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title: "An meine Leyer | EPOCHE NAPOLEON"
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description: »An meine Leyer« ist ein Gedicht aus der Feder der Schriftstellerin und Pädagogin Caroline Ruodlphi (1753-1811).
author: Michael Gnessner
date: 2014-01-02
modified: 2024-12-23
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# An meine Leyer | EPOCHE NAPOLEON

An meine Leyer
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Du, die mit holdem Spiele
 Mich zu ergötzen liebt;
 Die innigsten Gefühle
 Des Herzens wiedergiebt,

 Belebt von deinem Feuer,
 Das in den Adern glüht,
 Sing' ich, geliebte Leyer,
 Dir heut ein kleines Lied.

 Vor allem, was mir Gutes
 Der Himmel je beschert;
 Ich sag' es freyen Muthes,
 Bist du mir lieb und werth.

 Als noch in meinem Busen
 Der Dichterfunke schlief,
 Und noch nicht zu den Musen
 Mein Führer Kleist mich rief,

 Als ich noch gern im Kreise
 Mit kleinen Bübchen sprang,
 Und nach der Kinder Weise
 Manch lustig Liedchen sang.

 Schon da fühlt' ich im Blute,
 Ich wußte selbst nicht was?
 Daß ich vor frohem Muthe
 Oft all mein Spiel vergaß.

 Oft schlich ich in den Garten,
 Und wußte nicht warum?
 Als wollt' ich wen erwarten,
 Dann kehrt' ich traurig um;

 Ich fühlte, daß mir's fehlte,
 Und wußte doch nicht, wo?
 Und welches Spiel ich wählte,
 Ich ward nicht wieder froh.

 Auch hab' ich oft im Haine
 Dem Monde nachgeschaut;
 Oft lauscht' ich da alleine
 Mit jedem Baum vertraut.

 Oft in dem frühsten Lenze
 Flog ich hinaus ins Thal,
 Und wand die ersten Kränze
 Und macht' ein kleines Mahl,

 Und lud zum kleinen Mahle
 Amynt und Galathee,
 Zu tanzen in dem Thale
 Mit ihrer Lalage.

 Und dann, beym Fest der Trauben,
 Dann war ich froh bemüht,
 Zu flechten kleine Lauben,
 Und sann auf Spiel und Lied.

 Doch Spiel und Lied und Tänze,
 Und alles schwand mir bald;
 Ich hieng die besten Kränze
 Am Eichbaum in den Wald;

 Da hört' ich, wenn die Schwüle
 Des Tages sich verlor,
 Mit Flöt' und Saitenspiele
 Der deutschen Barden Chor.

 Des Frühlings Rückkehr feyern,
 Der Liebe Lust und Schmerz;
 Doch eine von den Leyern
 Gewann mein ganzes Herz.

 Oft lockte mich die Schöne
 Des Abends in den Wald;
 Da hab' ich ihre Töne
 Ganze leise nachgelallt,

 Bis einst im stillen Thale,
 Da schon die Schöpfung schwieg,
 Gehüllt im Abendstrale,
 Die Muse niederstieg,

 Und in dem Rosenschleyer
 Vertraulich zu mir kam,
 Und ich dich, liebe Leyer,
 Aus ihren Händen nahm.

 Vor allem, was mir Gutes
 Der Himmel je gewährt,
 Ich sag' es freyen Muthes,
 Bist du mir lieb und werth.

 Seit ich den Strom der Wonne
 Dir wiedergeben kann,
 Seitdem lacht mich die Sonne
 Noch eins so golden an;

 Seitdem schleich' ich verschwiegen
 Auf meine stille Flur,
 Und trink' in vollen Zügen
 Den Becher der Natur.

 Seitdem reizt mich nicht Kaiser
 Und König nicht zum Neid. - -
 Den neid' ich nur, der weiser
 Sich seines Lebens freut.

 Was sollt' ich mit viel Schätzen,
 Sollt' ich ihr Hüter seyn? - -
 Ist nicht, mich zu ergötzen,
 Die ganze Schöpfung mein?