Allpreußische Kirchenunion
Aufforderung
an die Konsistorien, Synoden und Superintendanturen
der Monarchie.
Schon Meine in Gott ruhenden erleuchteten Vorfahren, der Kurfürst Johann Sigismund, der Kurfürst Georg Wilhelm, der große Kurfürst, König Friedrich I. Und König Friedrich Wilhelm I., haben wie die Geschichte Ihrer Regierung und Ihres Lebens beweisen, mit frommem Ernst es sich angelegten seyn lassen, die beiden getrennten protestantischen Kirchen, die reformirte und lutherische, zu Einer evangelischen-christlichen in Ihrem Lande zu vereinigen. Ihr Andenken und Ihre heilsame Absicht ehrend, schließe Ich Mich gern an Sie an, und wünsche, ein Gott wohlgefälliges Werk, welches in dem damaligen unglücklichen Sektengeiste unüberwindliche Schwierigkeiten fand, unter dem Einflusse eines bessern Geistes, welcher das Ausserwesentliche beseitigen und die Hauptsache im Christenthum, worin beide Konfessionen Eins sind, festhält, zur Ehre Gottes und zum Heil der christlichen Kirche, in Meinem Staaten zu Stande gebracht und bei der bevorstehenden Säkular-Feier der Reformation damit den Anfang gemacht zu sehen! Eine solche wahrhaft religiöse Vereinigung der 7beiden, nur noch durch äussere Unterschiede getrennten, protestantischen Kirchen ist den großen Zwecken des Christenthums gemäß; sie entspricht den ersten Absichten der Reformatoren; sie liegt im Geiste des Protestantismus; sie befördert den kirchlichen Sinn; sie ist heilsam der häuslichen Frömmigkeit; sie wird die Quelle vieler nützlichen, oft nur durch den Unterschied der Konfession bisher gehemmten Verbesserungen in Kirchen und Schulen.
Dieser heilsamen, schon so lange und auch jetzt wieder so laut gewünschten und so oft vergeblich versuchten Vereinigung, in welcher die reformirte Kirche nicht zur lutherischen und diese nicht zu jener übergehet, sondern beide eine neu belebte, evangelisch-christliche Kirche im Geiste ihres heiligen Stifters werden, stehet kein in der Natur der Sache liegendes Hindrniß mehr entgegen, sobald beide Theile nur ernstlich und redlich in wahrhaft christlichem Sinne sie wollen, und von diesem erzeugt, würde sie würdig den Dank aussprechen, welchem wir der göttlichen Vorsehung für den unschätzbarem Segen der Reformation schuldig sind, und daß Andenken ihrer großen Stifter, in der Fortsetzung ihres unsterblichen Werks, durch die That ehren.
Aber so sehr Ich wünschen muß , das die reformierte und lutherische Kirche in meinen Staaten diese Meine wohlgeprüfte Überzeugung mit Mir theilen möge, so weit bin Ich , ihre Rechte und Freiheit achtend, davon entfernt sie aufbringen und in dieser Angelegenheit etwas verfügen und bestimmen zu wollen.
Auch hat diese Union nur dann einenWerthh, von weder Ueber erbing noch Indifferentismus an ihr Theil haben, wenn sie aus der 8Freiheit eigener Überzeugung rein hervorgehet, und sienicht nur eine Vereinigung in der äusseren Form ist, sondern in der Einigkeit der Herzen, nach ächt biblischen Grundsätzen, ihre Wurzeln und Lebenskräfte hat.
So wie Ich selbst in diesem Geiste das bevorstehende Säkularfest der Reformation, in der Vereinigung der bisherigen reformirten und lutherischen Hof- und Garnision-Gemeinde zu Potsdam zu einer evangelisch-christlichen Gemeine, feiern, und mit derselben das heilige Abendmahl genießen werde: so hoffe Ich, daß dies Mein eigenes Beispiel wohlthuend auf alle protestantische Gemeinden in Meinem Lande wirken, und eine allgemeine Nachfolge im Geiste und in der Wahrheiten finden möge. Der weißen Leitung der Konsistorien, dem frommen Eifer der Geistlichen und ihrer Synoden überlasse Ich die äussere übereinstimmende Form der Vereinigung, überzeugt, daß die Gemeinden in ächt christlichen Sinne gern folgen werden, und das überall, wo der Blick nun ernst und aufrichtig, ohne alle unlautere Nebenabsichten auf das Wesentliche und die große heilige Sache selbst gerichtet ist, auch leicht die Form sich finden, und so das Äeussere aus dem Innern, einfach, würdevoll und wahr, von selbst hervorgehen wird. Möge der verheißende Zeitpunkt nicht mehr ferne seyn, wo unter Einem gemeinschaftlichen Hirten Alles in Einem Glauben, in einer Liebe und in Einer Hoffnung sich zu einer Heerde bilden wird!
Potsdam, den 27. September 1817.
An die Konsistorien, Synoden und Superintendanturen.