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Preussische Kroninsignien im Schloss Oranienburg

Anlässlich des 308. Jahrestages der Königsproklamation Friedrich I. als König von Preussen zeigt die SPSG im Schloss Oranienburg die preussischen Kroninsignien.

Ab dem 18. Januar 2009, dem 308. Jahrestag der Krönung Friedrich I., präsentiert die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) im Groteskensaal des Oranienburger Schlosses eine kleine, aber hochkarätige Ausstellung. In deren Zentrum stehen die preußischen Kroninsignien.

Im Zusammenhang mit den Krönungsfeierlichkeiten 1701 nimmt Schloss Oranienburg eine besondere Rolle ein. Die Krönung fand nicht in der Residenzstadt Berlin statt, sondern in Königsberg - außerhalb der Grenzen des Heiligen Römischen Reiches im ehemaligen Ordensland Preußen. Nur so akzeptierte der Kaiser in Wien diese Standeserhöhung. In Oranienburg machte der neue König auf seinem Rückweg nach Berlin für mehrere Wochen Station, hier empfing er die ersten ausländischen Gesandten, die dem Regenten zur gerade erlangten Königswürde gratulierten. Erst jetzt konnte sich Friedrich I. sicher sein, dass seine Standeserhöhung im Ausland anerkannt wird und unangefochten als neuer König in Berlin Einzug halten.

Oranienburg ist jedoch nicht nur als Reise-Station von Bedeutung, sondern die Architektur des Oranienburger Schlosses ist auch Ausdruck des gestiegenen brandenburgisch-preußischen Repräsentations- und Machtanspruchs. Friedrich hatte noch vor der Krönung "zum Gedächtnis" an seine Mutter Louise Henriette aus dem Haus Oranien-Nassau das von ihr errichtete Schloss erweitern lassen. Mit seiner Ausstattung, u.a. dem Orange-Saal, bekräftigte Friedrich nun seinen Anspruch auf die oranische Erbschaft.

Im Zentrum der Ausstellung stehen die Kroninsignien. Sie besitzen große Symbolkraft und sind die wichtigsten Herrschaftszeichen. Von den Kronen, die Friedrich für sich und seine Gemahlin Sophie Charlotte hat anfertigen lassen, sind heute nur noch die Gestelle "von purem Golde" erhalten (Leihgaben des Hauses Hohenzollern). Allein die Königskrone trug ursprünglich 153 Diamanten, 28 Brillianten, acht Birn­perlen sowie 48 runde Perlen. Friedrich II. ließ 1741 die Steine herauslösen und anderweitig aufbewahren. Für die Trauerfeierlichkeiten anlässlich seines Todes war die Königskrone ein letztes Mal zusammengesetzt und im Castrum Doloris aufgestellt worden. Schon wenige Jahre später war der Verbleib einiger Steine nicht mehr nachvollziehbar. Vollständig erhalten sind der Reichsapfel und das Zepter aus dem späten 17. Jahrhundert, das für die Krönung verändert worden ist. Sie sind von hoher kunsthandwerklicher Qualität und ohne Frage die prächtigsten Stücke der Ausstellung. Bemerkenswert ist der Leib des den Herrschaftsstab bekrönenden Adlers, welcher aus einem großen Rubin besteht, den Zar Peter der Große aus seinem Zepter genommen und Friedrich III./I. geschenkt haben soll. Zu den in der Ausstellung gezeigten Herrschaftsinsignien zählt das ursprüngliche preußische Herzogsschwert, das Jobst Freudner 1540/41 für den ersten weltlichen Herzog von Preußen, Albrecht, in Königsberg gezogen hat. Seit 1701 fungierte es als Reichsschwert der Könige in Preußen. Gezeigt werden auch das zur Krönung neu angefertigte Reichssiegel, außerdem das Kurschwert, ursprünglich ein geweihtes Schwert, das Papst Pius II. dem Markgrafen Albrecht Achilles von Brandenburg am 6. Januar 1460 verliehen hatte (beide Schwerter sind Leihgaben des Hauses Hohenzollern).

Die Krönungsfeierlichkeiten bestanden aus unterschiedlichsten Zeremonien und Ritualen für den Hof und für die Öffentlichkeit. Diese Feierlichkeiten werden in der Ausstellung beispielhaft veranschaulicht.

Einen Tag vor der Krönung stiftete Friedrich den "Hohen Orden vom Schwarzen Adler" als unverzichtbares Statussymbol des neuen Königreiches. Dementsprechend werden dem Ausstel­lungsbesucher als erstes die Ordensinsignien - das Ordenskreuz mit Band, eine Ordenskette und der Ordenstern - präsentiert. Der Schwarze Adlerorden war von nun an der Hausorden der Hohenzollern und sollte auf einer Stufe mit den höchsten ritterlichen Gemeinschaften wie dem englischen Hosenbandorden, dem burgundischen Orden vom Goldenen Vlies oder dem dänischen Elephantenorden stehen. Solche Orden waren ein fester Bestandteil europäischer Königshöfe und dienten der Belohnung des Adels. Sie unterstützten deren enge Bindung an den Herrscher. Mitglieder des Schwarzen Adler­ordens waren die Brüder und Söhne des Königs sowie europäische Regenten. Darüber hinaus durften 30 weitere hochrangige Personen in den Ritterorden aufgenommen werden. Macht und Herrschaft sprechen durch Symbole.

In Festberichten und grafischen Darstellungen wurden die Krönungsfeierlichkeiten für die Nachwelt festgehalten. Exemplarisch hierfür wird in der Ausstellung eine Folge von Radierungen mit Darstellungen der öffentlichen Prozession des gesamten Hofstaates vom Königsberger Schloss zur Schlosskirche, wo die Salbung stattfand, zu sehen sein. Auf das anschließende ritualisierte Festmahl verweisen ausgewählte Silberobjekte wie eine vergoldete Lavabo-Garnitur zur Handwaschung bei Tisch oder auch ein paar Kettenflaschen und eine Reihe von Münzhumpen (letztere sind Leihgaben der Stiftung Haus Doorn), wie sie auf den Buffets, später nachweislich im Ritter- und Thronsaal des Berliner Schlosses Aufstellung fanden.

Zur Eröffnung am 18.01.2009 bietet die SPSG Sonderführungen für Erwachsene (11, 13 und 15 Uhr) sowie für Kinder (12 und 14 Uhr) an. Zusätzlich wird ein vielfältiges Rahmenprogramm geboten.

Veranstaltungsinformation:
»Die preußischen Kroninsignien auf Reisen«
18.01.2009 - 13.06.2010
Schlossmuseum Oranienburg
Schlossplatz 1
16515 Oranienburg

Letzte Änderung der Seite: 07.08.2026 - 07:06