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title: "An mein Herz Herz | EPOCHE NAPOLEON"
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description: »An mein Herz« ist ein Gedicht des Goethefreundes und deutsch-baltischen Schriftstellers Jakob Michael Reinhold Lenz (1751-1792), der der Epoche des Sturm und Drangs entstammte.
author: Michael Gnessner
date: 2014-03-20
modified: 2024-12-23
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# An mein Herz Herz | EPOCHE NAPOLEON

An mein Herz
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Kleines Ding, mit Müh' und Leiden
 Hier in dieser Brust gepfleget,
 Herz! wenn sich dein Sturm nicht leget,
 Herz! wo sind denn deine Freuden?

 Deine Schläge! wie so selten
 Mischt sich Lust in sie hinein!
 Und wie schnell sind sie, mit Pein
 Jede Lust mir zu vergelten!

 Phyllis! ach nur Augenblicke
 Lacht, was jeden Unmut stillt,
 Lächelt dein geliebtes Bild
 Es von ew'gem Gram zurücke.

 Ganz verwandelt, neu geboren
 Fühl' ich dann mich, Göttern gleich:
 Und die Welt ein Himmelreich,
 Das du dir zum Sitz erkoren.

 Ja, ein Blick von dir zerteilet
 Der Verzweiflung Nacht in mir,
 Dass mit Riesenschritt zu dir
 Meine Hoffnung siegreich eilet.

 Alles sind mir deine Augen
 Was der Erde Sonnenschein,
 Wo die Trauben ihren Wein,
 Die Geschöpfe Leben saugen.

 Könnt' ich dir zu fühlen geben
 All die Wohltat deines Blicks!
 Schöpfer meines ganzen Glücks,
 Spricht er über Tod und Leben.

 Aber Angst und Furcht und Schrecken
 Überfallt im höchsten Wohl
 Mich auf einmal: Phyllis! soll
 Diesen Blick einst Nacht bedecken?

 Sollen diese Zaubermienen,
 Wo der Liebe ganze Macht
 Mir das Herz hinweg gelacht,
 Einst dem trüben Unmut dienen?

 Dieser Busen, der mir Triebe
 Banger Lust entgegen schwoll,
 Soll er schwinden? Himmel! soll
 Ihn kein Wunsch empören, Liebe?

 Phyllis, soll sogar dein Feuer
 Und dein schöner Witz dich fliehn?
 Ungetreue – sieh mich knien,
 Dennoch bleibst du, bleibst mir teuer.

 Fährt dein Herz nun fort zu schlagen,
 Für das Herz, das dich verehrt,
 Dem du diese Glut gelehrt,
 Sie bis in sein Grab zu tragen.

 Ach ich will dich mit Entzücken,
 Wenn dein Herz nur fühlbar ist,
 Selbst wenn du es nicht mehr bist,
 An des Greisen Schneebrust drücken.

 Auf verwelkten Lippen schweben
 Unsre Seelen noch vereint,
 Wenn das Auge nicht mehr weint,
 Soll es doch zu weinen streben.

 Zitternd falten wir die Hände
 Ineinander, halb vertaubt,
 Stützen wir noch Haupt an Haupt
 Und erwarten so das Ende.