und die Soldaten wüteten in der Stadt, wie sie es sonst nur im Feindesland taten. Es wurden an diesem Tage mehr als 30 Bürger getötet und eine Unmenge verletzt. Selbst der württembergische Generalkommissar, der aus dem Rathausfenster herunter rief, man möge die Stadt schonen, da diese unschuldig sei, wurde von einem württembergischen Soldaten verwundet.

Die Stadt wurde besetzt, alle Deutschmeisterischen Wappen wurden verbrannt und die Namen der Entflohenen an den Galgen geschlagen und über die Gefangenen das Kriegsgericht einberufen. Insgesamt wurden 6 Todesurteile gefällt, darunter Franz Wörner, der dem Generalkommissar gedroht hatte, ihm mit dem Beile zu erschlagen. Aber auch ein Schneider, der ein weggeworfenes Gewehr aufgehoben hatte. Die übrigen wurden teils mit lebenslangen, teils mit mehrjährigen Haftstrafen belegt und mussten diese in der Festung Hohenasperg absitzen.


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