EPOCHE NAPOLEON


von der Bastille bis Waterloo

Friedrich Schiller an Elisabetha Margaretha Stoll

vom 21.04.1772

Ludwigsburg d. 21. April [Dienstag] 1772.

     Wohlgebohrne Frau
Insonders hochzuEhrenste theuriste Frau Pathin!

Da ich durch Gottes Gnade in Erkenntniß unserer selig machenden Religion nunmehro soweit gekommen, daß ich bis nächsten Sonntag Quasimodogeniti mein Glaubens Bekänntniß öffentlich ablegen – und den Bund meiner Tauffe aus eigenem Munde mit Gott bekräfftigen solle: so ist es meine Pflicht, Euer Wohlgebohren hievon die gehorsamste Anzeige zu machen, und Ihnen zugleich sowohl für die Liebe der ehmals gütig übernommenen Pathin-Stelle, als auch für alle mir seithero erwiesene Wohlthaten den verbindlichsten Dank abzustatten. Hören sie nicht auf, Theuriste Frau Pathin! mir und denen Meinigen fernerhin Dero Gewogenheit zu schenken, und besonders bitte ich Sie, mich bey der bevorstehenden Confirmations-Handlung in Ihr Gebet einzuschließen, daß mich Gott durch seine Gnade und guten Geist stärken wolle, damit ich diejenige Pflicht, die ich nun selbst übernehme mit allem Fleiß erfüllen – und zum Wohlgefallen Gottes; meiner Eltern; Pathen und Anverwandten; im Guten je mehr und mehr zunehmen möge. Ich meineswenigen Orts werde niemals ermanglen mich dahin zu bestreben, daß ich Euer Wohlgebohren fernern hohen Gewogenheit würdig werden möge, unterdessen aber will ich Gott bitten, daß er Ihnen alle Liebe und Freundschafft die sie mir und den meinigen so vielfältig erweisen, mit vollem Seegen belohnen wolle. Meine Eltern und Geschwistrigte empfehlen sich mit mir gehorsamst, und ich bin lebenslang in der vollkommensten VerEhrung

Euer Wohlgebohren

Unterthäniger Diener
Johann Christoph Friderich
Schiller.

[Adresse:]
a Madame Madame la Capitaine
Stoll, nèe Sommer
à
Louisbourg.

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