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title: "Bergmannsleben | EPOCHE NAPOLEON"
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description: »Bergmannsleben« ist ein Gedicht aus dem Gedichtband »Knospen« des Dresdener Dichters Karl Theodor Körner (1791-1813), der in den Befreiungskriegen gefallen ist.
author: Michael Gnessner
date: 2014-01-31
modified: 2026-08-28
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# Bergmannsleben | EPOCHE NAPOLEON

Knospen
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###  Bergmannsleben

In das ew'ge Dunkel nieder
 Steigt der Knappe, der Gebieter
 Einer unterird'schen Welt.
 Er, der stillen Nacht Gefährte,
 Atmet tief im Schoß der Erde,
 Den kein Himmelslicht erhellt.
 Neu erzeugt mit jedem Morgen
 Geht die Sonne ihren Lauf.
 Ungestört ertönt der Berge
 Uralt Zauberwort: »Glück auf!«
 Da umschwebt uns heil'ges Schweigen,
 Und aus blauen Flammen steigen
 Geister in die grause Nacht.
 Doch ihr eignes Tun verschwindet;
 Fester sind sie uns verbündet,
 Bauen uns den düstern Schacht.
 Nimmer können sie uns zwingen,
 Und sie hält ein ew'ger Bann:
 Wir bekämpfen alle Mächte
 Durch der Mutter Talisman.

 Auch die lieblichen Najaden,
 Die im reinen Quell sich baden,
 Stürzen hilfreich in die Gruft,
 Mit den zauberischen Händen
 Das gewalt'ge Rad zu wenden,
 Und es rauscht in ferner Kluft.
 Selbst Vulkan, der Eisenbänd'ger,
 Reicht uns seine Götterhand,
 Und durch seines Armes Stärke
 Zwingen wir das Mutterland.

 Auch mit Proserpinens Gatten,
 Mit dem schwarzen Fürst der Schatten,
 Flechten wir den ew'gen Bund,
 Und er läßt auf schwankem Steige
 Eingehn uns in seine Reiche,
 In des Todes grausen Schlund.
 Doch der Weg ist uns geöffnet
 Wieder auf zum goldnen Licht,
 Und wir steigen aus der Tiefe,
 Denn der Gott behält uns nicht.

 Durch des Stollen weite Länge,
 Durch das Labyrinth der Gänge
 Wandern wir den sichern Weg.
 Über nie erforschte Gründe,
 Über dunkle Höllenschlünde
 Leitet schwankend uns der Steg.
 Ohne Grauen, ohne Zaudern
 Dringen wir in's düstre Reich,
 Führen auf metallne Wände
 Jauchzend den gewalt'gen Streich.

Unter unsers Hammers Schlägen
 Quillt der Erde reicher Segen
 Aus der Felsenkluft hervor.
 Was wir in dem Schacht gewonnen,
 Steigt zum reinen Glanz der Sonnen
 Zu des Tages Licht empor.
 Herrlich lohnt sich unser Streben,
 Bringet eine goldne Welt
 Und des Demants Pracht zu Tage,
 Die in finstrer Tiefe schwellt.

In der Erde dunklem Schoße
 Blühen uns die schönsten Lose,
 Strahlet uns ein göttlich Licht.
 Einst durch düstre Felsenspalten
 Wird es seinen Sitz entfalten;
 Aber wir erblinden nicht.
 Wie wir treu der Mutter bleiben,
 Lebend in dem düstern Schacht,
 Hüllt uns in der Mutter Schleier
 Einst die ewig lange Nacht.