Der Tod Ludwig XVI.
Am 16.01.1793 verurteilte der Nationalkonvent den Bürger Ludwig Capet - ehemals König Ludwig XVI. - mit einer knappen Mehrheit von nur 5 Stimmen zum Tode. Von den 721 Mitgliedern stimmten 366 für das Todesurteil. Die eigentlich vorgeschriebene 2/3 Mehrheit wurde von Robespierre mit dem Hinweis, das der Prozess gegen den König nicht der Rachsucht entspringe, vom Tisch gefegt.
Spaniens König lies erklären, das man die französische Republik anerkennen würde, wenn man das Leben Ludwig XVI. schonen würde. Brissot kam zu der Einsicht: »Wenn Ludwig hingerichtet wird, müsst ihr schon morgen den Krieg mit England dekretieren... Seit ihr zum Weltkrieg bereit?« Aber die Bergpartei setzte alles daran, das Urteil zu vollstrecken: »Man macht keine Republik mit Schonung, sondern mit wilder, unbeugsamer Härte...«
Obwohl in der Minderheit setzten sie sich durch. Nicht die Überzeugung, sondern die Feigheit half der Gironde. Der letzte Aufschub die Hinrichtung des Königs zu verurteilen wurde mit einer Mehrheit von 380 : 310 Stimmen verworfen. Am 21.01.1793 wurde das Urteil schließlich vollstreckt. Der Henker Charles Henri Samson (1739 - 1806) berichtete an den Herausgeber der »Le Thermonétre politique« über die Ereignisse während der Hinrichtung am 13.02.1793:
Paris, 13. Februar 1793
Jahr II der französischen Republik
Bürger,
ich war einen Augenblick verreist, und das war Grund, dass ich nicht die Ehre gehabt habe, der Einladung zu entsprechen, die Sie in Ihrem Blatt hinsichtlich Ludwig Capets an mich richten. Hier erhalten Sie nun meinen Versprechen gemäß die genaue Wahrheit über die Vorkommnisse.
Als er zur Hinrichtung aus dem Wagen stieg, sagte man ihm, man müsse seinen Rock ausziehen, er machte einige Schwierigkeiten, indem er sagte, man könne ihm, so wie er wäre, hinrichten. Als man ihm vorstellte, dass das eine unmögliche Sache sei, half er selbst beim Ausziehen seines Rocks. Dann machte er die nämliche Schwierigkeit, als es sich darum handelte, ihm die Hände zu binden, die er selbst hinstreckte, als der Mann, der ihn begleitete, ihm sagte, das wäre ein letztes Opfer. Dann fragte er, ob die Trommler immer trommeln würden, es wurde ihm geantwortet, man wisse es nicht. Und das war die Wahrheit. Er stieg auf das Gerüst und wollte schnell nach vorn, weil er reden wollte. Aber man stellte ihn vor, dass die Sache unmöglich sei. Er ließ sich dann an die Stelle führen, wo man ihn festband, und da hat er sehr laut gerufen: "Volk, ich sterbe unschuldig." Dann drehte er sich uns zu und sagte zu uns: "Meine Herren, ich bin unschuldig an alledem, wessen man mich auch beschuldigt. Ich wünsche, das mein Blut das Glück der Franzosen kitten möge." Das Bürger sind seine letzten Worte und seine echten Worte. Die Art kleiner Wortstreit, der sich am Fuß des Schafotts ereignete, drehte sich darum, dass er er nicht für nötig hielt, dass man seinen Rock auszog und ihm die die Hände band. Er machte auch den Vorschlag sich selbst die Haare abzuschneiden.
Und, um der Wahrheit die Ehre zu geben, er hat all das mit einer Kaltblütigkeit und einer Festigkeit mitgemacht, die uns alle erstaunt hat. Ich bleibe ganz überzeugt, dass er diese Festigkeit aus den Prinzipien der Reliegion geschöpft hatte, von welcher niemand mehr als er durchdrungen oder überzeugt schien.
Sie dürfen versichert sein, Bürger, dass sie hier die Wahrheit in ihrem ganzen Lichte haben.
Ich habe die Ehre, Bürger zu sein.
Ihr Mitbürger Sanson
Quelle:
Gustav Landauer (Hg.): Briefe aus der französischen Revolution, Frankfurt a.M, 1919