EPOCHE NAPOLEON


von der Bastille bis Waterloo

Der Phoenix

An meinen Freund J.G. Jacobi

Der Phönix lag auf seinem Sterbebette
Von Myrrhen, Aloes und Zimmetreis.
Minervens Kauz, ein Denker wie man weiß,
Erspähte die geweihte Stätte
Und sprach zum Einzigen: so glaubst du, blöder Greis,
Daß, hat die Glut zu Asche dich verzehret,
Dein Ich verneut ins Leben wiederkehret?
Der Phönix schwieg. Der Kauz fuhr fort, erkläre mir,
Was gründet deinen Wahn von einem andern Leben?
Ich fordre stets Beweis. Den kann ich dir,
Versetzt der Phönix, wohl nicht geben;
Denn was man fühlt, beweist sich nicht;
Und ein Gefühl, das laut wie ein Orakel spricht,
Sagt mir, ich werde nicht vergehen.
Hier stecket er mit heitrer Zuversicht
Den Holzstoß an und ruft: auf Wiedersehen!

Der Phönix, lieber Freund, philosophierte schlecht,
Allein er wußte froh zu sterben,
Und wer nicht fühlt wie er, hat wie mich dünkt kein Recht,
Ihm seine Freude zu verderben

Letzte Änderung der Seite: 27. 03. 2017 - 22:03