---
title: "Nach einem alten Liede | EPOCHE NAPOLEON"
url: "https://www.epoche-napoleon.net/werk/j/jacobi/gedichte/alten-liede.html"
description: Das Gedicht »Nach einem alten Liede« wurde vom Philosophen Johann Georg Jacobi (1740-1814) niedergeschrieben.
author: Michael Gnessner
date: 2015-07-04
modified: 2026-08-28
---

# Nach einem alten Liede | EPOCHE NAPOLEON

Nach einem alten Liede
========================

 Sagt, wo sind die Veilchen hin,
Die so freudig glänzten,
Und der Blumen-Königinn
Ihren Weg bekränzten?
 »Jüngling, ach! der Lenz entflieht:
 »Diese Veilchen sind verblüht.«

 Sagt, wo sind die Rosen hin,
Die wir singend pflückten,
Als sich Hirt' und Schäferinn
Hut und Busen schmückten?
 »Mädchen, ach! der Sommer flieht:
 »Diese Rosen sind verblüht.«

 Führe denn zum Bächlein mich,
Das die Veilchen tränkte,
Das mit leisem Murmeln sich
In die Thäler senkte.
 »Luft und Sonne glühten sehr:
 »Jenes Bächlein ist nicht mehr.«

 Bringe denn zur Laube mich,
Wo die Rosen standen,
Wo in treuer Liebe sich
Hirt’ und Mädchen fanden.
 »Wind und Hagel stürmten sehr:
 »Jene Laube grünt nicht mehr.«

 Sagt, wo ist das Mädchen hin,
Das, weil ich’s erblickte,
Sich mit demuthvollem Sinn
Zu den Veilchen bückte?
 »Jüngling! Alle Schönheit flieht:
 »Auch das Mädchen ist verblüht.«

 Sagt, wo ist der Sänger hin,
Der auf bunten Wiesen
Veilchen, Ros’ und Schäferinn,
Laub und Bach gepriesen?
 »Mädchen, unser Leben flieht:
 »Auch der Sänger ist verblüht.«