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title: "Der trübe Nebel ist zerflossen | EPOCHE NAPOLEON"
url: "https://www.epoche-napoleon.net/werk/r/runge/gedichte/02.html"
description: Das Gedicht »Der trübe Nebel ist zerflossen« aus der Feder des Malers und Märchenerzählers Philipp Otto Runge.
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author: Michael Gnessner
date: 2022-11-07
modified: 2026-08-28
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# Der trübe Nebel ist zerflossen | EPOCHE NAPOLEON

Der trübe Nebel ist zerflossen
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Der trübe Nebel ist zerflossen,
 der Sonne Schein ist ausgegossen
 über das grüne Land.
 Die kleinen Blumen sind entsprossen,
 die muntern Vögel, ihre Genossen,
 grüßen mich so bekannt
 und rufen mich jauchzend hin zum Wald.
 O ja, ich komme bald!
 Wer möchte wohl nicht in der Gesellschaft sein
 unter Blumen, im Walde, bei den kleinen Vögelein?
 Mich dünkt, ich bin schon hier gewesen,
 wo ich die kleinen Blumen seh;
 sie stehn doch hier wie auserlesen
 und mir wird innerlich nach ihnen weh.
 Ich kann nicht wieder von hier gehn,
 ists doch so lebendig und so lustig hier!
 Die Vöglein singen in dem Wald:
 Könnte das doch ein Mensch verstehn.
 und wär der bei mir!
 Wies so gewaltig widerhallt!
 Wenn ich steh
 und niederseh,
 alles ist so lebendig und so mannigfalt.
 Im Herzen brennt es mir so sehr,
 ich gäbe mein Herzblut, daß ich nicht so alleine wär,
 und verstände das fröhliche Leben um mich her!
 Alle Würmchen begrüßen sich
 und gehn fleißig umher;
 die Schmetterlinge erlustigen sich
 und freuen sich so sehr.
 Und ich alleine
 stehe, gehe, sehe
 und verstehe
 nichts von allen:
 wie die Stimmen schallen,
 wie die Blumen blühen,
 Schmetterlinge ziehen,
 wie die Würmlein spielen
 und in Blümen wühlen,
 in die Blumen sinken
 die so lieblich winken
 nichts versteh ich um mich her,
 das betrübt mich sehr,
 und doch, wie ich hier stehe so ganz allein,
 möcht ich immerfort in dieser Gesellschaft sein.