EPOCHE NAPOLEON


von der Bastille bis Waterloo

Napoleon als Tänzer

Stephanie de Beauharnais (1789-1860) war die Adoptivtocher Kaiser Napoléons und Großherzogin von Baden.
Stephanie de Beauharnais (1789-1860)

Marie Louise, die österreichische Kaisertochter und zweite Gemahlin Napoleon I., war die einzige Frau, die zu gefallen sich der französische Imperator besondere Mühe gab.

Napoleon war vierzig Jahre alt, als er um die Hand der Prinzessin warb, Marie Louise war kaum in ihr neunzehntes eingetreten. Sie war blond, von hohem Wuchse, und ohne hübsch zu sein, schmückten sie doch die Reize der Jugend. Der Kaiser war von dem Augenblicke der durch den Fürsten von Wagram in Wien stattgefundenen Unterzeichnung des Ehekontraktes an. gegen seine Umgebung besonders leutselig und gütig. Auf seine eigene Person verwendete er größere Sorgfalt denn sonst; er beauftragte seinen Kammerdiener, seine Garderobe zu erneuern, ihm knappere Röcke von weniger auffallenden Schnitte machen zu lassen, ja ihm sogar einen neuen Hut anzuschaffen! Doch gingen seine Bemühungen noch weiter. Eines Abends, als er mit Murat, der Königin Hortense und seiner Nichte, der Prinzessin Stephanie, beisammen war, fragte ihm die Letztere boshafter Weise, ob er walzen könne.

 

»In der Tat,« erwiderte Napoleon I., »ich habe es nie bis zur zweiten Lektion bringen können, weil mich allemal, wenn ich mich zwei oder dreimal herumgedreht hatte, ein solcher Schwindel befiel, das ich nicht weiter konnte. Doch was soll die Frage?«

»Es ist schlimm, das Eure Majestät nicht walzen können,« meinte die Prinzessin, »Die deutschen Damen sind wahrhaft versessen auf diesen Tanz, und da die Kaiserin ganz gewiss den Geschmack ihrer Landsmänninnen teilt und keinen anderen Tänzer als Eure Majestät haben kann, so wird sie eines großen Vergnügens entbehren müssen.«

»Mein Gott, Stephanie. Sie haben Recht!« erwiderte Napoleon I. »freilich müsste ich walzen können! Sie können mir übrigens ja alle Tage eine Stunde geben. Kommen Sie her, lassen Sie uns gleich anfangen, damit Sie sehen, wie ich mich dazu anstelle.«

Der Kaiser steht auf, umfasst seine Nichte und dreht sich einige Male mit ihr um, indem er den berühmten »Luisenwalzer« dazu summt. Aber kaum hat er ziemlich umgeschickt zwei oder drei Touren durch den Saal gemacht, als ihm schwindelt und er sich um nicht zu fallen, an eine Konsole lehnen muss.

Mit dem Tanzen lernen war es nichts.

Letzte Änderung der Seite: 29. 10. 2017 - 02:10