St. Antony - Ein Hüttenwerk wird lebendig

Bau des LVR-Industriearchäologischen Parks in Oberhausen schreitet voran. Anlässlich der »Extraschicht« wird eine Sonderschicht auf der St. Anotny gefahren.

Auf der Ausgrabungsstätte der Oberhausener St. Antony-Hütte wird das LVR-Industriemuseum ab Spätsommer 2010 über 250 Jahre alte Geheimnisse aus den Anfängen der Ruhrindustrie enthüllen. Im LVR-Industriearchäologischen Park wird die hier einst pulsierende Eisenhütte St. Antony wieder zum Leben erweckt. Die Baumaßnahmen am Park sind derzeit zwar noch in vollem Gange, doch wird rechtzeitig zur "Extraschicht", der großen Kulturnacht im Ruhrgebiet am 19. Juni 2010, der neue Besucherpfad durch die Ausgrabung erstmals zu begehen sein.

St. Antony früher und heute

18. Oktober 1758: Das eiserne Herz des Ruhrgebiets beginnt zu schlagen. Aus dem Hochofen der St. Antony-Hütte floss an jenem Tag erstmals Roheisen. In einem faszinierenden Wirtschaftskrimi entwickelte sich aus diesen zaghaften Anfängen der Weltkonzern Gutehoffnungshütte. Damit ist St. Antony die Keimzelle der Stahlindustrie im Revier. Im rund 1000 Quadratmeter großen LVR-Industriearchäologischen Park wird mit den freigelegten Überresten des alten Werks seine beeindruckende Geschichte wieder lebendig.

Wertvolle Relikte gefunden

Seit 2006 haben die Archäologinnen und Archäologen des LVR-Amtes für Bodendenkmalpflege im Rheinland gemeinsam mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des LVR-Industriemuseums die Überreste der Produktionsanlagen der St. Antony-Hütte ausgegraben. Auf der heutigen Grabungsfläche standen im 18. und 19. Jahrhundert Hochöfen, Dampfgebläse und Kessel. Hier gossen die Arbeiter das glühende Eisen in die Formen und fertigten Produkte wie Pfannen und Töpfe, Munition oder Maschinenteile. Die Archäologen konnten Fundamente und Mauerreste zu Tage befördern, die wichtige Aufschlüsse über die verschiedenen Bauphasen des Hüttenwerks geben und zeigen, wie sich die frühindustrielle Anlage durch grundlegende Innovationen immer wieder verändert hat.

Über einen Steg wird der Besucher durch die Ursprünge der Eisen- und Stahlindustrie geführt werden. Dank moderner 3-D-Animationen und Schautafeln wird das zunächst verwirrend erscheinende Gemenge von Mauerresten und Fundamenten für den Besucher aufgeschlüsselt. Nicht nur die Gesamtanlage wird dabei gemäß verschiedener historischer Zeitpunkte wieder lebendig, auch einzelne Anlageteile wie ein Hochofen, ein Kupolofen, ein Kesselhaus und eine Gießerei werden entsprechend ihrer tatsächlichen Entwicklung hochgezogen, umgebaut und abgerissen. Die Bildschirmanimationen werden bis zur endgültigen Fertigstellung des Parks bereits jetzt im Museum St. Antony zu sehen sein.

Baumaßnahmen noch in vollem Gange

Die Konstruktion des futuristischen Stahldachs, das den LVR-Industriearchäologischen Park wie eine Muschel überspannen wird, ist innovativ und ausgefallen und wurde in der Praxis bisher noch nie erprobt. Die Baumaßnahmen erfordern daher eine besonders gründliche Vorbereitung, so dass manche Berechnungen mehrfach geprüft werden mussten. Der lange Winter hat zudem zu erheblichen Bauverzögerungen von insgesamt fast drei Monaten geführt. Aus diesen Gründen kann die Grabungsfläche nicht, wie geplant, bereits im Juni dem Publikum zugänglich gemacht werden. Eröffnet werden soll der Park im Spätsommer mit einem Tag der offenen Tür. Bis dahin wird es ab dem 1. Juli jeden Donnerstag um 15 Uhr eine öffentliche Führung geben, bei der die Grabung und der Baubestand erläutert werden.

Gefördert wurde das Projekt von der NRW-Stiftung Natur Heimat Kultur, dem Ministerium für Bauen und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen, der MAN AG und der MAN-Diesel und Turbo AG, der Heinrich Becker GmbH, der Sparkassen-Bürgerstiftung Oberhausen, der Sparkassen Kulturstiftung Rheinland sowie der Gesellschaft zur Förderung des LVR-Industriemuseums.


Letzte Änderung der Seite: 16. 09. 2023 - 23:09